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Hon. Emma Theofelus, Deputy Minister of Information and Communication Technology, Namibia

Vortrag von Emma Theofelus, stellvertretende Ministerin für Informations- und Kommunikationstechnologie in Namibia, am internationalen Symposium über soziale Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter in Berlin, Deutschland.
 

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Emma Theofelus ist stellvertretende Ministerin für Informations- und Kommunikationstechnologie in Namibia. Am 14. September führte sie aus, wie das Land im Südwesten Afrikas seine junge Bevölkerung in die digitale Welt einbezieht.

„Wir erwägen, einen Thinktank für junge Menschen zu schaffen, mit Blick auf die Tatsache, das die Mehrheit unserer Bevölkerung junge Menschen sind. Sie sollen prägen, wie die Zukunft der vierten industriellen Revolution in unserem Land aussehen soll“, sagte Theofelus.

„Wir haben kürzlich offene Stellen ausgeschrieben für junge Menschen, damit sie sich an einem Ausschuss für elektronische Informationssysteme beteiligen, der dem Ministerium als Beratungsgremium dienen soll [...] in Bezug auf die zukünftige Gesetzgebung, die das Land mit elektronischen Systemen beliefern soll.“ 

Sie bemerkte, gewisse Bereiche könnten anhand von künstlicher Intelligenz automatisiert werden, doch liege die wahre Identität beim Menschen, der das System zuvor programmiere.
 

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Goran Buldioski, director of the Berlin Office of the Open Society Foundation

Goran Buldioski, Direktor des Berliner Sitzes der Open Society Foundation, spricht am 14. September auf dem internationalen Symposium über soziale Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter.
 

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Das Symposium vom 13. bis 15. September wird gemeinsam vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und vom Weltverein für christliche Kommunikation organisiert. Zu den Mitorganisatoren gehören ebenfalls Brot für die Welt, die Evangelische Kirche in Deutschland, die Evangelische Mission Weltweit in Deutschland und der Christliche Studentenweltbund.

Die Teilnehmenden wurden gefragt, was sie von den gegenwärtigen Onlinesystemen hielten, die weitgehend von Algorithmen großer Medienplattformen gesteuert werden, und wie sie die Rechenschaftspflicht in diesem Kontext einschätzten. Die Frage nach den Algorithmen tauchte mehrmals auf. Es wurde bemerkt, dass der Hauptredner, Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Bischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, diese Frage bereits am Vortag angesprochen habe.

Goran Buldioski, Direktor des Berliner Sitzes der Open Society Foundation, sagte, die Technologieunternehmen hätten in den letzten zwei Jahrzehnten bei Entscheidungen in vielen Aspekten der Funktion des digitalen öffentlichen Raumes und der Regierungsführung im Technologiebereich weitgehend freie Hand gehabt. 

Die Unternehmen hätten derartige Entscheidungen ohne spezifische Verantwortung gegenüber demokratisch gewählten Führungspersonen getroffen. Bedenken im Zusammenhang mit den Gefahren, die die digitale Macht für den öffentlichen Bereich und das Funktionieren von liberalen Demokratien mit sich bringt, häufen sich seit Beginn der Pandemie.

Die Macht von Facebook und Google
„Plattformen wie Facebook und Google üben ebenso viel – oder gar mehr – Macht über unser öffentliches Leben aus, wie viele Nationalstaaten. Doch sind sie nicht wirklich rechenschaftspflichtig“, sagte Buldioski. „Sie sind die neuen Betriebssysteme der Gesellschaft, profitieren von aufgebauschten, reißerischen Inhalten, untergraben Wahlen durch undurchsichtiges Mikrotargeting von Hassbotschaften und höhlen legitime Nachrichtenquellen aus, die für eine gut informierte Bürgerschaft wichtig sind.“

Weiter sagte er: „Es braucht gezielte weltweite Maßnahmen, um die Macht von Plattformen zu gestalten und zu regeln. Dazu gehören auch diejenigen, die die höchsten Risiken mit sich bringen. Es ist daher grundlegend, dass ein Rahmen für die Regelung von Plattformen erarbeitet wird, in Übereinstimmung mit den wichtigsten demokratischen Grundlagen. Aus einer menschzentrierten Perspektive heraus ist das wirkliche und entscheidende Rennen der Wettlauf darum, wer die Technologie, dabei die Plattformen der sozialen Medien, regieren kann, bevor es zu spät ist.“

Buldioski sagte, die Welt brauche innovative Ansätze. In gewissen Fällen, beispielsweise in der Europäischen Union, kann dies bedeuten, dass neue Gesetze geschrieben werden, wie das im Moment mit der Verhandlung des Gesetzes über digitale Märkte gemacht wird, um mächtige Plattformen wieder der demokratischen Kontrolle zu unterwerfen. Dies würde dazu beitragen, in wichtigen digitalen Märkten Wettbewerbsfähigkeit zu schaffen und den Weg zu ebnen für eine digitale Infrastruktur, die die Rechte von Einzelpersonen und Gemeinschaften besser respektiert und stärkt.
 

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Frederike van Oorschot, Protestant Institute for Interdisciplinary Research

 Frederike van Oorschot des Instituts für interdisziplinäre Forschung in Heidelberg, Deutschland, sprach auf dem Symposium über soziale Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter.

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Frederike van Oorschot, Institut für interdisziplinäre Forschung, wurde im Gespräch gefragt und sagte: „Was wir tun, ist eine Art theologische Bemühung, die von der wissenschaftlichen und der kirchlichen Theologie kommt und beide zusammenbringt. Wir nutzen bestehende Plattformen stets, um auf unsere aufmerksam zu machen.“

Internationales Symposium „Kommunikation für soziale Gerechtigkeit im digitalen Zeitalter“
Das Symposium live mitverfolgen
Fotogalerie des Symposiums
Sollten die Kirchen Unwahrheiten stärker widersprechen? Ja, sagen Menschen, die sich über digitale Gerechtigkeit Gedanken machen (ÖRK-Pressemitteilung vom 14. September 2021, auf Englisch)
Wer kontrolliert in der gegenwärtigen Medienlandschaft den öffentlichen Bereich? (ÖRK-Pressemitteilung vom 14. September 2021, auf Englisch)