World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Sie sind hier: Startseite / Pressezentrum / Nachrichten / Kampagne „Donnerstags in Schwarz“ erneuert Bemühungen für Ende von Vergewaltigungen und Gewalt

Kampagne „Donnerstags in Schwarz“ erneuert Bemühungen für Ende von Vergewaltigungen und Gewalt

Kampagne „Donnerstags in Schwarz“ erneuert Bemühungen für Ende von Vergewaltigungen und Gewalt

Foto: Albin Hillert/ÖRK

19. Juni 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 21. Juni 2018

Die #MeToo-Kampagne mag in den sozialen Netzwerken in den vergangenen Monaten sehr präsent gewesen sein, der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) aber erhebt schon seit Jahrzehnten seine Stimme gegen sexuellen Missbrauch und andere Formen von Gewalt gegen Frauen.

Nun erneuert der ÖRK seine Kampagne „Donnerstags in Schwarz“ und fordert Frauen und Männer auf, sich der Bewegung anzuschließen und sich gegen eine Kultur zu erheben, die Vergewaltigungen und sexuelle Gewalt zulässt.

Ursprünglich war die Kampagne von bestehenden Frauengruppen wie den argentinischen „Müttern der Plaza de Mayo“ inspiriert worden, die jeden Donnerstag vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires protestierten und Auskunft darüber forderten, was mit ihren Kindern geschehen war, die in der Zeit der früheren Militärdiktatur „verschwunden“ waren.

Oder den Gruppen von schwarz gekleideten Frauen, die mit stillen Protesten in Israel und Palästina anfingen und sich später auch in anderen konfliktgebeutelten Ländern wie Ruanda während des Völkermords und Bosnien während des Balkankrieges ausbreiteten.

Oder sogar noch vor allen die Black Sash-Bewegung (schwarze Schärpe) von weißen Frauen in Südafrika, die gegen die Anwendung von Gewalt im Apartheid-Regime protestierte.

In den 1990er Jahren hatte der ÖRK eine Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ organisiert und damit die Bemühungen all jener hervorgehoben, die Widerstand leisten gegen allen Formen von geschlechtsbezogener Gewalt, einschließlich der Nutzung von Vergewaltigung als Kriegswaffe.

Mary Ann Swenson ist Stellvertretende Vorsitzende des ÖRK-Zentralausschusses und Bischöfin der US-amerikanischen Evangelisch-Methodistischen Kirche. Sie betreut die Region Hollywood, von wo jüngst die #MeToo-Bewegung ausging.

Swenson sagt, das Tragen von schwarzer Kleidung an jedem Donnerstag und das Weitergeben von Geschichten über den Widerstand und die Widerstandskraft von Frauen sei ein wichtiger Teil des Kampfes gegen eine Kultur, die Vergewaltigungen und Gewalt zulasse. „Es ist ein Schritt in Richtung Frieden auf unserem Pilgerweg hin zu Frieden und Gerechtigkeit“, erklärt sie mit Blick auf die Initiative, die während der letzten ÖRK-Vollversammlung in Südkorea 2013 entstanden ist.

Swenson betont, in den vergangenen 70 Jahren habe es viele inspirierende Frauengegeben, die Widerstand geleistet und ihre Stimme zu diesem Thema erhoben haben, auch wenn einige von ihnen selbst auch an Orten, an denen der ÖRK Tagungen abgehalten hat, Zielscheiben wurden.

Sie ist überzeugt, dass auch die Haltungen und Einstellungen in christlichen Kirchen in der Vergangenheit zu dem Problem beigetragen haben, weil sie es zugelassen hätten, dass einige Menschen „die Bibel dazu nutzen, Frauen wie ihr Eigentum zu behandeln“.

Aber sie fügt hinzu, dass die Veränderungen in den Einstellungen und Haltungen in allen Glaubensgemeinschaften ermutigend seien. Sie habe kürzliche in Los Angeles an einer interreligiösen Begegnung von muslimischen, jüdischen, buddhistischen, Bahai, Sikh und christlichen Frauen und Männern teilgenommen, die ihre Stimme gegen Gewalt erheben und sich dafür einsetzen, dass junge Männer dabei unterstützt werden, mit mehr Respekt für Frauen aufzuwachsen.

Bischöfin Swenson erklärt, dass zwar viele Frauen in Hollywood und darüber hinaus Gewalt lautstark anprangerten, der ÖRK aber weiterhin auch für die Frauen einstehe, die in Armut leben und keine Stimme auf der internationalen Bühne hätten. Sie berichtet, dass sie „herzzerreißende Geschichten“ von Frauen gehört habe, die geprügelt wurden, weil sie zur Schule gehen wollten, oder von Frauen, die vergewaltigt wurden und trotzdem in der Lage waren, ihre Geschichten zu erzählen, um anderen bei der Bewältigung der eigenen Erfahrungen zu helfen.

Gewalt könne Frauen in allen sozioökonomischen Lagen widerfahren, sagt Swenson abschließend, daher sei es für uns alle sehr wichtig, gemeinsam daran zu arbeiten, „wie wir uns schützen können, wie wir in Gemeinschaft miteinander bleiben können, wie wir Möglichkeiten und Wege finden können, zum Aufbau einer Welt beizutragen, die auch für Frauen ein sicherer Ort ist“.

*Philippa Hitchen ist Journalistin im Vatikan.

 

Hören Sie das Interview mit Bischöfin Mary Ann Swenson

Weitere Informationen über die Kampagne „Donnerstags in Schwarz“

Pilgergebete für Frauen in Konfliktsituationen (in englischer Sprache)