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Frischer Wind in Afrikas größter ökumenischer Organisation

Frischer Wind in Afrikas größter ökumenischer Organisation

Pastor Dr. Fidon Mwombeki, AACC-Generalsekretär. Foto: Gregg Brekke

26. Juni 2019

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 27. Juni 2019

* Von Fredrick Nzwili

In der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz herrscht Aufbruchstimmung, denn die afrikanische ökumenische Organisation beginnt ihren neuen Fünfjahres-Strategieplan umzusetzen.

In einer ambitionierten, aus sechs Säulen bestehenden Roadmap hat diese Gruppierung aus protestantischen, anglikanischen, orthodoxen und indigenen Kirchen komplett neue Arbeitsfelder für sich entdeckt und investiert damit neue Energie in bestehende Programme. Zentrale Punkte der Strategie sind Effektivität, Effizienz und Zuverlässigkeit für die Ökumene, der es besonders um die Erfüllung ihrer prophetischen Mission geht.

„Es handelt sich hier im Grunde um eine Neuformulierung der meisten Programmziele, die bereits vorhanden sind, aber mit einigen neuen Impulsen aus unserer Vollversammlung. So wollen wir zum Beispiel, dass sich die AACC und ihre Mitglieder näherkommen“, sagt Pastor Dr. Fidon Mwombeki, Generalsekretär der Organisation.

Im Januar dieses Jahres hat Mwombeki, ordinierter Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania, das Amt des Generalsekretärs übernommen. Vor seiner Wahl hatte Mwombeki den Posten des Direktors der Abteilung des Lutherischen Weltbundes für Mission und Entwicklung.

Blick nach vorne

In den nächsten fünf Jahren wird der 59 Jahre alte Geistliche die Gemeinschaft mit ihren 193 Mitgliedern, darunter Kirchen, nationale Kirchenräte, theologische Ausbildungs- und Laienschulungszentren und andere christliche Organisationen in 42 afrikanischen Ländern, als Generalsekretär leiten. Die in Nairobi beheimatete Organisation repräsentiert etwa 140 Millionen Christinnen und Christen in Afrika.

Nach Aussage von Mwombeki wird die Strategie für die Jahre 2019–2023 bereits in Teilbereichen umgesetzt, besonders in Form von Aktivitäten im Bildungsbereich.

„Es war das erste Mal, dass hier AACC-Aktivitäten durchgeführt wurden. Die Menschen haben konkret erfahren, was wir leisten“, sagt Mwombeki.

Die Strategie beruht auf sechs Säulen – vier davon sind programmatischer Natur, die beiden anderen beziehen sich auf die organisatorische Arbeit. Theologie, interreligiöse Beziehungen und Entwicklung kirchlicher Führung, Genderfragen, Frauen und junge Erwachsene, Frieden, Diakonie und Entwicklung und Advocacy-Arbeit bei der Afrikanischen Union sind wichtige Bestandteile der Programmarbeit. Zum organisatorischen Schwerpunkt gehören Governance, Mitgliedschaftsfragen, Entwicklungs- und Netzwerkarbeit und effektives Management und Nachhaltigkeit.

Neu fokussiert

Was all die neuen Themen angehe, so Mwombeki, so habe man sich bereits früher damit befasst, aber in den vergangenen fünf Jahren seien sie etwas aus dem Fokus geraten. Im einzelnen benannte er Wirtschaftsgerechtigkeit und Migration.

„Migration war schon irgendwie präsent, stand aber nicht im Mittelpunkt unserer Arbeit ... In der aktuellen Situation ist Migration aber inzwischen zu einem alltäglichen Thema in Afrika geworden“, sagt Mwombeki.

Die Arbeit zu Fragen wie Frauen, junge Erwachsene und Genderthemen, wie sie ursprünglich im Rahmen des Familien- und Genderreferats behandelt wurden, wurde jetzt neu organisiert und spezifischen Bereichen zugeordnet.

„Zurzeit findet sehr viel Kapazitätsaufbau besonders für Frauen statt, und dabei haben wir es etwas vernachlässigt, auch Männern die Fähigkeit zu vermitteln, sich von ihrem männlichen Überlegenheitskomplex, ihrem Chauvinismus und ihrem negativen Männerbild zu befreien“, sagt Mwombeki. Außerdem, so fügt er hinzu, dürfe man nicht vergessen, dass es neben der Genderfrage auch noch andere frauenspezifische Themen gebe.

Vor kurzem hat die Gesamtafrikanische Kirchenkonferenz eine Kampagne für die Rechte von Witwen im Rahmen frauenspezifischer Themen gestartet.

„Wir möchten unsere Kirchen daran erinnern, dass sie die Witwen nicht vergessen dürfen. Das gilt besondere für Afrika, denn dort sind ihre Rechte sehr gefährdet. Die Kirchen müssen hier eine wichtigere, proaktive Rolle übernehmen. Das ist neu in der Gesamtafrikanischen Kirchenkonferenz und gehört auch zu unserer Strategie“, sagt er.

Da die Auswirkungen des Klimawandels weiterhin besonders in Afrika spürbar werden, legt die Gesamtafrikanische Kirchenkonferenz, so erklärt es Mwombeki, besonderen Wert auf die Strategie, junge Erwachsene auf das Thema Klimagerechtigkeit einzuschwören.

„Junge Menschen sind global sehr aktiv, denn sie sagen, ihr alten Männer zerstört die Welt, in der wir leben wollen. Sie haben ihren eigenen Fokus. Darauf wollen wir verstärkt abzielen“, sagt er.

Immer noch im Kontext der jungen Generation plant die Organisation eine Kampagne mit der Bezeichnung „Afrika, meine Heimat, meine Zukunft“ als Teil des Programms Youth African Patriotism. Die Kampagne soll jungen Menschen ein Lebensgefühl vermitteln, wie es nach Aussage von Mwombeki auch die afrikanischen Freiheitskämpfenden hatten, die in sehr jungen Jahren den Kampf für ihre Freiheit aufnahmen. Der Höhepunkt der Aktivitäten für junge Erwachsene wird ein afrikanischer Jugendkongress sein, an dem ca. 10.000 Menschen teilnehmen werden.

„Dieser Kongress wird irgendwo in Afrika stattfinden und sich thematisch mit unserem Kontinent auseinandersetzen. Die Delegierten werden Reden hören, sich gegenseitig inspirieren und in Erfahrung bringen, was junge Menschen aus anderen afrikanischen Ländern machen. Es gibt Ausstellungen, Debatten, Essays, Kunstwettbewerbe, Sportveranstaltungen ... einfach alles“, sagt er.

In diesem radikalen Paradigmenwechsel werden sich Diakonie und Entwicklung auch mit Fragen einer nachhaltigen Bevölkerung auf dem Kontinent befassen.

Kinderrechte

„Ich bin davon überzeugt, dass wir nicht zu viele Kinder haben sollten und können, denn wir wissen, was Kinder bedeuten...“, sagt Mwombeki in einem leidenschaftlichen Aufruf.  „Sie haben einen halben Hektar Land und 20 Kinder, also was erwarten Sie für diese Kinder?  Wie sollen sie zur Schule gehen, wie wollen Sie sie ernähren?

Dann geht das Wehklagen los, Sie schicken die Kinder aus ihrem Haus fort, und dann laufen Sie selbst weg. Das ist unverantwortlich, und wir als Kirchen müssen verantwortungsvoll darüber reden“, hebt Mwombeki hervor.

Der Klerus will, dass die Kirchen über diese Themen in den ganz normalen Familien diskutieren, denn genau dort beginnt die Nachhaltigkeit.

Auf die Frage nach der Finanzierung dieser Strategie sagt der lutherische Pfarrer, dass die Geldmenge weltweit jedes Jahr weiter wachse, aber die eigentliche Aufgabe bestehe darin, ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Humanressourcen und der Durchführbarkeit der Programme zu finden.

„Als kirchliche Organisation ... glauben wir, dass die von uns bearbeiteten Themen wichtig genug sind, um Partnerschaften ins Leben zu rufen“, sagt er.

„Wir haben unsere eigenen Ressourcen, aber wir haben definitiv die Erwartung, unser Engagement durch Partnerschaften erweitern zu können. Wir arbeiten themenorientiert, und wir stellen bereits fest, dass Interesse an Partnerschaften signalisiert wird von mehreren Seiten ... Kirchen, Mitglieder, Stiftungen, öffentliche Institutionen, multilaterale Institutionen, die nach glaubwürdigen Partnern suchen. Wir möchten uns selbst als zuverlässige Partner präsentieren.“

Trotz einiger Herausforderungen wie begrenzter Human- und Finanzressourcen, einer sich verändernden ökumenischen Landschaft und der schieren Größe des afrikanischen Kontinents bleibt Mwombeki optimistisch und lässt sich von den seiner Meinung nach großartigen Ideen der Strategie inspirieren.

„Ich habe bereits eine Menge Engagement bei unseren Partnern gespürt. Ich bin davon überzeugt, dass ein großer Teil dieser Ideen umgesetzt wird“, sagte Mwombeki.

 

*Fredrick Nzwili ist ein freiberuflich arbeitender Journalist in Nairobi, Kenia.

Informieren Sie sich über die Gesamtafrikanische Kirchenkonferenz (AACC)