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Das Geschenk eines gemeinsamen Osterdatums - von zentraler Bedeutung für Sendung und Zeugnis in einer säkularen Gesellschaft

Im Frühjahr 2001 bat das ÖRK-Team für Öffentlichkeitsarbeit und Information namhafte Vertreter der orthodoxen sowie der römisch-katholischen Tradition und eine protestantische Vertreterin, ihre Überlegungen zu einem gemeinsamen Osterdatum in kurzen Texten zusammenzufassen. Über die Erfahrungen einer orthodoxen Minderheitskirche in einem protestantischen Land berichtet Seine Eminenz Metropolit Ambrosius von Oulu.

09. April 2001

Metropolit Ambrosius von Oulu, Orthodoxe Kirche von Finnland

Es ist Gottes grosses Geschenk an uns alle in den verschiedenen christlichen Traditionen, dass wir das Fest der Auferstehung unseres Herrn zum Beginn des dritten christlichen Jahrhunderts zusammen feiern dürfen.

In meiner Heimat erfahren Orthodoxe und Lutheraner bereits seit 1920 die Macht der Auferstehung an einem gemeinsamen Osterdatum. Damals erteilte der Ökumenische Patriarch von Konstantinopel den finnischen Orthodoxen die vorläufige Erlaubnis, dem Gregorianischen Kalender zu folgen.

Dies hat sich als grosser Segen für die kleine Minderheitskirche in diesem protestantischen Land herausgestellt. Wir sind in der Lage, ein gemeinsames Zeugnis vom Geheimnis der Auferstehung abzulegen. Das macht uns stärker. Wir haben teil an dem grossen Reichtum sowohl der östlichen als auch der westlichen theologischen und spirituellen Erkenntnisse, die unser nationales religiöses Erbe im Zusammenhang mit Ostern bietet.

Die östlich-orthodoxe liturgische Feier der Osterandacht und -liturgie, die um Mitternacht beginnt, wird vom staatlichen Rundfunk und Fernsehen übertragen. Diese Übertragung ist das beliebteste religiöse Programm des Jahres in Finnland.

Auch in anderen Massenmedien steht dieses Ereignis an prominenter Stelle. Finnische Zeitungen drucken Leitartikel über und Interviews mit Orthodoxen, die sich um die Kultur des Landes verdient gemacht haben und die berichten, wie sie persönlich Ostern feiern und was es für sie bedeutet. Sogar Rezepte von orthodoxen Hausfrauen für besondere Ostermahlzeiten werden veröffentlicht.

Dies sind nur kleinere Beispiele dafür, wie die östlich-orthodoxe Minderheit, die nur ein Prozent der Bevölkerung ausmacht, zur religiösen Kultur in Finnland beiträgt.

Vielleicht ist uns hier in Finnland tiefer als jemals zuvor gemeinsam auch bewusst geworden, dass die beiden Feste - Karfreitag und Ostern, die Macht des erlösenden, Leben spendenden Kreuzes und die herrliche Auferstehung Christi - nicht voneinander getrennt werden können. In dem orthodoxen Hymnus, der bereits beim Abendgebet am Karfreitag, im Angesicht des Leidens und Sterbens gesungen wird, erstrahlt bereits das Licht der Auferstehung: "Wir verherrlichen, was du gelitten hast, o Christ-zeige uns auch deine herrliche Auferstehung."

Wir in Finnland freuen uns darüber, dass im Augenblick ausführliche Diskussionen über ein gemeinsames Osterdatum in der ökumenischen Bewegung stattfinden und intensiv darum gebetet wird. Wir wissen auch, dass in dieser Frage Spannungen zwischen den Orthodoxen bestehen.

Unsere Erfahrung in Finnland hat uns zu der Überzeugung gebracht, dass das Geschenk eines gemeinsamen Osterdatums für unsere Sendung und unser Zeugnis in einer säkularen Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. Speziell als eine kulturelle Minderheit können es sich die Orthodoxen nicht leisten, zu einem religiösen Ghetto zu werden. Wir haben eine Rolle zu spielen und müssen unsere Berufung im Zentrum unseres gemeinsamen Lebens als Nation verwirklichen.

Ein gemeinsamer Kalender für alle Christen ist ein eminent wichtiger Teil unseres täglichen Lebens durch das ganze Kirchenjahr hindurch. Alle Kinder gehen zur selben Schule, ungeachtet ihres Glaubens und ihrer Konfession. Wichtige christliche Feste sind Feiertage für alle Finnen. Der besondere Wert unseres "finnischen Kalenders" macht sich speziell im Familienleben bemerkbar, weil die meisten Orthodoxen in konfessionsverschiedenen Ehen leben.

Es ist eine Gabe des Heiligen Geistes, dass das traditionellste östlich-orthodoxe Auferstehungslied gemeinsam von uns und unseren lutherischen Schwestern und Brüdern gesungen wird, da es vor kurzem in das Gesangbuch der finnischen Lutheraner aufgenommen worden ist: Christ ist erstanden von den Toten, im Tode bezwang er den Tod, schenkt denen, die entschlafen, ewiges Leben.

Im Frühjahr 2001 bat das ÖRK-Team für Öffentlichkeitsarbeit und Information namhafte Vertreter der orthodoxen sowie der römisch-katholischen Tradition und eine protestantische Vertreterin, ihre Überlegungen zu einem gemeinsamen Osterdatum in kurzen Texten zusammenzufassen. Über die Erfahrungen einer orthodoxen Minderheitskirche in einem protestantischen Land berichtet Seine Eminenz Metropolit Ambrosius von Oulu.