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Kirchen und UN besorgt über steigende Anzahl unterernährter Menschen trotz Fortschritten im Kampf gegen Hunger

Kirchen und UN besorgt über steigende Anzahl unterernährter Menschen trotz Fortschritten im Kampf gegen Hunger

Foto: Peter Kenny/ÖRK

23. Oktober 2019

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 25. Oktober 2019

Die Zahl unterernährter Menschen steigt wieder an, nachdem in den vergangenen Jahrzehnten weltweit große Fortschritte im Kampf gegen den Hunger gemacht wurden. Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK), seine ökumenischen Partner und die Vereinten Nationen sind zutiefst besorgt über diese Entwicklung.

Die ÖRK-Kampagne „Nahrung für das Leben“ hat mit der Unterstützung der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) und dem Welternährungsprogramm am 22. Oktober im Ökumenischen Zentrum in Genf eine interaktive Podiumsdiskussion zum Thema „Healthy Diets for a #ZeroHunger World“ (Gesunde Ernährung für eine Welt ohne Hunger) veranstaltet, das auch Thema des diesjährigen Welternährungstags war.

Neben den genannten Organisationen nahmen auch das Global Network for the Right to Food and Nutrition, das FoodFirst Informations-& Aktions-Netzwerk, die jamaikanische Regierung sowie die Internationale Union für die Erhaltung der Natur an der Veranstaltung teil.

„Wir müssen uns Gedanken darüber machen, warum 26,4 Prozent der Weltbevölkerung – also rund 2 Milliarden Menschen – trotz dem vorhandenen Überfluss an Nahrungsmitteln immer noch hungert und unter moderater oder schwerer Ernährungsunsicherheit leidet“, sagte die Stellvertretende ÖRK-Generalsekretärin, Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri, in ihrer Eröffnungsansprache.

Ungesunde Ernährung

„Eine ähnliche Anzahl Menschen in dieser Welt trinkt verunreinigtes Wasser“, berichtete sie weiter. „Wir müssen uns Gedanken darüber machen, warum wir zunehmend gefangen sind in der Kombination aus ungesunder Ernährung und einem bewegungsarmen Lebensstil, was zu Fettleibigkeit und nicht-übertragbaren Krankheiten führt.“

Carolyn Rodrigues-Birkett, die ihre berufliche Laufbahn als Lehrerin begann, später in Guyana ins Parlament gewählt wurde und dann Ministerin war und heute Direktorin der Verbindungsbüros der FAO in Genf ist, moderierte die Podiumsdiskussion. Sie merkte an, dass eine sektorübergreifende Vorgehensweise notwendig sei, um durch gesunde Ernährung den Kampf gegen den Hunger zu gewinnen.

Sie würdigte das Engagement des ÖRK für soziale Gerechtigkeit und stellte wie Phiri fest, dass „die bisherigen Fortschritte unregelmäßig gewesen sind“.

„Seit 2016 steigt die Zahl der hungernden Menschen wieder. Während die Zunahme prozentual gesehen bei 10,8 Prozent gleich blieb, ist die absolute Zahl angestiegen und es sind heute über 820 Millionen Menschen betroffen. Konflikte sind nach wie vor eines der größten Probleme im Kampf gegen den Hunger und die Mangelernährung. 2017 lebten mehr als die Hälfte der chronisch von Ernährungsunsicherheit betroffenen und mangelernährten Menschen in konfliktgebeutelten Ländern. Wobei es sich in den meisten Fällen um Konflikte innerhalb des jeweiligen Landes handelte“; erklärte Rodrigues-Birkett.

Wie andere Rednerinnen und Redner hat Phiri festgestellt: „Es ist offenkundig, dass ungesunde Ernährung und ungesunde Lebensstile oftmals nicht nur auf die Entscheidungen der Einzelnen zurückzuführen sind.“

Armut, Ungerechtigkeit, ein fehlender Zugang zu Land und Ressourcen, Konflikte, der Klimawandel, eingeschränkte Nahrungsmittelsouveränität und Selbstbestimmung hätten alle ganz direkten Einfluss darauf, ob Menschen Zugang zu gesunden Lebensmitteln hätten und einen gesunden Lebensstil pflegen würden, berichtete sie.

Dr. Manoj Kurian, Koordinator des Globalen Ökumenischen Aktionsbündnis des ÖRK, der die Podiumsdiskussion organisiert hatte, erklärte: „Um sicherstellen zu können, dass eine gesunde Ernährung zu einem Ende des Hungers in der Welt führt, müssen wir uns auf die Gesundheit und das Wohlergehen jeder einzelnen Person konzentrieren; müssen wir den Menschen in den Mittelpunkt stellen und nicht kommerzielle Interessen; müssen wir für unsere Planeten und das Wohlergehen der vielfältigen Schöpfung sorgen , die uns von Gott als Heimat geschenkt wurde.“

Gesunde Ernährung

Eine der Zielsetzungen der Podiumsdiskussion war es, die Menschen dazu zu bringen, sich Gedanken darüber zu machen, was wir essen und welche politischen Entscheidungen notwendig sind, damit eine gesunde Ernährung für alle im Einklang mit den Nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen bis 2030 verwirklicht werden kann.

Gordana Jerger, Direktorin des Büros des Welternährungsprogramms in Genf, bedankte sich, dass sie bei dieser Podiumsdiskussion des ÖRK dabei sein dürfe.

„Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln, sind wichtige Partner für uns, wenn es darum geht die hungernden und verwundbaren Menschen in der Welt zu erreichen – das gilt sowohl für internationale, aber auch für lokale Organisationen, die aus dem Glauben heraus handeln“, erklärte sie.

Das Ausmaß der Krisen sei meistens auf Konflikte zurückzuführen, sagte Jerger, „aber es gibt auch immer mehr Naturkatastrophen, die auf extreme Wetterereignisse oder den Klimawandel zurückzuführen sind“.

Zum Abschluss der Diskussion sagte Phiri: „Wir sind überzeugt, dass wir den Weg fortsetzen können und Erfolg haben werden, wenn wir uns zusammenschließen und gemeinsam weitermachen. Lassen Sie uns unser Wissen und unsere Erfahrungen schlüssig und ganzheitlich bündeln, damit alle Menschen ihr Recht auf angemessene Nahrung und Ernährung verwirklichen können, denn das ist ein Versprechen, das bereits alle Länder der Welt gegeben haben.“

 

Botschaft von der Stellvertretenden Generalsekretärin Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri im Wortlaut

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