World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

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Auswertung der Vollversammlung

06. September 2006

Einleitung 

Der Auswertungsprozess der Vollversammlung begann bereits in Porto Alegre. Der Geschäftsausschuss ließ Auswertungsformulare verteilen, in denen die Teilnehmenden um eine Bewertung der einzelnen ‚Bausteine‘ des Vollversammlungsprogramms gebeten wurden. Die Ergebnisse dieser Umfrage sind weiter unten angegeben. 

Nach der Rückkehr nach Genf berief der Generalsekretär eine Auswertungssitzung des gesamten Mitarbeiterstabes ein, an die sich eine Evaluierungssitzung der Mitarbeitergruppe anschloss, die die Vorbereitungen für die Vollversammlung beaufsichtigt hatte. 

Jede der 14 Mitarbeitergruppen, die die verschiedenen Aspekte der Vollversammlung vorbereitet hatten, erstellte einen schriftlichen Bericht ihrer Arbeit, der folgende Punkte enthielt:

  • eine kurze Zusammenfassung des Planungsstadiums

  • eine Beurteilung, wie die Aufgabe(n) während der Vollversammlung erfüllt wurden

  • eine Beurteilung der Auswirkungen dieser Aufgabe(n) auf die Gesamtdynamik der Vollversammlung

  • eine Beurteilung der Teamdynamik der an der Aufgabe (den Aufgaben) Beteiligten, einschließlich Stab, kooptierter Stab, Stewards und Freiwillige vor Ort

  • hilfreiche Vorschläge für künftige Veranstalter

Eine Reihe von Kirchen, Räten, Hilfswerken und einzelnen Teilnehmenden haben schriftliche Auswertungen eingeschickt. 

Eine Evaluierung durch die gastgebenden Kirchen und Partner in ganz Lateinamerika wurde vom Centro Regional Ecuménico de Asesoría (CREAS) durchgeführt. 

Eine vorläufige Fassung dieser Evaluierung wurde im Mai dem Exekutivausschuss vorgelegt. Dessen Feedback stellte zusätzliche Elemente und wichtige Erkenntnisse heraus, die in die vorliegende Fassung eingearbeitet wurden.  

Berichterstattung über die Vollversammlung 

Die Webseite der Vollversammlung enthält die angenommenen Fassungen der Berichte der Vollversammlungsausschüsse. Ein kurzer Überblick in Wort und Bild über die Vollversammlung, einschließlich der Botschaft, liegt auf Englisch vor. 

Der offizielle (englische) Bericht der Vollversammlung wird 2006 veröffentlicht werden. Er enthält eine Einführung in das Vollversammlungsgeschehen, die wichtigsten Ansprachen, die Berichte der Ausschüsse sowie andere Schlüsseldokumente und Namenslisten. Eine CD mit dem Protokoll der Plenarveranstaltungen, zusätzlichen Materialien sowie den Übersetzungen der wichtigsten Ansprachen und Ausschussberichte auf Deutsch, Französisch und Spanisch wird beigelegt.  

Die Berichte der Berichterstatter der Ökumenischen Gespräche sind zusammengestellt worden und auf Wunsch erhältlich. Die Aufzeichnungen von den Mutirão-Workshops sind als Diskussionssynthesen zusammengefasst worden und ebenfalls auf Wunsch erhältlich. 

Zweck dieser Auswertung 

Wichtig bei der Auswertung der Vollversammlung ist, dass wir aus unseren Erfahrungen in Porto Alegre lernen, um Engagement und Zeugnis der Kirchen im Blick auf die sichtbare Einheit der Kirche zu stärken. Die Auswertung ist im Licht der erklärten Aufgaben und Zielsetzungen zu verstehen, auf die sich der Zentralausschuss verständigt hat (cf. GEN 4, Zentralausschuss 2005, Programmbuch der Vollversammlung, Handbuch der Vollversammlung). 

Was im Einzelnen gut und was schlecht gelaufen ist und wie wir die künftigen Vorbereitungen verbessern können, kann in den oben erwähnten schriftlichen Auswertungen nachgelesen werden. Diese stehen allen Interessenten zur Verfügung und werden in das Vollversammlungsarchiv aufgenommen, wo sie von künftigen Organisatoren konsultiert werden können. 

In der vorliegenden Evaluierung sollen die neuen Elemente ausgewertet werden, die für die 9. Vollversammlung eingeführt wurden. Des Weiteren soll die Vollversammlung an einigen der erklärten Erwartungen gemessen werden. Ferner werden als Denkanstöße einige der wichtigsten Erkenntnisse formuliert. Und schließlich werden einige Vorschläge für die Vorbereitung der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen gemacht. 

Vorberichte 

Aus allen Vorberichten geht hervor, dass die 9. Vollversammlung ein Erfolg war, und zwar aus folgenden Gründen: 

  • Die Mitgliedskirchen und Partner des Ökumenischen Rates der Kirchen kamen mit dem festen Vorsatz nach Porto Alegre, die ökumenischen Beziehungen zu stärken und ihre Vision für die ökumenische Bewegung im 21. Jahrhundert zu schärfen. 

  • Das Programm, die Geschäftstätigkeit und die Logistik der Vollversammlung waren gut geplant und wurden durch die Unterstützung der gastgebenden Kirchen optimiert.

Die Vollversammlung hat eine neue Ära in der ökumenischen Geschichte eingeläutet, in der der geistlichen Stärke der Ökumene neben den institutionellen Anliegen der ökumenischen Bewegung wachsende Bedeutung beigemessen wird. Dies wird durch folgende Fakten belegt: 

  • Als Ausdruck der Übereinstimmung, mit der sie ihre Einheit in Christus sichtbar machen wollen, wachsen die Kirchen in ein neues Ethos der Gemeinschaft, des Dialogs und der geistlichen Unterscheidung hinein. Der Wechsel zum Konsensverfahren verlief relativ reibungslos und machte deutlich, dass der ÖRK in erster Linie ein Ort ist, der Dialog ermöglicht. 

  • Die Teilnehmenden suchten auf der Vollversammlung geistliche Erneuerung für ihr ökumenisches Zeugnis. Dies wurde u.a. durch die signifikante Beteiligung an den Morgen- und Abendandachten sowie an den Bibelarbeiten deutlich. 

  • Die Weisungen der Vollversammlung zur strategischen Zusammenarbeit zwischen ökumenischen Partnern zur Stärkung von Mission, Diakonie und Dienst.

Neue Elemente der 9. Vollversammlung  

  1. Kleinere Delegationen

In dem Bemühen, eine weniger kostenintensive Vollversammlung zu gewährleisten, beschloss der Zentralausschuss auf seiner Tagung 2004, die Gesamtzahl der Delegierten zu reduzieren, so dass 45% der Mitgliedskirchen nur eine/n Delegierte/n entsenden konnten.

Das hatte zur Folge, dass der Anteil der nominierten Frauen, jungen Menschen und Laien/Laiinnen weit hinter den Erwartungen zurückblieb. Mit dem "15%-Prozess", der es dem Zentralausschuss erlaubt, Ungleichgewichte zu korrigieren, konnte lediglich erreicht werden, dass 36% der Delegierten Frauen waren, 15% junge Menschen und 39% Laien/Laiinnen. 

Trotz der Bemühungen, 50% Frauen und 25% junge Menschen in die Leitung der Vollversammlung einzubeziehen, hatte die kostengünstigere Vollversammlung letztlich zur Folge, dass sie weniger repräsentativ war. 

Wir müssen uns weiter Gedanken darüber machen, wie sowohl die Teilnahme als auch die Repräsentativität maximiert werden können, und dabei im Auge behalten, dass die Stärke einer Vollversammlung auf der größtmöglichen Beteiligung von Delegationen aus den Mitgliedskirchen und auf der Vertretung anderer Kirchen und der breiteren ökumenischen Bewegung beruht. 

  1. Neue Teilnehmerkategorien

Auf der 9. Vollversammlung wurden zwei neue Teilnehmerkategorien eingeführt: "Berater/in der Delegation" und "Delegierte/r Vertreter/in" kirchlicher Dienste und Werke.  

Die Mitgliedskirchen wurden eingeladen, ihre Delegationen von einem Berater oder einer Beraterin begleiten zu lassen. Die 75 Personen, die als "Berater/innen der Delegationen" an der Vollversammlung teilnahmen, hatten Rederecht und saßen mit der jeweiligen Delegation zusammen. Viele dieser Personen arbeiten in ihrer Kirche als Ökumenebeauftragte. Die Kirchen, die von dieser Einladung Gebrauch gemacht haben, haben ihre Dankbarkeit darüber zum Ausdruck gebracht. Sie hatten den Eindruck, dass ihre Beteiligung gestärkt worden war und dass diese Möglichkeit einigen Kirchen das Gefühl genommen habe, ihre Delegation sei ‚reduziert‘ worden.  

Infolge von Änderungen in der ÖRK-Satzung konnten kirchliche Dienste und Werke, die Arbeitsbeziehungen mit dem ÖRK unterhalten, eingeladen werden, "delegierte Vertreter/innen" zu entsenden. Zwar handelt es sich dabei nicht um eine neue Kategorie als solche, doch konnten zum ersten Mal Vertreter/innen kirchlicher Dienste und Werke mit Rederecht an einer Vollversammlung teilnehmen. Diejenigen Dienste und Werke, die von dieser Einladung Gebrauch gemacht haben, waren für die Möglichkeit dankbar, in dieser Eigenschaft mit ähnlich affiliierten Räten und ökumenischen Hilfswerken zusammentreffen zu können. 

  1. Entscheidungsfindung im Konsensverfahren

Der Übergang zum Konsensverfahren war das Ergebnis einer wichtigen Grundsatzentscheidung, mit der der Zentralausschuss den ökumenischen Dialog und die Entscheidungsfindung stärken wollte. Der Übergang verlief relativ reibungslos angesichts der Tatsache, dass die Vollversammlung erst die zweite Erfahrung des Rates mit dem Konsensmodell war. Die Anwesenheit erfahrener Mentoren, die verschiedenen Orientierungs- und Schulungsmöglichkeiten sowie das Treffen der Ausschussvorsitzenden vor der Vollversammlung haben erheblich dazu beigetragen, dass die Vollversammlung zu ihren Beschlussfassungen gelangt ist. 

Die Vollversammlung hob hervor, dass darüber nachgedacht werden müsse, wie eine optimal positive Dynamik zwischen Vorlage, Diskussion und Beschlussfassung erzielt werden kann. Drei grundlegende Aspekte für eine Verfestigung des Konsens-Ethos können genannt werden:

  • Bei der Vorlage wichtiger Themen sollte nicht nur die Vielfalt von Stimmen als solche berücksichtigt werden, sondern auch die Spannbreite der Meinungen und Standpunkte innerhalb der Gemeinschaft.

  • Bei der Vorlage wichtiger Themen in Plenarsitzungen sollte immer die Möglichkeit einer unmittelbaren Rückmeldung aus dem Plenum gegeben sein.

  • Die Gelegenheiten zum Dialog über wichtige Themen und die Aussichten dafür, dass die Diskussionsbeiträge in den Entscheidungsprozess einfließen, müssen so klar und übersichtlich wie möglich sein. 

  1. Dialog als Methode

Auf der Vollversammlung wurden "Ökumenische Gespräche" eingeführt, um Delegierte und andere Kernteilnehmende in einen Dialog über kritische Themen einzubinden. Ein Grundzug dieser Methode war, dass kein Bericht erstellt und keine förmliche Einigung auf Empfehlungen erzielt werden musste. In den meisten Gesprächen und dort, wo die Leitung gut vorbereitet war, kam es zu einem offenen und bereichernden Dialog. Als genauso fruchtbar erwies sich die Einladung des Zentralausschusses an Teilnehmende unter 30, sich ungeachtet ihrer Funktion an den Gesprächen zu beteiligen. Dadurch wurde die ökumenische Ausbildung aller Teilnehmenden gefördert. 

Das Verfahren, mit dem sichergestellt werden sollte, dass die Gespräche von den Vollversammlungsausschüssen "gehört" wurden, erwies sich als schwierig zu managen, da die Ausschüsse enorm viel Arbeit hatten und es eine große Zahl von Gesprächen gab.  

Es hätten weniger Gespräche sein können. Die Überschneidung einiger Gespräche und der spezifische Inhalt anderer wurden hinterfragt. Und auch die Verbindung zwischen thematischen Plenarsitzungen und ökumenischen Gesprächen hätte deutlicher gemacht werden können, um den Entscheidungsprozess zu verstärken.  

  1. Mutirão und die stärkere Einbeziehung von Partnern und Netzwerken

Bei jeder Vollversammlung wird ein dynamisches Gleichgewicht angestrebt zwischen den zentralen Geschäftstätigkeiten, die den Delegierten, Vertretern/innen und Beratern/innen obliegen, und dem Zeugnis, das aus dem größeren ökumenischen Kontext kommt. Das Mutirão sollte mithelfen, dieses Gleichgewicht herzustellen. 

In vielerlei Hinsicht haben die vielfältigen Angebote des Mutirão und die Begeisterung der Teilnehmenden für die Delegierten ein positives und konkretes Umfeld geschaffen, das es ihnen ermöglichte, ihre Ziele zu erreichen. Als Gründe dafür wurden u.a. genannt: 

  • Das Mutirão sollte sich vom traditionellen "Besucherprogramm" unterscheiden, womit der Tatsache Rechnung getragen wurde, dass dem Besucher Grenzen gesetzt sind, während ein Teilnehmender Gelegenheit hat, zur Arbeit der Vollversammlung beizutragen.  

  • Für das Mutirão-Programm hatte man die Lektionen aus der Padare-Erfahrung von Harare berücksichtigt: Es war ein überschaulicher Rahmen geschaffen worden, der für die Integration der Mutirão-Angebote in das tägliche Leben der Vollversammlung sorgte und die Gesamtzahl der Angebote begrenzte, um eine maximale Beteiligung zu fördern. 

  • Das Programm wurde nicht einfach vorbereitet, sondern in enger Zusammenarbeit und gleichberechtigter Partnerschaft mit ökumenischen Netzwerken und Partnern in Brasilien, Lateinamerika und in der ganzen Welt ausgearbeitet. 

  • Da mehr Vorschläge eingegangen waren, als angenommen werden konnten, wurden zahlreiche Workshops nur unter der Bedingung akzeptiert, dass sie mit anderen, die ähnliche Themen anboten, zusammenarbeiteten - und so begann die Partnerschaft zwischen vielen Mutirão-Teilnehmenden schon vor der Vollversammlung.

Für ähnliche Programme in der Zukunft wurde u.a. angeregt, darüber nachzudenken, wie die Dynamik zwischen dem Mutirão und der Vollversammlung gesteigert werden kann. Ein Vorschlag wäre, eine Plenarsitzung "Vom Mutirão zur Vollversammlung" vorzusehen. Eine weitere Überlegung für die Zukunft wäre, wie die Mitgliedskirchen direkter daran beteiligt werden könnten, zu dem vom Mutirão geschaffenen Umfeld beizutragen. 

Die größten Erwartungen 

  1. Eine betende Vollversammlung

Der Bericht der Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im ÖRK hat die Entfaltung des Gebetslebens auf der 9. Vollversammlung nachhaltig geprägt. Gestützt auf die Aussagen des Berichts und unter zentraler Hineinnahme des Vollversammlungsthemas hatte sich der Gottesdienstausschuss für die Vollversammlung bemüht, eine Versammlung zu ermöglichen, die tief im Gebet verwurzelt sein würde. 

Die Ausgewogenheit zwischen interkonfessionellem Gebet, konfessionellen Liturgien und offenen Einladungen an Gemeinschaften und Kirchen, Gastgeber für Gottesdienste zu sein, hat den Geist der Vollversammlung nachhaltig gestärkt. Das reiche Gebetsleben und das Gemeinschaftsgefühl, das durch die tägliche Bibelarbeit und den Austausch in Hausgruppen entstand, stellte für die Mehrheit der Teilnehmenden den bereicherndsten Aspekt der Vollversammlung dar. 

Porto Alegre war eine betende Vollversammlung. Ausschlaggebend dafür war die Verankerung der Vollversammlung in dem Thema "In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt" - das an sich schon ein Gebet ist. Aus der Erfahrung in Porto Alegre geht hervor, dass wir weiter über folgende Paradoxa nachdenken müssen: 

  • Eine strenge Unterscheidung zwischen konfessioneller und interkonfessioneller Andacht wird häufig durch das konfessionelle Engagement einer Reihe von Kirchen in Frage gestellt, die interkonfessionell "sein" wollen.

  • Die Auffassung, dass Abendmahlsgottesdienste bei ökumenischen Zusammenkünften am besten von "Konfessionsfamilien" veranstaltet werden, wird durch Vereinbarungen der eucharistischen Gastfreundschaft, die zwischen einigen Konfessionen bereits bestehen, genauso in Frage gestellt. 

  1. Eine zuhörende Vollversammlung

Wie bereits erwähnt, konnte die Entscheidungsfindung nach dem Konsensverfahren ziemlich reibungslos umgesetzt werden. Der relative Erfolg dieser Veränderung ist für die Beurteilung von Porto Alegre als einer zuhörenden Vollversammlung von zentraler Bedeutung. 

Der Zentralausschuss hat bei den Vorbereitungen für den Wechsel zum Konsens maßgeblich mitgeholfen. Hinzu kamen neue Elemente der Vorbereitung wie Schulung der Vorsitzenden, allgemeine Orientierung und Bereitstellung von Konsens-Mentoren und Aufzeichnern. Dieser Wechsel setzte auch die Anwendung neuer Methoden wie die Ökumenischen Gespräche voraus und den Einsatz von Mitgliedern der Vollversammlungsausschüsse als ‚Zuhörer‘. 

Obwohl die Vollversammlung einen großen Teil ihrer Zeit mit Diskussionen zubrachte, herrschte doch eine allgemeine Unzufriedenheit mit der Qualität der Zeit, die den Delegierten zum Reden, d.h. gehört werden, zur Verfügung gestellt wurde. 

Diese Unzufriedenheit kam besonders stark im Zusammenhang mit den thematischen Plenarveranstaltungen zum Ausdruck. Die Tatsache, dass der Planungsausschuss für die Vollversammlung für diese Plenarsitzungen keine Rückmeldungen aus dem Plenum vorgesehen hatte, hat sich im Nachhinein als Fehler erwiesen. 

Aus der Erfahrung in Porto Alegre geht hervor, dass in jedem Aspekt des Vollversammlungslebens dafür gesorgt werden muss, dass die Teilnehmenden gehört werden. 

  1. Eine junge Vollversammlung

Der Zentralausschuss setzte auf seiner Tagung 2005 das Ziel, diese Vollversammlung zur jüngsten in der Geschichte des ÖRK zu machen. Über 700 junge Menschen haben an der Vollversammlung teilgenommen. Jugenddelegierte und junge Berater/innen, die in jeder der thematischen Plenarveranstaltungen zu Wort kamen, machten 25% der Vollversammlungsleitung und Mitgliedschaft der Ausschüsse aus. Drei Jugenddelegierte saßen im Geschäftsausschuss. Steward-Programm, Jugendlager und Mutirão wie auch die Einladung, sich an den ökumenischen Gesprächen zu beteiligen, sollten die Teilnahme der jungen Menschen intensivieren. Viele junge Leute erlebten die Vollversammlung als ein Ereignis, das ihr Leben veränderte. 

Dennoch zeigten sich viele junge Menschen enttäuscht darüber, wie wenig führende Jugendvertreter/innen in das Leben der Kirchen und in die ökumenische Bewegung integriert sind. Während einige der jungen Menschen den Eindruck hatten, dass sie an der Vollversammlung teilnehmen konnten und gehört wurden, hatten andere negative Erfahrungen gemacht und sich ignoriert gefühlt, nur weil sie jung waren. 

Die Erwartung, dass Porto Alegre eine "junge Vollversammlung" sein würde, hatte die jungen Leute überempfindlich gemacht im Blick auf ihre Rolle in den Kirchen und in der ökumenischen Bewegung. Und in ähnlicher Weise hatten auch einige kirchliche Verantwortliche auf die Vorstellung einer "jungen Vollversammlung" reagiert - manche hatten sogar Bedenken angesichts einer mit jungen Erwachsenen gemeinsam ausgeübten Leitung. 

Die unterschiedlichen Erwartungen wurden noch durch die Tatsache verschärft, dass die Mitgliedskirchen bei der Nominierung ihrer Delegationen den Personen unter 30 Jahren in der Regel keine Priorität einräumten und dass der Nominierungsausschuss folglich Schwierigkeiten hatte, Jugenddelegierte, die die Unterstützung der Kirchen in ihrer Region hatten, für die Wahl in den Zentralausschuss vorzuschlagen. 

Die Vollversammlung ließ eine der "Störungszonen" der ökumenischen Beziehungen erkennen. Den jungen Leuten ging es auf dieser Vollversammlung nicht unbedingt um die zahlenmäßige Vertretung, sondern darum, die dysfunktionale Beziehung deutlich zu machen, die immer wieder zwischen den Generationen in der Kirche und im ökumenischen Leben spürbar wird. 

Die Vollversammlung hat dieser Frustration Rechnung getragen und den Zentralausschuss angewiesen, ein ständiges Jugendgremium einzusetzen, das mit dem Rat zusammenarbeiten soll, um die Beteiligung von jungen Menschen an allen ÖRK-Programmen und im Leben der Kirche zu stärken. Den jungen Leuten sinnvolle Chancen geben und gesunde und bereichernde Beziehungen über die Generationen hinweg aufzubauen - das ist eine der Aufgaben, die auf der Vollversammlung deutlich wurden.  

  1. Eine lateinamerikanische Vollversammlung

Dies war die erste Vollversammlung, die in Lateinamerika stattfand, und dementsprechend hohe Erwartungen wurden mit diesem Kontext verknüpft, sowohl seitens der Region selbst als auch seitens der Gemeinschaft. Von Anfang an war die Region in den Planungsprozess von Vollversammlung und Mutirão integriert. Die gastgebenden Kirchen wollten von ihrem Leben und Dienst eine Botschaft der Hoffnung und Feier vermitteln. Die Vollversammlung hat dazu beigetragen, die Ökumene in Lateinamerika neu zu beleben.  

Bei jeder thematischen Plenarsitzung sprachen Redner/innen aus der Region und trugen dazu bei, dass die Teilnehmenden die sozioökonomischen, kirchlichen und ökumenischen Realitäten des Kontinents besser verstehen konnten. Die Plenarveranstaltung zu Lateinamerika und die von den Gastkirchen ausgerichteten kulturellen Events fanden großen Anklang, und für viele war der Besuch in den örtlichen Kirchen eines der Glanzlichter der Vollversammlung. In der Erklärung zu Lateinamerika werden einige der größten Leistungen und Aufgaben der Region herausgestellt.  

Die römisch-katholische Kirche war intensiv an der Vollversammlung beteiligt, doch die Teilnahme der Pfingstkirchen blieb hinter den Erwartungen der lateinamerikanischen Kirchen zurück. Einige Teilnehmende aus Lateinamerika waren auch der Ansicht, dass die Vollversammlung nicht ausreichend über Armut und Auslandsschulden diskutiert habe.  

Die größte Schwierigkeit bei der Verwirklichung einer lateinamerikanischen Vollversammlung war die Sprachbarriere zwischen einer Vollversammlung, die vorwiegend auf Englisch kommunizierte, und einer Spanisch/Portugiesisch sprechenden Gastgemeinschaft. Dennoch nahmen über 2000 Menschen aus Lateinamerika an der Vollversammlung teil und machten sie damit zu einer wahrhaft lateinamerikanischen Vollversammlung. 

  1. Eine Vollversammlung für ökumenisches Lernen

Eine Vollversammlung ist ein besonderer Augenblick im Leben der ökumenischen Bewegung. Sie bringt Tausende von Menschen für beinahe zwei Wochen zum Gebet und zum Dialog zusammen. Es gibt zahllose Möglichkeiten zum ökumenischen Lernen. Die Vollversammlung wollte dieses Potenzial so weit wie möglich ausschöpfen und ein Ort sein, an dem sich Menschen über ihren Glauben austauschen können. 

Die verschiedenen Dialogmethoden, das vielfältige Mutirão-Angebot, das reichhaltige geistliche Leben und die Vielfalt der Teilnehmenden bildeten das Fundament für ökumenisches Lernen.  

Die Treffen vor der Vollversammlung, das Stewardprogramm, das Jugendlager, die Gruppe junger Ökumeniker, der ökumenische Kongress, das theologische Café sowie die Präsenz der Mitglieder des EDAN-Netzwerks sind Beispiele dafür, wie ökumenisches Lernen erleichtert werden kann. Und die Bibelarbeiten in den Hausgruppen waren wesentliche Bausteine für die ökumenische Bildung der Delegierten, Vertreter/innen und Beobachter/innen. 

Auch für die Gastgeber stellte die Vollversammlung eine Erfahrung ökumenischen Lernens dar: Hunderte von Mitgliedern der örtlichen Kirchen arbeiteten in mehr als 20 Arbeitsgruppen mit und beteiligten sich am täglichen Leben der Vollversammlung. Die Vollversammlung hat die Kirchen vor Ort in einer neuen Weise zusammengebracht und Wege zu tieferen Ausdrucksformen der Einheit eröffnet. 

Für künftige Treffen ist wichtig, Möglichkeiten zu finden, wie die Geschäftstätigkeit der Vollversammlung stärker von den kreativen Begegnungen, die ökumenisches Lernen schafft, geprägt und inspiriert werden kann.  

Für die Teilnehmenden war die 9. Vollversammlung ein bedeutsamer Moment auf der lebenslangen Reise ökumenischen Lernens. Dies kam am stärksten in dem so genannten "Geist der Vollversammlung" zum Ausdruck - Begeisterung, Engagement und Hoffnung, die fast überall auf der Vollversammlung spürbar waren. 

Wichtige Erkenntnisse 

  1. Wie wurde die Gemeinschaft der Kirchen auf der Vollversammlung erfahren?

Das Gemeinschaftsgefühl unter den Kirchen war am stärksten im geistlichen Leben der Vollversammlung spürbar. Die Teilnehmenden bestätigten, dass die Arbeit einer Vollversammlung von ihrer Verankerung im gemeinsamen Gebet und gemeinschaftlicher Bibelarbeit abhängt.

Die Gemeinschaft wurde auch im Dialog empfunden - vielleicht sogar stärker als erwartet. Der Dialog war immer dann besonders erfolgreich, wenn die angewandten Methoden einen Erfahrungsaustausch förderten anstatt einen Austausch von Stellungnahmen. Erfolg stellte sich auch immer dann ein, wenn es um eine gemeinsame Bereicherung und nicht um einen gemeinsamen Bericht ging.

Auch während der Beratungen der Vollversammlung entfaltete sich die Gemeinschaft. Die Arbeit der Ausschüsse war von entscheidender Bedeutung. Sie hatten die Aufgabe, der Vollversammlung eine Stimme zu verleihen. Dies ist ihnen trotz des enormen Zeitdrucks gelungen.  

Die Erfahrungen der Ausschüsse in Porto Alegre legen nahe, dass bei künftigen Tagungen besser mit dem Zeitdruck umgegangen werden muss, damit sich die Gemeinschaft effizienter entfalten kann. Die Arbeit der Ausschüsse in Porto Alegre wurde von ökumenischen Beratern und Beraterinnen unterstützt, die Erfahrungen mit der Dynamik einer Gemeinschaft haben, welche über die eigentliche Mitgliedschaft hinausgeht. 

Trotz des allgemeinen Wunsches nach mehr Zeit für die Beratung von Themen im Plenum, erwies sich die Vollversammlung in ihren Verhandlungen als äußerst geduldig. Zudem zeigte sie ein bemerkenswertes Maß an Reife und Wertschätzung im Blick auf die Entscheidung im Konsensverfahren. Die relativ große Zahl von Minderheitsvoten, die den angenommenen Berichten jetzt angehängt werden, lassen erkennen, wie wichtig die im Verfahren vorgesehenen "Sicherheitsventile" für die Wahrung der Gemeinschaft waren.  

  1. Hat die Vollversammlung die Beteiligung der Kirchen und ökumenischen Partner gestärkt?

Die Vollversammlung hat die Beteiligung der Kirchen und ökumenischen Partner am Leben des Ökumenischen Rates der Kirchen in jeder Hinsicht gestärkt. Das lässt sich an dem großen Interesse an der Vollversammlung ablesen sowie an Engagement und Inspiration, die unter den Teilnehmenden spürbar waren. 

Ein weiterer Beleg dafür sind die Bemühungen zahlreicher Kirchen, die Erfahrungen ihrer Delegation aufzuzeichnen und mit anderen, die nicht in Porto Alegre waren, zu teilen. Besonders die Botschaft der Vollversammlung ist in viele Sprachen übersetzt worden und wird von Gemeinden in aller Welt benutzt. 

Das Mutirão war geeignet, die Beteiligung von Kirchen und Partnern zu intensivieren. Dort wurden die größere Ökumene in das Leben der Vollversammlung mit einbezogen und Möglichkeiten für den Austausch zwischen Kirchenleitungen und Einrichtungen der ökumenischen Bewegung angeboten.  

Aus den Berichten der Vollversammlung geht eindeutig hervor, wo und wie die Beteiligung der Kirchen und ökumenischen Partner im Leben des ÖRK noch weiter vertieft werden kann. Sie bestätigen nicht nur die laufenden Verpflichtungen, sondern sie zeigen auch neue Richtungen und wecken hohe Erwartungen. 

Die Vollversammlung würdigte nachdrücklich die in den vergangenen zehn Jahren unternommenen Anstrengungen zur Festigung eines gemeinsamen Verständnisses und einer gemeinsamen Vision der Ökumene im 21. Jahrhundert. Auf der einen Seite wurde die grundlegende Verpflichtung der Mitglieder zur sichtbaren Einheit der Kirche herausgestellt und bekräftigt, während auf der anderen Seite die einzigartige Rolle des ÖRK als "Sachwalter" der ökumenischen Bewegung klarer artikuliert wurde. 

Die Vollversammlung wies den ÖRK an, weniger zu tun und dies gut zu tun, und umriss die Managementphilosophie und Methode, mit der dies verwirklicht werden kann. 

Die Vollversammlung hat die Beteiligung von Kirchen und Partnern, die in Porto Alegre dabei waren, zweifellos gestärkt, doch hat sie auch große Erwartungen geweckt. Nur wenn diese Erwartungen erfüllt werden, ist der ÖRK in der Lage, eine in jeder Hinsicht sinnvolle Beteiligung seiner Kirchen und ökumenischen Partner zu pflegen.  

  1. Kann die Beteiligung von Nicht-Mitgliedskirchen am Leben der Vollversammlung gestärkt werden?

An die offizielle und die nicht offizielle Beteiligung der römisch-katholischen Kirche und der Pfingstkirchen, die keine ÖRK-Mitgliedskirchen sind, die aber zusammengenommen die christliche Weltmehrheit bilden, wurden beträchtliche Erwartungen geknüpft. Diese Erwartungen wurden noch durch die Tatsache erhöht, dass die 9. Vollversammlung auf einem Kontinent stattfand, der überwiegend römisch-katholisch ist, sowie in dem Land mit dem weltweit größten Anteil von Pfingstchristen. 

Die offizielle Beteiligung der römisch-katholischen Kirche an der Vollversammlung war intensiv. Dies zeigte sich an der vom Vatikan entsandten starken Beobachterdelegation wie auch an der Botschaft von Papst Benedikt XVI. an die Vollversammlung und der Bestätigung des Achten Berichts der Gemeinsamen Arbeitsgruppe der römisch-katholischen Kirche und des Ökumenischen Rates der Kirchen durch die Vollversammlung.

Auch die weniger offizielle Beteiligung der römisch-katholischen Kirche war bemerkenswert, insbesondere die Partnerschaft mit der Päpstlichen Katholischen Universität, in der die Vollversammlung stattfand, und die Zusammenarbeit mit den Hunderten lokaler römisch-katholischer Kirchenführer und Freiwilliger, die mitgeholfen haben, die Vollversammlung vorzubereiten, die Gastgeber waren und sich aktiv beteiligt haben. 

Die offizielle Beteiligung der Pfingstkirchen, die nicht Mitgliedskirchen des ÖRK sind, war geringer als erwartet, trotz der Anwesenheit einer Reihe von führenden Verantwortlichen dieser Kirchen aus Lateinamerika, Nordamerika und Afrika und der Bestätigung der Arbeit der Gemeinsamen Beratungsgruppe des ÖRK und der Pfingstkirchen durch die Vollversammlung. 

Doch wenn auch weniger delegierte Beobachter als erwartet teilnahmen, beteiligten sich an der 9. Vollversammlung mehr pfingstkirchliche Christen als jemals zuvor an einer ÖRK-Vollversammlung. Das lag in erster Linie an der aktiven Teilnahme chilenischer und argentinischer Pfingstkirchen, die ÖRK-Mitglieder sind, am Mutirão-Programm. 

Ungeachtet der offiziellen oder inoffiziellen Repräsentation der römisch-katholische Kirche und der Pfingstkirchen, die nicht ÖRK-Mitgliedskirchen sind, hat die Organisationsstruktur der Vollversammlung die Möglichkeiten der Delegierten, mit diesen Kirchen ins Gespräch zu kommen, deutlich eingeschränkt. In den Hausgruppen für die Bibelarbeit der Kernteilnehmenden waren nur wenige offizielle römisch-katholische oder pfingstkirchliche Teilnehmer vertreten. Dieselbe Unterscheidung zwischen Kernteilnehmenden und anderen schränkte eine repräsentative Vertretung der Kirchen in den 22 Ökumenischen Gesprächen ein. 

Aus der Erfahrung in Porto Alegre geht hervor, dass der ÖRK selbst mehr unternehmen muss, um die Beteiligung von Nicht-Mitgliedskirchen an einer Vollversammlung zu ermutigen und zu erleichtern. In diesem Zusammenhang ist regelmäßige Kontaktpflege mit den jeweiligen Verantwortlichen besonders wichtig.  

Darüber hinaus sollte nicht nur die Beteiligung von römisch-katholischen und pfingstkirchlichen Geistlichen, Theologen und Laien an Programmen wie dem Mutirão angeregt und gefördert werden, sondern auch das geistliche Zeugnis dieser Traditionen; ferner sollte für angemessene Möglichkeiten zum Gespräch über alle anstehenden Fragen gesorgt werden. 

4. Welchen Impakt hatte die Vollversammlung auf die kirchlichen und internationalen Medien?

Die ÖRK-Medien verteilten über 1600 Nachrichtenartikel, Interviews und Features in fünf Sprachen an 15,000 Personen, einschließlich 2000 Medienstellen. Wer nicht in Brasilien dabei sein konnte, hatte durch die täglichen Webcasts die Möglichkeit, sich in die Vollversammlung einzuklinken.  

Für die internationalen - weltlichen und kirchlichen - Medien waren insgesamt 154 Journalisten/innen akkreditiert. Am stärksten vertreten waren Deutschland, die USA, die Schweiz, die Niederlande, Italien, das Vereinigte Königreich, Indien, Schweden, Österreich und Kanada. Alle wichtigen Nachrichtenagenturen (AP, Reuters, AFP, DPA, EFE) waren vertreten. Die brasilianische Presse war mit gut 160 Journalisten/innen vertreten, die täglich in Printmedien, Radio und Fernsehen in Porto Alegre und zum Teil auch in nationalen Medien über die Vollversammlung berichteten. 

Die Berichterstattung durch die Medien, hauptsächlich die Printmedien, war flächendeckend und umfasste Hunderte von Artikel in mehreren Sprachen und Regionen. Die protestantischen Medien berichteten umfassend während und nach der Vollversammlung über die Veranstaltung; orthodoxe und römisch-katholische Medien waren etwas zurückhaltender. Die Berichterstattung in den weltlichen Medien war unterschiedlich; besonders in Frankreich, Libanon, Indien, Griechenland und Russland konnte ein großes außerkirchliches Publikum angesprochen werden. 

Die Berichterstattung über die einzelnen Themen war im Allgemeinen substanziell, auch in Artikeln, in denen einige Aspekte der Vollversammlung kritisiert wurden. Die Themen, die von den weltlichen Medien am meisten aufgegriffen wurden, waren (in dieser Rangordnung): die christliche Einheit, Armut, Frieden, Gewaltlosigkeit, Krieg, interreligiöse Beziehungen, Meinungsfreiheit (Mohammed-Karikaturen), der ÖRK und seine Organisationsstruktur, christliche Identität, Globalisierung, Jugend, das Vollversammlungsthema, Frauen, der Konflikt zwischen Israel und Palästina. (Siehe untenstehende Bewertung.) Feindselige Berichterstattung beschränkte sich auf diejenigen Gruppen, die schon immer negativ über den ÖRK berichtet haben.  

Aus einer zusammenfassenden Bewertung der Berichterstattung über die Vollversammlung in den weltlichen Medien geht hervor: 

  • Das Vollversammlungsthema wurde entweder mit der Förderung des interreligiösen Dialogs verbunden oder mit Aktionen zur Verbesserung der sozialen und politischen Realitäten (mitunter beides).

  • Das Thema der christlichen Einheit wurde häufig anhand von Unterschieden behandelt, wie z.B. Ost/West, katholisch/protestantisch, konservativ/liberal, Charismatiker/ÖRK-Mitglieder, Protestanten/Orthodoxe.

  • Der globale Charakter der Vollversammlung wurde hervorgehoben: 348 Mitgliedskirchen in aller Welt in über 100 Ländern, die "sich gemeinsam um den Aufbau einer gerechteren Welt bemühen". Es wurde allerdings auch darauf hingewiesen, dass weitere Fortschritte dringend erforderlich seien und dass mit Denominationen, die nicht im ÖRK vertreten sind, zusammengearbeitet werden müsse.

  • Die Beziehungen zur römisch-katholischen Kirche wurden immer wieder angesprochen: die römisch-katholische Kirche unterstützt den ÖRK, ist aber nicht Mitglied; ihre zentralisierte Struktur steht einer Mitgliedschaft im Wege, doch die Distanz hat sich verringert.

  • Die Berichterstattung über Themen im Zusammenhang mit der Armut war eher politischer Natur. Einige Medien berichteten über Unstimmigkeiten innerhalb der ÖRK-Mitgliedschaft in der Frage, wie auf die wirtschaftliche Globalisierung eingegangen werden sollte.

  • Aus der Berichterstattung über die Armut geht hervor, dass die Artikel, die kurz vor der Vollversammlung und in den ersten Tagen erschienen, mit hohen Erwartungen verknüpft waren, während gegen Ende der Vollversammlung auch eine gewisse Enttäuschung zum Ausdruck kam.

  • Die weltweite Empörung über die Mohammed-Karikaturen, die kurz vor der Vollversammlung veröffentlicht worden waren, beherrschte die Debatte über die freie Meinungsäußerung.

  • Der Reuebrief, den die US-Konferenz für den ÖRK an die 9. Vollversammlung gerichtet hatte, stieß bei den Medien auf großes Interesse, wurde aber nicht von allen gutgeheißen.

  • Kritik wurde an der Tatsache geübt, dass die Sollzahlen für die Vertretung von Frauen und jungen Menschen im ÖRK-Zentralausschuss nicht erreicht wurden.

  • Es gab auch Berichte über leitungspolitische Aspekte: so wurde natürlich in den betreffenden Medien über Ernennungen von Persönlichkeiten aus dem jeweiligen Land berichtet; auch das Konsensverfahren kam zur Sprache und wurde in einigen Beiträgen kritisiert.

  • Ferner wurden lokale Themen von den Medien aufgegriffen, z.B. die problematischen interreligiösen Beziehungen in Indonesien, die christlich-jüdischen Beziehungen im Nahen Osten sowie die Situation der Kirchen in Lateinamerika. 

Bewertung durch die Teilnehmenden 

Die Vollversammlungsteilnehmenden reichten insgesamt 538 der Auswertungsformulare ein, die der Geschäftsausschuss in Porto Alegre verteilt hatte. 306 davon (57%) stammten von Delegierten.  

Wenn auch die Gesamtzahl der Antworten nur einen kleinen Teil der Teilnehmenden repräsentiert, gibt doch die nachstehende Beurteilung die Meinung der Hälfte der anwesenden Delegierten wieder. 

Bausteine der Vollversammlung

Gut

Befriedigend

Unbefriedigend

 

 

 

 

Gebetsleben

59%

33%

8%

Bibelstudien

67%

25%

9%

Ökumenische Gespräche

49%

40%

12%

Thematische Plenarsitzungen

37%

46%

17%

Geschäftsplenen

25%

61%

14%

Ausschusssitzungen

51%

40%

9%

Regionale und konfessionelle Sitzungen

34%

49%

16%

 

 

 

 

Lateinamerika-Plenum und kultureller Abend

60%

32%

8%

Besuche in Ortskirchen

66%

26%

8%

 

 

 

 

Mutirão-Workshops

55%

41%

4%

Ausstellungen und kulturelle Darbietungen

57%

40%

2%

Ökumenisches Lernen

48%

47%

5%

 

 

 

 

Unterbringung

68%

29%

3%

Logistik

61%

34%

5%

Sonstige praktischen Dinge

50%

44%

5%

An diesen Zahlen ist abzulesen, dass die Teilnehmenden die Bibelarbeiten, die Gestaltung des Lateinamerika-Tages und die Besuche in den Ortskirchen am höchsten bewerteten. Am wenigsten zufrieden waren sie mit den thematischen Plenarveranstaltungen, den Geschäftsplenarsitzungen und den regionalen und konfessionellen Sitzungen. Daraus ist zu entnehmen, dass den Plenarveranstaltungen und der Geschäftstätigkeit der Vollversammlung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. 

Die Teilnehmenden waren bei der Beurteilung der Vollversammlung auch um relevante Stellungnahmen gebeten worden. Daraus lassen sich folgende allgemeinen Bemerkungen zusammenstellen: 

Inhalt - thematische Plenarveranstaltungen, ökumenische Gespräche und Dialog

  • Referate und Dialog müssen theologisch fester verankert werden.

  • Referate und Dialog werden in den Plenarsitzungen gegenüber multimedialen Beiträgen bevorzugt.

  • Das Publikum muss stärker einbezogen und ein größerer Austausch zwischen den Teilnehmenden ermöglicht werden.

  • Schwierige Themen werden gerne ausgeklammert.

  • Hoffnung auf eine integriertere Vollversammlung, die Feier, Dialog und Geschäfte zusammenbindet.

  • Es müssen Richtlinien für die Entgegennahme und Beschränkung der Verlesung von Grußbotschaften aufgestellt werden.

  • Die mangelnde Aufmerksamkeit für die afro-brasilianische Gemeinschaft wurde mehrfach genannt. 

Geistliches Leben - Andachten und Bibelarbeit

  • Wunsch nach exegetischerer Analyse des Materials für die Bibelarbeit.

  • Größere Vielfalt im Gottesdienst.

  • Mehr Stille während des Gebets.

  • Mehr Raum für Gebet und Fürbitte in allen Teilen der Vollversammlung.

Geschäftstätigkeit - Konsens, Vorsitz, Berichte, Nominierungen und Wahlen

  • Größere Klarheit muss über Verfahrensweisen, geschäftliche Tagesordnung und Berichterstattung der Ausschüsse herrschen.

  • Die Vorsitzenden müssen für ihre Aufgaben qualifiziert sein und entsprechend darauf vorbereitet werden.

  • Für den Konsens sind mehr Zeit und mehr Debatten erforderlich.

  • Den Verfahrensweisen für Nominierungen und Wahlen muss mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden.

  • Die Dokumente und ihre Übersetzungen sollten vor der Diskussion zur Verfügung stehen.

  • Die Aussagen der Delegierten sollten ernster genommen werden.

  • Es wäre hilfreich, die Vollversammlung mit einem ganzen Tag zur Orientierung zu beginnen.

 Nachstehend einige wörtliche Stellungnahmen von Delegierten: 

  • "Ich hätte mir mehr Theologie im Bibelstudienprogramm gewünscht. Der Schwerpunkt lag auf der Gesellschaft und den Folgen der Globalisierung in unseren jeweiligen Gesellschaften. Ich hätte es begrüßt, wenn der Akzent mehr auf der Religion gelegen hätte." 

  • "Es ist nur sehr wenig über die Schwierigkeiten der afrikanischen Bevölkerung in Brasilien gesagt worden, über den Rassismus und die Armut, die diese Gemeinschaft erdulden muss." 

  • "Zur Entscheidungsfindung im Konsensverfahren gehört, dass den Verhandlungsgegenständen mehr Zeit eingeräumt wird und dass Konsultationen zu den verhandelten Themen ein Jahr zuvor beginnen." 

  • "Ich würde vorschlagen, dass der Vorsitzende und der Generalsekretär sich in Zukunft besser absprechen, damit nicht dieselben Themen zweimal behandelt werden. Der Vorsitzende könnte, wie geschehen, eine Vision entfalten und der Generalsekretär gibt primär einen Überblick über die Berichtsperiode seit der letzten Vollversammlung und hebt spezifische Themen und Aktivitäten hervor."  

  • "Meiner Meinung nach wurde die Betonung der Jugendbeteiligung nicht durchgezogen. Die Beteiligung junger Menschen im ÖRK muss strukturiert sein, damit mehr Verantwortung und Aktivität übertragen werden kann. Nur so können die erwünschten Positionen erreicht werden. Ich fand auch, dass die Basis einer größeren Jugendbeteiligung nicht genügend klar gemacht wurde." 

  • "Die Vollversammlung war eine riesige Aufgabe. Ich danke allen Beteiligten." 

  • "Bitte betet weiter: In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt."

Das Haushaltsergebnis 

Die Abrechnung der Vollversammlungskonten wird 2007 geprüft. Ein Bericht über die Einnahmen und Ausgaben wird durch den Finanzausschuss des Zentralausschusses vorgelegt werden.

Praktische Vorschläge für die Vorbereitung der 10. Vollversammlung  

Obwohl es noch zu früh ist, Überlegungen darüber anzustellen, wo und unter welchem Thema die nächste Vollversammlung stattfinden wird, sollten wir uns jedoch bereits jetzt mit dem Zeitplan der Vorbereitungen beschäftigen und über Möglichkeiten nachdenken, wie die erforderlichen Ressourcen zur Vorbereitung der 10. Vollversammlung sichergestellt werden können.  

  1. Zeitplan der Vorbereitungen

Der nachstehende Entwurf für die Vorbereitungen geht davon aus, dass die 10. Vollversammlung gegen Ende des Jahres 2013 stattfinden wird: 

Zentralausschusstagung im Februar 2008

  • arbeitet grundlegende Erwartungen an die 10. Vollversammlung aus

  • ernennt einen Planungsausschuss für die Vollversammlung

  • ernennt einen Gottesdienstausschuss für die Vollversammlung

  • startet mit der Suche nach einem Tagungsort

Zentralausschusstagung im August 2009

  • beschließt das Vollversammlungsthema

  • beschließt den Tagungsort

  • bestätigt den Vollversammlungshaushalt

  • stellt die Sitzverteilung der Delegierten auf

Zentralausschusstagung im Februar 2011

  • bestätigt das Programm und den Entwurf der Tagesordnung der Vollversammlung

  • spricht Einladungen aus

  • startet die Verteilung von Materialien zur Einbindung der Gemeinden

Zentralausschusstagung im August 2012

  • bestätigt die Delegationen der Mitgliedskirchen

  • ernennt zusätzlich Delegierte nach dem 15%-Verfahren

  • ernennt die Leitung der Vollversammlung

  • startet die Veröffentlichung des Studienmaterials für die Vollversammlung

Wenn die Vollversammlung Anfang 2013 stattfindet, müssen alle Angelegenheiten, die einer Entscheidung bedürfen, dem Zentralausschuss auf seiner Tagung im Februar 2011 vorgelegt werden. 

2. Sicherstellung der erforderlichen Ressourcen

Die Durchführung einer Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen ist einerseits die verfassungsmäßige Verantwortung des ÖRK als Institution und andererseits die geistliche Verantwortung des Rates als einer Gemeinschaft von Kirchen. 

Zur Sicherstellung der für die Vorbereitung einer Vollversammlung erforderlichen finanziellen und geistlichen Ressourcen könnten die nachstehenden Vorschläge hilfreich sein. 

Der Haushalt der Vollversammlung könnte jährlich durch ein Zehntel der Gesamtbeiträge der Mitgliedskirchen gespeist werden. So könnten über sieben Jahre insgesamt CHF 4,4 Millionen für die Ausgaben der Vollversammlung zurückgelegt und das Vertrauen der Partner zur Unterstützung zusätzlicher Ausgaben gestärkt werden. 

Die in der Vorbereitungsphase stattfindenden Synoden, Versammlungen, Konferenzen und anderen größeren Tagungen von Mitgliedskirchen, assoziierten Räten und ökumenischen Partnern könnten entscheidend zur Stärkung der Vollversammlung beitragen, durch ihr Gebet und durch die Diskussion von wichtigen Themen, die voraussichtlich auf der Tagesordnung der Vollversammlung stehen. 

Für eine ökumenische Vollversammlung  

Die 9. Vollversammlung empfahl, der ÖRK möge sich weiterhin um die Einberufung einer "ökumenischen Versammlung" bemühen, "die alle Kirchen zusammenführen würde, um ihre Gemeinschaft in Jesus Christus zu feiern und sich mit gemeinsamen Aufgaben auseinanderzusetzen, vor denen die Kirche und die Menschheit stehen" PRC, Abs. 5). 

Die Vollversammlung unterstützte diese Empfehlung vor allem als ein Zeugnis "auf dem Weg zur sichtbaren Einheit und zur gemeinsamen Eucharistie", aber auch als eine konkrete Aufforderung, "die Umsetzbarkeit einer Struktur für ÖRK-Vollversammlungen zu prüfen, die mehr Raum für Beratung und/oder die Aufstellung gemeinsamer Tagesordnungen für die weltweiten christlichen Gemeinschaften und Konfessionsfamilien bietet" (PRC, Abs. 25d). 

Die Vollversammlung ersuchte den Zentralausschuss, dieses Thema frühzeitig in seiner Amtszeit zu erörtern. 

Diese Empfehlung ist das Resultat jahrelanger Diskussionen über "gemeinsame Vollversammlungen" (common) oder die "gemeinsame Veranstaltung von Vollversammlungen" (joint), die einer Vielzahl von ökumenischen Organisationen erlauben würde, ihre Versammlungen zu gleicher Zeit und am gleichen Ort stattfinden zu lassen.  

Die 9. Vollversammlung hat darüber nachgedacht und eine offenere Zusammenkunft vorgeschlagen, wobei sie den Vorzug einer "ökumenischen Versammlung" der Feier vor einer "gemeinsamen Veranstaltung" für die jeweiligen Geschäfte der verschiedenen Organisationen gab. 

Diese Entscheidung stellt einen signifikanten ökumenischen Anstoß dar. Zugleich ist sie ein spezifischer Ausdruck des Engagement des ÖRK, zu untersuchen, inwieweit eine "ökumenische Versammlung" eine Feier des Glaubens sein könnte, die über die ökumenischen Grenzen hinausreicht, gleichzeitig aber auch Raum für andere christliche Gremien bietet, Beratungen weiterzuführen, die für ihr eigenes Selbstverständnis relevant sind. 

Wenn auch die Vollversammlung im Blick auf die Verwirklichung dieser Vision speziell die Zusammenarbeit mit den weltweiten christlichen Gemeinschaften und anderen konfessionellen Einrichtungen erwähnte, sollten doch die regionalen ökumenischen Gegebenheiten nicht außer Acht gelassen werden. Wenn man die Vielfalt der christlichen Kirchen und den positiven Einfluss der Gastregion auf eine solche Veranstaltung bedenkt, dann ist klar, dass eine "ökumenische Versammlung" je nach ihrem Veranstaltungsort anders aussehen würde. 

Eine "ökumenische Versammlung" wäre zuallererst ein Ort der gemeinsamen Feier, des gemeinsamen Betens und des Dialogs. Sie wäre auch ein Ort, wo dem ÖRK wie allen anderen Organisationen Raum für die Regelung seiner/ihrer eigenen Geschäfte gegeben würde. Das Ereignis an sich wäre ein beispielloses Zeugnis christlicher Einheit und Geistlichkeit.  

Der ÖRK verpflichtet sich, mit anderen christlichen Gremien zusammenzuarbeiten, die eine "ökumenische Versammlung" als eine Gelegenheit betrachten, ihren Glauben zu bereichern, als eine Einladung, ihr ökumenisches Engagement zu vertiefen, und als einen Raum, um zu Beratungen zusammenzukommen.