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Konsultation über die Neugestaltung der ökumenischen Bewegung

02. September 2003

Ökumenischer Rat der Kirchen
ZENTRALAUSSCHUSS
Genf, Schweiz
26. August - 2. September 2003

Konsultation über die Neugestaltung der ökumenischen Bewegung Planungsdokument

1. Kontext
Seit der Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen und vieler anderer ökumenischer Organisationen sind große Veränderungen in den internationalen Beziehungen, in Regierungsführung, wirtschaftlichen Machtverhältnissen, Kommunikation und in der Rolle der Religion in der Gesellschaft eingetreten. Bedeutung und Notwendigkeit der Reflexion über eine Neugestaltung der ökumenischen Bewegung werden im Ökumenischen Rat der Kirchen seit mehreren Jahren diskutiert und untersucht. Zu den wichtigen Etappen dieser Diskussion gehören die ÖRK-Grundsatzerklärung „Auf dem Weg zu einem gemeinsamen Verständnis und einer gemeinsamen Vision des ÖRK", die Diskussion dieser Frage auf der Tagung des Zentralausschusses 2002, die Diskussionen mit den regionalen ökumenischen Organisationen (REOs) und den weltweiten christlichen Gemeinschaften (CWCs) wie auch die Diskussion des Globalen Christlichen Forums und in jüngster Zeit der Sonderkommission zur orthodoxen Mitarbeit im ÖRK. All diese Prozesse und andere Diskussionen haben zu der Erkenntnis geführt, dass das ständige Anwachsen der Zahl internationaler kirchlicher und ökumenischer Organisationen und Instrumente keine Bestandfähigkeit und Nachhaltigkeit hat und die Kohärenz der einen ökumenischen Bewegung unterminiert.

Im Anschluss an Vorschläge des ÖRK-Generalsekretärs für eine neue ökumenische „Architektur", die von den leitenden Amtsträgern und Amtsträgerinnen des ÖRK unterstützt wurde (Juni 2003), wird der ÖRK im November 2003 eine Konsultation über die „Neugestaltung der ökumenischen Bewegung" einberufen. Diese Konsultation soll die Grundlagen für einen Reflexions- und Studienprozess legen, der zur Ausarbeitung einer konkreten Empfehlung an den ÖRK-Zentralausschuss 2005 und an die ÖRK-Vollversammlung (2006) führen soll.

Wir gehen davon aus, dass das vorliegende Planungsdokument im Laufe dieses Prozesses Abänderungen und Aktualisierungen erfahren wird.

2. Ziele der Konsultation

    • Analyse der wichtigsten Herausforderungen durch die Veränderungen in der Welt und ihrer Implikationen für die Gestaltung der ökumenischen Bewegung
    • Identifizierung der zentralen Bereiche für Wandel und Erneuerung, die eine Voraussetzung für die Neugestaltung sind
    • Entwurf eines Konsultations- und Studienprozesses, der 2004-2005 zu einem Bericht über die Neugestaltung der ökumenischen Bewegung führen wird

3. Parameter in der Diskussion Die Diskussion und der Prozess werden sich auf die Vision und Ausrichtung der ökumenischen Bewegung wie auch auf die Strukturen und Beziehungen innerhalb der heute bestehenden kirchlichen und ökumenischen Organisationen konzentrieren. Dabei wird es besonders wichtig sein, auf Prozessen aufzubauen, die die Kirchen und ihre Organisationen auf nationaler und internationaler Ebene zur Herbeiführung von Veränderungen bereits in Gang gesetzt haben. Es wird wesentlich darauf ankommen, in all diesen Prozessen Zeichen der Hoffnung herauszuarbeiten, um die Vision von der ökumenischen Bewegung zu stärken und darauf aufzubauen. Die Diskussion kann auch Empfehlungen zu Leitung, Strukturen und Mitgliedschaft des ÖRK beinhalten.

4. Anliegen
Es wird ein Hintergrundpapier vorbereitet, das die gegenwärtige Gestalt der Ökumene beschreibt und einige Herausforderungen aufgreift, vor die der Wandel in der Welt diese ökumenische Konfiguration stellt. Damit soll eine Diskussion zu folgenden Themenbereichen in Gang gesetzt werden:

1. Ziel und Zweck der ökumenischen Bewegung
2. Mitgliedschaft und Vertretung
3. Organisationsformen und Arbeitsmethoden
4. Prioritäten und Programme
5. Verbindungen innerhalb der ökumenischen Bewegung

5. Beteiligung
Es wird vorgeschlagen, dass der ÖRK – in Anlehnung an den Gründungsausschuss des ÖRK - eine erste Gruppe von „Weisen" einberuft, die alle in der ökumenischen Bewegung individuell engagiert sind und über umfassende Kenntnisse und Erfahrungen mit der ökumenischen Bewegung verfügen, die sie in verschiedenen Kontexten und auf unterschiedlichen Ebenen, einschließlich durch Mitarbeit in verschiedenen ökumenischen und kirchlichen Organisationen, gesammelt haben. Es wird auch Wert darauf gelegt, dass Teilnehmende, die nicht an besondere ökumenische Strukturen gebunden sind, neue gedankliche Ansätze einbringen. Deshalb werden die Teilnehmenden als individuelle „Sachverständige" und nicht als offizielle Vertreter und Vertreterinnen ihrer jeweiligen Organisation, Kirche oder ihres Netzwerks eingeladen. Ferner soll Sorge dafür getragen werden, dass Personen mit Kenntnissen in Theologie, Geschichte, kirchennahen Organisationen, etc. einbezogen werden. Vorgeschlagen ist eine Gruppe von etwa 25 Personen.

Im Anschluss an die erste Planungskonsultation kann ein umfassenderer, inklusiverer Prozess eingeleitet werden, der eine breitere Gruppe ökumenischer Vertreter/innen, einschließlich REOs, CWCs, katholische und evangelische Kirchen, einbeziehen würde.

6. Tagungsort
Auf Einladung des ÖRK-Vorsitzenden, Katholikos Aram I., wird die erste Konsultation in Antelias, Libanon, stattfinden. Gastgeberin wird die Armenische Apostolische Kirche sein.

7. Termin
Die Konsultation ist für den 17.-20. November (Ankunft 16., Abreise 20. abends) vorgesehen, damit die leitenden Amtsträger/innen auf ihrer sich unmittelbar anschließenden Tagung vom 20.-21. November 2003 bereits erste Ergebnisse erörtern können. Die Teilnehmenden werden gebeten, dafür zu sorgen, dass sie an der gesamten Konsultation teilnehmen können.

8. Beteiligung junger Menschen
Die Perspektiven und die Vision junger Menschen müssen besonders berücksichtigt werden, und es ist wichtig, dass sich ihre aktive Beteiligung als leitende Kräfte in der ökumenischen Bewegung heute wie auch ihre Verantwortung für die Führung der ökumenischen Bewegung in die Zukunft in den Diskussionen widerspiegeln. Eine kleinere Jugendtagung wird unmittelbar vor der November-Konsultation stattfinden und die Ergebnisse dieser Diskussionen werden in die größere Tagung einfließen.

9. Haushalt und Mittelbeschaffung
Die Kosten werden so niedrig wie möglich gehalten werden und der Haushalt sowohl für die Jugendtagung als auch für die volle Konsultation steht vor der Fertigstellung. Zusätzlich zu der großzügigen Gastfreundschaft, die Seine Heiligkeit Aram I. anbietet, begrüßt der ÖRK das Angebot von ICCO, die Unterstützung der ökumenischen Werke und Einrichtungen (specialized ministries), die ein besonderes Interesse an dem Projekt zum Ausdruck gebracht haben, zu koordinieren. Der endgültige Haushalt, der mit der offiziellen Bitte um Unterstützung versandt werden wird, wird u. U. die Finanzierung des längeren Konsultationsprozesses von 2003-2006 einschließen.