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II. Erklärung zu Verschleppungen, Zwangskonvertierungen und Zwangsverheiratungen in Pakistan

04. September 2012

ÖRK-Zentralausschuss, 28. August bis 5. September 2012

Vorläufige Übersetzung aus dem Englischen

1.      Obwohl bei Pakistans Gründung vor 67 Jahren allen religiösen Minderheiten die gleichen Rechte zugesichert wurden, sind die Gemeinschaften der religiösen Minderheiten des Landes heute in ihrer Existenz ernsthaft bedroht. Pakistans Vater der Nation, Mohammed Ali Jinnah, schaffte die „Voraussetzungen für ein modernes, tolerantes und progressives Pakistan“. Er hatte versprochen, einen säkularen und liberalen Staat zu schaffen, in dem alle Religionen ohne Diskriminierung nebeneinander bestehen können. Die Präambel der pakistanischen Verfassung garantiert, dass angemessene Vorkehrungen getroffen werden, dass Minderheiten sich frei zu ihrer Religion bekennen, diese offen praktizieren und ihre Kultur entwickeln können. Artikel 25 (1) der Verfassung Pakistans von 1973 besagt, dass „alle Bürgerinnen und Bürger vor dem Gesetz gleich sind und Anspruch auf gleichen Schutz durch das Gesetz haben“. Doch seit das Regime von General Zia-ul-Haq das Land nach dem Kriegsrecht regierte und in den 1980er Jahren die Anwendung des umstrittenen Blasphemiegesetzes durchsetzte hat in dem Land eine schleichende Islamisierung stattgefunden.  

2.      Die Verfolgung und Diskriminierung von religiösen Minderheiten zwang immer mehr Hindus und Christen dazu, ihre Religion aufzugeben und zum Islam überzutreten. Heute sind viele junge Frauen der religiösen Minderheiten – insbesondere Hindufrauen und Christinnen, die in den Provinzen Punjab, Sindh und Baluchistan leben – verschiedenen Formen von Gewalt ausgesetzt, darunter sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Bedrohungen und Verfolgung. Aufgrund der steigenden Anzahl von Verschleppungen junger Mädchen und deren Zwangskonvertierung zum Islam leben die Angehörigen der religiösen Minderheiten in Angst und Schrecken. Opfer der Zwangskonvertierungen sind oftmals Mädchen aus ärmlichen Verhältnissen, die nicht in der Lage sind, sich gegen Extremisten zu verteidigen, weil ihre Gemeinschaft benachteiligt, wehrlos und an den Rand der Gesellschaft gedrängt ist.  

3.      Wenn junge Christinnen und Hindufrauen entführt, eingesperrt, zum Islam zwangskonvertiert oder gezwungen werden, einen muslimischen Mann zu heiraten, scheinen die politischen Behörden machtlos und nicht in der Lage zu sein, die islamistischen Fundamentalisten zu stoppen, die für diese abscheulichen Taten verantwortlich sind und ungehindert im Land agieren. Obwohl christliche und hinduistische Führungspersonen und Mitglieder dieser Religionsgemeinschaften die Regierung Pakistans hinsichtlich der wiederholten Entführungen und Zwangskonvertierungen von jungen Frauen immer wieder angesprochen haben, werden sie nicht beachtet. Der mangelnde Schutz religiöser Minderheiten durch die Regierung Pakistans ist inakzeptabel.

Der Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen, der vom 28. August bis 5. September 2012 in Kolympari, Kreta, Griechenland, tagt, bringt seine große Sorge über die Not der religiösen Minderheiten in Pakistan zum Ausdruck und  

A.      ruft die Regierung Pakistans auf, angemessene Schutzmechanismen für alle religiösen Minderheiten des Landes zu gewährleisten;

B.     mahnt die Regierung Pakistans dringend, unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen, um Verschleppungen, Zwangskonvertierungen zum Islam und Zwangsehen von jungen Frauen religiöser Minderheiten zu verhindern und alle diejenigen vor Gericht zu bringen, die an diesen abscheulichen Taten beteiligt sind oder waren;  

C.     fordert die Regierungen und andere internationale zivilgesellschaftliche Organisationen, interreligiöse Gruppen und die Kirchen auf, weiterhin Druck auf die Regierung Pakistans auszuüben, um die Verschleppung, die Zwangskonvertierung zum Islam und Zwangsehen von jungen Frauen der religiösen Minderheiten zu verhindern.