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ÖRK-Generalsekretär spricht über Religion und Diskriminierung

14 February 2017

English version published on: 16 February 2017

Diskriminiert Religion? Gibt es Diskriminierung innerhalb und von verschiedenen Religionen? Der Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, diskutierte diese Fragen mit weiteren Podiumsteilnehmern während einer Konferenz in einem Kulturzentrum in Trondheim (Norwegen) am 14. Februar.

„Bei Diskriminierung geht es vor allem um Gerechtigkeit, und Gerechtigkeit muss sich in Rechten ausdrücken“, sagte Tveit. „Rechte sind Teil von Rechenschaftsstrukturen; die Nationalstaaten sollten in ihrer Gesetzgebung und in ihren Rechtssystemen die allgemeinen Menschenrechte umsetzen. Rechte sind in internationalen Abkommen und Vereinbarungen definiert.”

Wenn wir diese Definition mit Religion in Verbindung bringen, führe das zu neuen Dimensionen in der Diskussion, so Tveit. „Insbesondere wirft dann die Dimension der Rechenschaft neue grundlegende Fragen auf: Was bedeutet es, Gott gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein, wenn wir über Religion und Diskriminierung sprechen? Meine Antwort lautet: Es bedeutet eine ganze Menge, was wir mit moralischer Rechenschaftspflicht und sogar rechtlicher Rechenschaftspflicht meinen.”

Tveit sprach im Rahmen des aktuellen Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens des ÖRK über Religion und Diskriminierung.

„Gerechtigkeit und Frieden zu schaffen bedeutet weitgehend, sich gegen alle Arten von Diskriminierung zu wenden“, sagte er. „Gott gegenüber Rechenschaft ablegen zu müssen - gegenüber dem lebendigen Gott, dem Schöpfer aller Dinge - bedeutet, den heute Lebenden gegenüber rechenschaftspflichtig zu sein. Zunächst und vor allem müssen wir anderen Menschen gegenüber Rechenschaft ablegen, denn alle Menschen wurden nach dem Bilde Gottes geschaffen. Mensch zu sein bedeutet, ‚Mitmensch’ zu sein, sich stets auf andere zu beziehen, auch auf Unbekannte und Fremde.”

Letztlich erfordere das Nachdenken über Religion und Diskriminierung auch die Auseinandersetzung mit schwierigen, aber wesentlichen Fragen: „Was kann Menschen Hoffnung für die Zukunft geben? Ist Religion etwas, mit dem wir unsere eigene Zukunft absichern, um das Fortbestehen unseres Clans, unserer Gruppe, unseres Landes zu gewährleisten, oder ist es eine Grundlage und Inspiration für das, was wir die Zukunft der Menschheit nennen können?”

Tveit war einer der Teilnehmenden einer Podiumsdiskussion zum Thema Religion und Diskriminierung. Die Rednerinnen und Redner erzählten zunächst von ihren Erfahrungen in verschiedenen Teilen der Welt und in unterschiedlichen Religionen und diskutierten dann miteinander.

Unter den Teilnehmenden waren auch Marina Nemat, eine aus dem Iran geflohene Christin, und Dr. Ismail Cuneyt Guzey, Professor am Institut für Neurowissenschaft und Bewegungswissenschaft an der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie (NTNU) und Direktor des Muslimverbandes von Trondheim.

Ulrika Mårtensson, Professorin am NTNU-Institut für Philosophie und Religionsstudien, moderierte die Diskussion.

Videostream von der Veranstaltung