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Wir sind berufen, für einen Frieden zu arbeiten, der auf Vertrauen und nicht auf Macht beruht

Wir sind berufen, für einen Frieden zu arbeiten, der auf Vertrauen und nicht auf Macht beruht

ÖRK-Präsident für Europa, Erzbischof Emeritus Dr. Anders Wejryd. Foto: Peter Williams/ÖRK

04 August 2017

English version published on: 07 August 2017

Eine Sicherheit, die auf der Annahme gründet, dass die Macht der Zerstörung dem Frieden dienen könne, ist eine trügerische Sicherheit. Dies erklärte der Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) für Europa, Erzbischof Emeritus Dr. Anders Wejryd, und fügte hinzu, dass Vertrauen die Voraussetzung für einen echten Frieden sei.

Erzbischof Emeritus Dr. Anders Wejryd war einer der Hauptvortragenden auf den Veranstaltungen zum 30. Jahrestag der religiösen Gipfeltreffen auf dem Berg Hiei bei Kyoto, Japan, vom 3. bis 4. August. Mehr als 800 Menschen nahmen an diesem interreligiösen Treffen zum Gebet für Frieden auf der Welt teil, das unter dem Thema „Jetzt ist es an der Zeit, Trennung und Hass zu überwinden und gemeinsam für den Weltfrieden zu arbeiten“ stattfand.

„Länder und Menschen werden durch eine trügerische Sicherheit getäuscht“, sagte Wejryd. „Eine Sicherheit, die auf der Annahme gründet, dass die Macht der Zerstörung der Stabilität, dem Wohlstand und dem Frieden dienen könne, ist eine trügerische und somit keine echte Sicherheit.“

Das Leiden der Menschen in Japan und den Nachbarländern während des Krieges und in den Nachkriegsjahren und auch die Katastrophen in Hiroshima und Nagasaki geraten langsam, aber sicher in Vergessenheit. „Wenn die Welt nicht bald handelt und Atomwaffen ächtet, ist durchaus mit einer neuen Katastrophe zu rechnen“, warnte der Erzbischof und fügte hinzu, dass Kernwaffen jeden träfen, in ihrer Wirkung unverhältnismäßg seien und eine existenzielle Bedrohung der Menschheit darstellten.

Die Verhandlungen einer großen Anzahl von UN-Mitgliedstaaten über ein rechtsverbindliches Instrument für das Verbot von Atomwaffen sind ein ermutigendes Zeichen - am 7. Juli 2017 wurde ein Abkommen vorgelegt, das eine ausreichende Mehrheit der unterstützenden Mitgliedstaaten hat. In der Präambel werden die religiösen Führungspersönlichkeiten ausdrücklich als eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg dieser Verhandlungen genannt. Jetzt muss das Abkommen noch ratifiziert werden, und der größte Teil der Arbeit liegt noch vor uns.

„Unabhängig davon, welcher Religion wir angehören - Beziehungen, gegenseitige Verbundenheit und Freundschaft sind Voraussetzungen für Vertrauen. Und Vertrauen ist die Voraussetzung für einen echten Frieden. Glaube und Vertrauen sind eng miteinander verbunden.“

Wir müssen alles in unserer Macht stehende unternehmen und unsere Völker davon überzeugen, dass Offenheit und freundschaftliche Beziehungen zwischen Nationen der einzige Weg in eine lebenswerte Zukunft sind, so Wejryd. „Die Kirchenleitenden haben sich nur allzu oft mit nationalistischen und kriegstreiberischen Tönen und Taten gemein gemacht. Der einzig echte und dauerhafte Nationalismus unserer Zeit ist aber der Internationalismus, verbunden mit weiteren Entwicklungen und der Respektierung des internationalen Rechts. Auf welcher Seite wir stehen und für wen wir uns als Kirchenleitende und  Gläubige einsetzen, das ist wichtig.“

Wir leben in einer Zeit, in der die Menschen in profunder und entscheidender Weise Einfluss auf die Ökosysteme der Erde nehmen, und wir verfügen über Instrumente, die die Zivilisation auslöschen können. „Wir haben immense Macht, und deshalb sind wir eine schreckliche und immense Gefahr für uns selbst. Manchmal hat Macht eine lähmendere Wirkung als Ohnmacht. Verharren wir nicht in diesem Zustand der Lähmung. Wir wurden geschaffen, um unserer Verantwortung gegenüber dem Leben gerecht zu werden! Wir sind aufgerufen, für einen echten Frieden und für eine Sicherheit zu arbeiten, die auf Vertrauen und Liebe gründen, wenn wir uns nicht durch eine trügerische Sicherheit täuschen lassen wollen“, sagte Wejryd.

Wejryd gehörte zu insgesamt 20 Hauptvortragenden, die während der zweiten Sitzung auf den Veranstaltungen zum 30. Jahrestag der religiösen Gipfeltreffen  am 4. August sprachen. Das Thema des Gipfels lautete Atomenergie und die Möglichkeiten für die endgültige Abschaffung aller Atomwaffen.

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