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ÖRK und WEA erörtern Bereiche zukünftiger Zusammenarbeit

ÖRK und WEA erörtern Bereiche zukünftiger Zusammenarbeit

Photo: WCC/Marianne Ejdersten

26 May 2016

English version published on: 01 June 2016

Die Leitung und Vertretende der Weltweiten Evangelischen Allianz (WEA) und des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) trafen sich im Ökumenischen Institut in Bossey in der Schweiz, um mögliche Bereiche zukünftiger Zusammenarbeit zu erörtern.

Auf dem Programm der Tagung vom 20. Mai standen Einführungen in die Arbeit der WEA und des ÖRK. Weiter dachten die Teilnehmenden auch gemeinsam über aktuelle Entwicklungen in der Gesellschaft und in den Kirchen sowie über evangelische und ökumenische Bewegungen nach. Sowohl vom ÖRK als auch von der WEA nahm der jeweilige Generalsekretär an der Tagung teil.

Die beiden Organisationen tauschten gegenwärtige Pläne aus und diskutierten Möglichkeiten einer engeren Zusammenarbeit in thematischen Bereichen wie „öffentliches Zeugnis und Friedenskonsolidierung in interreligiösen Kontexten“ und „theologische Reflexion, Bildung und Ausbildung“.

Dies war die zweite Tagung mit Leitenden und Vertretenden, aber das erste Treffen, an dem die Generalsekretäre der beiden Organisationen teilnahmen und an dem die Wahrnehmungen der WEA und des ÖRK diskutiert wurden.

ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit sagte, „Christen und ihre Gemeinden rund um die Welt sind sich heute mehr denn je bewusst, dass das Leben selber in Gefahr ist. So viele Gefahren – wie Klimawandel, aber auch Armut und wirtschaftliche Ungerechtigkeit, Gefahren für die Gesundheit und das Wohlergehen, Gewalt und Krieg – gefährden die Menschheit und können unsere Hoffnung schwinden lassen.“

Weiter bemerkte Tveit: „Die ökumenische Arbeit und Zusammenarbeit für Advocacy –gemeinsam mit denjenigen die Stimme erheben, die im Streben nach Gerechtigkeit und Frieden Begleitung brauchen – ist eine wichtige Aufgabe für eine Gemeinschaft von Kirchen, die gemeinsam ihren Glauben in den dreieinigen Gott des Lebens ausdrücken“.

„Diese Dimension des Glaubens in der Fürsprache für Gerechtigkeit und Frieden soll Hoffnung bringen. Das Engagement zur Vermittlung von Hoffnung sollte meines Erachtens auch als Kriterium für die Religionskritik betrachtet werden.“

Tveit betonte: „Deshalb ruft der Ökumenische Rat der Kirchen die Kirchen weltweit auf, gemeinsam vorwärts zu gehen, ihr gemeinsames Leben, ihren Glaubensweg, als Teil des Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens zu sehen und sich anderen in der konkreten Arbeit für eine veränderte Welt anzuschließen. Wir müssen uns zusammenfinden um zu reden, zu hören und zu beten.“

WEA-Generalsekretär Bischof Efraim Tendero bekräftigte den Bedarf einer engeren Zusammenarbeit zwischen ÖRK und WEA: „In unserer zunehmenden Zusammenarbeit können wir auf jahrelange Diskussionen und gegenseitiges Verständnis aufbauen. Dies ist nicht eine überstürzte Aktion in einer veränderten Situation, sondern ein durchdachter Schritt in Richtung besserer Zusammenarbeit von Christen auf globaler Ebene. Wir verdanken es unseren Mitgliedskirchen, dass wir mit der Leitung von globalen christlichen Organisationen sprechen und wenn immer möglich ein besseres Verständnis und eine engere Zusammenarbeit anstreben.“

Ein wichtiges Anliegen, das an der gemeinsamen Tagung diskutiert wurde, war die wachsende Sorge über Religion und Gewalt in verschiedenen Teilen der Welt.

„Jede Religion kann Extremisten hervorbringen“, bemerkte Tendero, „aber die christliche Lehre der Rettung durch Christus lehnt jede Art religiöser Gewalt ab.“

Doch sagte er: „Es ist die Natur der Religionen, Wahrheitsansprüche geltend zu machen darüber, was letzten Endes existiert und wie die Beziehung zwischen den Menschen und Gott aussieht.“

„Eine Religion wird extremistisch, wenn sie Macht oder Gewalt anwendet, um für andere Menschen Wahrheitsansprüche zu erheben, oder um diese für ihre eigenen Mitglieder durchzusetzen. Als religiöse Führungspersönlichkeiten ist es unsere Pflicht und unsere Berufung, den Frieden in unseren Traditionen zu verbreiten, zu lehren und zu unterstützen.“

Dr. Wilf Gasser, stellvertretender Generalsekretär der WEA, fügte hinzu, dass das Thema Religion und Gewalt auch im Zusammenhang mit den zunehmenden Flüchtlingsströmen von großer Bedeutung sei. „Wir sind sehr froh darüber, Erzählungen zu hören, wie viele Flüchtlinge im Glauben an Jesus Frieden finden. Gleichzeitig prüfen wir aber, wie Kirchen Hilfe leisten können, ohne die Spannungen zwischen den Religionen anzuschüren. Wir arbeiten gestützt auf einen Verhaltenskodex, der die ethischen Beziehungen zwischen Mission und praktischer Hilfe definiert.“

Vor fast fünf Jahren haben die WEA, der ÖRK und der Päpstliche Rat für den interreligiösen Dialog des Vatikans ein historisches Dokument über die Ethik christlicher Mission veröffentlicht: „Das christliche Zeugnis in einer multireligiösen Welt:  Empfehlungen für einen Verhaltenskodex“.

Pastor Dr. Hielke Wolters, beigeordneter ÖRK-Generalsekretär für Einheit, Mission und ökumenische Beziehungen, sagte, dieses historische Dokument sei „ein Teil einer Antwort auf die Kritik an Christen durch gewisse religiöse Gemeinschaften, für was diese als Anwendung unethischer Missionsmethoden wahrnehmen“.

„In einigen Fällen haben diese Einwände gegen Mission zu Anti-Bekehrungs-Gesetzen und zu Gewalt geführt. Die drei wichtigsten christlichen Organe der Welt waren in der Lage darauf zu reagieren und haben dieses Dokument verfasst, das nicht nur den biblischen Aufruf zur Evangelisation definiert, sondern auch die ethischen Aufträge im Zusammenhang mit dem Evangelium umreißt. Dr. Clare Amos, ÖRK-Programmreferentin für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit, wies darauf hin, dass es gegenwärtig nicht allen religiösen Traditionen leicht falle, zu anerkennen, dass ihre eigene Religion an Gewalt mitschuldig sein könnte.

„Es besteht die Tendenz, zu versuchen, die Religion selber vor einer solchen Anschuldigung zu schützen, indem behauptet wird, dass diejenigen, die Gewalttaten verüben, nicht authentische Vertreterinnen oder Vertreter dieser Glaubenstradition seien“, sagte sie.

Menschenrechte als Kernkonzept der christlichen Weltanschauung an die „richtige Stelle“ zu rücken, war der zentrale Grundsatz des Beitrags von Prof. Dr. Thomas Schirrmacher an der Tagung. Er betonte, „Menschenrechte sind in Gottes Schöpfung der Menschen verwurzelt und nicht nur in ihrer Erlösung; deshalb haben alle Menschen die gleichen Rechte und Menschen aus vielen verschiedenen Glaubensrichtungen können dazu bewegt werden, Menschenrechte zu schützen.“

Weiter sagte Schirrmacher: „Weil die Menschenrechte schlussendlich im Werk Gottes des Schöpfers gründen, hat und kennt jede Person eine menschliche Würde, die die Grundlage für die Menschenrechte darstellt.“

Das Treffen zwischen den Leitenden von ÖRK und WEA stellte sich in der wachsenden Beziehung und Zusammenarbeit zwischen den beiden Organisationen als wichtiger Schritt vorwärts heraus. An der Tagung war die Auffassung deutlich spürbar, dass die prekären Situationen, die heute in vielen Teilen der Welt herrschen, nach einer vereinten Stimme der Christen verlangen, die alle Anstrengungen zum Aufbau von Gerechtigkeit und Frieden unterstützt.

 

Die WEA wurde an der Tagung vertreten durch:
Bischof Efraim Tendero, Generalsekretär und Geschäftsführer
Dr. Wilf Gasser, stellvertretender Generalsekretär
Prof. Dr. Thomas K. Johnson, WEA-Gesandter im Vatikan, leitender Berater der Theologischen Kommission
Prof. Dr. Thomas Schirrmacher, Vorsitzender der Theologischen Kommission der WEA und Moderator des Teams der WEA für intra- und interreligiösen Dialog

Der ÖRK wurde an der Tagung vertreten durch:

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär
Georges Lemopoulos, stellvertretender Generalsekretär
Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri, beigeordnete Generalsekretärin für Öffentliches Zeugnis und Diakonie
Pastor Dr. Hielke Wolters, beigeordneter Generalsekretär für Einheit, Mission und ökumenische Beziehungen
Dr. Clare Amos, Programmreferentin für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit
Prof. Dr. Odair Pedroso Mateus, Direktor von Glauben und Kirchenverfassung