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Sie sind nicht einfach nur Zahlen: Vertriebene müssen ihre Geschichten erzählen

Sie sind nicht einfach nur Zahlen: Vertriebene müssen ihre Geschichten erzählen

Bild: Peter Kenny/ÖRK

01. Februar 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 07. Februar 2018

Laut Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) gibt es gegenwärtig weltweit mehr als 65 Millionen Menschen, die von ihrer Heimat vertrieben wurden. All diese Vertriebenen sind aber mehr als nur Statistiken.

Sie sind Menschen – was manchmal in der Berichterstattung der Massenmedien vermisst werden kann.

Diese Beobachtung wurde in einer Diskussion am 30. Januar im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) betont, als Vertretende von Kirchengruppen, der Vereinten Nationen und einer christlichen Medienorganisation die Medienberichterstattung über Flüchtlinge anlässlich einer informellen Präsentation diskutierten.

Die Diskussion mit dem Titel: „Verändern der Sichtweise: Medien, Migration und Flüchtlinge“ wurde von Marianne Ejdersten, Direktorin für Kommunikation des ÖRK, geleitet.

Die Teilnehmenden setzten sich mit dem Forschungs- und Fürspracheprojekt „Flüchtlingsberichterstattung“ auseinander, das 2017 durchgeführt wurde, um die Rechte auf Kommunikation der Flüchtlinge, die einen sicheren Weg nach oder durch Europa suchen, zu unterstützen.

Die Haltungen der Öffentlichkeit herausfordern

Das Projekt hat zum Ziel, die Haltungen von Intoleranz und Diskriminierung der Öffentlichkeit gegenüber Flüchtlingen und Migrierenden herauszufordern.

Peter Prove, Direktor der ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten, sprach über dieses „bedeutende Forschungsprojekt“.

„Dieser Bericht liefert uns empirische Beweise, die benutzt werden können, um den öffentlichen Diskurs über Flüchtlinge in konstruktivere Bahnen zu leiten“, sagte er.

„Migration war schon immer ein Teil der menschlichen Gesellschaft, wird aber in Zukunft noch an Gewicht gewinnen.“

„Wir haben keine Wahl, wir müssen diese Völkerbewegungen begleiten, und zwar so, dass die Migration für uns alle gelingt“, sagte Prove und zitierte dabei einen kürzlich veröffentlichten Bericht des UN-Generalsekretärs António Guterres.

Weltvereinigung für christliche Kommunikation

Koordiniert wird das Projekt von der vom ÖRK gestützten Weltvereinigung für Christliche Kommunikation – Europa (WACC Europa) und der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (CCME).

Sara Speicher, Entwicklungsleiterin der WACC und Mitarbeiterin der Kommunikationsabteilung des ÖRK, sagte: „Wir glauben, dass die Darstellung der Flüchtlinge, Migranten und Migrantinnen in den Medien eine bedeutende Rolle spielt, die den Ton der öffentlichen Debatte und schlussendlich auch die Aufnahme und Integration dieser Menschen in ihren neuen Ländern beeinflusst.“

Während die Anzahl der Ankommenden in Europa im Jahr 2017 von ihrem Höhepunkt von mehr als einer Million im Jahr 2015 gefallen sei, verbleibe die Aufnahme und Integration von Flüchtlingen, Migranten und Migrantinnen auf politischer, wirtschaftlicher und kultureller Ebene ein brisantes, zu Spaltungen führendes Thema, bemerkte sie.

Dr. Stephen Brown, Präsident der WACC Europa, sagte: „Wir wollen die Debatte anstoßen und die weltweite Reaktion auf diese Untersuchung beobachten.“

Er führte aus, dass die WACC der Ansicht sei, jeder und jede habe das Recht zu kommunizieren und in Verbindung zu bleiben, in gleicher Weise wie auch alle das Recht auf Nahrung, Unterkunft und Sicherheit hätten.

„Anhand strategischer Verbindungen wollen wir zum Wohle aller Veränderungen auslösen und Informationen, Wissen und Erfahrungen im Bereich der Kommunikation weitergeben. Wir sagen dem ,Kommunikationsrechte‘.“

Der nigerianische Erzbischof David Fabusoro der Kirche des Herrn (Gebetsgemeinschaft) lieferte konkrete Beispiele von Menschen auf der Reise. Seit die Anschläge durch Boko Haram 2013 aggressiver wurden, seien Hunderttausende von Menschen in der ganzen Region von Nordost-Nigeria vertrieben worden, sagte er.

Konflikt im Nigerdelta

Weiter erwähnte Fabusoro den jahrzehntealten Konflikt im Nigerdelta im Südwesten sowie das Auftauchen von Fulani-Hirten und deren gewaltsamer Besetzung von Ackerland und Besitzen, was in „Massentötungen und Vertreibungen von Menschen“ resultierte.

„Leider sind die Darstellungen in den Medien immer unübersichtlich und lückenhaft“, sagte er und bemerkte: „Der Aufstand von Boko Haram und der Nigerdeltakonflikt wurden als religiöse Krisen dargestellt.“

Weiter sagte er aber auch, dass über die Not der oftmals nach Europa vertriebenen Menschen nicht berichtet werde: „So lässt man die Menschen stillschweigend sterben.“

Leigh Foster, Verantwortliche für Veranstaltungen, Kampagnen und Goodwill-Botschafter des UNHCR, sagte im Zusammenhang mit Flüchtlingen und Migranten und Migrantinnen: „Bei der Mobilisierung ihrer Mitglieder waren der ÖRK und der Lutherische Weltbund (LWB) beeindruckend.“

Selbst für ihre Interessen eintreten

Sie lobte die Diskussion zum Bericht und sagte, für die #WithRefugees-Kampagne des UNHCR sei dies eine Ermutigung. Diese Kampagne will die Aussage veranschaulichen, dass Flüchtlinge selbst für ihre Interessen eintreten können.

Foster meinte, dies sei ein Zeitpunkt, zu dem „die Sichtweisen immer mehr vergiftet sind, nicht nur über Flüchtlinge, sondern über alle, die unterwegs sind“.

Cornelia Kästner, Leiterin der Kommunikationsabteilung des LWB, sprach von ihrer eigenen Erfahrung als Journalistin und wie ihre Arbeit mit Flüchtlingen sie ermutigte, „die Menschen sprechen zu lassen.“

Sie bemerkte: „Flüchtlinge sind nicht Opfer“, sondern Menschen. „Wie können wir, wenn wir über sie schreiben, der Gleichgültigkeit der Gesellschaft entgegentreten? Wie verhindern wir, dass sich die gleiche Geschichte immer und immer wieder wiederholt?“, fragte Kästner.

Flüchtlinge, Migranten und Migrantinnen sollen in europäischen Medien nicht mehr „unsichtbar“ sein, fordert neuer Bericht

Bericht des Projekts „Flüchtlingsberichterstattung“: Verändern der Sichtweise: Mediendarstellung von Flüchtlingen, Migranten und Migrantinnen in Europa

UNHCR-Kampagne #WithRefugees