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Nobelpreisträger planen nächste Schritte zum Verbot von Atomwaffen

Nobelpreisträger planen nächste Schritte zum Verbot von Atomwaffen

Foto: Albin Hillert/ÖRK. Überlebende des Atombombenabwurfs von 1945 an einem Anlass in Oslo am Wochenende der Nobelpreisverleihung.

10. Dezember 2017

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 13. Dezember 2017

Aktivistinnen und Aktivisten von ICAN waren in Oslo am Tag vor der Verleihung des Friedensnobelpreises mit der Planung für die Zukunft beschäftigt. „Morgen werden wir still sein müssen, also lasst uns heute viel Lärm machen“, sagte ein Gesprächsführer vor etwa 150 Aktivistinnen, Aktivisten und sympathisierenden Personen der Internationalen Kampagne zum Verbot von Atomwaffen (ICAN).

Kampagnenveteranen, Überlebende des Atombombenabwurfs und Advocacy-Strateginnen und -Strategen lösten sich am Mikrofon ab. Der begeisterte Blick auf die bevorstehende Arbeit wurde genährt von den Erfahrungen der Aktivistinnen und Aktivisten in den Dekaden seit der Gründung von ICAN. Die Kampagne hat heute fast 500 Partner in 100 Ländern, dabei der Ökumenische Rat der Kirchen sowie andere glaubensbasierte Organisationen.

Zu den Gründern von ICAN gehören Ärzte, denen dank ihrer Bestrebungen gegen Atomwaffen 1985 der Friedensnobelpreis verliehen wurde. Desillusioniert durch das Unvermögen der Atommächte, ihre Abrüstungsverpflichtungen einzuhalten, wurden im Jahr 2005 Pläne für eine neue und breitere Kampagne eingeleitet.

Dave Sweeney der australischen Niederlassung der Bewegung Internationale Ärzte für die Verhütung des Atomkrieges beschrieb die heutige ICAN anhand der Ideen von damals. „Bei ICAN steht das Schicksal der Menschen immer an erster Stelle“, sagte er. „ICAN hat ein klares Ziel – die Abschaffung von Atomwaffen. Sie hat auch einen tollen Namen – ,I can (ich kann), We can (wir können)‘. Sie ist an der Basis angesiedelt.“

Zur Werkzeugkiste von ICAN gehörten Gebet, Protest, Darbietungen und vieles andere mehr, fügte er hinzu.

„ICAN ist eine Geschichte der Hoffnung. Wir lieben diesen Planeten, wir lieben seine Menschen. Wir werden unser Bestes geben, um zu gewährleisten, dass er überlebt und gedeiht. Der Nobelpreis für ICAN ist wohlverdient“, sagte Sweeney.

Das Nobelpreiskomittee erwähnte ICAN für die Rolle, die die Kampagne gespielt hat beim Erreichen des Atomwaffenverbotsvertrags, der solide humanitäre Grundlagen hat. Die Arbeit von ICAN ist von der humanitären Abrüstungsarbeit inspiriert, dank der Verträge zur Ächtung von Landminen und Streumunition sowie Abkommen zum Verbot anderer Massenvernichtungswaffen herbeigeführt werden konnten.

Terumi Tanaka, Überlebender von Nagasaki und Vorsitzender von einem der wichtigsten Vereinen von Überlebenden in Japan, sagte den Aktivistinnen und Aktivisten: „Wir müssen diejenigen herausfordern, die aus Gründen der Sicherheit noch immer an Atomwaffen festhalten, dies aber in Wirklichkeit nur zu ihrem eigenen Nutzen tun. Wir werden älter. Die Zeit, während der wir unsere Geschichte erzählen können, ist beschränkt. Wir geben den Stab Ihnen allen weiter, um dieses Ziel zu erreichen.“

Der Vertrag über das Verbot von Atomwaffen nimmt Bezug auf das Leiden von indigenen Völkern und anderen Gruppen. Sue Coleman-Haseldine lebt nahe eines Geländes in Australien, das in den 1950er Jahren vom Vereinigten Königreich für Atomtests benutzt wurde. „Seit 63 Jahren nennt man meine kleine Heimatstadt die Krebshauptstadt von Australien. Fragst du einen jungen Menschen, woran er oder sie sterben wird, bekommst du die Antwort: ,Krebs. Wie alle anderen auch‘ “, sagte sie „Die Arbeit von ICAN ist so wichtig für mich. Einerseits bin ich nun nicht mehr alleine oder isoliert, und andererseits verstehe ich, wie schlimm und wie weit verbreitet das nukleare Erbe auf der Welt ist.“

Ray Acheson der Women’s International League for Peace and Freedom (Internationale Frauen-Friedensorganisation) sagte, „Überlebende, indigene Menschen, Frauen und Mädchen – die verletzlichsten Gruppen – stehen im ADN“ des neuen Vertrags zum Verbot von Atomwaffen geschrieben. Der Vertrag müsse sobald als möglich in Kraft treten, betonte nicht nur sie.

Um diese Aufgabe weiterzuverfolgen wurde das Treffen in Workshops weitergeführt. Einer der Workshops befasste sich mit der Frage, wie die 50 benötigten Ratifizierungen zum Inkrafttreten des Vertrages erreicht werden können. 56 Staaten haben den Vertrag bisher unterschrieben – diese Woche sind drei weitere hinzugekommen – und drei von ihnen haben bereits ratifiziert.

Andere Workshops griffen die Frage auf, wie die Unterstützung für den Vertrag verstärkt werden kann, sowohl in Staaten, die Atomwaffen besitzen, als auch in Staaten, die zwar selber keine Atomwaffen haben, sich aber auf sie verlassen. Dieses Thema zog Teilnehmende aus 12 Atomwaffen- oder verbündeten Staaten an: Japan, Norwegen, Schweden, Dänemark, Rumänien, Griechenland, Belgien, Italien, Deutschland, Kanada, Australien und USA, plus Aktivistinnen und Aktivisten aus den atomwaffenfreien Ländern Österreich, Schweiz, Indonesien und Malaysia. Ein weiterer Workshop befasste sich mit Medienarbeit, dabei auch mit der Hauptbotschaft von ICAN nach dem Friedensnobelpreis. Zu den aktiv benutzten Hashtags gehören #NobelPeacePrize, #EndofNukes und #NuclearBan.

Francis Kuria des Afrikanischen Rates von Religionsleitenden und aktives ICAN-Mitglied lobte die ICAN-Gründer dafür, dass sie die Kampagne mit klaren Zielen, gezielten Abläufen und lokal-globalen Partnerschaften ausgerüstet hatten. Er sagte, die Überlebenden der Atombombe hätten ICAN mit ihrer Ausdauer, ihrer Leidenschaft und ihrer Weisheit inspiriert.

„Wir sind die neue Normalität in Bezug auf Atomwaffen“, sagte Kuria einen Tag vor der Verleihung des Friedensnobelpreises. Diejenigen, die immer noch Atomwaffen brauchen und besitzen wollten, würden nun nicht mehr als normal betrachtet.

„Ihr seid das Licht der Welt“, sagte Kuria zu den Versammelten. „Lasst euer Licht strahlen in der Welt und verwandelt sie so, dass der Vertrag universell wird und wir unseren Kindern eine atomwaffenfreie Welt hinterlassen können.“

Friedensarbeit: „eine großartige und starke Lebensaufgabe“ (ÖRK-Pressemitteilung vom 9. Dezember 2017)

Arbeit des ÖRK zur Kontrolle von Nuklearwaffen

Blogbeitrag (in englischer Sprache): Ein Zeugnis für den Frieden mit Nobelpreisträgerin ICAN

Hochauflösende Fotos des Nobelpreiswochenendes in Oslo können hier gratis heruntergeladen werden.

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Bitte kontaktieren Sie ÖRK-Kommunikationsdirektorin Marianne Ejdersten: mej@wcc-coe.org, +41 79 507 63 63

Norwegischer Medienkontakt: Kirche von Norwegen, Kommunikationsdirektorin Ingeborg Dybvig: id933@kirken.no, +47 474 81 606