World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Sie sind hier: Startseite / Pressezentrum / Nachrichten / Jerusalem: „Möge unser aller Leben ein Leuchtfeuer sein für Gerechtigkeit, Frieden, Liebe und Hoffnung“

Jerusalem: „Möge unser aller Leben ein Leuchtfeuer sein für Gerechtigkeit, Frieden, Liebe und Hoffnung“

Jerusalem: „Möge unser aller Leben ein Leuchtfeuer sein für Gerechtigkeit, Frieden, Liebe und Hoffnung“

Gebet für Frieden, Gerechtigkeit und Solidarität in Jerusalem. Foto: © Marianne Ejdersten/ÖRK

19. Dezember 2017

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 21. Dezember 2017

Das Stimmengewirr der Menschen in der Kirche,  ein freudiges Wiedersehen mit Freunden, Freundinnen, Kollegen und Kolleginnen -  für einige ist es die Zeit des Abschieds, für andere die Zeit des Willkommens. Fast 150 Menschen haben sich in der St. Anna-Kirche in Ostjerusalem versammelt, um für einen gerechten Frieden, für das Ende der über 50-jährigen Besetzung und für eine Solidarität zu beten, die ein gemeinsames Leben in Palästina und Israel möglich macht. Es ist an der Zeit, dass die ökumenischen BegleiterInnen in der Gruppe 67 an die der Gruppe 68 übergeben.

Das Gebet beginnt mit Begrüßungsworten von Josef Buholzer, dem neuen Generaloberen der Weißen Väter, und von Zoughbi Al Zoughbi, dem lokalen Koordinator des ökumenischen Begleitprogramms des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Palästina und Israel (EAPPI). In einer vorher aufgezeichneten Grußbotschaft von Bischof Munib Younan von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land heißt es:  „Die Weggemeinschaft ist ein Instrument und Werkzeug der heiligen Gemeinschaft, durch die wir Gottes Zeugen für Gerechtigkeit, Friede und Versöhnung werden.“

In seiner Begrüßungsansprache sagte Bischof Younan ebenfalls, es gehe um „Zeugnisse für Hoffnung in einer hoffnungslosen Situation, um Zeugnisse für Liebe in einer Welt, die Gott ignoriert, um Zeugnisse der Wahrheit in einer Welt der Propaganda und der Lügen.“

Zoughbi erklärte in seiner Einführung, dass es ein wichtiger Moment sei, sich in der Kirche zu versammeln und zu beten und denen zu danken, die seit drei Monaten als BegleiterInnen tätig waren, und die neuen Personen zu begrüßen, die diese Aufgabe jetzt übernähmen. Zoughbi wandte sich direkt an die BegleiterInnen und sagte: „Sie sind das Lebenselixier, das unsere Hoffnung aufrechterhält, unsere Vernunft und unser Engagement stärkt, unsere Wege ermächtigt, unsere Gespräche erhellt, unseren Glauben in den richtigen Kontext stellt und unsere Vision und Mission Gestalt annehmen lässt. Eine Begleitperson zu  sein, bedeutet, dass man sich während eines Teils seines Lebens zur Aufgabe macht, in einer großen globalen Familie zu leben. Man kommt, sieht, reflektiert und handelt.“

BegleiterInnnen in besonderer Mission

Marianne Ejdersten, ÖRK-Kommunikationsdirektorin, übermittelte ein Grußwort der ÖRK-Führung. Sie sagte: „Wir sind alle Friedensstiftende. Unsere Aufgabe besteht darin, für einen gerechten Frieden im Heiligen Land zu arbeiten. Ein Frieden ohne Gerechtigkeit ist kein nachhaltiger Frieden. Das Ökumenische Begleitprogramm des Ökumenischen Rates der Kirchen in Palästina und Israel wurde vor 15 Jahren aus der Taufe gehoben und wird so lange weitergeführt, bis wir das Ziel eines gerechten Friedens erreicht haben, in dem das israelische und das palästinensische Volk gleichberechtigt Seite an Seite leben.“

Ejdersten hob besonders die Unerschrockenheit der Begleitpersonen hervor. „Sie, die Sie sich entschließen, Ihre Heimat, Ihre Familien und Freunde und Ihren normalen Job hinter sich zu  lassen, um für drei Monate als BegleiterInnen zu arbeiten, sind mutige Menschen. Sie sind auch gute Vorbilder. Sie werden hierher gesandt, um zuzuhören, zu reden und zu berichten, um Seite an Seite mit den Menschen hier zu leben, Brücken zu bauen und gewaltfreie Methoden zu praktizieren.“

Ejdersten sagte abschließend: „Wer sich auf Menschenrechte beruft, ist verwundbar, und manchmal ist es schwer, diese Aufgabe zu erfüllen. Es ist wichtig, trotz aller Schwierigkeiten nicht aufzugeben und nach neuen Lösungen zu suchen und den Mut zu haben, immer weiterzumachen, auch wenn Dunkelheit und Hoffnungslosigkeit übermächtig erscheinen. Ihre Anwesenheit ist das, was für die Menschen hier zählt, sowohl für das palästinensische als auch für das israelische Volk."

Übergabe vor Ort

Im Gebet wurde besonders dem Ökumenischen Rat der Kirchen und den BegleiterInnen der Ortskirchen gedankt, ebenfalls den örtlichen Vertretern des religiösen Lebens, Hamed Quawasmeh vom Büro des Kommissars der Vereinten Nationen für Menschenrechte, Rabbiner Yehirel Grenimann von den „Rabbinern für Menschenrechte“, und dem Geistlichen vor Ort Ashraf K. Tannous von der Lutherischen Kirche. Die globalen Partner waren vertreten durch Hania Kassicieh vom Schwedischen Studienzentrum, Pater Aris Shirvabnian von der Armenischen Orthodoxen Kirche, Nora Carmi von der Orthodoxen Gemeinschaft, Pastor Paraic Reamonn von der St. Andrew Church, Jessica Lindberg von der Kirche von Schweden und Angleena Keizer von der Methodistischen Kirche in den USA.

Gruppe 67 und Gruppe 68 lasen abwechselnd aus einem Text für die Mission vor: „Eine Zeit zum Pflanzen und eine Zeit zum Ernten. Eine Zeit zum Behalten und eine Zeit zum Wegwerfen ... Möge unser aller Leben ein Leuchtfeuer für Gerechtigkeit, Frieden, Liebe und Hoffnung sein. So soll es sein. Amen. Inschallah.“

Das Abschlussgebet und die Segnung übernahmen die lokalen VertreterInnen Josef Buholzer, Nora Camri, Loren McGrail, Pater Emmanuel von der Armenischen Orthodoxen Kirche und Archimandrit Meletius von der Griechisch-orthodoxen Kirche.

Die Mitglieder der Gruppe 67 kehren in ihre Heimatländer zurück und setzen ihre Arbeit fort, indem sie über ihr Leben im Heiligen Land berichten. Die Gruppe 68 beginnt in den örtlichen Gemeinschaften mit ihrer Arbeit. Diese Arbeit wird so lange fortgeführt, bis in Israel und Palästina ein gerechter Frieden erreicht wurde. Der ÖRK-Exekutivausschuss hat Ende November einen Plan für einen gerechten Frieden in Palästina und Israel ausgearbeitet.

Das ökumenische Begleitprogramm des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) in Palästina und Israel (EAPPI) besteht inzwischen im 15. Jahr. Fast 1 800 Freiwillige aus mehr als 30 Ländern sind für jeweils drei Monate entsandt worden, um in örtlichen Gemeinschaften zu leben und über Menschenrechtsverletzungen zu berichten. Das ökumenische Begleitprogramm wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) im Namen örtlicher Kirchen und gemeinsam mit 120 Partnern aus der ganzen Welt ausgeführt. Das Missionselement ist ein wichtiger Bestandteil dieser Aufgabe - die Entsendung durch die örtlichen Kirchen und unterschiedlichen religiösen VertreterInnen, um vor Ort als BegleiterIn tätig zu sein. Sie leben zusammen in unterschiedlichen Gemeinschaften. Sie nehmen am Alltagsleben der Menschen teil. Sie feiern gemeinsam Gottesdienst. Nach einer im vergangenen Jahr durchgeführten Studie ist erwiesen, dass auf diese Weise viele Menschen in größerer Sicherheit leben können.

Das ökumenische Begleitprogramm hat 120 Partner aus allen Teilen der Welt. Dazu gehören auf lokaler Ebene auch israelische und palästinensische Partnerorganisationen. Die örtliche Referenzgruppe besteht aus VertreterInnen der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam.

Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens

WCC-EAPPI