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Pfingstbotschaft 2012

Pfingstbotschaft 2012 der Präsidentinnen und Präsidenten des Ökumenischen Rats der Kirchen

16. Mai 2012

 

Sie entsetzten sich aber alle und wurden ratlos und sprachen einer zu dem anderen:
Was will das werden?

(Apg. 2,12)

Die Tage nach der Auferstehung müssen für die Jünger und Jüngerinnen Jesu sehr rätselhaft und beängstigend gewesen sein. Einige von ihnen hatten den auferstandenen Christus tatsächlich gesehen – im Obergemach, auf der Straße nach Emmaus, hatten sogar seine Wunden berührt und ein Stück Fisch mit ihm gegessen. Jetzt waren sie alle in einem Zimmer versammelt und warteten. Es kann für sie nicht einfach gewesen sein, auf engem Raum beieinander zu sein und sich zu fragen, auf was sie eigentlich warteten und was jetzt von ihnen erwartet wurde. Dann kamen der Wind, die Feuerzungen und das Sprechen in vielen Sprachen.

Die vielen Menschen auf der Straße, die von außen hereinblickten, fragten staunend: „Was will das werden?“ Aber selbst Jesu Jünger und Jüngerinnen, die viele Wunder gesehen und die verwandelnde Kraft des Sohnes Gottes persönlich erlebt hatten, haben vermutlich dieselbe Frage gestellt: „Was will das werden?“

Wenn wir die Geschichte vom ersten Pfingstfest lesen, so stellen auch wir uns diese Frage: „Was will das werden?“ Diejenigen, die inmitten von politischen oder finanziellen Krisen, von Gewalt, Besatzung, Krieg oder Konflikten leben, fragen: „Was will das werden?“ Diejenigen, die für ihre Überzeugungen und ihren Glauben verfolgt werden fragen: „Was will das werden?“ Diejenigen, die fliehen mussten oder von Naturkatastrophen - Überschwemmungen und Dürren, Erdbeben und Tsunamis - heimgesucht worden sind, fragen: „Was will das werden?“ Diejenigen, die unter HIV/AIDS leiden oder darum kämpfen müssen, ihre Familien mit dem Nötigsten, mit Nahrung, sauberem Wasser, Unterkunft, Ausbildung, zu versorgen, fragen: „Was will das werden?“ Diejenigen, die viel zu früh einen geliebten Menschen verloren haben, fragen: „Was will das werden?“ Diejenigen, deren Heimat durch den Klimawandel vom Untergang bedroht ist, fragen: „Was will das werden?“

Wenn wir den biblischen Bericht vom Pfingstfest aufmerksam lesen, so erkennen wir, dass in diesem ersten Werk des Heiligen Geistes die Vielfalt des Volkes Gottes gewürdigt wird. Diejenigen, die Christus nachfolgen, kommen nicht alle aus denselben Ländern und sprechen nicht alle dieselbe Sprache. Sie sind sich nicht darin einig, wie das, was sie erlebt oder gesehen haben, zu verstehen ist. In einem jedoch sind sie sich einig: Gott hat machtvolle Taten vollbracht und hat die Kraft, sie und ihre Welt zu verwandeln.

Genau wie die Kraft des Heiligen Geistes damals über die Gläubigen kam, so kommt sie jetzt auch über uns. Die lebendige Gegenwart Jesu Christi heilt auch heute noch die Gebrochenheit der Welt und kommt zu uns, um uns Mut, Hoffnung und die verwandelnde Kraft der Liebe einzuhauchen.

Möge derselbe Heilige Geist, der am ersten Pfingstfest über die Gläubigen kam, auch uns von Neuem erfüllen, damit wir, wie diejenigen, die an jenem Tag im Obergemach versammelt waren, mit der Liebe Gottes und einem neuen Verständnis füreinander erfüllt werden. Möge der Heilige Geist uns in seiner Kraft verwandeln, so dass wir befähigt werden, Gottes große Taten in der heutigen Welt zu verkünden!

  • Erzbischof Dr. Anastasios von Tirana und ganz Albanien, Autokephale Orthodoxe Kirche von Albanien
  • John Taroanui Doom, Evangelische Kirche von Maòhi (Französisch-Polynesien)
  • Pfarrer Dr. Simon Dossou, Protestantisch-Methodistische Kirche von Benin
  • Pfarrer Dr. Soritua Nababan, Protestantisch-Christliche Batak-Kirche (Indonesien)
  • Pfarrerin Dr. Ofelia Ortega, Presbyterianisch-Reformierte Kirche in Kuba
  • Patriarch Abune Paulos, Äthiopische Orthodoxe Tewahedo Kirche
  • Pfarrerin Dr. Bernice Powell Jackson, Vereinigte Kirche Christi (USA)
  • Dr. Mary Tanner, Kirche von England