World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

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Vorbereitungspapier Nr 6: Dokumentation über EMS Versöhnungskonsultation

Wir freuen uns, die folgende Sammlung von Dokumentationen zu den Vorbereitungspapieren für die Athener Weltmissionskonferenz hinzufügen zu können. We therefore request our congregations to work for a situation where the wrongdoing, which in some cases has only just come to light, is not repressed, and call upon them to seek solutions in cooperation with the responsible politicians and citizens' action groups.

10. Mai 2005

Dokumentation über die Konsultation des EMS über Versöhnung

Vorbereitungspapier Nummer 6

Wir freuen uns, die folgende Sammlung von Dokumentationen zu den Vorbereitungspapieren für die Athener Weltmissionskonferenz hinzufügen zu können.

Sie veranschaulicht, wie eine Gemeinschaft von Kirchen und Missionsgesellschaften Themen wie Aussöhnung und Gewalt, Heilung und Gedenken, Zeugnis und Friedensschaffung ansprechen kann.

Die Dokumentationen sind ein Beitrag zur DOV und sollen gleichzeitig zur Vorbereitung der CWME-Konferenz dienen.

Die folgenden Dokumente sind mit Erlaubnis vervielfältigt und enthalten in der vorliegenden Ausgabe eine Einführung von Bernhard Dinkelaker, dem Generalsekretär des EMS.

Die Dokumente selbst sind in ihrem ursprünglichen Wortlaut belassen, jedoch ohne die Teilnehmendenlisten der jeweiligen Konsultationen.

Jacques Matthey

Dokumentation über die Konsultation des EMS über Versöhnung

Vorwort

Das "Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland" (EMS), ist auf dem Weg von einer in Deutschland basierten Missionsgesellschaft zu einer ökumenischen, internationalen Gemeinschaft, die 23 Kirchen und vier Missionsgesellschaften auf den drei Kontinenten Europa, Afrika und Asien umfasst.

Dieses Selbstverständnis findet seinen Ausdruck im EMS-Missionsrat, der als wichtigstes Entscheidungsgremium aus einem runden Tisch mit Stimmrechten für alle Kirchen und Werken der Gemeinschaft besteht. Ebenso findet das Selbstverständnis Ausdruck in einem gemeinsamen Leitbild und gemeinsamen Leitlinien, die in einem gemeinschaftlichen Prozess über mehrere Jahre hinweg herausgearbeitet wurden; weiterhin in internationalen Netzwerken, etwa von Frauen und Jugendlichen, und vor allem in gemeinsamen Programmen.

Seit 1991, als sich Abgeordnete aller Kirchen und Werken des EMS in Jerusalem trafen, um gemeinsam Vorschläge für den Weg hin zur ökumenischen Gemeinschaft auszuarbeiten, wurde das "gemeinsame Zeugnis" als Hauptanliegen beschlossen, um zu verdeutlichen, was die Gemeinschaft verbindet.

In den vergangenen sieben Jahren wurde jedes Jahr ein bestimmtes Thema als Schwerpunkt in der ökumenischen Gemeinschaft bearbeitet.

Für zwei aufeinanderfolgende Jahre, 2001 und 2002, wählte der EMS-Missionsrat "Versöhnung" als gemeinsamen Schwerpunkt.

Im Verlauf dieses Zeitraums fanden mehrere Konsultationen statt, die die Herausforderungen von Versöhnung in verschiedenen Kontexten zum Inhalt machten.

Die vorliegende Veröffentlichung dokumentiert die Vorschläge, die in vier verschiedenen Konsultationen ausgearbeitet wurden:

  1. Der Deutsch-Koreanisch-Japanischen Konsultation, organisiert von der Deutschen Ost- Asien-Mission (DOAM), der Aunae Foundation, Korea, und dem Tomizaka Christian Center, Japan, vom 12. zum 16. September 2000 in Musashi-Ranzan nahe Tokyo, Japan

  2. Der Konsultation vom 21. bis 23. November 2001 in Mahabalipuram, Indien, mit Delegierten von allen Diözesen der Church of South India (CSI) und von theologischen Schulen, organisiert vom EMS Indien-Verbindungsreferat und der CSI

  3. Der Konsultation vom 27. bis 31. Januar 2002 in Tomohon, Minahasa, Indonesien, organisiert vom EMS Indonesien-Verbindungsreferat und neun indonesischen Kirchen

  4. Der Konsultation vom 16. bis 27. November 2002 in Hanover Park, Cape Town, Südafrika, mit 30 Teilnehmenden aus acht Ländern und 17 Kirchen, organisiert vom EMS-Generalsekretariat und der Moravian Church in Südafrika

Die Konsultationen sollen zur Dekade zur Überwindung von Gewalt des WCC beitragen. Innerhalb der EMS Gemeinschaft steht "Versöhnung" auch weiterhin auf dem Programm.

So beschloss im Juli 2003 der EMS-Missionsrat ein zweijähriges Programm zum Thema "peace building" als gemeinsamen Schwerpunkt für die kommenden zwei Jahre.

Damit stellt sich das EMS der Aufgabe, als ökumenisches Forum zu dienen, mit dessen Hilfe der Austausch von Erfahrungen im friedensschaffenden Bereich vereinfacht wird und die Initiativen in verschiedenen Zusammenhängen untereinander vernetzt werden, als gemeinsamer Beitrag zu Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung.

Bernhard Dinkelaker
EMS Generalsekretär

1. Deutsch - Koreanisch- Japanische Konsultation, September 2000

Brief an unsere Kirchen und Gemeinden

Vom 12. zum 16. September 2000 trafen sich Christen aus Südkorea, Japan und Deutschland in Musashi-Ranzan nahe Tokyo. Hier sind die Erkenntnisse und Fragen aufgelistet, die einen Beitrag zu dem Programm "Gewalt Überwinden" des Weltmissionskonzils leisten soll.

Wir arbeiteten an Themen wie VERGEBUNG, ENTSCHÄDIGUNG UND GEWALTVERZICHT. Wir sind bestürzt über die verübten Gräueltaten, der vergangenen 60 Jahre in Deutschland, Korea und Japan, von denen einige erst jetzt mit all ihren fürchterlichen Details veröffentlicht wurden.

Wir erinnerten uns z.B. an das Massaker von Nogun-ri verursacht von US Truppen während des Koreakrieges, Kwangju (1980), das Blutbad , welches von Japan 1937 in Nanjing angerichtet wurde, die Shoa in Deutschland und das politische Fehlverhalten in der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik.

Wir waren bestürzt zu hören, wie japanische Soldaten koreanische Frauen im Pazifikkrieg behandelt haben.

Wir hörten von den brutalen Verschleppungen initiiert vom japanischen Staat während der kolonialen Vorherrschaft Japans über Korea.

Wir waren verärgert darüber, dass viele unschuldige Menschen, die in Gefängnissen litten noch nicht entschädigt wurden.

Wir sind zu der Einsicht gekommen, dass unsere Kirchen in ihren Ländern ihre Stimme nicht mit ausreichender Klarheit gegen diese Gewaltanwendung erhoben haben.

Weil Gott uns einen neuen Anfang geschenkt hat, sehen wir, dass es möglich ist, neue Wege für eine gegenseitige Annäherung zu finden und gemeinsam vorwärts zu gehen, trotz all der ungeklärten Sachlagen und der bestehenden Anfeindungen.

Verzicht von Gewalt

Unserer Überzeugung nach beginnt Gewalt mit

  • Verachtung gegenüber Menschen anderer Kulturen und Religionen,

  • Uneinstimmigkeiten, welche die politische und ökonomische Realität betreffen,

  • dem ignorieren anderer Leute,

  • einer Sprache, die abwertend über Minderheiten spricht,

  • sozialer Vereinsamung und psychologischer Erniedrigung.

In jedem einzelnen Land mit übermächtiger Ökonomie (Mammon) sehen wir die Gefahr, dass Menschen nicht nur geschützter und reicher werden, sondern ihre Situation immer bedrohlicher wird.

Wir betrachten es als legitim, versklavender Macht entgegenzutreten.

Wir fordern Gemeinden auf, mit Gläubigen aus anderen Ländern über die Rolle des Militärs und der Gewaltlosigkeit zu sprechen, um neue Perspektiven für eine gewaltlose Zukunft herauszuarbeiten.

Die Ziele der Bergpredigt und der Lehre von Gandhi, Martin Luther King und 1997 in Kwangju (" keine Macht dem Tränengas") dürfen nicht vergessen werden.

Wir halten Gesetz und Gerechtigkeit für die wichtigste Alternative gegenüber Gewalt.

Aus diesem Grund müssen Völkerrecht, die internationalen Gerichte und die Menschenrechte gestärkt werden.

Wir beabsichtigen aufmerksamer bezüglich gewissenhafter Entscheidungen zu sein.

Das Bewusstsein von Menschen in Gemeinden muss fortdauern durch die Anleitungen in der Bibel ( z.B. gegen Gewalt gegenüber Frauen) gestärkt werden. Die Kirchen müssen sich grundsätzlich auf die Seite der Verletzlichen stellen.

Vergebung

Nationalistisches Denken in Deutschland und Japan führten zur Shao, entfesselten den Zweiten Weltkrieg und machte viele Nachbarvölker zu Opfern.

Vertreter aus Korea berichteten eindrücklich über die einzelnen Konsequenzen in ihrem Land. Jedoch gibt es Täter und Opfer in jedem Volk und jeder Kirche, aber genauso eine stille Minderheit von Zuschauern und Mitläufern.

Wir sind Vertreter der Generation von Kindern und Kindeskindern die nicht unmittelbar mit den Verbrechen und Gräueltaten des Zweiten Weltkrieges oder des Koreakrieges zu tun hatten. Nichtsdestotrotz müssen wir dazu Stellung nehmen. Letztendlich werden wir ständig mit der Vergangenheit unserer Väter und Mütter konfrontiert. Wir sind dafür verantwortlich darauf zu achten, dass keine Generation das Erbe der Vergangenheit ignoriert, und nach Wegen aus der Schuld der Menschen und Kirchen mit Hilfe von Versöhnung zu suchen .

Wir sind überzeugt, dass öffentliche Schuldbekenntnisse ein neuer Weg in die Zukunft für Opfer und Täter öffnet, besonders wenn sie ihre Schuld benennen.

Wir sind überzeugt, dass die Täter, die Buße tun, ihre Gräueltaten aufdecken und eine Entschädigung anbieten, von ihren Opfern vergeben wird.

Jedoch sind wir uns bewusst, dass Täter vor diesem Schritt aus Angst vor Verurteilung und Verlust der Ehre zögern. Häufig können sie sich nur ihrer Schuld und ihren Verstrickungen stellen, wenn ihnen eine Bereitschaft zur Vergebung angeboten wird.

Die Stärke der Opfer ist ihr Wille den ersten Schritt in Richtung Versöhnung zu machen.

Wir wissen das bedingungslose Vergebung für Einzelpersonen möglich ist.

Für Völker muss Versöhnung auf politischer und ökonomischer Ebene organisiert werden.

Inspiriert von der biblischen Geschichte der Zusammenkunft von Jesus und Zachäus (Lukas 19: 1-10) sind wir überzeugt, dass auch die Kirchen sich nicht als Zuschauer zurückziehen dürfen. Sie müssen dazu beitragen, dass Täter und Opfer zueinander finden, damit die Öffentlichkeit das Leiden der Opfer wahrnimmt und die Täter Bereitschaft zeigen die Wahrheit über ihre Taten zu erzählen und eine Entschädigung anbieten. Auf diesem Weg kann Versöhnung mit den Opfern ermöglicht werden.

Entschädigung / Wiedergutmachung

Wir glauben, dass Wiedergutmachung zwischen Tätern und Opfern grundlegend unmöglich ist. Opfer und Überlebende brauchen eine klare Offenlegung der Wahrheit und die Möglichkeit ihre Geschichte aufzuarbeiten; Gleichzeitig brauchen sie einen materiellen Ausgleich, wenn dies überhaupt möglich ist. Entschädigung kann helfen einer Wiederholung des Bösen vorzubeugen. Es lässt sich nicht verleugnen, dass Entschädigung das Risiko beinhaltet, für den Abbruch der Diskussion missbraucht zu werden.

Die Wiederherstellung menschlicher Würde ist ebenso von großer Bedeutung.

Daher appellieren wir genauso an uns selbst, die Wahrheit ans Licht zu bringen und rufen die Leute zum Gedenken auf.

Wir Christen und Christinnen aus drei verschiedenen Ländern laden die Japanische Regierung ein, sich sofort zu entschuldigen und gemeinsam nach Entschädigungen zu suchen.

Wir unterstützen daher ebenso das Tribunal für die Trostfrauen im Dezember 2000 in Tokio.

Diese Anweisungen werden das Verhältnis zwischen den Völkern und ebenso unser eigenes Leben verändern.

Schlussfolgerung

Wir bitten unsere Kirchen in Korea, Japan und Deutschland lokal für das Gedenken an die Geschichte und die Vermittlung von Einsichten zu arbeiten, die hierbei von der nächsten Generation hinzugewonnen werden. Wir bitten daher unsere Gemeinden an einer Situation zu arbeiten, in der die Gräueltat, die in manchen Fällen erst kürzlich ans Licht kam, nicht vergessen wird und appellieren an sie, gemeinsam mit den verantwortlichen Politikern und Bürgerrechtsbewegungen nach Lösungen zu suchen.

Wir bitten unsere Kirchen nicht die Zeugen aus erster Hand zu übersehen und nach weiteren Möglichkeiten für Austausch und Begegnung zwischen den drei Ländern zu suchen, um junge Menschen verantwortungsbewusst in Fragen, die uns betreffen, Miteinzubetziehen.

Wir bitten die Kirchen in unseren drei Ländern ebenfalls um die Zusammenarbeit auf allen Ebenen für die Versöhnung zwischen Nord und Südkorea , die im Juni dieses Jahres begann.

Die Konferenz fand aufgrund einer Initiative der Deutschen Ostasien Mission, dem Tomisaka Christian Center (Japan) und dem Korean Theological Research Institute statt.

16 September 2000

 

2. Gemeinsame Konsultation zwischen dem EMS und der Kirche von Südindien, Nov. 2001

Die gemeinsame Konsultation von EMS und der Church of South India (CSI) über Gewalt und Versöhnung.
21.- 23. November 2001 in Tamilnadu Beach Resorts, Mahabhalipuram.

Stellungnahme und Empfehlungen der Konsultationen

1. Einleitung: Der Zusammenhang und Zweck der Konsultationen.

Weltweiter Terrorismus und der Kampf gegen ihn beherrscht heutzutage die Überschriften aller Nachrichten und Zeitungen. Gewalt ist überall auf der Welt auf dem Vormarsch, besonders im Mittleren Osten, Kaschmir, Sri Lanka, Afghanistan, usw. Es ist eine globale Realität. Obwohl wir von einem globalen Dorf sprechen, leben wir noch in einer geteilten Welt. Alle wissenschaftlichen, technologischen, erzieherischen und medizinischen Fortschritte haben die Gewaltakte nicht weniger werden lassen. Die CSI-EMS Konsultation über Gewalt und Versöhnung in Indien ist genau rechtzeitig und sehr angemessen gewesen. Es war eine Gelegenheit um zu verstehen, warum Gewalt angewendet wird und wie wir sie überwinden können.

Gewaltsame Konflikte finden auf vielen Ebenen und aus vielen unterschiedlicher Gründe wegen statt. Oft sind sie mit Themen der Gerechtigkeit verbunden. Gewalt ist eine zerstörerische Kultur. Sie hat viele Gesichter. Menschenrechte werden bei Einzelpersonen genauso wie gegenüber Gruppen an verschiedenen Orten in verschiedenen Situationen verletzt. Dies ist ein weltweites Phänomen und Indien bildet keine Ausnahme darin. Obwohl Gewalt ein weltweites Problem ist, sind unsere Belange auf dieser Konsultation auf die lokale Situation in den Kirchengemeinden und den Gemeinschaften der Gesellschaft als ganzes fixiert gewesen.

Die Teilnehmer der CSI-EMS Regionalen Konsultation über Gewalt und Versöhnung die in Mahabhalipuram, Chennai vom 21.-23. Nov. 2001 stattfand, waren Vertreter aus der CSI Synode, CSI Diözese, theologischen Fakultäten und ökumenischen Organisationen; auch Vertreter der Orthodoxen Kirche, der Kirche des Heiligen Thomas, der presbyterianischen Kirche in Indien, und andere nahmen daran teil. Uns ist klargeworden und wir bestätigen, dass jegliche Handlung Gewalt ist, die das Leben und die menschliche Würde gefährdet oder verletzt, Mitmenschlichkeit abtötet und die Schöpfung zerstört. Sie kann aktiv oder passiv, aggressiv oder zurückhaltend sein. Sie ist in unseren sozialen Strukturen, Religionen und Kulturen verankert, und wurzelt in unserer Selbstsucht, in Vorurteilen im Bezug auf das Kastenwesen, Machtstreben, geschlechterspezifische Befangenheit, etc.

Opfer sind Dalits, Frauen, Kinder und Stammesangehörige und vor allem ärmere Menschen. Versöhnung ist Gottes historische Initiative in und durch Jesus Christus um alle zerbrochenen Beziehungen in der Gemeinschaft wiederherzustellen.

Dies muss mit Hilfe von Wahrheit, Gerechtigkeit und Vergebung zu Hause, auf den Straßen, an den Arbeitsplätzen usw. wieder aufgebaut werden.

Wir bestätigen das Bedürfnis nach Besinnung und Maßnahmen für Vergebung. Uns ist bewusst, dass es starke indische Traditionen gegeben hat, um Gewalt zu überwinden, z. B. Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satyagraha (an der Wahrheit festhalten), Mauna (Akt der Stille), Karuna (tiefgreifende Barmhezigkeit), Ashrama way of life (Leben des Verzichtes), Niraharadhiksha (fasten), Shakaharam (der Vorzug vegetarischen Essens), etc. Diese Praktiken müssen im heutigen Indien wiederbelebt und ausgeübt werden.

2. Die Verantwortung der Kirchen:

Wir appellieren an die Kirche in Indien folgendes zu initiieren:

  • Ein Amt für Versöhnung in allen Ebenen der Kirche. Als Kirchenmitglieder sind wir alle Mithelfer der Versöhnung

  • Die Kirche sollte sich fortlaufend der sozialen Ungerechtigkeit bewusst sein und sich lebhafter an den sozialen Kämpfen der Menschen beteiligen.

  • Gender Bewusstsein und Gender Gerechtigkeit sollte in den Beschlüssen und der Verfassung aller Regierungsgremien der Kirche beinhaltet sein.

  • Gewissenhafte Anstrengungen sollten gemacht werden um Frauen in die Liturgie und den Entscheidungsprozess auf allen Ebenen mit einzubinden.

3. Vorschläge/ Empfehlungen

  • Bildung von nachbarschaftlichen Gemeinschaften auf lokaler Ebene mit Vertretern aus allen Gemeinden.

  • Programme zum Bewusstseins-Aufbau auf Gemeindeebene mit Hilfe der Interpretation von Textstellen des Wort Gottes.

  • Einleiten eines themenorientierten Dialogs auf lokaler Ebene mit allen Gemeinden.

  • Interreligiöse Programme und Aktivitäten.

  • Effektive pastorale Fürsorge und Beratung und christliche Ausbildung in den Gemeinden.

  • Friedensverhandlungen, die an den Schauplätzen der Konflikte von der Kirche eingeleitet werden.

  • Strategische Planung für alternative Programme zur Erhaltung menschlicher Entwicklung.

  • Eine Abteilung für Friedensangelegenheiten im CSI Sekretariat in die Wege leiten, um Initiative für Frieden und Vergebung in den Gemeinden zu koordinieren und aufrecht zu erhalten.

23. November 2001

3. Konsultation der indonesischen Partnerkirchen des EMS, Januar 2002

 

Ergebnisse und Empfehlungen

der regionalen Konsultation der indonesischen Partnerkirchen des Evangelischen Missionswerks in Süwestdeutschland (EMS)

 

Vom 27. -31. Januar 2002, hielten wir - die Abgeordneten der neun Partnerkirchen des EMS in Indonesien - eine Konsultation in Tomohon, Minahasa ab, mit dem Thema "Die Kirche zur Überwindung von Gewalt und Schaffung von Versöhnung". Wir hörten einige Vorlesungen, teilten Erfahrungen genauso wie Meinungen und studierten gemeinsam die Bibel. Wir hatten auch die Gelegenheit ein Flüchtlingslager von Ternate und Halmahera in Manado und Bitung zu besuchen, in denen wir die Möglichkeiten hatten, in direkten Kontakt mit den Opfern der Aufstände und der Gewalt zu treten.

Im Verlauf der Konsultation wurde uns Folgendes bewusst:

  • Eine Gewaltkultur hat schon einige grundlegende Fundamente des menschlichen Lebens und der ganzen Schöpfung tief durchdrungen;

  • Die Kirche existiert inmitten einer Welt voller Gewalt, aber beachtet sie häufig nicht; darüber hinaus ist sie unbewusst in die Gewaltkultur verwickelt.

  • Gewalt hat eine menschliche Krise verursacht, die sich in Form von Armut, Leid, Hunger, Vertreibung von Flüchtlingen und vielen Todesopfern offenbart;

  • Viele kulturelle Symbole beteiligen sich an der Motivation die Gewaltkultur und Militarismus in der Mannigfaltigkeit der indonesischen Kultur aufrecht zu erhalten.

  • Die Aufrechterhaltung der Gewaltkultur in Indonesien wird ebenso von den Nachrichtenbeiträgen der Massenmedien, verschiedenen Mitteln der Unterhaltung, elektronischen Spielen und von der Disziplinierung der Gesellschaft mit militärischen Methoden, unterstützt.

  • Eine abweichende und willkürliche Interpretation bestimmter Bibelverse hat einen engstirnigen Fanatismus geschaffen, welcher die Gewaltanwendung legitimiert.

  • Frauen und Kinder sind die häufigsten Opfer von Gewaltakten. Kulturelle und religiöse Legitimation trägt häufig zur Aufrechterhaltung solcher Gewaltakte bei.

  • Die Kirche hat bis jetzt noch nicht ihre prophetische Aufgabe erfüllt, die Gewalt zu überwinden und Versöhnung in die Realität umzusetzen.

Uns ist ebenfalls bewusst, dass

  • Gewalt zunehmend das hauptsächliche kulturelle Mittel zur Konfliktlösung ist, um jemanden den eigenen Willen aufzudrängen, zur Aufrechterhaltung der Macht und des Status Quo. Außerdem dient sie dazu, sich selbst zu rechtfertigen und gegenüber seiner eigenen Gruppe, basierend auf einer Stammes-, Religions- oder Gruppenidentität, seine eigene oder ethnische Überlegenheit gegenüber anderen zu verteidigen

  • das Missverständnis der Vielseitigkeit der indonesischen Gesellschaft von Seiten der Stämme, des Gewohnheitsrechts und den Formen religiöser und kultureller Traditionen gesehen, ein weiter anhaltendes Gewaltpotenzial bildet.

  • die Gewaltkultur ist ein Teil vieler Machtstrukturen innerhalb der Gesellschaft, zwischen geschlechtsspezifischen Beziehungen, Religionen, ethnischen Gruppen, internen Verhältnissen von Familie und Klan, und in Verhältnissen zwischen Mehrheiten und Minderheiten geworden. Auf diese Weise hemmt die Gewalt die Verwirklichung von Gerechtigkeit, Frieden und Unversehrtheit der Schöpfung.

Wir als Kirchen bekennen, dass

  • wir nicht ausreichend die Wirklichkeit verschiedener Gewaltakte innerhalb der Gesellschaft erkennen, welche die Gewaltkultur auf verschiedenen Ebenen aufrechterhält , beginnend mit der Familie bis hin zum Staat;

  • wir Kirchenmitglieder und die weitere Gesellschaft als ganzes nicht ernsthaft genug dazu anleiten eine gewaltlose Kultur zu entwickeln, indem wir ihnen gewaltlose Lösungen für Konflikte bieten.

  • wir sind noch nicht mutig genug, die Regierung zu kritisieren und in ihren Versäumnissen zu berichtigen, Gesetze zu verfassen und für Gerechtigkeit und Frieden zu sorgen. Dies hat zur Folge, dass das Ansehen unserer indonesischen Nation in den Augen anderer Nationen und der internationalen Gemeinschaft gesunken ist.

  • wir sind immer noch nicht ausreichend in der Lage Gerechtigkeit, Frieden und die Unversehrtheit der Schöpfung zu etablieren.

Wir sind ernsthaft besorgt

  • über die Tatsache, dass einige Konflikte sich in vertikalen und horizontalen Dimensionen ausgebreitet haben, die an verschiedenen Orten in langanhaltende Aufstände mündeten und viele menschliche und materielle Verluste forderten. Eine große Anzahl von Flüchtlingen strömte von den Gebieten der Aufstände in sicherere Regionen, geplagt von Wunden und Traumata, die wiederum ein Potenzial für die Aufrechterhaltung der Gewaltkultur in Zukunft bildeten.

  • Über das Verhalten der politischen Eliten in verschiedenen Ebenen und das der Sicherheitsdienste, die es nicht schafften, das Vertrauen der Menschen in die Überlegenheit des Gesetzes zu unterstützen. Im Gegenteil, häufig passierte es, dass die Gesetzgebung ohne Priorität der Gerechtigkeit und die Schaffung von Gerechtigkeit ohne Priorität des Gesetzes ausgeführt wurde. Massengewalt und direkte Verurteilung Krimineller von den Massen geschah überall mit dem Ergebnis, dass der Geist der Brüderlichkeit auf gesellschaftlicher Ebene extrem geschwächt wurde.

  • Über die Bedingungen im Bereich der Bildung im Allgemeinen, welche nicht mehr die Charakterbildung und die Verpflanzung des Gefühles der humanitären Solidarität fördert. Auf diese Weise ist die Gesellschaft leicht reizbar und lässt sich von Emotionen anfachen, die Gewalt als Mittel zur Problemlösung nutzen.

  • Über das Auftauchen von religiösen Doktrinen die Wasser auf die Mühlen von engstirnigem Fanatismus und Radikalismus, ein Feind von Pluralismus und Verschiedenartigkeit, sind. Wie einfach sind Gotteshäuser Ziele der Zerstörung und Bränden geworden, darüber hinaus finden schnell Gewaltakte gegenüber Menschen mit unterschiedlichen Religionen oder Glaubensrichtungen statt;

  • Über den moralischen Zustand der Gesellschaft, der je korrupter und ungerechter er wird, umso schamloser er andere Menschen aufgrund einiger spezifischer und vorübergehender Eigeninteressen ausbeutet und manipuliert.

  • Über die Zerstörung von sozialen Gesellschaftsstrukturen, die offensichtlich durch die Entwurzelung traditioneller, lokaler Profile geschah, mit dem Ergebnis dass die Gesellschaft eher empfänglich gegenüber Provokationen wird und den Respekt für Mitmenschen anderer ethnischer Abstammung verliert.

  • Über die Unfähigkeit der Regierung und den Polizeikräften den Umlauf von Betäubungsmitteln und illegalen Drogen zu unterbinden, die grundlegend eine Form systematischer Gewalt gegen die Zukunft der jüngeren Generation der Nation darstellt

  • Über den ansteigenden Gebrauch terroristischer Methoden in Bereich der internationalen Beziehungen, was viele Opfer in der Zivilbevölkerung verursacht.

  • Über die fortgesetzte Gewalt gegenüber Natur und Umwelt, die im steigenden Maße Energie zur Unterstützung der Umwelt für eine anhaltende Zukunft schwächt.

  • Über die Tatsache der strukturellen Gewalt in internationalen Beziehungen die sich in einer immer stärker werdenden Profitorientierung äußert und in der derzeitigen kapitalistischen Weltordnung wurzelt.

  • Über das Missverständnis verursacht durch die Einrichtung von regionaler Autonomie in Indonesien, die ein Potenzial für Gewaltvorkommnisse von Seiten der lokalen Bevölkerung gegenüber denen, die aus anderen Gebieten kommen und gegenüber Mitgliedern der lokalen Bevölkerung mit anderer ethnischen Abstammung.

Deshalb drängen wir darauf, dass

  • alle Menschen, die von dem schwindenden Zustand der Humanität aufgrund einer herrschenden Gewaltkultur betroffen sind, an einer Bewegung oder Kampagne gegen Gewalt teilnehmen um eine Kultur der Gewaltlosigkeit zu schaffen, die gewaltlose Alternativen zur sozialen Konfliktlösung fördert.

  • die Regierung und die staatliche Sicherheitsapparat der indonesischen Republik sich Hauptsächlich um die Gesetzgebung kümmern und sich bemühen, die Gültigkeit der Gesetze für die Bevölkerung zu garantieren, indem sie strenge Maßnahmen gegenüber allen Aufständischen und Gesetzesbrechern, Korrupten und Drogenhändlern ergreift und jede Art von Problemlösung von Kriminalfällen außerhalb des legalen Prozesses verhindert.

  • Die Regierung das Flüchtlingsproblem in verschiedenen Regionen Indonesiens löst. Es stellt wirklich einen Angriff auf die Mannigfaltigkeit der indonesischen Nation dar, wenn es indonesische Bürger gibt, die - angesiedelt in einem Flüchtlingslager - aus keinem anderen Grund als dem der ethnischen und religiösen Verschiedenartigkeit wegen nicht in ihre Heimatdörfer zurückkehren können, wie wir es gerade bei den Flüchtlingen aus Ternate aus den Städten Manado und Bitung erleben konnten.

  • Die religiösen Organisationen und spirituellen Bewegungen Vorreiter der gewaltfreien Bewegung werden, beginnend aus dem lokalen Zusammenhang hinaus bis zur internationalen Ebene. Das Bild von Religionen als Pioniere von Frieden und Versöhnung sollte mit konkreten Aktionen, die von den kleinsten Einheiten der Gesellschaft wahrgenommen werden können, eingeführt werden.

  • Die Kirchen ihre Theologie, Lehre und Methoden der Bibelinterpretation überprüfen, die vielleicht aktiv und passiv zur Aufrechterhaltung der Gewaltkultur innerhalb der Gesellschaft beigetragen haben.

  • Die Kirchen Programmen Vorrang gewähren, die ein Gewaltbewusstsein schaffen. Trainingseinheiten im Bereich Konfliktlösung und Versöhnung als eine gegenseitige Bemühung zur Gewaltüberwindung arrangieren und das Zusammenleben in einer gewaltfreien Kultur fördern.

  • Die Kirchen der Gemeinschaft des Evangelischen Missionswerkes in Südwestdeutschland (EMS) ihre ökumenische Rolle durch gegenseitige Anstrengungen zur Gewaltüberwindung hervorheben und Versöhnung in verschiedenen Regionen der Welt konkretisieren, überall dort, wo Kirchen vorhanden sind. Die Vielschichtigkeit und Internationalität die den ökumenischen Charakter des EMS erzeugen, bilden eine sehr sinnvolle Möglichkeit ein Netzwerk zur Gewaltüberwindung und Versöhnung auf internationaler Ebene zu schaffen.

Wir schlossen unsere Beratungen mit Gebeten der Hoffnung ab, dass Gott, die Quelle des Lebens und der Rettung der Menschheit und der gesamten Schöpfung uns allen in unseren verschiedenen Bemühungen eine authentische Menschlichkeit und eine Lebenseinstellung ohne Gewalt zu verwirklichen, helfen wird, für die Jesus, der Gesalbte, unser Herr und Retter ein Beispiel gegeben hat.

Tomohon, 31. Januar 2002

4. Internationale EMS Konsultation November 2002

 

 

Internationale EMS Konsultation über Versöhnung, veranstaltet vom 16. bis 27. November 2002 in Hanover Park, Kapstadt, Südafrika

 

Abschlusserklärung

 

Vom 16. bis 27 November 2002, auf Einladung des Evangelischen Missionswerkes in Südwestdeutschland (EMS) und veranstaltet von der Moravian Church in Südafrika (Evangelische Brüdergemeinde in Südafrika), 30 Teilnehmende aus Deutschland, Ghana, Indien, Indonesien, Japan, Jordanien, Korea und Südafrika trafen sich im Maryland Konferenzzentrum in Hanover Park, Kapstadt, um Erfahrungen in ihren Bemühungen zur Versöhnung auszutauschen, um das Südafrikanische Beispiel im Streben nach Gerechtigkeit und Versöhnung zu studieren, und um praktische Schritte zur Gewaltüberwindung zu entdecken. Die Konsultation ist Teil eines fortlaufenden Prozesses in der EMS Gemeinschaft, vorrausgegangen waren regionale Konsultationen über Versöhnung, abgehalten in Indonesien, Indien und Japan. Dies wird als ein Beitrag zur "Dekade zur Gewaltüberwindung", gestartet vom Weltkirchenrat, gesehen.

 

Wir, die Teilnehemer dieser Konsultation, die ein Ausdruck der Geschlossenheit des weltweiten des Körper Christi sind, haben uns als Menschen getroffen, die mit dem Amt der Versöhnung vertraut wurden, weil Gott durch Christus die Welt selbst versöhnt hat (2 Kor. 5:18f). Ehrfurcht vor Gott und Bibelstudien waren die Herzstücken unserer Konsultation. Kulturübergreifende Bibelstudien wurden über folgende Themen abgehalten:

 

  • Die Macht der Vergangenheit (Ez. 18: 1-4, 21-24, 30-32)

  • Schritte zur Überwindung von Gewalt (1 Sam. 25: 14-35)

  • Sich seiner eigenen Schuld stellen ( Gen. 32: 22-32)

  • Befreiende Vergebung (Matt. 18: 21-35)

  • Das Finden einer neuen Identität ( Eph. 2: 11-22)

  • Die Vision von Frieden und Gerechtigkeit (Micha 4: 1-8)

 

"Liebe überwindet Furcht" (1 Joh 4: 18) war das Thema der Predigt des Eröffnungsgottesdienstes, gehalten von Bischof Ketut S. Ayub aus Bali, Indonesien, in der er an die schlimmen Bombenanschläge auf Bali am 12. Oktober 2002 erinnert.

 

Wir erarbeiteten und teilten das Verständnis von "Gewalt" in verschiedenen Sprachen und Kulturen. Wir lernten das in allen Zusammenhängen " Gewalt" niemals abstrakt ist, sondern immer das Leiden von Schmerz von Menschen, denen ihre Würde aberkannt wird und die Zerstörung sowohl von Individuellem Leben als auch von Gemeinschaften bedeutet.

 

Acht Fallstudien, ausgerichtet auf verschiedene Gebiete der Gewalt und Konfliktforschung in unseren Heimatländern:

 

  • Indien: Diskriminierung von Dalits und Aberkennung von Menschenrechten basierend auf dem Kastensystem.

  • Jordanien: Gewissenhafter Einspruch und friedensschaffende Maßnahmen.

  • Japan Mannigfaltigkeit der Werte und die "stille Gewalt" im Familienleben, speziell Selbstmorde in Konfliktsituationen.

  • Ghana: Ethnischer Konflikt und Konfliktlösung in Bawku, Nordghana.

  • Indonesien: Ethnisch-religiöse Konflikte und Schritte in Richtung Versöhnung in Halmahera

  • Südafrika : Gewalt im Familienleben, Gewalt gegenüber Frauen

 

Uns ist bewusst geworden, dass diese Fallstudien nur Beispiele wiedergeben und das Gewalt eine vielseitige Realität in all unseren Gesellschaften ist, einschließlich z.B. die Diskriminierung von Minderheiten, das Leiden der Flüchtlinge und Migranten, Armut und eine sich vergrößernde Lücke zwischen den Armen und den Reichen. Symbole der Versöhnung aus allen acht Ländern wurden präsentiert und vorgestellt.

 

Zentrale Rolle auf der Konferenz spielte die Erarbeitung Südafrikanischen Zusammenhanges:

 

  • Vorträge wurden gehalten über die Apartheid in der Vergangenheit und jetzige Herausforderungen, über die "Wahrheits- und Versöhnungskommission" (TRC) und über das theologische Verständnis von Versöhnung, über dir Rolle der Kirchen, über Konfliktlösung und den interkontextuellen Transfer von Erfahrungen.

  • Kleine Teilnehmergruppen besichtigten sechs Zentren und NROs, die aktiv in der Aufbauarbeit zur Gewaltüberwindung beteiligt sind:

    • Die Aktions-Kampagne zur Behandlung von HIV/AIDS in Khayelitsha

    • Das Institut für Heilung von Erinnerungen für traumatisierte Opfer der Apartheid

    • Das Saartjie Baartman Zentrum für Frauen und Kinder in Athlone

    • Das People´s Centre Manenbeg

    • Das Flüchtlingsforum in Wynberg

    • Die Kapstadt Inter-faith Initiative

Die Khulumani Unterstützungsgruppe lud alle Teilnehmer zu einem öffentlichen Treffen, in dem das Video "We never give up" über Opfer der Apartheid gezeigt wurde, welches nach Ausgleich und Anerkennung sucht.

  • Eine Tour durch das Verwaltungsbezirk und Besuche des District Six Museums und Robben Island boten Einsichten in das Erbe der Apartheid und über die Beiträge zur Versöhnung, die auf Robben Island geformt wurden.

  • Die Monrovian Church von Südafrika organisierte Begegnungen mit lokalen Gemeinden durch Gottesdienste, einem Kulturabend und Diskussionsprogramme.

Die folgenden Erkenntnisse sind ein Ergebnis eines intensiven gemeinsamen Lernprozesse, in dem wir uns zuhörten und untereinander austauschten:

 

  1. Wir werden mit verschiedenen Gewaltformen und zur Zeit mit verschiedenen Gewaltverständnissen konfrontiert Wir sind uns jedoch bewusst, dass es Gewalt mitten unter uns gibt, sogar in uns selbst als Individuen und als Kirchen, und das wir Teil von gewalttätigen Situationen als Opfer gleichwohl als Täter sind. Über unsere Bemühungen Gewalt zu überwinden teilen wir viele gemeinsame Anliegen, z.B. häusliche Gewalt, Gewalt gegen Frauen und Kinder, Aberkennung von Menschenrechten durch Diskriminierung und durch Armut, ethnische und religiöse Konflikte mit sozi-politischen und ökonomischen Hintergründen. Wir sehen das Bedürfnis die Prioritäten auf Schritte zur Gewaltprävention zu setzen. Durch Bildungsarbeit im Bereich Frieden, durch Bewusstseinsbildung und durch Gewaltüberwindung, innerhalb der Rahmenbedingungen der Dekade zu Gewaltüberwindung und darüber hinaus.

  2. Uns wird klar, dass es weiteren Aufklärungsbedarf im Bezug auf das theologische Verständnis und die politischen Dynamiken des Versöhnungsprozesses gibt.

  • Es gibt kein festgeschriebenes Muster für das Verständnis von Versöhnung , sondern eher verschiedene Vorgehensweisen zu verschiedenen Zeiten. Jedoch sind Ausdrücke von Bekenntnis, Buße, Rückerstattung und Vergebung fest eingebaute Elemente. Die Hervorhebung verschiedener Aspekte kann sich von Situation zu Situation unterscheiden.

  • Vergebung ist ein Prozess, der mit der sich mit der Vergangenheit beschäftigt und in Richtung Zukunft geht. Es ist nicht das Ende eines Vorganges, sondern ein Beitrag zu einem nicht abgeschlossenem Zeitplan. Versöhnung kann ebenso die Einigung auf unvollständige Lösungen heißen.

  • Versöhnung ist ein Prozess des Geben und Nehmens. Er braucht ausgehandelte Lösungen, an deren Ende nicht Gewinner und Verlierer dastehen. Versöhnung muss alle Faktoren einschließen. Wenn bestimmte Parteien in einem Konflikt ignoriert werden, lässt sich der Konflikt nicht lösen.

  • Eine Seite muss die Initiative in der Konfliktlösung ergreifen. Das Evangelium ermutigt uns das Risiko des ersten Schrittes auf uns zu nehmen. Auf diese Weise können Kirchen als Vermittler und Mediatoren wirken.

 

 

  1. Wir sehen das Bedürfnis eines intensiven Dialogs mit anderen Initiativen und Organisationen um verschiedene Schritte zur Gewaltüberwindung zu verstehen.

  2. Versöhnung ist ein Lernprozess. Wir sehen das Bedürfnis menschliche und materielle Mittel in Lern- und Trainingsprozesse über Konfliktverhütung, Konfliktlösung und Versöhnung zu investieren.

  3. Die gezielte Behandlung von Erinnerungen ist eine einzigartige Methode zur Gewalt- und Schmerzüberwindung auf beiden Seiten, der des Opfers und des Täters.

  4. Aufbauinitiativen, NROs und ihre Netzwerke sind lebhafte Hoffnungsschimmer. Kirchen sollten auf lokaler Gemeindeebene und Netzwerkarbeit kooperieren.

  5. Wir müssen die Akzeptanz, das Verständnis und den Respekt gegenüber Vielfalt fördern.

  6. Versöhnung und Gewaltüberwindung brauchen einen klaren Beitrag in Richtung Gerechtigkeit, Frieden und Menschenrechte.

Mit den folgenden Bekräftigungen und Empfehlungen haben wir Handlungsmöglichkeiten in unseren Kirchen, Gemeinden und Gesellschaften erkannt.

 

 

 

 

Bekräftigungen und Empfehlungen

 

Basierend auf den Erkenntnissen der Konsultation,

 

bekräftigen wir:

uns selbst zu der Vision der Gerechtigkeit und des Friedens, wie sie in den Schriften steht, zu verpflichten. Auf diese Weise verpflichten wir uns die Rolle einer vorraussagenden Stimme in unseren Kirchen und Gesellschaften einzunehmen, sind uns jedoch über die herrschende Gewalt unter uns bewusst.

 

Dies beinhaltet im Besonderen:

  • Die Verurteilung jeglicher Form von Gewalt.

  • Die Schriften erneut im Kontext zu lesen und die biblische Botschaft mit Konfliktprävention und -lösung in Verbindung zu bringen.

  • Einen Dialog mit verschiedenen Glaubensrichtungen im Streben nach Frieden, Gerechtigkeit und Menschenrechten zu fördern;

  • Nach Wiedergutmachung und Entschädigung für die Opfer der Gewalt zu streben.

  • Sich im Besonderen für die Ausrottung der Armut einzusetzen.

  • Den unmenschlichen Wirkungen der Globalisierung entgegenzuwirken

 

Wir empfehlen unseren Kirchen:

  • Raum, Zeit und Mittel für Ausbildungs- und Trainingsprogramme zur Verfügung zu stellen, die Bewusstseinbildung, gewaltlose Umwandlung von Konflikten und Versöhnung betreffen;

  • Mit NROs und anderen Selbsthilfeorganisationen und Programmen die Aufbauarbeit leisten, zu kooperieren, in denen Opfer von Gewalt im Dienste des Austauschs teilnehmen, und Netzwerke solcher Organisationen zu unterstützen;

  • Studien und Besinnungen über Gewalt und Versöhnung in der Theologie und den verschiedenen religiösen Traditionen zu fördern.

  • Auf den Werteausbau im Bezug auf Menschenwürde und Gemeinschaftsgefühl hinzuarbeiten, wo auch immer die sozialen Verbindungen der Gesellschaft und Gemeinden belastet werden.

  • Im Besonderen appellieren wir an unsere Kirchen folgende Themen von allgemeiner Bedeutung anzusprechen:

    • häusliche Gewalt

    • Gewalt gegenüber Frauen und Kindern, speziell sexuelle Misshandlung, Vergewaltigung und Prostitution;

    • Religiöse und ethnische Konflikte und ihre sozi-politischen und ökonomischen Ursachen;

    • HIV/AIDS, Prävention, Behandlung und Fürsprache betreffend

    • Schuldenerlass und Wiedergutmachung, mit besonderem Augenmerk auf die Apartheidschulden

    • Verurteilung von "Krieg für Frieden" in Konfliktregionen, z.B. in Korea und im Mittlere Osten;

    • Kastenwesen und Rassismus

 

Wir empfehlen dem EMS:

  • Schritte in Richtung Gewaltüberwindung zu gehen und für Versöhnung zu arbeiten, als eine Priorität in der Langzeitplanung von Programmen und Projekten des Missionskonzils;

  • Eine Plattform und eine Basis für die Netzwerkarbeit zwischen all den Kirchen der EMS-Gemeinschaft zu schaffen, um unsere gemeinsame Vision zu fördern, im Besonderen

    • Das Eintreten für die bezeichneten Themen

    • Interkulturellen Austausch , z.B. durch Gruppenbesuche, regionale Konsultationen;

    • Gender Beziehungen in allen Kirchen der EMS Gemeinschaft;

  • die nachfolgenden Entwicklungen der Konsultation zu beobachten und die Durchsetzung der Empfehlungen zu bewirken.

  • die EMS Internetseite als ein Mittel zum Austausch weiterzuentwickeln.

  • an einem Beitrag zur WCC Generalversammlung in Jahr 2006 zu arbeiten.

 

Möge Gott uns Mut, Stärke, Weisheit und Entschlossenheit bei unserem Beitrag zur Gewaltüberwindung und unserer Arbeit zur Versöhnung geben.

 

Hanover Park, Kapstadt, Südafrika
26. November 2002

 

Theologische Orientierung der EMS-Gemeinschaft
"Gemeinsames Zeugnis"

  1. Wir sind auf dem Weg zu einer internationalen, ökumenischen Gemeinschaft von Kirchen und Missionsgesellschaften, in der wir unsere Hoffnung auf das Reich Gottes miteinander teilen.

  2. Mission ist zuerst Gottes Zuwendung zur Welt, in der Schöpfung, in der Geschichte mit den Menschen, in Jesus Christus und in der Kraft des Geistes. Unser Zeugnis ist Antwort und Beteiligung an Gottes leidenschaftlich-mitleidender und verwandelnder Liebe.

  3. Die Mitte unseres Glaubens ist die Gute Nachricht vom Heil, von der Fülle des Lebens, von der Überwindung des Todes in Jesus Christus. Mit dem Namen Jesu Christi verbinden sich Erlösung, Befreiung, Versöhnung, Heilung, Gerechtigkeit, Frieden und Hoffnung.

  4. Das Evangelium gilt allen Dimensionen des Lebens. Unser Zeugnis ist deshalb ganzheitlich. Verkündigung des Evangeliums, Gottesdienst und Gebet, Seelsorge, Religionspädagogik, Diakonie sowie der Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden, Versöhnung und die Bewahrung der Schöpfung gehören unlösbar zusammen.

  5. Unser Zeugnis ist getragen von der Leidenschaft für das Evangelium und von der Achtsamkeit gegenüber Gottes guter Schöpfung, insbesondere gegenüber allen verwundbaren und gefährdeten Geschöpfen.

  6. Wir bezeugen das Evangelium von Jesus Christus am jeweiligen Ort auf einladende und glaubwürdige Weise. Die Erfahrung von Fremdheit in der Begegnung und im Austausch über Grenzen hinweg hilft uns, das Evangelium in neuer Weise zu entdecken.

  7. In verbindlicher Partnerschaft gehören wir zusammen. Die Vielstimmigkeit und Vielfalt unseres Zeugnisses in unterschiedlichen Kontexten ist ein Reichtum und zugleich eine bleibende, wechselseitige Herausforderung.

  8. Unser Zeugnis lebt von Zeichen lebendiger Solidarität. In heilender und versöhnender Gemeinschaft teilen wir das Leben, teilen auch das Leiden. Wir setzen uns ein für Menschenrechte, ebenso für eine gerechte Gemeinschaft von Frauen und Männern und unter allen Generationen.

  9. In unserem Zeugnis begegnen wir, mutig und demütig zugleich, Menschen anderer religiöser Überzeugungen und Weltanschauungen mit Achtung, Respekt und Einfühlungsvermögen, mit der Bereitschaft zuzuhören und als gute Nachbarn zusammenzuleben.

  10. Als ein "Forum für gelebte Ökumene" dient unsere Gemeinschaft dazu, dass wir in unserem Zeugnis über Grenzen hinweg voneinander lernen, dass wir einander ermutigen, und dass wir uns wechselseitig herausfordern.

Englische Fassung beschlossen vom EMS-Missionsrat am 2. Juli 2003, Chennai, Indien

Download : Preparatory Paper No 6.pdf