World Council of Churches

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Pilgerweg der Klimagerechtigkeit von Flensburg bis nach Paris

Grußbotschaft vom ÖRK-Generalsekretär an die Pilger/innen in Flensburg und Brekklum.

17. September 2015

Liebe Freunde,

Endlich bewegt sich etwas- weil Ihr euch bewegt und den Pilgerweg der Klimagerechtigkeit von Flensburg bis nach Paris beginnt!

Bewegung brauchen auch die Verhandlungen im Vorfeld der Klimakonferenz. Es muss endlich einen Durchbruch geben, der zu wirksamen Schritten führt, die Erderwärmung zu begrenzen.

Für Euch alle auf dem Weg bringe ich Grüße vom Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Genf, Pastor Dr. Olav Fykse Tveit.  Gerade zurück in Genf von einer Reise nach Lateinamerika schreibt er Euch:

„Liebe Freunde in Deutschland,

wir freuen uns, dass ihr den Aufruf der zehnten Vollversammlung des ÖRK 2013 in Busan zu einem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens gehört habt! Mit eurem Pilgerweg der Klimagerechtigkeit setzt ihr den Aufruf der Vollversammlung in konkretes Handeln um. Im Vorfeld der Klimakonferenz, die Ende November in Paris beginnt, wollt ihr einen Anstoß geben: dieses Mal müssen die Verhandlungen zu problemgerechten Entscheidungen führen. Kurzfristige Wirtschaftsinteressen sollen nicht mehr verhindern, dass das Notwendige für die Zukunft der Erde und aller Lebewesen getan wird.

Mit eurem Pilgerweg seid ihr Teil einer weltweiten Bewegung für Klimagerechtigkeit.

Im September letzten Jahres demonstrierten 400‘000 Menschen auf den Straßen Manhattans,  während wir dort  in New York mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Religionen gemeinsam die Sorge um den Klimawandel vor den Vereinten Nationen zum Ausdruck brachten.

In Afrika führt eine Fahrradkarawane von Mozambique nach Nairobi, wo Kirchen und Zivilgesellschaft mit Desmond Tutu für Klimagerechtigkeit demonstrieren werden.

Schon lange haben die von Überschwemmungen, Unwettern und Stürmen heimgesuchten Menschen in Asien und den vom steigenden Meeresspiegel bedrohten Inseln im Pazifik unsere Solidarität eingeklagt und uns daran erinnert, dass Christinnen und Christen ihre Verantwortung für Menschen und Mitwelt wahrnehmen müssen.

Ich bin gerade von einer Reise nach Lateinamerika nach Genf zurückgekommen. Ich habe dort viele Gespräche mit den Kirchen aber auch mit Journalisten, Ministern und auch Staatspräsidenten geführt. Mir ist dabei wieder ganz deutlich geworden, warum wir von Klimagerechtigkeit reden müssen. Paris muss beides im Blick haben:  die Nachhaltigkeit und die Gerechtigkeit.  Weder im Norden noch im Süden unseres Planeten  können wir eine der beiden Dimensionen vernachlässigen, wenn wir ein Verhandlungsergebnis erreichen wollen, mit dem der notwendige Wandel eingeleitet wird.

In Genf hatte ich schon beim Menschenrechtsrat auf den Zusammenhang zwischen den Menschrechten und dem Klimawandel hingewiesen.  Die Armen, und unter ihnen Frauen und Kinder, sind zuerst vom Klimawandel betroffen. Die Präsidentin von Chile hatte davon gehört. Sie unterstrich, wie wichtig es ist, die Frage der Gerechtigkeit in den Mittelpunkt zu stellen, in der es immer um beides – um Menschen und Mitwelt - geht. Auch die Regierung in Brasilien sah den Zusammenhang zwischen Klimagerechtigkeit, der Bewahrung des Regenwaldes, der Landwirtschaft und dem Lebensstil der Menschen -  einschließlich der Essgewohnheiten.

Die Gerechtigkeit für Menschen und Mitwelt ist nicht teilbar. Häufig sind es dieselben Ursachen, die zu mehr Ungerechtigkeit und zugleich zur Umweltzerstörung führen.  Manche haben uns gefragt, warum der Ökumenische Rat der Kirchen vom Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens spricht und nicht wieder den Dreiklang von Gerechtigkeit, Frieden und Schöpfungsbewahrung aufgreift. Wir wollen damit zum Ausdruck bringen, dass wir gelernt haben: Es gibt nur eine Gerechtigkeit für Menschen und für die Mitgeschöpfe Gottes, nur eine Gerechtigkeit, die dem Leben dient und eng mit dem Frieden unter den Völkern verknüpft ist.

Papst Franziskus hat sich mit seiner Encyklika „Laudato Si“, die in ihrem Titel den Sonnengesang des Heiligen Franziskus aufgenommen hat, für Menschen und Mitwelt eingesetzt. Papst Franziskus ist auch in diesem Jahr der Anregung des Ökumenischen Patriarchen gefolgt und hat gemeinsam mit ihm und den Mitgliedskirchen des ÖRK zu einem Gebetstag für die Schöpfung aufgerufen. Wir haben ihn am 1. September gefeiert. Klar und deutlich treten die Kirchen in ökumenischer Gemeinsamkeit für Klimagerechtigkeit ein. Und so unterstützen hier in Deutschland, England, Frankreich, den Niederlanden, Skandinavien, Polen und weiteren Ländern die Kirchen ökumenisch und gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Gruppen den Pilgerweg der Klimagerechtigkeit.

Wenn auch noch immer einzelne Fragen den Weg zur Einheit der Kirchen blockieren, so können die Kirchen doch gemeinsam handeln und ihre Sorge für das Leben der Welt miteinander zum Ausdruck bringen. Ich bin froh, dass uns dies im Blick auf die Klimagerechtigkeit gelingt. Mit dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens wollen wir uns in den kommenden Jahren auch für andere Schlüsselfragen der Zukunft gemeinsam auf den Weg machen.

Vielleicht treffe ich selbst einige von euch im Oktober in Lengerich in Westfalen wieder, wo ich einer Veranstaltung des Pilgerwegs teilenehmen werde. Darauf freue ich mich. Ich hoffe, dass euer Engagement und dieser Pilgerweg der Klimagerechtigkeit viele Menschen in  Europa erreicht und sie  davon überzeugt, dass auch sie sich auf den Weg machen können.  Geht doch – sagt euer Motto.  Es gibt keinen Grund mehr, sich in der Ecke zu verkriechen, weil man nicht mehr daran glaubt, dass Menschen mit ihren Aktionen etwas verändern können.  Geht doch – setzt ein Zeichen und zeigt, dass ihr wirkliche Veränderungen wollt:  nämlich mehr Gerechtigkeit und mehr Frieden heute und nicht erst in ferner Zukunft.

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit
Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen