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Erklärung zur Krise im Libanon

Der Exekutivausschuss des Ökumenischen Rats der Kirchen, der vom 20. bis 24. Juli 2020 zu einer Videokonferenz zusammentrat, bringt seine große Sorge und Befürchtung über die aktuellen Entwicklungen im Libanon zum Ausdruck.

24. Juli 2020

Der Exekutivausschuss des Ökumenischen Rats der Kirchen, der vom 20. bis 24. Juli 2020 zu einer Videokonferenz zusammentrat, bringt seine große Sorge und Befürchtung über die aktuellen Entwicklungen im Libanon zum Ausdruck.

Der Exekutivausschuss ist angesichts der in den letzten Wochen und Monaten eskalierenden Krisensituation im Libanon, den damit verbundenen sozialen, wirtschaftlichen und politischen Problemen und den Herausforderungen im Zusammenhang mit der Souveränität des Landes zutiefst alarmiert. Von diesen Krisen, die sich auf die gesamte Bevölkerung auswirken, sind die an sich schon gefährdeten Gruppen der Frauen, Kinder, Menschen mit Behinderung, Arbeitsmigranten und Flüchtlinge besonders schwer betroffen.

Über die Jahrhunderte hinweg und trotz eines brutalen Bürgerkriegs ist es dem Libanon gelungen, seine ethnische, kulturelle und religiöse Vielfalt in einem Geiste des Pluralismus und der Konvivialität beizubehalten. Inmitten einer Region, die von Kriegen, Konflikten und Besatzung zerrüttet wird, blieb der Libanon stets ein Vorbild und Symbol der Hoffnung und der Widerstandskraft. Dieses Vorbild ist jetzt in Gefahr.

Der Exekutivausschuss bekräftigt, dass es nun an der Regierung im Libanon sei, ihre Rolle als Garant für den Gesellschaftsvertrags, die Stabilität und Sicherheit des Landes und die Rechte der Öffentlichkeit sowie die Menschenrechte aufrechtzuerhalten und weiter auszubauen. Dem Libanesischen Volk spricht der Exekutivausschuss seine Unterstützung zu und ermutigt es, in Solidarität zueinander vereint zu bleiben, um aus dieser Krise hervorzugehen und nicht in Spaltung und Sektierertum zu verfallen. Die libanesische Bevölkerung hat auf allen Ebenen - sei es von Seiten der Politiker, der Religionsoberhäupter, der Zivilbevölkerung und der jungen Menschen - eine Verantwortung, das Land vor den weitreichenden regionalen politischen und sozialen Kräften abzuschirmen, die die Region in die Spaltung und Zerstörung treiben.

Dabei spielen die religiösen Oberhäupter aller Gemeinden eine wichtige Rolle, um ihre Leute durch diese schwierigen Zeiten hindurch zu Einsicht, Gerechtigkeit, Versöhnung und Einigkeit zu führen.

Der Ökumenische Rat der Kirchen steht offen solidarisch hinter den Kirchen und Menschen im Libanon und fordert die Regierung zu dringenden Strukturreformen auf, die notwendig sind, um die Stabilität, Einheit und Souveränität des Libanon zu gewährleisten.

Ökumenischer Rat der Kirchen
EXEKUTIVAUSSCHUSS
Videokonferenz
20. bis 24. Juli 2020