World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Sie sind hier: Startseite / Dokumentation / Dokumente / ÖRK-Kommissionen / Glauben und Kirchenverfassung / XI. Gebetswoche für die Einheit der Christen / 2004 / Gebetsvorschläge zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2004

Gebetsvorschläge zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2004

Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns die Veröffentlichung der Gebetstexte auf dieser Webseite ermöglicht haben. Wir haben uns bemüht, die jeweiligen Referenzen so genau wie möglich festzustellen.

01. Januar 2004

Gebete
nach einer palästinensischen Litanei
von Bischof Munib A. Younan

Laßt uns beten für das ganze Volk Gottes in Jesus Christus
und für die Nöte aller Menschen.

Barmherziger Gott, in der Geburt deines Sohnes Jesus Christus in Bethlehem
wurdest du einer von uns; du teiltest unsere Freude, unser Leid und unseren Schmerz. Wir danken dir dafür, daß du nach Ägypten geflohen bist und dich mit den Flüchtlingen und den Opfern politischer Machtausübung identifizierst. Wir danken dir dafür, daß du am Kreuz gelitten hast und dich mit denen identifizierst, die Unrecht erleiden und unter Besatzung leben.
Herr, in deiner Barmherzigkeit,
erhöre unser Gebet.

Ewiger Gott, du kennst die Beschwerden und die Leiden des Volkes von Israel-Palästina: Wir beten für die Opfer von Ungerechtigkeit und Gewalt, aber auch für alle, die Leid verursacht haben. Wir beten für die, die nicht an ihren Arbeitsplatz gehen können. Wir beten für die jungen Menschen, die ihre Hoffnung auf eine Zukunft verlieren, und für die Mütter, die das Blutvergießen und Töten nicht mehr ertragen können. Wir beten für die Familien, die um ihre Angehörigen trauern.
Herr, in deiner Barmherzigkeit,
erhöre unser Gebet.

Wir beten für die Heilung der Verwundeten. Wir beten für die, die ihr Leben lang behindert sein werden. Wir beten für die Politiker und bitten, daß du ihnen die Weisheit und den Mut schenken mögest, nach Versöhnung und Frieden zu streben.
Herr, in deiner Barmherzigkeit,
erhöre unser Gebet.

Wir alle sind nach deinem Bild geschaffen. Gib uns den Mut, daß wir die Menschenrechte, die religiösen, bürgerlichen und politischen Rechte eines jeden Menschen anerkennen. Hilf uns, eine Kultur des Friedens, der Gerechtigkeit und der Versöhnung aufzubauen. Befreie uns von allem Haß und aller Bitterkeit.
Herr, in deiner Barmherzigkeit,
erhöre unser Gebet.

Unser Herr Jesus Christus sagte zu seinen Jüngern: „Den Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch.“ (Joh 14, 27) Schenke uns Frieden, Herr, Frieden deiner Kirche, Frieden unter den Völkern, Frieden in unseren Häusern und Frieden in unseren Herzen. Barmherziger Gott, erhöre unser Gebet und höre unser Verlangen. Du allein bist unsere Stärke, Zuflucht und Hoffnung. Im Namen Jesu, unseres Befreiers und Heilands.
Amen.

© Bischof Dr. Munib A. Younan, ELCJ, Palästina

Glaubensbekenntnis der Hoffnung

Ich glaube an Gott,
an den Gott aller Glaubensbekenntnisse, mit all ihren Wahrheiten.
Aber vor allem an einen Gott, der aufersteht aus den toten Worten,
um Teil des Lebens zu werden.
Ich glaube an einen Gott, der aus der Nähe
jeden meiner Schritte über diese Erde begleitet:
der viele Male hinter mir ging und dabei meine Irrtümer beobachtet und mit mir gelitten hat;
der ein anderes Mal an meiner Seite ging, zu mir geredet und mich gelehrt hat;
und der andere Male vor mir her ging, der mich geleitet und mir den Rhythmus meiner Schritte vorgegeben hat.
Ich glaube an einen Gott aus Fleisch und Blut, Jesus Christus,
einen Gott, der in meine Haut schlüpfte und sich meine Schuhe anzog,
einen Gott, der meine Wege ging und Licht und Schatten kennt.
Einen Gott, der aß und hungerte,
der ein Heim hatte und Einsamkeit litt,
der bejubelt und verdammt, geküßt und bespuckt, geliebt und gehaßt wurde.
Einen Gott, der an Festen und Trauerfeiern teilnahm.
Einen Gott, der lachte und weinte.
Ich glaube an einen Gott, der aufmerksam heute seinen Blick auf die Welt richtet,
der den Haß sieht, der aussondert, trennt, an den Rand drängt, verletzt und tötet;
der die das Fleisch durchbohrenden Kugeln sieht
und das unschuldige Blut, das über die Erde vergossen wird;
der die Hand sieht, die in die fremde Tasche greift
und das raubt, was der Andere zum Essen benötigt;
der den Richter sieht, dessen Richterspruch den Meistbietenden bevorzugt,
und dabei Wahrheit und Gerechtigkeit mit Heuchelei überzieht;
der die verschmutzten Flüsse und die toten Fische sieht,
die Giftstoffe, die die Erde zerstören und den Himmel durchlöchern;
der die mit Hypotheken belastete Zukunft sieht und die Schuld des Menschen, die wächst.
Ich glaube an einen Gott, der dies sieht …
und weiter weint …

Aber ich glaube auch an einen Gott,
der eine Mutter sieht, wie sie gebiert - Leben, das aus dem Schmerz geboren wird;
der zwei spielende Kinder sieht - Saat der Solidarität, die wächst;
der eine Blume aus den Ruinen aufblühen sieht - ein neuer Anfang;
der drei verrückte Frauen sieht, die nach Gerechtigkeit schreien - das Wunschbild, das nicht stirbt;
der die Sonne jeden Morgen aufgehen sieht - Zeit der Möglichkeiten.
Ich glaube an einen Gott, der dies sieht …
und lacht,
weil,
trotz all dem,
die Hoffnung bleibt …

© Gerardo Oberman, Argentinien


In der Nacht vom 14./15. November 1940 zerstörte ein deutscher Bombenangriff die englische Stadt Coventry, die damit zum Zeichen eines sinnlosen und mörderischen Vernichtungswillens wurde. Nach dem Krieg wurde sie Ausgangspunkt einer weltweiten Versöhnungsbewegung mit dem Symbol des aus drei Nägeln der zerstörten Kathedrale gebildeten "Nagelkreuzes". Die Ruine der Kathedrale wurde zum Begegnungszentrum. Hier wird jeden Freitagmittag die 1959 formulierte Versöhnungslitanei gebetet:

„Sie sind allesamt Sünder und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten.“ (Röm 3, 23)

Wir alle haben gesündigt und mangeln des Ruhmes, den wir bei Gott haben sollten. Darum laßt uns beten:
Vater, vergib!

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse:
Vater, vergib!

Das habsüchtige Streben der Menschen und Völker, zu besitzen, was nicht ihr eigen ist:
Vater, vergib!

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet:
Vater, vergib!

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen:
Vater, vergib!

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Heimatlosen und Flüchtlinge:
Vater, vergib!

Den Rausch, der Leib und Leben zugrunde richtet:
Vater, vergib!

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf dich:
Vater, vergib!

Lehre uns, o Herr, zu vergeben und uns vergeben zu lassen,
dass wir miteinander und mit dir in Frieden leben.
Darum bitten wir um Christi willen.

„Seid untereinander freundlich und herzlich und vergebt einem dem anderen, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ (Eph 4, 32)

© Coventry Cathedral; Reproduktion mit freundlicher Erlaubnis des Coventry Cathedral Chapter

 

Die nachfolgenden 3 Gebetstexte entstanden während eines Liturgie- und Musikseminars, das im Oktober 2002 in Faverges/Frankreich vom ÖRK organisiert worden war.

I

Gott,
das Bildnis deines Sohnes ist nicht sichtbar
- auf den Seiten unserer Zeitungen
- in den Gesichtern unserer Entscheidungsträger
- beim Einsatz unserer Waffen
- in der Gewalt unserer Taten.

Christus,
nimm unsere Worte,
unsere Welt,
unsere Waffen,
unsere Arbeit
und verwandle sie nach deinem Bilde.

Damit wir dein Antlitz sehen können
in der Wahrheit, dort wo Falschmeldungen berichtet werden
in der Gerechtigkeit, dort wo Machtmissbrauch betrieben wird
im Frieden, dort wo mit Krieg gedroht wird
in der Versöhnung, dort wo Hass gefördert wird.

Öffne unsere Augen, Herr!

II

Gott,
das Bildnis deines Sohnes wird durch unsere Sünde entstellt,
denn wir sündigen gegen dich und gegen unsere Nächsten.

Vergib uns, wenn wir das Leiden deines Volkes und die Gewalt und Ungerechtigkeit nah und fern nicht wahrnehmen.

Gib uns Mut dazu, dass wir uns unseren Ängsten stellen und
hilf uns, als Friedensstifter zu wirken.

Erneuere in uns die Vision der einen Kirche.

Öffne unsere Augen!

III

Gott,

wir sind nach deinem Bildnis geschaffen.

Nur durch uns kannst du deinen Frieden und deine Gerechtigkeit zeigen.

Wir sind verantwortlich für deine Welt und für einander.

Verwandle uns durch deinen Heiligen Geist.

Öffne unsere Augen!

2002 © Ökumenischer Rat der Kirchen

Segen

Der Segen des Gottes des Friedens und der Gerechtigkeit sei mit uns;
Der Segen des Sohnes, der die Leidenstränen dieser Welt weint, sei mit uns;
Und der Segen des Geistes, der uns zu Versöhnung und Hoffnung anstiftet, sei mit uns - jetzt und in Ewigkeit.
Amen.

2003 © Clare McBeath

Wir möchten uns bei allen bedanken, die uns die Veröffentlichung der Gebetstexte auf dieser Webseite ermöglicht haben. Wir haben uns bemüht, die jeweiligen Referenzen so genau wie möglich festzustellen. Sollte uns in den Angaben ein Fehler unterlaufen sein oder sollten wir irrtümlicherweise ein Copyright verletzt haben, so bitten wir nachdrücklich um Entschuldigung.

abgelegt unter: , ,