World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Ordnung für einen ökumenischen Gottesdienst

m Zentrum des Gottesdienstes zur Gebetswoche für die Einheit der Christen 2001 steht das Wort Jesu: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben (Joh 14, 6).

01. Januar 2001

L:    Liturgen/innen
G:    Gemeinde
(Die mit L gekennzeichneten Texte sollten unter verschiedenen Vertretern/innen der am Gottesdienst beteiligten Gemeinden aufgeteilt werden.)
EG:    Evangelisches Gesangbuch
GL:    Gotteslob
TM:    Thuma Mina

Begrüßung und Einführung in den Gottesdienst
(Dies sollte von einem/r Vertreter/in der gastgebenden Gemeinde geschehen. Damit kann ein Ansingen der Lieder verbunden sein, die der Gottesdienstgemeinde nicht so bekannt sind.)

I. Eröffnung

Präludium / Einzug
(Während des Präludiums erfolgt der Einzug aller, die an der Liturgie mitwirken. Bei dem Einzug werden Kreuz, Bibel und eine Taufkerze, eventuell auch andere Symbolgegenstände (Ikone o.a.), mitgeführt und möglichst an verschiedenen Stellen im Altarbereich/Chorraum aufgestellt.)

Eingangsvotum

L:

Im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Gott, der unsere Wege kennt, hat uns zusammengeführt.
Woher wir auch kommen, in Christus sind unsere getrennten Wege vereint.
In seinem Geist sind wir miteinander verbunden.

Dafür wollen wir Gott loben und danken.

Psalm Psalm 107, 1-16
(zugrundegelegt ist die Textfassung der Einheitsübersetzung)

L:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig.

G:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig.

L1:

So sollen alle sprechen, die vom Herrn erlöst sind,
die er von den Feinden befreit hat.
Denn er hat sie aus den Ländern gesammelt,
vom Aufgang und Niedergang, vom Norden und Süden.

L2:

Sie, die umherirrten in der Wüste, im Ödland,
und den Weg zur wohnlichen Stadt nicht fanden,
die Hunger litten und Durst,
denen das Leben dahinschwand.

L3:

Die dann in ihrer Bedrängnis schrien zum Herrn,
die er ihren Ängsten entriß und die er führte auf geraden Wegen,
so daß sie zur wohnlichen Stadt gelangten:

L4:

Sie alle sollen dem Herrn danken für seine Huld,
für sein wunderbares Tun an den Menschen,
weil er die lechzende Seele gesättigt,
die hungernde Seele mit seinen Gaben erfüllt hat.

G:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig.

L1:

Sie, die saßen in Dunkel und Finsternis,
gefangen in Elend und Eisen,
die den Worten Gottes getrotzt
und verachtet hatten den Ratschluß des Höchsten.

L2:

Deren Herz er durch Mühsal beugte,
die stürzten und denen niemand beistand.

L3:

Die dann in ihrer Bedrängnis schrien zum Herrn,
die er ihren Ängsten entriß,
die er herausführte aus Dunkel und Finsternis
und deren Fesseln er zerbrach:

L4:

Sie alle sollen dem Herrn danken für seine Huld,
für sein wunderbares Tun an den Menschen,
weil er die ehernen Tore zerbrochen,
die eisernen Riegel zerschlagen hat.

G:

Danket dem Herrn, denn er ist gütig und seine Huld währt ewig.

Lied Nun danket all und bringet Ehr ( EG 322, 1-6 / GL 267)
alternativ: Kommt herbei, singt dem Herrn (GL 270)

Gebet
(Dieses Gebet sollte in der Nähe der Taufkerze oder des Taufbeckens gesprochen werden. Wenn möglich, versammelt sich die ganze Gemeinde dort, andernfalls alle Liturgen.)

L1:

Gott rief uns aus der Dunkelheit in sein wunderbares Licht.

L2:

Gott, du hast uns geführt und befreit. Dein Weg führt uns aus der Dunkelheit ins Licht.
Durch die Taufe hast du uns zu deinen Töchtern und Söhnen berufen.
Du hast uns erleuchtet und mit deinem Geist erfüllt. Du bist bei uns gewesen und wirst bei uns sein. Stärke uns auf unserem gemeinsamen Weg der Freiheit, der Hoffnung und der Liebe.

L1:

Christus sagt: Wer mir nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis, sondern wird das Licht des Lebens haben.

G:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen.

Lied Heiliger Allmächtiger (aus Rumänien) TM 38 alternativ: Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen EG 272

II. Schuldbekenntnis

L1:

Christus, du sagst: Ich bin der Weg!

L2:

Wir bekennen, daß wir oft trotz besseren Wissens an unseren alten Wegen festhalten.
Das Streben nach Erfolg bestimmt, was wir tun. Der Erfolg heiligt die Mittel.
Wir bevorzugen eher den bequemen und leichten Weg und gehen uns so aus dem Weg.
Das Ziel, zu dem du uns führen willst, bestimmt zu wenig unser Denken und Tun.
Wir bleiben stehen, obwohl du uns auf dem Weg mit dir weiterführen willst.

G:

Christus, zu dir rufen wir: Führe uns aus unserer Enge in deine Weite.

L1:

Christus, du sagst: Ich bin die Wahrheit!

L2:

Wir bekennen, daß wir uns immer wieder in Lügen und Falschheit verstricken. Sorgfältig hüten wir die Bilder und Vorurteile, die wir voneinander haben. Wir sind oft nicht bereit, den leeren Parolen der Macht, der Intoleranz und der Habgier entgegenzutreten. Wir leben in einer Welt und sind doch unwillig, sie miteinander in Gerechtigkeit und Frieden zu teilen.

G:

Christus, zu dir rufen wir: Führe uns aus unserer Enge in deine Weite.

L1:

Christus, du sagst: Ich bin das Leben!

L2:

Wir bekennen, daß wir den Reichtum und die Fülle des Lebens, die du für uns bereit hältst, immer wieder mißachten. Die einen bestreiten den anderen das Lebensrecht: die Starken den Schwachen, die Gesunden den Kranken, die Reichen den Armen, eine Generation der anderen. Zunehmende Gewalt und Aggression zerstören das Leben. Die Erneuerung und Heilung, die du verheißt, lassen wir oft genug nicht zur Entfaltung kommen.

G:

Christus, zu dir rufen wir: Führe uns aus unserer Enge in deine Weite.

Zuspruch der Vergebung

L:

Christus, dem wir unsere Schuld bekannt haben,
spricht uns seine Vergebung und seinen Frieden zu:
"Frieden hinterlasse ich euch, meinen Frieden gebe ich:
nicht einen Frieden, wie die Welt ihn gibt, gebe ich euch.
Euer Herz beunruhige sich nicht und verzage nicht!" (Joh 14,27)

G:

Dank, Lob und Ehre sei Gott!

Lied: Such wer da will ein ander Ziel EG 346, 1.3.4
alternativ: Meine Hoffnung und meine Freude TM 92

Gebet (Dieses Gebet sollte bei der Bibel gesprochen werden. Wenn möglich, versammelt sich die ganze Gemeinde dort, andernfalls alle Liturgen.)

L1:

Heilige uns, Gott, in deiner Wahrheit.
Dein Wort ist Wahrheit.

L2:

Jesus Christus, du bist unser Lehrer.
Wer dich hört, hört Gott, den Vater.

Wir danken dir für dein Leben auf Erden.
Es ist uns ein Beispiel.

Wir danken dir für deine Heilungen.
Sie geben uns Hoffnung.

Wir danken dir für deine Gleichnisse.
Sie wecken in uns die Sehnsucht nach deinem Reich.

Wir danken dir für deine Lehre.
Deine Worte spenden Leben.

Wir danken dir, daß du uns in deine Nachfolge rufst.
Wir danken dir, daß deine Wahrheit uns freimacht.

L1:

Laßt uns Gott im Geist und in der Wahrheit anbeten.

G:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen.

III. Verkündigung

Lesung:

Eph 2, 17-22 (oder eine andere Epistel ausgewählt aus den Texten der Acht-Tage)

G:

Halleluja EG 181.4 / TM 58

Lesung:

Joh 14, 1-6

Predigt

Lied

Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr uns weist EG 395
alternativ:
Laß uns den Weg der Gerechtigkeit gehn TM 245

IV. Glaubensbekenntnis

(Dieser Teil des Gottesdienstes sollte um das Kreuz herum stattfinden. Wenn möglich, versammelt sich die ganze Gemeinde dort, andernfalls alle Liturgen.)

Gebet

L1:

Laßt uns auf Jesus schauen,
den Wegbereiter und Vollender unseres Glaubens.

L2:

Jesus Christus, wir schauen auf dein Kreuz.
Wir kommen zu dir und stehen bei deinem Kreuz.

Dein Kreuz weist uns den Weg.

Dein Kreuz zeigt den Weg von der Trennung zur Einheit,
weil du dich für uns alle hingegeben hast.

Dein Kreuz zeigt den Weg vom Tod zum Leben,
weil du den Tod für alle Zeiten besiegt hast.

Dein Kreuz zeigt den Weg aus der Traurigkeit zur Freude,
weil deine Auferstehung uns zu einer Freude ruft, die uns niemand nehmen kann.

L:

Jesus Christus, du bist die Auferstehung und das Leben. Wir beten dich an.

G:

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen.

Stille

L:

Durch alle Jahrhunderte hindurch haben Christen ihren gemeinsamen Glauben an den dreieinigen Gott geteilt. Laßt uns diesen Glauben gemeinsam bekennen.

Glaubensbekenntnis1 (Das Credo wird in drei Teilen gesprochen, an die sich jeweils ein gesungener Kehrvers anschliesst.)

G:
Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen, der alles geschaffen hat, Himmel und Erde, die sichtbare und die unsichtbare Welt.

Kehrvers Herr, ich glaube TM 106
alternativ:
Preisen laßt uns Gott, den Herrn TM 2

Wir glauben an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, aus dem Vater geboren vor aller Zeit: Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater; durch ihn ist alles geschaffen. Für uns Menschen und zu unserem Heil ist er vom Himmel gekommen, hat Fleisch angenommen durch den Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist Mensch geworden. Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden, ist am dritten Tage auferstanden nach der Schrift und aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten des Vaters und wird wiederkommen in Herrlichkeit, zu richten die Lebenden und die Toten; seiner Herrschaft wird kein Ende sein.

Kehrvers

Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht, der aus dem Vater hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und verherrlicht wird, der gesprochen hat durch die Propheten, und die eine, heilige, katholische und apostolische Kirche. Wir bekennen die eine Taufe zur Vergebung der Sünden. Wir erwarten die Auferstehung der Toten und das Leben der kommenden Welt.

Kehrvers

V. Fürbitten

L:

Laßt uns beten:

L1:

Herr, du sagst: Ich bin der Weg.

L2:

Hilf uns, nicht gleichgültig nebeneinander herzugehen. Schenke uns Mut, unsere Selbstbezogenheit aufzugeben und den Weg zur Einheit zu gehen. Mögen die verschiedenen Traditionen uns gegenseitig zur Bereicherung werden auf dem Weg zur vollen Gemeinschaft, die wir suchen, zur Ehre deines Namens.

G:

Christus, erhöre unser Gebet.

L1:

Herr, du sagst: Ich bin die Wahrheit.

L2:

Mach uns hellhörig für deine Wahrheit. Nur so werden wir fähig sein, zu hören, was dein Geist den Kirchen heute sagt. Hilf uns, unsere Trennungen zu überwinden, durch die wir Ärgernisse hervorrufen. Mögen wir vereint werden in deiner Wahrheit, von jedem Teil der Erde. So allein können wir der Welt glaubhaft dein Heil verkünden, zur Ehre deines Namens.

G:

Christus, erhöre unser Gebet.

L1:

Herr, du sagst: Ich bin das Leben.

L2:

Leite uns alle, die wir durch die Taufe das Leben in dir haben. Leite uns dahin, daß wir die Einheit finden, die Leben in Fülle verheißt. Möge unsere Einheit ein sichtbarer Ausdruck deiner göttlichen Liebe sein, zum Heil der Welt und zur Ehre deines Namens.

G:

Christus, erhöre unser Gebet.

(Weitere Fürbitten aus dem örtlichen Kontext sowie aus der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Situation können sich anschliessen, z.B. für Minderheiten, Opfer von Gewalt und Feindschaft, verfolgte Christen, Benachteiligte und Ausgegrenzte, politische Mandatsträger, soziale und humanitäre Dienste und Initiativen u.a.)

L:

Alle unsere Bitten und Hoffnungen münden in das Gebet, das Christus uns gemeinsam zu beten gelehrt hat.

Vaterunser

Kollekte
(Informationen über das Projekt, für das die Kollekte bestimmt ist. Die Kollekte kann am Ausgang oder im Gottesdienst verbunden mit einem Instrumentalstück oder Lied eingesammelt werden.)

VI. Sendung und Segen

Friedensgruss
(Einladung und Aufforderung dazu durch eine/n Liturgen/in)

Sendung

L:

Nach seiner Auferstehung sprach Christus zu seinen Jüngern:
"Friede sei mit euch. Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch". (Joh 20, 21)

Wir sind gesandt, um zu bezeugen, daß Christus "der Weg, die Wahrheit und das Leben" ist. An unserem gemeinsamen Zeugnis liegt es, ob Christus als der vom Vater gesandte Retter erkannt wird.

So laßt uns einander die Hände reichen zum Zeichen dafür, daß wir in diesem angebrochenen neuen Jahrhundert miteinander Zeugnis ablegen von der Hoffnung, die uns erfüllt. Gemeinsam wollen wir nach der wahren und vollkommenen Einheit streben, die Christus für seine Kirche ersehnt.

(Die Gottesdienstbesucher reichen ihren Nachbarn/innen die Hände und halten sie fest während des nachfolgenden Gebets und Segenszuspruchs.)


Gebet

L:

O Gott, dein Sohn betete darum, daß wir eins seien, wie du in ihm und er in dir.
Leite unsere Schritte und öffne unsere Herzen.
Mache uns bereit und fähig, ihm zu nachzufolgen,
der der Weg, die Wahrheit und das Leben ist,
und der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen.

Segen

Lied:

Bewahre uns Gott, behüte uns Gott TM 187
alternativ:
Komm, Herr segne uns, daß wir uns nicht trennen EG 171 / TM 195

Postludium/ Auszug
(Die Liturgen/innen gehen mit Kreuz, Taufkerze und Bibel voran, die Gemeinde schließt sich an.)


1 Anmerkung
Verwendet wird das Ökumenische Glaubensbekenntnis von 381 in der ursprünglichen Fassung, wie sie vom Konzil von Nicäa-Konstantinopel beschlossen und bei ökumenischen Gottesdienste inzwischen allgemein üblich geworden ist. Spätere, innerhalb der westlichen Tradition gebräuchliche Ergänzungen ("Gott von Gott" und "der aus dem Vater und dem Sohn (filioque) hervorgeht") bleiben insofern unberücksichtigt. Zu beachten ist, daß es im deutschen Sprachraum bisher keine einheitliche Übersetzung des griechischen "katholike" gibt. Um Mißverständnisse zu vermeiden, sind bei den reformatorischen Kirchen interpretierende Übersetzungen wie "christlich" bzw. "allgemein" in Gebrauch.