World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

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Eine Einladung zum Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens

Die ÖRK-Vollversammlung 2013 in Busan rief Christinnen und Christen und alle Menschen guten Willens überall auf der Welt auf, sich einem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens anzuschließen. Der ÖRK-Zentralausschuss ruft alle Menschen auf, ihre gottgegebenen Gaben gemeinsam einzusetzen, um Verwandlung herbeizuführen.

08. Juli 2014

Wir wollen den Weg gemeinsam fortsetzen. Herausgefordert durch unsere Erfahrungen in Busan rufen wir alle Menschen guten Willens dazu auf, ihre von Gott gegebenen Gaben für Handlungen einzusetzen, die verwandeln. Diese Vollversammlung ruft euch auf, euch unserer Pilgerreise anzuschließen. Mögen die Kirchen Gemeinschaften der Heilung und des Mitgefühls sein, und mögen wir die gute Nachricht aussäen, damit Gerechtigkeit gedeihen kann und Gottes tiefer Frieden auf der Welt bleibe.” – Botschaft der 10. Vollversammlung

I.        Einladung den Weg gemeinsam fortzusetzen

Die Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) 2013 in Busan rief Christinnen und Christen und alle Menschen guten Willens überall auf der Welt auf, sich einem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens anzuschließen. Herausgefordert durch unsere Erfahrungen in Busan rufen wir alle Menschen – jung und alt, Männer und Frauen, mit und ohne Behinderungen, Menschen aller Religionen – auf, ihre gottgegebenen Gaben gemeinsam einzusetzen, um Verwandlung herbeizuführen. In erster Linie rufen wir unsere Mitgliedskirchen und Partner auf, sich gemeinsam auf die Suche zu begeben und unsere Berufung als Kirche durch ein gemeinschaftliches Engagement für die äußerst wichtigen Anliegen der Gerechtigkeit und des Friedens zu erneuern und eine Welt zu heilen, in der Konflikte, Ungerechtigkeit und Schmerz herrschen.

Durch die Teilhabe an Gottes Gabe der Einheit und Gottes Mission der Gerechtigkeit und des Friedens (missio Dei) wollen wir auf Gottes Willen für diese Welt antworten, indem wir Gemeinschaften der Gerechtigkeit und des Friedens werden und das Zusammensein dieser Gemeinschaften feiern.

II.        In Gemeinschaft wachsen – ein Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens

In der Erklärung zur Einheit der Vollversammlung heißt es: „Die Einheit der Kirche, die Einheit der menschlichen Gemeinschaft und die Einheit der ganzen Schöpfung sind miteinander verwoben. Christus, der uns eins macht, ruft uns auf, in Gerechtigkeit und Frieden zu leben, und spornt uns an, gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden in Gottes Welt einzutreten.“

Die Botschaft der ersten ÖRK-Vollversammlung 1948 in Amsterdam hatte den Willen der Kirchen zum Ausdruck gebracht, „beieinander zu bleiben“. Spätere Vollversammlungen bekräftigten diesen Willen. Die Kirchen blieben beieinander und arbeiteten gemeinsam an theologischen Erklärungen, sie engagierten sich gemeinsam in der Mission und im Dienst, in der Hoffnung, dass sie auf das Ziel der sichtbaren Einheit hin zusammenwachsen würden.

Indem sie erklärten, „Wir wollen den Weg gemeinsam fortsetzen“ und alle Menschen guten Willens aufriefen, „sich der Pilgerreise anzuschließen“, reagierten die Delegierten der Vollversammlung in Busan auf eine neue Art und Weise auf die heutigen, kontextuellen Herausforderungen für das Zeugnis und das eigentliche Wesen der Kirchen, auf die Bedürfnisse der Menschen und der Schöpfung, die sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnen, und auf die Wahrnehmung vieler junger Menschen, die eifrig nach Zeichen der Hoffnung Ausschau halten.

Die 10. Vollversammlung half uns zu sehen, dass wir bereits gemeinsam unterwegs sind. Unser Engagement für Einheit in unserem christlichen Glauben ist Antwort auf Gottes Gabe des Lebens und Gottes Aufruf, in Gemeinschaft zu wachsen. Diese Gemeinschaft ist eine spirituelle Gabe und wurde uns von Gott durch den Glauben und die Taufe der Kirche geschenkt. Diese Einheit im Glauben ist aber auch menschlicher Natur und ein Ausdruck davon, geschaffen und gesegnet worden zu sein. Sie manifestiert sich als eine Einheit, die auf den zentralen Werten der koinonia beruht, die eine rechte Beziehung herstellen und erhalten: Gerechtigkeit und Frieden.

Eine solche Verlagerung von einem statischen hin zu einem dynamischeren Verständnis von Einheit kann eine Herausforderung sein. Verschiedene theologische Traditionen und Kulturen verstehen und praktizieren das Konzept eines „Pilgerwegs“ unterschiedlich. Mit der Entscheidung, die Bezeichnung „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ zu wählen, und nicht „zu Gerechtigkeit und Frieden“ oder „für Gerechtigkeit und Frieden“ hat die Vollversammlung in Busan schon begonnen, sich mit dieser Fragen auseinanderzusetzen. Das Wort „Pilgerweg“ wurde gewählt, um auszudrücken, dass es sich um einen Weg mit einer tiefen spirituellen Bedeutung und mit hochtheologischen Konnotationen und Auswirkungen handelt. Als „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ ist es weder ein Weg hin zu einem konkreten Ort auf der Landkarte, noch eine einfache Form des Aktivismus. Es ist sich vielmehr ein verwandelnder Weg, zu dem Gott aufgerufen hat, in Erwartung des letztlichen Ziels für die Welt, das der dreieinige Gott bewirkt. Die Bewegung der Liebe, die Teil des Wesens des dreieinigen Gottes ist, wird in der Verheißung von Gerechtigkeit und Frieden offenbar. Sie sind Zeichen des kommenden Reiches Gottes, das bereits im Hier und Jetzt sichtbar ist, wenn es Versöhnung und Heilung gibt.

Die Christen sind aufgerufen, an diesen Zeichen von Gottes Reich teilzuhaben und für sie zu kämpfen, als Antwort auf Gottes Willen und Verheißung. Der Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens gründet demnach in Gottes eigener Mission für die Welt und im Vorbild Jesu. Jesus nachzufolgen bedeutet, ihn überall da anzutreffen, wo Menschen Opfer von Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg sind. Gottes Gegenwart zusammen mit den schwächsten Menschen, den Verwundeten, den Marginalisierten zu spüren ist eine verwandelnde Erfahrung. Christen sind durch den Geist lebendig gemacht und entdecken ihre tief verankerte Kraft und Energie zur Verwandlung einer ungerechten Welt. Zusammen mit anderen Glaubensgemeinschaften und allen Menschen guten Willens sind sie gemeinsam unterwegs.

Das Streben nach der Einheit der Christen, „damit die Welt glaube“ und die Einheit des gesamten Kosmos als letztliches Ziel der eschatologischen Hoffnung auf das Reich Gottes annehme, bleibt das wichtigste Ziel des gemeinsamen Wegs unserer ökumenischen Bewegung. Indem wir Seite an Seite gemeinsam den Weg gehen, laden wir andere ein, sich uns auf unserem Weg für die Heilung und Versöhnung dieser von Leiden und Konflikt gezeichneten Welt anzuschließen.

III.        Globaler und lokaler Kontext des Pilgerwegs

Wir unternehmen den Pilgerweg in einer Welt, die dringend nach dem Engagement von Christen und allen Menschen guten Willens verlangt. Sei es im Umweltschutz, in der Wirtschaft, der Friedensarbeit oder dem Einsatz für die Menschenwürde, Christinnen und Christen sehen sich auf lokaler wie auf weltweiter Ebene Angriffen auf die Werte des Evangeliums – Gerechtigkeit und Frieden – gegenüber.

Ironischerweise werden in der Wissenschaft, der Medizin, der Bildung und im Handel erfolgreich beeindruckende neue Horizonte erforscht, gleichzeitig jedoch steht unser Planet kurz vor einer Katastrophe und das Leben an sich ist in seiner Essenz gefährdet. Eine taumelnde Weltwirtschaft lässt Millionen von Menschen nutzlos werden und verschärft Ungleichheit und Armut im Norden wie im Süden. Die Kirchen auf der ganzen Welt kämpfen damit, auf die Folgen dieser Entwicklungen zu reagieren. Die Menschen in Afrika und auf anderen Kontinenten sehen zu, wie ihre reichhaltigen natürlichen Ressourcen exportiert werden, während sie selbst der Armut nicht entkommen. Unkontrollierbare Wetterphänomene und steigende Meeresspiegel erdrücken ganze Gemeinschaften, vom Südpazifik über Europa bis nach Nordamerika. Inmitten geopolitischer Verlagerungen zerstören weit verbreitete Gewalt und Krieg zwischen und innerhalb von Staaten und Bevölkerungen die Lebensgrundlage von Familien im Nahen Osten – insbesondere in Syrien und im Irak –, in Afrika und in Asien. Millionen von Menschen müssen fliehen oder an verheißungsvollere Orte auswandern. Zwangsmigration führt dazu, dass die Verwundbarsten Opfer von Menschenhandel werden. Gewalt und Misshandlung scheinen Frauen und Mädchen ungleich schwerer zu treffen. Ihre Gaben werden unterbewertet, ihre Körper oft missbraucht und häufig gibt es Widerstand gegen ihre Bildung. Und zu alledem kommen die Atomwaffen mit ihrem tödlichen Potenzial, die, so scheint es, wie in einem Glücksspiel die ganze Welt als Wetteinsatz benutzt.

Die Kirchen sind mit diesen globalen Realitäten konfrontiert, gleichzeitig aber auch mit ihren eigenen Situationen, die sich entscheidend verändern. Wie noch nie zuvor stehen Christen täglich in Kontakt mit Menschen anderer Glaubenstraditionen, vielleicht sogar in der eigenen Familie. Auf ihrer Suche nach neuen Formen authentischer Nachfolge bekunden sie überall ein neues Interesse an Spiritualität und spirituellen Traditionen. Die Kirchen im globalen Süden erleben ein außergewöhnliches Wachstum, während die Kirchen in Europa und Nordamerika erfahren, wie ihre kleineren, alternden Gemeinden um neue Mitglieder mit ganz anderen kulturellen Wurzeln bereichert werden. Obwohl immer mehr Frauen in Führungspositionen vorstoßen, ist die Geschlechterungleichheit in den Kirchen noch immer verbreitet. Trotz der zunehmenden Zahl und der wichtigen Rolle junger Menschen in zahlreichen Gesellschaften bleibt deren Beteiligung oftmals ungenügend oder ist bloß symbolischer Natur. Vielerorts verlieren konfessionelle Merkmale an Bedeutung und die Kirchen erforschen neue Wege des Predigens und Betens. Sie suchen nach neuen Formen, wie wir als Kirchen gemeinsam Zeugnis ablegen können, und nach neuen Führungspersönlichkeiten, die über die Ausbildung und Urteilsfähigkeit verfügen, um das Volk Gottes in diesen neuen Tag hinein zu leiten.

Auch die ökumenische Bewegung hat sich an eine neue Zeit der Vielfalt und der Herausforderungen angepasst. Sie achtet bewusst auf die spirituelle Dimension des Strebens nach Einheit. Sie definiert Mission und Dienst neu. Sie bekräftigt die große Vielfalt der christlichen Gemeinschaften und arbeitet mit ihr, sie geht im Dialog und in der Zusammenarbeit auf andere religiöse Traditionen zu. Vor allem aber will sie die Gemeinschaft stärken, Advocacy koordinieren und Christinnen und Christen und christliche Kirchen überall zur Solidarität ermutigen.

Auf dem gemeinsamen Weg können sich Kirchen, ökumenische Partner und andere auch auf die Ergebnisse der Ökumenischen Gespräche der Vollversammlung stützen sowie auf wichtige Hintergrunddokumente:

  • „Die Kirche – Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Vision“
  • „Gemeinsam für das Leben“
  • „Ökonomie des Lebens“
  • „Ein ökumenischer Aufruf zum gerechten Frieden“

Ihre Impulse gipfelten in der „Erklärung zur Einheit“ der Vollversammlung und im Aufruf ihrer Botschaft, sich dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens anzuschließen.

IV.        Sich an dem Pilgerweg beteiligen

Pilgerinnen und Pilger, die unterwegs sind, reisen mit leichtem Gepäck und lernen, dass nur das Wesentliche und Notwendige zählt. Sie sind offen für Überraschungen und bereit, durch Begegnungen und Herausforderungen auf ihrem Weg verwandelt zu werden. Alle, die mit offenem Herzen und offenem Geist mit uns gehen wollen, sind willkommene Gefährten (mit denen wir unser Brot teilen). Der Pilgerweg verspricht, ein verwandelnder Weg zu sein, auf dem wir uns selbst in neuen Beziehungen der Gerechtigkeit und des Friedens neu entdecken können.

Wo erkennen wir Gott, der zu Gerechtigkeit und Frieden und zur Einheit der Kirchen und der gesamten Menschheit aufruft und darauf hinarbeitet? An dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens werden Einzelpersonen, Gemeinden, lokale, regionale und internationale Gemeinschaften teilnehmen und die größten Bedürfnisse in ihrem jeweiligen Kontext neu untersuchen und dabei das Licht des Evangeliums auf die Bedürftigsten scheinen lassen und sich gegenseitig inspirieren, gemeinsam zu handeln.

Der Pilgerweg kann mindestens drei verschiedene Aspekte umfassen – die nicht linear verlaufen, sondern vielmehr in einer dynamischen Wechselbeziehung stehen:

•           Die Gaben feiern (via positiva)

Wir sind nicht mit leeren Händen oder alleine unterwegs. Der „ursprüngliche Segen“, nach dem Bilde Gottes geschaffen und zusammen – in Gemeinschaft – zu sein, ist, dass wir ein einzigartiger Bestandteil des Lebensnetzes sind, das uns in Erstaunen versetzt. Gemeinsam feiern wir Gottes großartige Gabe des Lebens, die Schönheit der Schöpfung und die Einheit einer versöhnten Vielfalt. Wir fühlen uns ermächtigt von dieser Gnade, an Gottes Bewegung der Liebe, der Gerechtigkeit und des Friedens teilhaben zu dürfen. – Wir empfangen im Gebet.

•           Sich mit den Wunden beschäftigen (via negativa)

Der Pilgerweg wird uns an Orte führen, an denen schreckliche Gewalt und Ungerechtigkeit herrschen. Wir wollen auf Gottes menschgewordene Gegenwart inmitten des Leids, der Exklusion und der Diskriminierung schauen. Die wahre Begegnung mit realen, kontextabhängigen Erfahrungen einer zerbrochenen Schöpfung und des sündigen Gebarens gegenüber anderen Menschen kann uns an das Wesentliche des Lebens selbst erinnern. Es kann dazu führen, dass wir Buße tun und uns – in einem Prozess der Reinigung – von der Besessenheit mit Macht, Besitz, Ego und Gewalt befreien, so dass wir Christus immer ähnlicher werden. – Wir lauschen im Gebet.

•           Ungerechtigkeit verwandeln (via transformativa)

Wenn wir selbst verwandelt werden, kann uns der Pilgerweg zu konkretem Handeln für Verwandlung führen. Wir können vielleicht den Mut aufbringen, in wahrem Mitgefühl für einander und für die Natur zu leben. Dazu gehört auch die Stärke, allem Bösen zu widerstehen – aller Ungerechtigkeit und aller Gewalt, auch wenn eine Kirche in einer Minderheitssituation lebt. Wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit sowie die Heilung der Verwundeten und das Streben nach friedlicher Versöhnung ist unser Auftrag – in jedem Kontext. Die Glaubwürdigkeit unseres Handelns kann durch die Qualität unserer Gemeinschaft – einer Gemeinschaft der Gerechtigkeit und des Friedens – wachsen. – Wir lassen uns verwandeln durch unser Gebet und unser Handeln im Gebet.

Wir glauben, dass das Vaterunser uns auf unserem Weg helfen wird, uns leiten wird und uns den gemeinsamen Weg weisen wird.

V.        Die Rolle des ÖRK auf dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens

Der ÖRK konzentriert sich auf die Gemeinschaft der Kirchen und auf seine Rolle, zusammenzurufen, zu koordinieren und zu unterstützen, sowie auf seine Führungsrolle. Durch sein Engagement „deckt er den Tisch“ für die Kirchen und für andere Organisationen und Gemeinschaften, einschließlich der weltweiten christlichen Gemeinschaften, kirchlichen Dienste und Werke, interreligiösen Organisationen und zivilgesellschaftlichen Bewegungen, damit diese sich in der Spiritualität und der Praxis, die sie in ihrem Streben nach Verwandlung für Gerechtigkeit, Frieden und Nachhaltigkeit entwickelt haben, austauschen können.

Neben der Ermutigung und Erleichterung der Beteiligung einzelner Mitgliedskirchen und ökumenischer Partner an dem Pilgerweg sollte der ÖRK sich auch selbst an dem Pilgerweg beteiligen. Der Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens steht im Zentrum und im Herzen der Strategieplanung des ÖRK in Zusammenarbeit mit den Kirchen und Partnern, um unsere Einheit in Vielfalt, unsere Teilhabe an Gottes Mission, unsere ökumenische Bildung sowie unser öffentliches Zeugnis für gerechten Frieden zu erneuern und zu stärken.

Die globalen Ziele des ÖRK für die nächste Zeit spiegeln die grundlegenden Dimensionen eines Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens wider. Diese sind:

  • Die Gemeinschaft stärken: Wenn die Mitgliedskirchen und ökumenischen Partner im Rahmen des Pilgerwegs gemeinsam unterwegs sind und zusammenarbeiten, erleben sie die Gabe der Einheit;
  • Gemeinsam Zeugnis ablegen: Wenn die Kirchen und ökumenischen Partner zusammen vorangehen, können sie gemeinsam für Gerechtigkeit und Frieden eintreten;
  • Zu Spiritualität, Reflexion und ökumenischer Ausbildung ermutigen: Wenn die Gemeinschaft zusammen Zeugnis ablegt, wird sie gestärkt, weil gemeinsam Spiritualität aufgebaut wird;
  • Vertrauen und Verständnis aufbauen: In der gemeinsamen Arbeit für Gerechtigkeit und Frieden ist es notwendig, sich mit allen „Menschen guten Willens“ zusammenzutun;
  • Inspirierend und innovativ kommunizieren: Unterwegs, im Zeugnis, beim Lernen und partnerschaftlichen Zusammenarbeiten ist inspirierende und innovative Kommunikation gefragt, um wirksame Sichtbarkeit zu erreichen.

Diese globalen Ziele des Engagements des ÖRK auf dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens kommen in seiner Programmarbeit zum Ausdruck. Als Schwerpunkt der Programmarbeit für die nächsten sieben Jahre wird der Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens Initiativen in den Gemeinschaften, Advocacy für gerechten Frieden auf nationaler und internationaler Ebene miteinander verbinden und sich dabei auf folgende Aspekte konzentrieren:

  • lebensbejahendes Wirtschaften
  • Klimawandel
  • gewaltfreie Schaffung von Frieden und Versöhnung
  • Menschenwürde

einhergehend mit einer kontinuierlichen Analyse, Untersuchung und Reflexion darüber, was es für die Kirchen in der heutigen Welt bedeutet, sich auf einen Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens zu befinden.

Ein Prozess der theologischen Reflexion über den gemeinsamen Pilgerweg, einschließlich der Arbeit der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung, der Kommission für Weltmission und Evangelisation, der Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten und der gesamten Programmarbeit des ÖRK, muss im Mittelpunkt des Pilgerwegs stehen. Einheit, Mission und Dienst der Kirchen und Partner werden durch die Teilnahme an dem Pilgerweg zusammengehalten und in eine dynamische Wechselwirkung gestellt.

Um einen transparenten und partizipatorischen Prozess zu gewährleisten, wird der ÖRK:

  • eng mit den Kirchen und ökumenischen Partnern zusammenarbeiten, um im Rahmen des Pilgerwegs Handlungsrichtungen und eine Reflexion zu entwickeln und den Austausch von Beiträgen und Ressourcen zu fördern;
  • regelmäßige Reflexionen über den Pilgerweg und die notwendigen Schritte in allen Kommissionen und Beratungsgremien ermöglichen;
  • eine Referenzgruppe mit Sachverständigen verschiedener Aspekte des Pilgerwegs und Vertreterinnen/Vertretern relevanter Leitungs- und Beratungsgremien und ökumenischer Partner ins Leben rufen. Diese Referenzgruppe wird ein flexibles Instrument sein. Ihre Zusammensetzung wird sich je nach Verlagerung der Schwerpunkte und Prioritäten ändern.
  • Während jeder Zentralausschusstagung wird ausreichend Zeit eingeplant, damit der Programmausschuss sich mit der Entwicklung des Pilgerwegs befassen kann und damit dringende Anliegen im Zusammenhang mit dem Pilgerweg diskutiert werden können.

VI.        Die Kirchen auf dem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens

Gemeinsam und mit ihren ökumenischen Partnern sind die Kirchen sowohl in ihrem jeweiligen Kontext als auch durch ihre internationale Zusammenarbeit die Hauptakteurinnen des Pilgerwegs. Und dennoch ist dieser Pilgerweg auch ein Aufruf und eine Chance für Einzelpersonen, Ortsgemeinden und Gemeinschaften, sich an der Bewegung der Gerechtigkeit und des Friedens zu beteiligen. Der Prozess der Verwandlung wird das Sammeln von Erfahrungen, den gegenseitigen Austausch, gegenseitiges Zuhören, Beten, Buße, Zeugnis, Bewusstseinsbildung, Nachdenken und Handeln umfassen.

Die folgenden Fragen können vielleicht helfen, sich in der eigenen Familie, als Kirchengemeinde oder Gemeinschaft oder gemeinsam in einer ökumenischen Gemeinschaft auf diesen Pilgerweg vorzubereiten:

-          Was verspricht ein Pilgerweg im biblischen Sinne?

-          Was verstehen Sie in Ihrem eigenen Kontext unter einem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens?

-          Was verspricht ein Pilgerweg?

-          Wen würden Sie gerne als Wegbegleiterinnen und Wegbegleiter haben?

-          Was sind Ihre Erfahrungen mit dem Geschenk des Lebens, dem Geschenk der Schöpfung? Wie feiern Sie dieses?

-          Welche Wunden gibt es in Ihrem Kontext?

-          Wir wollen Sie mit den Wunden umgehen, die anderen oder der Natur zugefügt wurden?

-          Welche Art der Verwandlung erleben Sie?

-          Worauf werden Sie einen Schwerpunkt legen?

-          Gibt es realistische Möglichkeiten, Ungerechtigkeit und Gewalt umzuwandeln?

-          Welche der vorgeschlagenen Maßnahmen sind Sie bereit, in Ihrem Kontext umzusetzen?

Letztendlich lädt Gott uns ein, uns voller Freude, Demut, Mut und Engagement diesem göttlichen Weg anzuschließen und dabei zu beten:

Wir sind eine Gemeinschaft, die unterwegs ist, eine Gemeinschaft von Pilgerinnen und Pilgern. Wir sind gemeinsam unterwegs hin zu einem Leben in Fülle. Wir bitten Gott um Führung und Inspiration, damit unser Pilgerweg uns durch dynamischen und kreativen Austausch für Gerechtigkeit füreinander öffnet. Gott des Lebens, weise uns den Weg, damit wir zu lebendigen Werkzeugen deiner Gerechtigkeit und deines Friedens werden!

 

 

 

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Download : GEN05rev_Einladung_zum_Pilgerweg_der_Gerechtigkeit_und_des_Friedens_REVISED.pdf