World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

In Memoriam

22. Februar 2005

Metropolit Anthony von Sourozh (André Borisowitsch Bloom), Oberhaupt der Russisch-Orthodoxen Patriarchatskirche in Gro ß britannien und Irland, Priester und Arzt, verstarb am 4. August 2003 im Alter von 89 Jahren. Metropolit Anthony, der als eine der bekanntesten orthodoxen Persönlichkeiten Westeuropas galt, war1949 nach England gekommen und hatte sich dort seinem Lebenswerk gewidmet, dem Aufbau einer russisch-orthodoxen Diözese in Gro ß britannien. Da er den Klerus in der Sowjetunion unterstützen wollte, entschloss er sich trotz Anfeindungen für Loyalität gegenüber dem neu eingerichteten Moskauer Patriarchat, verhielt sich aber dem Kommunismus gegenüber äu ß erst kritisch. Metropolit Anthony war von 1968 bis 1975 Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses.

Rev. Canon Dr. John Aves, Ehrenkanonikus der Kathedrale von Norwich, Vereinigtes Königreich, starb am 25. Januar 2004 im Alter von 52 Jahren an einem Herzinfarkt in Bethlehem, wo er sich im Rahmen des ÖRK-Begleitprogramms in Palästina und Israel als ökumenischer Begleiter aufhielt. In seiner Arbeit mit israelischen Friedensgruppen und im Flüchtlingslager Deheisha engagierte Aves sich für gewaltfreies Handeln. In seinen Erfahrungsberichten als ökumenischer Begleiter kamen das Mitgefühl und tiefe Verständnis zum Ausdruck, das er allen Menschen entgegenbrachte, die er persönlich kennenlernte,. Alison Elliot, Mitglied der ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten (CCIA) aus Schottland, vertrat den Rat auf der Beisetzung am 6. Februar in Norwich.

Dr. Inga-Britta Castrén, ehemalige Generalsekretärin des Finnischen Ökumenischen Rates, starb am 31. Dezember 2003 im Alter von 84 Jahren. Castrén hatte in den 1960er Jahren für den Christlichen Studentenweltbund und die CVJF gearbeitete und kam 1969 in den ÖRK, wo sie als Referentin für missionsbezogene Bildungsarbeit tätig war. 1973 kehrte sie nach Finnland zurück.

Dekan Olle Engström, schwedische Kirchenführer und engagierte Ökumeniker, starb am 26. Dezember 2003 im Alter von 83 Jahren. Engström war Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses wie auch des Exekutivausschusses. Er trug zur Gründung des Christenrats von Schweden bei und war von 1962-1985 Rektor der Theologischen Hochschule des Schwedischen Missionsverbandes.

Pfr. Jan Milic Lochmann, Pastor der Evangelischen Kirche der Böhmischen Brüder und renommierter Professor für Religionswissenschaft und systematische Theologie, verstarb am 21. Januar 2004 im Alter von 81 Jahren. Von 1968-1975 war Lochmann Mitglied des ÖRK-Zentral- und Exekutivausschusses, von 1975-1991 der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung; von 1970-1982 war er Vorsitzender der Theologischen Abteilung des Reformierten Weltbundes.

Dr. Theo Tschuy, methodistischer Pastor aus Zürich, starb am 8. Dezember 2003 im Alter von 78 Jahren. Nachdem er von 1961-1971 als Referent im Lateinamerika-Büro des ÖRK gearbeitet hatte, wurde er zum Beigeordneten Generalsekretär von SODEPAX ernannt, dem gemeinsamen Ausschuss des ÖRK und der römisch-katholischen Kirche für Gesellschaft, Entwicklung und Frieden. Nach der Einstellung von SODEPAX im Jahre 1980 und bis zu seiner Pensionierung war Tschuy zuständig für das Menschenrechtsprogramm der Kirchen zur Verwirklichung der Schlussakte von Helsinki bei der Konferenz Europäischer Kirchen.

Erzbischof Edward "Ted" Scott, pensionierter 10. Primas der Anglikanischen Kirche von Kanada, kam am 21. Juni 2004 bei einem Autounfall in der Nähe von Toronto ums Leben. Scott, der von seinen Kritikern gern als "roter Primas" bezeichnet wurde, war bekannt für seine klaren Positionen zu Fragen der sozialen Gerechtigkeit. 1975 wurde der "Erzbischof des Volkes" für die Zeit zwischen der 5. und der 6. Vollversammlung des ÖRK zum Vorsitzenden des Zentralausschusses gewählt.

Christian Frederick Beyers Naudé, ehemaliger Moderator der Holländischen Reformierten Kirche von Transvaal und ein unermüdlicher Kämpfer für Gerechtigkeit in Südafrika, verstarb am 7. September 2004 im Alter von 89 Jahren. ÖRK-Generalsekretär Samuel Kobia würdigte Naudé als einen Mann, der eine Schlüsselrolle im Kampf der ökumenischen Bewegung gegen die Apartheid gespielt hat, und bezeichnete ihn als "einen der wahren christlichen Propheten unserer Zeit".

Patriarch Petros VII., griechisch-orthodoxer Patriarch von Alexandria und ganz Afrika, kam am 11. September 2004 bei einem Hubschrauberabsturz in der Ägäis ums Leben. 17 weitere Mitglieder des Patriarchats kamen bei dem Unfall ebenfalls zu Tode. Der amtierende ÖRK-Generalsekretär Georges Lemopoulos beklagte "den Verlust eines unermüdlichen Zeugen des Evangeliums… und eines engagierten Fürsprechers der ökumenischen Bewegung im Nahen und Mittleren Osten, in Afrika und in der Welt".

Rosebell Thu Lay Paw, Baptistenbund von Myanmar und Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses seit der Vollversammlung in Harare 1998, verstarb im März 2004. Durch ihr Wirken als Direktorin des Frauenreferats des Baptistenbundes von Myanmar und ihre aktive Mitarbeit in der ökumenischen Bewegung ihres Landes im Rahmen des Kirchenrates in Myanmar leistete Rosebell einen außerordentlichen Beitrag zur Entwicklung von Führungspositionen für Frauen in der Kirche und in der ökumenischen Bewegung in ihrem Land.

Dr. Wolfgang Ullmann, Evangelische Kirche in Deutschland und Mitglied der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung von 1983-1991, starb am 30. Juli 2004 im Alter von 74 Jahren. In der Zeit des Kalten Krieges lehrte er Kirchen- und Rechtsgeschichte am Evangelischen Seminar in Berlin (Ost). Mitte der 1980er Jahre engagierte er sich in Oppositionsgruppen in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik und arbeitete  aktiv in der Europäischen Ökumenischen Versammlung von 1989 mit, die beispiellose umfassende politische Veränderungen in der DDR forderte. Nach der friedlichen Revolution von 1989 war er Mitbegründer der politischen Gruppe Demokratie Jetzt und Minister in der Übergangsregierung.

Ruby Gayle, ehemalige Sekretärin des Rates der Kirchen von Jamaika, verstarb im Oktober 2004 nach kurzer Krankheit. Sie war bekannt für ihr Engagement in ÖRK-Ausschüssen und für den Weltgebetstag der Church Women United wie auch für ihren Einsatz für die Einheit der Kirchen in ihrer Region.

Chirapurath I. Itty, Mitglied der Orthodoxen Kirche von Indien, verstarb am 17. Januar 2005 im Alter von 78 Jahren. Er gehörte zu den großen asiatischen Führungspersönlichkeiten der ökumenischen Bewegung. 1950 wurde er Regionalsekretär der Christlichen Studentenbewegung in Indien und ab 1959 arbeitete er in der damaligen Jugendabteilung des ÖRK mit. Einer seiner wichtigen Beiträge zur ökumenischen Bewegung war damals die Veranstaltung der Panafrikanischen Jugendversammlung. Da er aus der Christlichen Studentenbewegung kam, interessierte sich Itty besonders für das Engagement der ökumenischen Bewegung für soziale Gerechtigkeit und sozialen Wandel. Infolgedessen wurde er zum Direktor der neu gebildeten Kommission für kirchlichen Entwicklungsdienst (CCPD) ernannt. Nachdem die Vierte Vollversammlung des ÖRK die Rolle der Entwicklung im Leben der vom Joch des Kolonialismus befreiten Menschen unterstrichen hatte, war es der fähigen Leitung von Itty zu verdanken, dass die Entwicklungsarbeit des ÖRK konkrete Gestalt annahm. Als Erster trat er für das Konzept der Entwicklung für das Volk und für die Beteiligung des Volkes an den Entscheidungsprozessen ein. 1979 verließ Itty den ÖRK und arbeitete in der UN-ESCAP (Wirtschafts- und Sozialkommission der Vereinten Nationen für Asien und den Pazifik) mit, wo er Ausbildungsprogramme zu Entwicklungsfragen für junge Menschen organisierte.

Pfr. Dr. J. Robert Nelson, ein methodistischer Theologe, verstarb am 6. Juli 2004 im Alter von 84 Jahren. 1954 nahm er an der Vollversammlung in Evanston als Referent für Glauben und Kirchenverfassung teil und arbeitete bis 1959 in Genf. Nach seiner Rückkehr in die USA war er von 1965-1985 als Professor an der Theologischen Hochschule der Universität Boston tätig und diente von 1972-1974 als deren Dekan. In den 1970er Jahren engagierte sich Nelson auf dem damals neuen Wissensgebiet der Bioethik und bemühte sich um einen Brückenschlag zwischen theologischen Auffassungen und der Wissenschaft von Genetik und medizinischer Technologie. 1979 organisierte Nelson am Massachusetts Institute of Technology die ÖRK-Konferenz "Glaube, Wissenschaft und die Zukunft".

Pfr. Dr. Canaan Sodino Banana, methodistischer Pastor und erster Präsident von Simbabwe, starb am 10. November 2003 im Alter von 67 Jahren. Pfr. Banana war einer der ersten Verfechter des politischen Amtes, der die etablierten Kirchen aufforderte, Position zu der kolonialen Unrechtsherrschaft in Rhodesien zu beziehen. Er war eine der meist gehörten Personen, die sich gegen das Apartheidregime in Südafrika äußerten, und er unterstütze mit Nachdruck das ÖRK-Programm zur Bekämpfung des Rassismus. 1987 zog er sich aus der Regierung zurück und unterrichtete am United Theological College in Harare und an der Universität von Simbabwe, wo er eine Professur für Religionsstudien und Philosophie innehatte.

Pfr. Vavae Toma, Kongregationalistisch-Christliche Kirche in Samoa, verstarb im Mai 2004. Als erster Generalsekretär der Pazifischen Konferenz der Kirchen hat er zum Wachstum der ökumenischen Bewegung in der Region beigetragen. Er hatte die Fähigkeit, Menschen unterschiedlicher Kulturen in der Glaubensgemeinschaft des Pazifik zusammenzuführen. Mit der Gründung Nationaler Kirchenräte und anderer lokaler ökumenischer Initiativen hinterlässt er bleibende Zeichen seiner Tätigkeit. 

Pfr. Rein Jan van der Veen, Protestantische Kirche in den Niederlanden, ehemaliges Mitglied der Kommission für das Programm zur Bekämpfung des Rassismus (PCR), verstarb im Mai 2004 im Alter von 84 Jahren. 1969 wurde van der Veen Generalsekretär des Holländischen Missionsrates und trug maßgeblich dazu bei, das PCR in den holländischen Kirchen bekannt zu machen und zu vermitteln. Er gründete die holländische Unterstützungsgruppe für das PCR (Betaald Antwoord), mit der beträchtliche Beträge für den ÖRK-Sonderfonds zur Bekämpfung des Rassismus eingenommen werden konnten.

 

Frances Maeda verstarb am 26. Juli 2004 im Alter von 91 Jahren. Sie hatte 30 Jahre lang (1947-1977) in verschiedenen Positionen, darunter 20 Jahre als Programmreferentin, für den ÖRK in dessen New Yorker Büro gearbeitet.

Pfr. Dr. Hans-Otto Hahn, Pfarrer in der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau und früherer Direktor von Brot für die Welt, starb am 3. November 2003 im Alter von 67 Jahren. In seiner Zeit als Vize-Präsident des Diakonischen Werkes war er für das Programm "Kirchen helfen Kirchen", das Stipendienprogramm "Hoffnung für Osteuropa" sowie für die Nothilfe zuständig. Hahn war Gründungsmitglied des internationalen ökumenischen Aktionsnetzes Kirchen helfen gemeinsam (ACT).

Pfr. Charles W. Arbuthnot, Pfarrer in der Presbyterianischen Kirche, verstarb am 8. August 2004 im Alter von 90 Jahren. Neben seiner Aufgabe, die presbyterianischen kirchlichen Mitarbeiter (Fraternal Workers) in Europa zu koordinieren, wurde Arbuthnot zum Vertreter der Presbyterianischen Kirche (USA) beim neu gegründeten Ökumenischen Rat der Kirchen ernannt. Durch seine ÖRK-Verbindungen konnte er eine wichtige Rolle bei der Entstehung der Genfer Konvention über die Behandlung von Kriegsgefangenen spielen und wurde ein aktiver Anwalt ökumenischer Anliegen.

Pfr. Francis House, Priester der Kirche von England, starb am 1. September 2004 im Alter von 96 Jahren. Nach dem Zweiten Weltkrieg und einem Nothilfeeinsatz in Griechenland wurde er zum ersten Referenten der Jugendabteilung des ÖRK ernannt. Von 1947-1955 war er Direktor des religiösen Rundfunkprogramms der BBC. Danach kehrte er nach Genf zurück, wo er zum beigeordneten Generalsekretär und Direktor der Abteilung für ökumenische Aktivität ernannt worden war. House hat Zeit seines Lebens auch das Ökumenische Institut in Bossey tatkräftig unterstützt.

Tomoko Färber-Evdokimoff starb am 21 Januar 2005 in Genf im Alter von 75 Jahren. Sie war Mitglied der Orthodoxen Kirche (Ökumenisches Patriarchat) und leitete von 1971-1980 den Sprachendienst des ÖRK. Durch ihren Dienst in der Flüchtlingsarbeit der CIMADE in Paris, ihre Arbeit am Ökumenischen Institut in Bossey und ihre Mitwirkung an zahlreichen Veranstaltungen der KEK, der CVJF und anderer ökumenischer Einrichtungen war Evdokimoff aktiv in der ökumenischen Bewegung engagiert.

Catherine Alt, Mitarbeiterin im Bild- und Videodienst des ÖRK, starb am 2. Januar 2005 im Alter von 47 Jahren. Sie arbeitete seit Juni 1986 im Kommunikationsteam des Rates und war insbesondere für die Fotoarchive und das Angebot von Foto- und grafischem Material  (PhotoOikoumene) zuständig. 2002 war Catherine Alt wesentlich am Konsultations- und künstlerischen Prozess beteiligt, aus dem das neue ÖRK-Logo hervorging.