World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

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Erklärung über die Bekräftigung der christlichen Präsenz und des christlichen Zeugnisses im Nahen Osten

Angenommen von der 10. ÖRK-Vollversammlung als Teil des Berichts des Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten.

08. November 2013

Angenommen von der 10. ÖRK-Vollversammlung als Teil des Berichts des Ausschusses für öffentliche Angelegenheiten.
Übersetzt aus dem Englischen vom Sprachendienst des ÖRK.

Jesus sprach: „Fürchte dich nicht, du kleine Herde! Denn es hat eurem Vater wohlgefallen, euch das Reich zu geben.“
(Lk 12,32)

„Seid getrost, ich bin‘s; fürchtet euch nicht!“

1. Christen verlieren die Hoffnung nicht

Die tiefgreifenden politischen Veränderungen, die seit Anfang 2011 nach dem Aufbegehren der Bevölkerung vielerorts im Nahen Osten und in Nordafrika stattgefunden haben, brachten die Hoffnung auf politische Systeme mit sich, die auf dem Respekt der Menschenrechte und auf Rechtsstaatlichkeit gründen. Die Saat eines unumkehrbaren Wandels wurde ausgesät. Doch in mehreren Ländern stießen die Bemühungen um politische Veränderung auf Widerstand, was die Forderungen nach friedlichen Reformen untergrub. Rasch verfielen große Teile des Nahen Ostens und Nordafrikas in gewaltsame, religiös oder ethnisch motivierte Auseinandersetzungen und Stammeskonflikte und die Reformbewegung fiel politischem Radikalismus und religiöser Intoleranz zum Opfer. Es folgte eine ausgedehnte humanitäre Katastrophe. In dieser kritischen Situation ist die weltweite christliche Gemeinschaft aufgerufen, ihre Solidarität mit allen Menschen im Nahen Osten, die sich für gerechte und friedliche Gesellschaften einsetzen, zum Ausdruck zu bringen. Gleichzeitig bekräftigt sie, dass die fortgesetzte Präsenz von Christen in dieser Region unerlässlich ist für pluralistische und vielfältige Gemeinschaften, und verpflichtet sich, alle beim Aufbau demokratischer Zivilgesellschaften zu begleiten.

1.1. Die Lage im gesamten Nahen Osten stellt die Kirchen vor einen neuen Kairos-Moment, wie im Dokument „Kairos Palästina – Stunde der Wahrheit“ aus dem Jahr 2009, als palästinensische Christen zusammen eine gemeinsame Auslegung der Situation vornahmen und die Kirchen zu prophetischem Handeln aufriefen.

1.1.1.      Im Mai 2013 beriefen der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) und der Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC) im Libanon ein ökumenisches Treffen christlicher Führungspersönlichkeiten und Vertreter von Kirchen und Organisationen aus der Region und aus 34 weiteren Ländern ein, um Wege zu erforschen, wie die christliche Präsenz und das christliche Zeugnis gestärkt werden können. Die Teilnehmenden stellten Folgendes fest:

„Die aktuelle Krise ist hier im Nahen Osten zwar besonders intensiv, betrifft aber die ganze Menschheit. Teil der Krise sind die Intensivierung des religiösen Tribalismus, wachsender Fundamentalismus in vielen Religionen der Welt, die Verbreitung des Einflusses radikalisierter islamischer Gruppen, weitverbreitete Gewalt und Unsicherheit, das Fehlen demokratischer Legitimierung und Glaubwürdigkeit, Armut und fehlende Chancen, insbesondere für Frauen und junge Menschen, die Abwanderung von Christen aus der Region und nach Jahrzehnten fruchtloser Interventionen das allgemeine Gefühl, im Stich gelassen worden sein. Christen, Muslime und Juden erleben die zerstörerischen Auswirkungen dieser Entwicklungen alle gleichermaßen.“

2. Christliche Kirchen voller Leben

Christen haben ihre Wurzeln in der Erde des Nahen Ostens. Von der Krippe in Bethlehem in Judäa über die Zuflucht in Ägypten, das Wasser des Jordans und des Sees Genezareth bis hin zum Kreuzweg in Jerusalem sind die Christen genauso im Boden des Nahen Ostens verwurzelt wie die Olivenbäume im Garten Gethsemane und die Zedern im Libanon. Die Bekehrung des Paulus erfolgte auf dem Weg nach Damaskus (Apg 9) und in Antiochia wurden die Jünger zum ersten Mal als Christen bezeichnet (Apg 11,26).

2.1 Trotz der Höhen und Tiefen in den harten und uns auf die Probe stellenden Realitäten sowohl in der Vergangenheit als auch heute, haben die Christen und werden die Christen auch in Zukunft mit all jenen zusammenleben, mit denen sie diese Erde teilen. Die in dieser Region lebenden Christen sind ein wesentlicher Teil ihres Landes, sie leisten einen Beitrag zu den reichen Traditionen, den pluralistischen Gesellschaften und der kulturellen Vielfalt. Im 19. Jahrhundert kämpften die Christen in der Region um eine Änderung ihres Status, damit sie allen anderen Bürgerinnen und Bürgern in ihren Gesellschaften gleichgestellt würden. Heute sind sie sich bewusst, dass die Garantie für ihre freie, engagierte und aussagekräftige Existenz in diesen Gesellschaften nicht durch den Schutz oder durch ein Vermächtnis der politischen Machthaber gewährleistet wird, sondern sie es durch eine direkte Beteiligung als Bürgerinnen und Bürger sowie durch ein ausdauerndes und geduldiges Hinwirken auf Mentalitäten und Strukturen, die die freie Teilhabe aller ermöglichen, erworben haben. Die Christen sehen sich heute nicht als Minderheiten. Vielmehr betrachten sie sich als gleichberechtigte Bürgerinnen und Bürger, die zum Wohl ihrer Nationen beitragen. Ihr Auftrag und ihr Zeugnis in der Gesellschaft werden in zahlreichen Aspekten des öffentlichen Lebens deutlich: in Kultur, Politik, Bildung, dem Gesundheitswesen, der Frauen- und Jugendförderung, dem Kinderschutz, dem Sozialwesen, der Nothilfe, der Entwicklungszusammenarbeit usw. Das rein zahlenmäßige Verhältnis hat den Beitrag und die Rolle der Christen im Nahen Osten in der Vergangenheit nicht eingeschränkt.

2.2. Die Christen in der Region haben einen Beitrag zu der Vorstellung geleistet, dass Pluralität ein Geschenk Gottes ist und dass die Achtung der Vielfalt in pluralistischen Gesellschaften die Aussage bekräftigt, dass in Gottes Augen alle Menschen gleichwertig erschaffen wurden.

2.2.1. Zusätzlich zur Vielfalt der Religionen besteht auch eine Vielfalt an reichen und unterschiedlichen Traditionen in den christlichen Kirchen im Nahen Osten. Dies hat zu Formen der Ökumene geführt, die eine regionale Besonderheit sind. Die östlich-orthodoxen, orientalisch-orthodoxen, römisch-katholischen, evangelischen und anglikanischen Kirchen haben sich gemeinsam am Rat der Kirchen im Nahen Osten (MECC) als Werkzeug für gemeinsames Zeugnis und Diakonie beteiligt. Doch die Ökumene in der Region reicht über diesen institutionellen Kontext hinaus und bis ins tägliche Leben der Christinnen und Christen hinein.

2.3. Die christliche Spiritualität und das christliche Zeugnis zeigen sich in den lebendigen Klostergemeinschaften und Gemeinden, theologischen Fakultäten, Krankenhäusern, Schulen und humanitären Hilfswerken. Diese sind wesentliche Bestandteile des kreativen und fortdauernden Zeugnisses der Christen und der Kirchen und sie bieten allen Menschen in der Region spirituelle Ressourcen.

3. Aufruf an die Christen, sich inmitten der regionalen Unruhen für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen

Trotz des jahrhundertelangen Bestehens pluralistischer Gemeinschaften im Nahen Osten wurden die gegenwärtigen Unruhen von einigen dazu benutzt, politischen Radikalismus und religiöse Intoleranz voranzutreiben. Hunderttausende Menschen in der Region wurden getötet, verstümmelt, inhaftiert oder vertrieben. Durch die große Anzahl leidender Menschen, Binnenvertriebener und Flüchtlinge in benachbarten Ländern des Nahen Ostens und darüber hinaus entstand eine erdrückende humanitäre Katastrophe.

3.1 In Syrien zerstörten Gewalt und Unruhen das Leben von Millionen von Menschen. Die Entführung von Zivilpersonen, darunter auch Geistliche, sowie Folter, Massaker und außergerichtliche Hinrichtungen gehören heute zum Alltag. Ganze Gemeinschaften, Familien und Einzelpersonen sind gezwungen worden, aus ihrer Heimat zu fliehen und in anderen Regionen des Landes, in Nachbarländern und an weit entfernten Orten Zuflucht zu suchen. Die humanitären Hilfswerke können den Vertriebenen auch die dringendsten Bedürfnisse nicht erfüllen. Die Flüchtlingsströme aus Syrien in die Nachbarländer setzen sowohl die Menschen auf der Flucht als auch diejenigen stark unter Druck, die die Flüchtlinge aufnehmen. Die politischen Unruhen in Syrien bedrohen die Einheit und die Stabilität des Landes und seiner Nachbarn. Diese massive Bevölkerungsbewegung hat schwerwiegende Folgen für diejenigen, die bleiben und auf eine Versöhnung der Gemeinschaften hoffen, wenn Frieden und Stabilität erst einmal wiederhergestellt sind.

3.2. In Ägypten waren die politischen Unruhen ein Vorwand, um Religion zu instrumentalisieren und zu politisieren, und auch hier wurden besonders die christliche Bevölkerung und die christlichen Gotteshäuser Ziele von Angriffen. Die Gewalt und die Spannungen haben stark zugenommen und ein alarmierendes Ausmaß erreicht. Es ist zu hoffen, dass die junge Generation, die sich für Freiheit, Menschenwürde und gleiche Rechte in Ägypten eingesetzt hat, ihren langen Kampf fortsetzen wird und, wichtiger noch, dass sie dabei all jene einbinden wird, die dieselben Werte hochhalten.

3.3. Im Irak gibt es auch nach dem Rückzug der ausländischen Besatzungsmächte noch keine Sicherheit und Würde für die Menschen. Die Gewalt im ganzen Land hat ein beunruhigendes Ausmaß erreicht und wirkt sich auf die gesamte Bevölkerung aus, auch auf die bereits verwundbare christliche Gemeinschaft. Echte Demokratie, gleiche Bürgerrechte für alle, Rechtsstaatlichkeit, Versöhnung und unabhängige Entwicklung sind noch immer unerreichbar. Unter solchen Umständen ist die Gefahr groß, dass die Menschen und damit ihre Arbeitskraft aus dem Irak abwandern. Es ist zu hoffen, dass die Irakerinnen und Iraker zusammenarbeiten werden, um die Wunden zu heilen und eine bessere Zukunft für ihr Volk zu gestalten. Wesentlich ist auch, dass der Dialog zwischen christlichen und muslimischen Gläubigen fortgesetzt wird, um Gerechtigkeit und Frieden im Land zu fördern.

3.4. Die Christen im Iran leben seit Jahrhunderten in diesem Land und tragen zu dessen reichhaltiger Kultur und Zivilisation bei. Sie stellen einen integralen Bestandteil der Gesellschaft dar und leiden gemeinsam mit der übrigen Bevölkerung im Iran unter den internationalen Sanktionen, die den Menschen im Land viel mehr schaden als der Regierung. Werden die Sanktionen aufgehoben, so wird die gegenwärtige Regierung ermutigt, die in Angriff genommenen Reformen fortzuführen und ihren internationalen Verpflichtungen im Rahmen des Vertrags über die Nichtverbreitung von Kernwaffen nachzukommen.

3.5. All diese Spannungen und die Gewalt im Nahen Osten und in Nordafrika ereignen sich im Kontext des langjährigen Konflikts zwischen Palästina und Israel in der Region und der israelischen Besetzung palästinensischer und arabischer Gebiete seit 1967. Der Konflikt und die Besatzung bleiben ein zentrales Anliegen und ein wesentlicher Grund zur Sorge für alle, die sich der Arbeit für Frieden mit Gerechtigkeit und für Versöhnung verschrieben haben. Auch sind sie das Kernproblem, das die Logik schürt, die vielen der Konflikte in der Region zugrunde liegt, und gefährden die internationalen Beziehungen und den Frieden. Die endgültige Lösung des Konflikts zwischen Israelis und Palästinenserinnen und Palästinensern entsprechend den Resolutionen der Vereinten Nationen und den Bestimmungen des geltenden Völkerrechts, einschließlich der abschließenden Klärung aller Status-Fragen sowie des Rechts auf Rückkehr, kann für die Lösung aller anderen Konflikte in der Region nur zuträglich sein.

3.6. In Jerusalem sind Palästinenser, Christen und Muslime heute alle gleichermaßen von dem diskriminierenden Vorgehen der Israelis betroffen. „Das Fundament unserer Vision und unseres ganzen Lebens ist Jerusalem. Dieser Stadt hat Gott in der Geschichte der Menschheit eine ganz besondere Bedeutung beigemessen.“ (Kairos Palästina-Dokument) Juden, Christen und Muslime blicken alle in gleicher Weise auf Jerusalem als einen von Gott durch seine Präsenz besonders gesegneten Ort. Als eine Stadt in zwei Ländern, die von den Gläubigen dreier Religionen verehrt wird, muss sie ein Ort sein, der der ganzen Welt als Beispiel dient für friedliches Zusammenleben, das geprägt ist von gegenseitigem Respekt.

4. Gebot des Evangeliums zu teurer ökumenischer Solidarität

Christen und Christinnen lehnen grundsätzlich Regierungsformen ab, die die Rechte der Menschen, ihre Meinung frei zu äußern oder sich vollumfänglich an der Formulierung der öffentlichen Ordnung zu beteiligen, einschränken oder sie ihnen gar entziehen. So chaotisch und gefährlich die Volksaufstände und die daraus folgenden Unruhen in der ganzen Region auch sein mögen, spiegeln sie trotzdem das Drängen und die Fähigkeit der Menschen wider, auf ihrem Recht auf verantwortungsbewusste Regierungsführung und Schutz durch das Gesetz zu bestehen. Die historischen Ereignisse machen die öffentliche Ablehnung der Unsicherheit in der Region deutlich, die unter anderem zurückgeht auf die Manipulation der religiösen Lehren, wirtschaftliche Ungleichheit, scheiternde politische Bündnisse und unausgeglichene Machtverteilungen, die alle Menschen in der Region und die Menschheit als Ganzes bedrohen. Trotz der gegenwärtigen Wirren in der Region muss die Kirche in ihrem langfristigen Engagement standfest bleiben, um Frieden und Gerechtigkeit zu säen und auf den erreichten Fortschritten aufzubauen.

4.1. Immer wieder hat der ÖRK seine tiefe Sorge um alle Menschen in der Region, in der die Geschichte unseres Glaubens ihren Ursprung nahm und sich entfaltete zum Ausdruck gebracht. Für die ökumenische Familie waren und sind insbesondere die Gegenwart und das Zeugnis von Christinnen und Christen im Land der Bibel immer von grundlegender Bedeutung gewesen, von ihren Anfängen bis zum heutigen Tag. Der Zentralausschuss gab dieser Gegenwart theologische Bedeutung, als er auf seiner Tagung im Februar 2011 in Genf erklärte: „Der Nahe Osten als Geburtsort des Judentums, des Christentums und des Islam ist für den ÖRK […] eine Region von besonderem Interesse. […] Unser lebendiger Glaube hat seine Wurzeln in diesem Land und wird erhalten und genährt durch das ungebrochene Zeugnis der Kirchen vor Ort, die ihre eigenen Wurzeln in apostolischer Zeit haben. Ohne diese christliche Präsenz wird die Gastlichkeit zwischen Menschen verschiedenen Glaubens, verschiedener Kulturen und Zivilisationen, die ein Zeichen von Gottes Liebe zu allen Menschen ist, gefährdet. Darüber hinaus wäre ihre Auslöschung ein Zeichen des Versagens der ökumenischen Familie, dem Gebot des Evangeliums zu [teurer] Solidarität Ausdruck zu verleihen“. Er brachte auch zum Ausdruck, wonach sich das Vorgehen des ÖRK im Nahen Osten immer ausgerichtet hat, nämlich „an Gottes Gerechtigkeit und Liebe für die ganze Schöpfung, den Grundrechten aller Menschen, der Achtung der Menschenwürde, der Solidarität mit den Bedürftigen und dem Dialog mit Menschen anderen Glaubens“. Schließlich stellte er fest, dass „politische Entwicklungen in der Region […] auf Zeichen der Hoffnung auf demokratische Veränderungen, Achtung der Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit in verschiedenen Ländern“ verweisen. In diesem Zusammenhang bekräftigt der ÖRK nochmals den Grundsatz, der vom Zentralausschuss 2011 ausgedrückt wurde, „dass Frieden und Versöhnung Gerechtigkeit voraussetzen müssen“. Die Zukunft der Kirchen und der Christen und Christinnen in diesen Ländern ist für die ganze ökumenische Familie ein Anliegen und muss dies auch sein.

Die 10. Vollversammlung des ÖRK, die vom 30. Oktober bis 8. November 2013 in Busan, Republik Korea, tagt,

  1. bekräftigt deshalb erneut, dass Christinnen und Christen im Nahen Osten in einzigartiger, konkreter Art und Weise das Erbe apostolischer Zeit fortsetzen und in der Nachfolge unseres Herrn die lebendige Kirche erhalten. Spirituelle und materielle Unterstützung für diese christlichen Gemeinschaften hilft, die Beständigkeit christlicher Präsenz zugunsten aller Christinnen und Christen und aller Menschen in der Region und weltweit zu erhalten;
  2. betrachtet die jüngsten Ereignisse in verschiedenen Ländern des Nahen Ostens als irreversiblen Vorgang, welcher zu Veränderungen in Regierungssystemen führt, und hofft auf eine Zukunft, die geprägt sein wird von Gerechtigkeit, Frieden und Stabilität, von kultureller Vielfalt und pluralistischen Gesellschaften;
  3. betet, dass Christen und Christinnen, insbesondere im Nahen Osten, ihre Hoffnung auch in dieser sehr kritischen Lage aufrechterhalten, und dass diese Ereignisse Gelegenheit für positive Veränderungen in den Gesellschaften und für partizipatorische Demokratie bieten;
  4. ermutigt alle Völker in der Region, darunter auch die Christinnen und Christen, Maßnahmen einzuleiten, um Machtmissbrauch anzuprangern und Korruption zurückzuweisen, und sich auch weiterhin gegenseitig in den gemeinsamen Anstrengungen zum Aufbau einer demokratischen Zivilgesellschaft zu unterstützen, die auf Rechtsstaatlichkeit, sozialer Gerechtigkeit und Achtung der Menschenrechte, unter Einschluss von Religions- und Gewissensfreiheit, aufbaut;
  5. unterstützt Christen und Christinnen in der Region in ihrem Engagement für einen konstruktiven Dialog mit anderen Religionen und ethnischen Gemeinschaften, so dass das mannigfaltige Erbe ihrer Länder geschützt und gesichert ist;
  6. empfiehlt, dass der ÖRK Programme stärken möge, die regionale und internationale Fürsprachearbeit in Partnerschaft mit Christinnen und Christen im Nahen Osten fördern;
  7. ruft die ÖRK-Mitgliedskirchen zu teurer Solidarität mit den Christen und Christinnen und den Kirchen des Nahen Ostens sowie mit allen Völkern auf, die für Gerechtigkeit und Frieden kämpfen, und zwar durch:
  8. ruft kirchennahe Organisationen und alle ökumenischen Partner dringend auf, ihre Anstrengungen zu verstärken, um sich der humanitären Bedürfnisse in Syrien und dessen Nachbarstaaten anzunehmen und die humanitären Anstrengungen darauf zu konzentrieren, (1) die syrische Bevölkerung so zu unterstützen, dass sie in ihrer Heimat bleiben kann, (2) die Belastung für Binnenvertriebene und die Gemeinschaften, die diese aufnehmen, zu erleichtern, (3) die Belastung der Familien und Gemeinschaften in den Nachbarländern, die Flüchtlinge aufnehmen, zu erleichtern und (4) Flüchtlinge mit dem Ziel und der Absicht zu unterstützen, dass sie sich wieder in ihre eigenen Gemeinschaften und Dörfern in Syrien eingliedern können; und besteht darauf, dass alle Regierungen vollumfänglichen humanitären Zugang ermöglichen und friedliche Mittel suchen, um Druck auszuüben, damit die Gewaltakte aufhören;
  9. ruft die Vereinten Nationen und die internationale Gemeinschaft, insbesondere Länder, die eine politische Machtposition innehaben, dringend auf, Maßnahmen zu entwickeln, die umfassenden Frieden mit Gerechtigkeit für alle Völker der Region fördern und herbeiführen, sowie ihre Anstrengungen zu verstärken, Gewalt und militärische Einsätze zu beenden;
  10. wiederholt ihren Aufruf an die Vereinten Nationen, die Unversehrtheit der heiligen Stätten aller Religionen in Jerusalem zu sichern und zu schützen und sie allen zugänglich zu machen, und die Besatzung Ostjerusalems durch Israel zu beenden; und
  11. fordert die unverzügliche Freilassung der zwei Erzbischöfe von Aleppo, Seine Eminenz Boulos (Yazigi), griechisch-orthodoxer Metropolit von Aleppo und Alexandretta, und Seine Eminenz Mor Youhanna Gregorios (Ibrahim), syrisch-orthodoxer Metropolit von Aleppo in Syrien, die am 22. April 2013 entführt wurden, als sie auf einer humanitären Mission zu Verhandlungen über die Freilassung zweier entführter Priester aus Aleppo unterwegs waren, sowie des am 29. Juli 2013 entführten Pater Paolo Dall‘Oglio und aller anderen Entführten und unrechtmäßig Inhaftierten.
    1. die Unterstützung von Anstrengungen, die Kapazitäten des MECC wieder aufzubauen, um ihn zu befähigen, weiterhin die Stimme der Christinnen und Christen im Nahen Osten gegenüber der Welt und eine vertrauenswürdige Quelle für objektive grundlegende Informationen zu sein;
    2. die Begleitung der Christen und Christinnen im Nahen Osten bei der Ausarbeitung einer gemeinsamen Vision für die Region;
    3. die Förderung verantwortungsbewusster Pilgerreisen in die Region;
    4. das Organisieren von Solidaritätsbesuchen in Absprache mit den Kirchen in der Region, um mit ihnen in aktiver Gemeinschaft zu bleiben;
    5. die Verbreitung von Informationsmaterial, das die Geographie und Geschichte des Nahen Ostens und die Realitäten der dort ansässigen Schwesterkirchen genau widerspiegelt;
    6. die Entwicklung von Austauschprogrammen, um den Austausch von Erfahrungen, Informationen über religionsübergreifende Beziehungen und einen Dialog mit den Kirchen und Religionen zu ermöglichen; und
    7. die Unterstützung von lokalen Kirchen bei der Befähigung von Frauen, jungen Menschen und Kindern, ihre Fähigkeiten zu nutzen und zu entwickeln, und Gelegenheiten für ihre sinnvolle Teilhabe in Kirchen und der Gesellschaft zu bieten;

Großer Gott,

höre uns, wenn wir dich um Frieden und Gerechtigkeit für die Menschen und das Land anrufen.

Schenke uns eine Heimat, in der Wasser, Land und Ressourcen von allen respektiert und geteilt werden.

Hilf uns, deine Liebe mit unseren Nachbarn zu teilen und Toleranz in unseren Gemeinschaften zu säen.

Tröste uns, damit unsere Seelen sich von den Wunden des Krieges und der Konflikte erholen.

Schenke uns dein Licht, damit wir aus dem Schatten des Todes und aus dem grauen Bereich der Straflosigkeit herausfinden.

Möge deine Gerechtigkeit wirklich wie ein reißender Strom durch unsere Lande ziehen.

Lehre uns, in Hoffnung darauf zu vertrauen, dass eines baldigen Tages alle unter ihren Weinstöcken und Feigenbäumen

in Frieden und Glückseligkeit leben.

Eröffnungsgebet, 10. ÖRK-Vollversammlung, 30. Oktober 2013

ANGENOMMEN

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