World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Rowan Williams, Erzbischof von Canterbury

14. Februar 2006

Botschaft des Erzbischofs von Canterbury 

Es ist mir eine große Freude, Ihnen zum Beginn der 9. Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen meine herzlichsten Grüße zu übermitteln. Ich freue mich darauf, in einigen Tagen in Porto Alegre zu Ihnen zu stoßen, und werde bis dahin mit den Worten des Vollversammlungsthemas "In deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt" Ihre Sitzungen im Gebet begleiten.

Wenn wir gemeinsam diese Worte beten, so denken wir nicht nur an die Welt, die verwandelt werden soll, sondern auch an die Arbeit dieser Vollversammlung, an die Kirchen, die wir jeweils vertreten, sowie an die zukünftige Rolle des Ökumenischen Rates der Kirchen. Dem liegt sicherlich unser aller Wunsch zugrunde, dass das Gesamtzeugnis unserer Kirchen seine volle Wirkung entfalten möge, dass es in dieser sich rasch verändernden und oft schwer verständlichen Welt Schritt halten möge mit der Aufgabe, wirksames Zeichen und Werkzeug der verwandelnden Gnade Gottes zu sein. Ich möchte ausdrücklich die Beteiligung junger Menschen an dieser Vollversammlung würdigen, die uns helfen wird, den neu entstehenden Notwendigkeiten der Zukunft die entsprechende Aufmerksamkeit zu schenken und nicht nur auf die Muster der Vergangenheit zu sehen. Wenn wir aber wirklich glauben, dass die Kirchen, denen wir angehören, solch großen Anteil an Gottes Plan der Verwandlung haben, dann wagen wir es nicht, Selbstzufriedenheit aufkommen zu lassen, besonders nicht, da wir zusammentreten, um gemeinsame Prioritäten zu diskutieren. Angesichts des Ausmaßes an Unordnung in unserer so genannten Weltordnung dürfen wir uns nicht überwältigen oder verwirren lassen, egal wie sehr wir uns unserer eigenen Zersplitterung als Kirchen bewusst sind. Wir, die wir den Namen Christi tragen, müssen vielmehr aus unserer völligen Abhängigkeit von Ihm, der, so wissen wir, "voller Gnade und Wahrheit" ist, Kraft und Zielstrebigkeit schöpfen. In Christus finden wir auch neue Energie für unser mühsames Streben nach theologischer Annäherung, im Wissen darum, dass Gott dies ebenfalls dazu einsetzen wird, in seiner Gnade die Welt zu verwandeln und in ihrer Verwandlung neue Möglichkeiten zur gemeinsamen Mission zu eröffnen, je mehr die Spaltungen geheilt werden und unsere Gemeinschaft sich vertieft.

So bete ich, im Vertrauen auf Christus, mit den Worten der Petrusbriefe: Gott gebe euch zu dieser Vollversammlung "viel Gnade und Frieden" - um seiner Welt willen und zu seiner Verherrlichung.