Text: Jakobus 3,10-11

Aus einem Munde kommt Loben und Fluchen.  Das soll nicht so sein, meine Brüder und Schwestern. Lässt auch die Quelle aus einem Loch Süßes und Bitteres fließen? (Luther 17)

Reflexion:

Das Wassergleichgewicht ist die erste Bedingung für ein nachhaltiges Leben auf der Erde; Gott hat es am allerersten Tag, an dem es Leben gab, geschaffen (1. Mose 1,2). Wenn diese Quelle des Lebens gestört wird, sei es qualitativ (verschmutzt) oder quantitativ (Überflutung infolge von zu viel Wasser, Dürre infolge von zu wenig Wasser), könnte dadurch das gesamte Lebensnetz auf der Erde bedroht werden. Einst benutzte Gott die Kraft des Wassers zur Bestrafung der Menschen, aber er versprach, niemals wieder das gesamte Leben durch Wasserfluten zu zerstören (1. Mose 9,11). Allerdings besteht immer noch die Möglichkeit, dass die zerbrechliche Überlebensfähigkeit der Menschen durch die Verschmutzung des Wassers zerstört wird. Wasser hat die Kraft zu nähren und zu reinigen, aber es hat auch die Fähigkeit, zu verunreinigen und zu töten, wenn es nicht sauber ist. Wenn wir die Schöpfung nicht bewahren können und weiterhin das Wasser verschmutzen, kann das Wasser eine Quelle des Fluchens für die gesamte Schöpfung werden.

Nach einem Stipendium in Hydrologie in Belgien hatte ich in den 1990er Jahren das Glück, Mitglied einer Forschungsgruppe zu werden, die die Wasserqualität der Flüsse Scheldt und Maas, der beiden größten Flüsse in Belgien, überwachte. „Wie in jedem anderen Industrieland war die Wasserverunreinigung eine der großen - wenn nicht sogar die größte - und dauerhaften Umweltherausforderungen, mit denen sich Belgien und viele europäische Länder auseinandersetzen mussten.“ [1]

Im Rahmen dieser dritten Reflexion der Sieben Wochen im Zeichen des Wassers 2022 lade ich Sie ein, über die Bewahrung der Schöpfung und die Wasserverschmutzung in Europa nachzudenken, da der Schwerpunkt der Wasserkampagne in diesem Jahr auf Europa liegt. Die nachhaltige Wassernutzung in Europa zu sichern, ist und bleibt die größte Herausforderung. Laut dem Bericht der EUA über die Wasserqualität 2018 ist weniger als die Hälfte (ca. 40 %) des Oberflächenwassers in einem guten ökologischen Zustand und nur 38 % in einem guten chemischen Zustand. „Etwa 88,2 % der europäischen Süßwassernutzung stammen aus
Flüssen und Grundwasser, während der Rest aus künstlichen Gewässern (10,3 %) und Seen (1,5 %) kommt, was diese Quellen extrem anfällig für Gefahren durch Übernutzung, Umweltverschmutzung und Klimawandel macht.“ [2] Das Grundwasser und die Flüsse in Europa sind in großem Maße von einer diffusen Verschmutzung durch Landwirtschaft und Haushalte betroffen.

Europäer trinken Wasser normalerweise nur aus Kunststoffflaschen. Die Verbindung zum ökologischen Status ihrer natürlichen Gewässer ist unterbrochen und nur wenigen von ihnen ist bewusst, dass ungefähr 60 % der europäischen Flüsse, Seen und Mündungsgewässer nicht einmal die ökologischen Mindeststandards erfüllen, da sie der Umwelt gleichgültig gegenüberstehen oder sich nicht verantwortlich fühlen.

Als Christinnen und Christen sind wir mit dem lebendigen Wasser gesegnet, das durch den Glauben an Jesus Christus geschenkt wird, daher sollten wir selbst zu Quellen des lebendigen Wassers für die gesamte Schöpfung werden (Johannes 4,13-14).   Unser Lebensstil sollte die Unversehrtheit der Schöpfung bewahren und die Verschmutzung der physischen und spirituellen Wassersysteme vermeiden. Die Worte Gottes offenbaren unsere „ökologischen Sünden“, die darin bestehen, Schmutzwasserquellen für die Schöpfung zu sein, indem wir einen materiellen Lebensstil führen (Jakobus 3, 10-11).  Aufgrund ihrer grenzenlosen Gier verwenden die Menschen nach wie vor Tausende chemischer Produkte, die letztendlich in den Flüssen und den entsprechenden Wasserreservoirs landen. Die gesamte Schöpfung ist miteinander verbunden. Durch die lokale Wasserverschmutzung wird das globale Wassersystem geschädigt.

Wir müssen bereuen und unser Unvermögen annehmen, die Schöpfung ohne die reinigende Kraft des Blutes Jesu Christi zu bewahren. Möge uns der Heilige Geist während dieser Fastenzeit in unserem täglichen Leben leiten, so dass wir dauerhaft Quellen des reinen lebendigen Wassers werden, physisch und spirituell, das die Schöpfung Gottes nachhaltig bewahrt. Christinnen und Christen sind dazu aufgerufen, die Schöpfung zu bewahren und auf die Stimmen der Schöpfung zu hören, indem sie Wasserverschmutzung und Klimawandel vermeiden.

Fragen zur Diskussion

  1. Wasser ist Leben, und Wasser zu verschmutzen kommt dem Töten von Leben gleich. Wie können wir als Kirche sicherstellen, dass alle Christinnen und Christen dieselbe Einstellung zur Unantastbarkeit des Wassers haben? 
  2. Inwiefern ist Ihr Land oder Ihre Kirchengemeinde von der Wasserverschmutzung betroffen?
  3. Was können die „Jünger Christi“ tun, um Wasserverschmutzung zu vermeiden oder zu verringern?

Handlungen:

  • Diskutieren Sie mit den Oberhäuptern Ihrer Kirchen über Themen der Wasserverschmutzung und was Sie tun können, um zu helfen.
  • Wann immer Sie können, verstärken Sie die Schreie der verschmutzten Flüsse, der geschädigten Weltmeere und des verunreinigten Grundwassers. Beteiligen Sie sich aktiv an der Bewegung „Season of Creation“ (Schöpfungszeit); in diesem Jahr lautet das Thema „Auf die Stimmen der Schöpfung hören“.
  • Halten Sie das Wasser-Ökosystem in Ihrer Nachbarschaft durch einfache Vorkehrungen sauber wie zum Beispiel: (a) Entsorgen Sie keine Fette oder Haushaltschemikalien mit dem Abwasser. (b) Nutzen Sie so wenig Reinigungsmittel wie möglich oder nehmen sie Produkte einer umweltfreundlichen Marke. (c) Verwenden Sie in der Landwirtschaft oder im Garten so wenig Pestizide, Düngemittel und Herbizide wie möglich.

Quellen:

    1. https://www.europenowjournal.org/2018/12/10/water-stress-and-pollution-in-belgium-the-internationalization-and-regionalization-of-a-policy-problem/
    2. https://www.eea.europa.eu/signals/signals-2018-content-list/articles/water-use-in-europe-2014
    3. https://www.oikoumene.org/what-we-do/care-for-creation-and-climate-justice

* Dr. Louk Andrianos ist Berater des Ökumenischen Rates der Kirchen für den Bereich Bewahrung der Schöpfung, Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit. Er wurde in Madagaskar geboren und lebt auf Kreta; neben anderen Umwelteinrichtungen arbeitet er mit der Orthodoxen Akademie von Kreta und mit der Bewegung Season of Creation (Schöpfungszeit) zusammen.

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Louk Adrianos