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Es geht um kontinuierliche Präsenz und einen gerechten Frieden

Es geht um kontinuierliche Präsenz und einen gerechten Frieden

Übergabezeremonie in der St.-Anna-Kirche in der Jerusalemer Altstadt. Foto: Albin Hillert/ÖRK

25. April 2019

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 26. April 2019

Von Albin Hillert*

„Führe uns aus der Verzweiflung und gib uns Hoffnung, führe uns weg von der Angst und gib uns Liebe, und möge Frieden wohnen in unseren Herzen“, betet Pastorin Gabrielle Zander von der Erlöserkirche zur Eröffnung einer Andacht in der St.-Anna-Kirche in Jerusalem, zu der sich die Teilnehmenden am Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) Mitte April versammelt haben.

Seit 2002 bieten so genannte ökumenische Begleitpersonen den lokalen Gemeinschaften vor Ort durch internationale Präsenz Schutz, dokumentieren Menschenrechtsverletzungen und sammeln Augenzeugenberichte über das Leben unter israelischer Besatzung – Berichte, die sie dann mit zurück in ihre Heimat nehmen und dort bekanntmachen.

In der St.-Anna-Kirche übergibt eine Gruppe ökumenischer Begleitpersonen Mitte April den Staffelstab und die Herausforderungen ihres Dienstes an eine neue Gruppe ökumenischer Begleitpersonen.

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Einige der ökumenischen Begleitpersonen haben die vergangenen drei Monate im Heiligen Land verbracht, andere sind gerade erst angekommen. Aber sie alle verbindet das gleiche Ziel – sie wollen Zeugnis ablegen, die Menschen begleiten und Dienst tun.

„Gott hat uns Menschen ganz unterschiedlich geschaffen und diese Unterschiede führen zu Spannungen, Konflikten und Missverständnissen“, erklärt Pater Dave Sullivan im Namen der Missionare von Afrika an der Kirche und dem Seminar von St. Anna. „Aber Gottes Wunsch und Traum ist es, dass wir alle harmonisch miteinander leben. Mit unseren vielen Unterschieden, aber in Harmonie.“

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„Jesus hat uns gelehrt: ‚Selig sind, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen‘ – jene also, die Frieden stiften und Dialog fördern“, führt Sullivan weiter aus. „Eine jede und ein jeder von euch ist gesegnet, denn ihr habe eure Zeit, eure Energie und eure Ressourcen geopfert, um einen Beitrag zur Schaffung von Frieden zu leisten.“

„Während eurer Zeit hier werdet ihr nicht alle Probleme lösen können. Aber ihr seid hier, um einen kleinen Beitrag zur Verwirklichung von Gottes Traum vom Frieden zu leisten“, sagt er.

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In einer symbolischen Zeremonie mit Kerzen übergeben die scheidenden ökumenischen Begleitpersonen daraufhin das Friedenslicht an die neu eingetroffenen Begleitpersonen und damit die Verantwortung für das Zeugnis und den Dienst vor Ort.

„Mögen eure Schritte begleitet sein von Güte, Hoffnung, Geduld und Liebe, damit ihr gesegnet werdet und ein Segen für andere seid“, sagen die scheidenden ökumenischen Begleitpersonen an ihre Nachfolgenden gerichtet.

„Wir nehmen die Herausforderung an, als ökumenische Begleitpersonen zu leben und Zeugnis abzulegen“, erwidert die neue Gruppe von Begleitpersonen.

Und während die eine Gruppe in ihre jeweiligen Heimatkontexte zurückkehrt, um dort zu berichten, was sie gesehen, gehört und erlebt haben, haben die neuen ökumenischen Begleitpersonen ihren Dienst vor Ort bereits aufgenommen.

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Am Palmsonntag, dem 14. April, sind tausende von Christinnen und Christen aus Jerusalem und anderswo auf den Spuren Jesu vom Ölberg in die Jerusalemer Altstadt gepilgert.

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Ökumenische Begleitpersonen waren den ganzen Tag über vor Ort und haben die Prozession durch die Stadt begleitet.

„Die Weitergabe des Kerzenlichts und damit einhergehend die Übergabe der Verantwortung für das Engagement für Frieden sowie der Kontakt mit den Menschen hier war eine sehr emotionale Erfahrung für mich“, erzählt eine der ökumenischen Begleitpersonen aus Argentinien. „Ich glaube, wir haben hier sehr gute Arbeit geleistet und wir versuchen, alles hier so zu hinterlassen, dass unsere Nachfolgerinnen und Nachfolger nun das Engagement und die Arbeit hier immer mehr stärken können.“

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Scheidende ökumenische Begleitpersonen zünden Kerzen an bevor sie die St.-Anna-Kirche verlassen und nach Hause zurückkehren.

„Ich weiß zu schätzen, was hier gesagt wurde“, sagt eine der neuen ökumenischen Begleitpersonen aus Finnland. „Auch wenn ich selbst eigentlich nicht sehr religiös bin, habe ich in dieser Übergabezeremonie gespürt, dass es real war. Für mich jedenfalls war es real.“

Das Ökumenischen Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) stellt mit 25 bis 30 ökumenischen Begleitpersonen eine kontinuierliche internationale Präsenz in der Region sicher und verfolgt die Vision eines gerechten Friedens für alle Menschen im Heiligen Land.

Die Begleitpersonen begleiten lokale Gemeinschaften für jeweils drei Monate und bieten durch ihre Anwesenheit Schutz, dokumentieren was hier geschieht und erleben die täglichen Herausforderungen und Hoffnungen der Menschen – seien dies Hirten im Jordantal, Schulkinder, die dem Risiko ausgesetzt sind, von Siedlern belästigt zu werden, Menschen, die die Checkpoints an der Trennmauer passieren wollen, oder Gemeinschaften, denen Abriss angedroht wurde.

Ökumenisches Begleitprogramm in Palästina und Israel (in englischer Sprache)

„Nicht nur eine Seite in einem Buch“ – Ökumenische Begleitpersonen hören sich im Dorf Ma‘alul palästinensische Berichte an (ÖRK-Pressemitteilung vom 27. März 2019)

Sabbatmahl „hilft, beiden Seiten ein Gesicht zu geben“ (ÖRK-Pressemitteilung vom 27. März 2019)

Morgens am Checkpoint: Resilienz und Begleitung in Zeiten der Besatzung (ÖRK-Featureartikel vom 9. Oktober 2018)

Einsatz am frühen Morgen: Ökumenische Begleitpersonen begleiten Beduinenhirten ins Jordantal (ÖRK-Featureartikel vom 7. Oktober 2018)

*Albin Hillert arbeitet für den Kommunikationsdienst des Ökumenischen Rates der Kirchen.