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Weihnachtsbotschaft 2004 vom Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen

09. Dezember 2004

Foto erhältlich - siehe unten

"In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen.

Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen."

Johannes 1,4-5

Die frohe Botschaft von Weihnachten scheint auf die Welt wie die Sommersonne in der südlichen Hemisphäre und wie ein funkelnder Stern am nördlichen Winterhimmel. Sie strahlt als die frohe Botschaft, die uns als "grosse Freude" verkündigt wird, hell in eine Welt hinein, in der wir von beunruhigenden Nachrichten umgeben sind. Sie erneuert unseren Glauben an die Verheißung von Frieden auf Erden, und sie ruft uns einmal mehr zum Lobpreis Gottes auf, dessen Herrlichkeit die höchsten Himmel umfasst. Seit Jahrhunderten ist die in Weihnachten beschlossene Hoffnung auf Frieden eine zentrale Aussage des Glaubens der Kirche. Indem wir die Geburt Christi feiern, verpflichten wir uns immer wieder neu, diese Hoffnung zu leben.

Wir feiern die Hoffnung der Weihnacht als die Verheißung des Friedens. Wir gedenken der Geburt Jesu, der als ein Kind zu uns kam und von Gewalt bedroht war, der mit seiner Familie auf der Flucht vor den Plänen der Mächtigen war. Zu dieser Zeit, in dieser Welt danken wir Gott und loben ihn für die Hoffnung, die wir in Jesus Christus haben, für das Geschenk der Liebe Gottes, die in menschlicher Verwundbarkeit offenbar wurde.

Die frohe Botschaft, dass Jesus Christus in die Welt kommt und unter uns wohnt, ist in dieser Welt eine Quelle der Erleuchtung, denn durch sein Leben und seine Lehren hat er uns den Weg gezeigt, der zum Frieden führt. Jesus selbst sagt: "Meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt."

Diese Welt gibt uns Mauern, die Völker voneinander trennen, und Gesetze, die die Freiheit einschränken. Sie gibt uns Sicherheitsstrategien und Präventivschläge. Jesus ruft uns auf, nach Wegen zu suchen, verantwortlich als Menschen in Einigkeit miteinander zu leben. Jesus Christus hat uns das Liebesgebot gegeben und ruft und dazu auf, den Geist der Rache, des Hasses und der Rivalität zu überwinden. Er fordert uns auf, für unsere Feinde zu beten. Er lehrt uns, unsere eigenen Interessen nicht auf Kosten anderer durchzusetzen, nicht neidisch zu sein, wenn die Entmachteten wieder ermächtigt werden, und der Gerechtigkeit nicht im Wege zu stehen, wenn den Enteigneten zurückgegeben wird, was ihnen zusteht. Er ruft uns dazu auf, in den Vernachlässigten und Verlassenen das Angesicht Gottes zu erkennen. Er ermutigt uns Tag für Tag, durch unseren Glauben und unser Handeln ein Leben im Gehorsam zu führen.

Wir im Ökumenischen Rat der Kirchen haben uns für ein gemeinsames Leben im Lichte Christi entschieden, in dem Licht, das bei aller Finsternis scheint und das der Dunkelheit trotzt, die uns umgibt. Wir feiern die Hoffnung auf Frieden trotz anhaltender Konflikte, trotz Furcht und Argwohn, Hass und Krieg, Missbrauch und Habsucht. Unsere Welt ist durchdrungen von Kulturen der Gewalt, in denen diejenigen, die von ihren Verfolgern als "anders" bezeichnet werden, ausgegrenzt, unterworfen, terrorisiert und verletzt werden. Es ist alarmierend, dass viele, die sich so verhalten, sich im Namen "Gottes" zu rechtfertigen suchen.

Wenn wir die Geburt Jesu, des Friedefürsten, verkündigen, feiern wir auch die Hoffnungen von 100 Kindern im Gemeinschaftszentrum La Tablada der Jünger Christi in Buenos Aires (Argentinien), das ich im November besucht habe. Dieses Zentrum, das sich in seinem Dienst von der Liebe Christi leiten lässt, verändert mit Hilfe von 15 jungen Leuten, die selbst aus Slums und aus zerbrochenen Familien kommen, das Leben dieser Kinder.

Es gibt auf der Welt viele Buenos Aires' und viele La Tabladas. Wir beten dafür, dass Gottes Licht in das Leben der Menschen strahlt, die in Schwierigkeiten sind, und dass es ihnen helfen möge, Wege des Widerstandes zu finden, die einen Wandel zum Besseren ermöglichen. Wir begrüßen Bemühungen um Zusammenarbeit und Unterstützung unter den Notleidenden, interreligiöse Initiativen für Frieden und harmonisches Zusammenleben, Basisbewegungen für Frieden und Gerechtigkeit. In allen diesen Bemühungen erkennen wir die Sehnsucht nach einer besseren Welt.

Inmitten der Spaltungen und der Zerstörung dieser Welt erinnert uns die frohe Botschaft von Weihnachten daran, dass Gott sich uns in Liebe zuwendet und uns zum Dienst der Versöhnung aufruft.

"In ihm war das Leben, und das Leben war das Licht der Menschen. Und das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat’s nicht ergriffen."

Pfr. Dr. Samuel Kobia

Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen

Dezember 2004

Kostenlose hochauflösende Fotos sind verfügbar unter

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