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#WCC70: Chiara Lubich und der Ökumenische Rat der Kirchen

#WCC70: Chiara Lubich und der Ökumenische Rat der Kirchen

Genf, 1967: Chiara Lubich mit Philip Potter und Lukas Vischer

16. April 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 19. April 2018

2018 feiern wir das 70-jährige Jubiläum des Ökumenischen Rates der Kirchen. Damit wir aus erster Hand Erfahrungsberichte über die ökumenische Gemeinschaft und unseren gemeinsamen Weg vorlegen können, haben unsere Mitgliedskirchen Geschichten über Menschen, Ereignisse, Erfolge und auch Misserfolge beigetragen, die alle unsere gemeinsame Suche nach christlicher Einheit vertieft haben.

Diese Geschichte hat Joan Patricia Back geschrieben.

Alle Ansichten oder Meinungen, die in diesem Artikel geäußert werden, sind diejenigen der Autorin und entsprechen nicht unbedingt den Grundsätzen des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Die Kontakte zwischen dem Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und Chiara Lubich gehen zurück bis in die Zeit des Zweiten Vatikanischen Konzils. Damals war Lukas Vischer, ein reformierter Theologe aus der  Schweiz, als Beobachter für den ÖRK in Rom und traf dort Chiara. Er war maßgeblich am Zustandekommen der ersten Einladung von Chiara Lubich zu einem Besuch des ÖRK am 9. November 1967 beteiligt, wo sie sich mit 11 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern traf, darunter der erste Generalsekretär Willem Visser’t Hooft, der gerade in den Ruhestand gegangen war, sowie Vitaly Borovoy, Philip Potter, Lukas Vischer, Madeleine Barot, Bengt Molander und Gaio Grassi.

Am 5. Oktober 1982 wurde Chiara von Generalsekretär Philip Potter eingeladen, eine Rede vor 120 Direktorinnen, Direktorinnen und MitarbeiterInnen zu halten. Bei dieser Gelegenheit prägte Potter den Satz, der seither oft für die Beschreibung des ökumenischen Engagements der Fokolar-Bewegung zitiert wird: „Sie haben einen ökumenischen Lebensstil.“ Chiara Lubich traf sich auch privat mit Visser’t Hooft.

Chiaras dritter Besuch nahm die Form einer „ökumenischen Woche“ im Oktober 2002 an, auf die sie sowohl vom ÖRK als auch von der Protestantischen Kirche von Genf eingeladen  worden war. In jener Woche sprach Chiara im Ökumenischen Zentrum in Bossey, wo der Direktor Ioan Sauca erklärte, dass es ihnen eine besondere Freude sei, von Chiara die Spirituälität der Einheit der Fokolar-Bewegung erklärt zu bekommen, "denn das ist es, war wir hier aufbauen wollen: unsere Einheit [...] und unser Zusammenleben in einer Gemeinschaft der Gestaltung.“ In der protestantischen Kathedrale St. Pierre sprach sie über „die Reform aller Reformen“ zur Wiederherstellung der Einheit.  Im ÖRK sagte Generalsekretär Konrad Raiser in seiner Danksagung nach Chiaras Vortrag über die „Einheit und Jesus den Verlassenen“: „Es erinnert mich - und ich glaube, viele andere auch - an eine der wichtigsten Erkenntnisse direkt zu Beginn der ökumenischen Bewegung [...] je näher wir dem Kreuz Christ kommen, je näher kommen wir auch einander.“ Gemeinsam mit Chiara gab er eine gemeinsame Erklärung zum Abschluss des Besuchs heraus.

Die Woche endete in Morges am Eröffnungstag des Ökumenischen Treffens der Bischöfe und Freunde der Fokolar-Bewegung, an dem auch Lukas Vischer gemeinsam mit anderen ÖRK-Freunden teilnahm.  Chiara erklärte spontan: „In meinem Herzen habe ich nur einen Gedanken - hier hat etwas begonnen. Und das wird nicht hier enden. Wir müssen das Neuentstandene voranbringen - etwas, das in Gottes Plan ist und das nicht einmal ich kenne, aber das wir gemeinsam voranbringen müssen.“

Die gesamte Woche ist in einem Buch mit dem Titel „Lebendiger Dialog“ dokumentiert, veröffentlicht in den Sprachen Italienisch, Englisch, Deutsch und Spanisch.

Die Zentrale der Fokolar-Bewegung in Rocco di Papa ist schon mehrmals von offiziellen Delegationen des ÖRK besucht worden. Die erste im Juni 2005 wurde von Generalsekretär Samuel Kobia geleitet, der während eines Anschlussbesuchs am 26. Januar 2008 gemeinsam mit Yorgo Lemopoulos, Martin Robra und Luzia Wehrle Chiara in ihrem Haus besuchte, nur zwei Monate vor ihrem Tod. Sie wollten ihre tiefe Dankbarkeit für Chiaras Beitrag zur ökumenischen Bewegung besonders im Zeichen der Fokolar-Spiritualität zum Ausdruck bringen.

(Am gleichen Nachmittag besuchten Mitglieder der gemeinsamen Arbeitsgruppe des ÖRK und der römisch-katholischen Kirche die Zentrale der Fokolar-Bewegung).

Nach ihrem Tod zollte Samuel Kobia ihr Respekt  und sagte: „Unsere Liebe für Chiara und die große Dankbarkeit für das Geschenk Gottes, das sie für die ökumenische Bewegung war, wird uns in unserer Arbeit für die sichtbare Einheit der Kirche  weiter motivieren und inspirieren.“

Nach dem Tod Chiara Lubichs setzte die neue designierte Präsidentin Maria Voce die Zusammenarbeit mit dem ÖRK in der gleichen Tradition fort. Im März 2009 verbrachte sie mit einigen MitarbeiterInnen einen Tag in Genf und traf sich dort mit Kobia und einigen Direktorinnen und Direktoren. Dieser Besuch wurde am 5. Dezember 2010 erwidert, als Generalsekretär Olav Fykse Tveit gemeinsam mit einer Delegation Maria Voce und den Generalrat der Focolar-Bewegung in Rocca di Papa traf.

Im Laufe der Jahr intensivierte sich die Zusammenarbeit zwischen dem ÖRK und der Fokolar-Bewegung in der Schweiz, aber auch in anderen Ländern. Nach einer ersten Anfrage von Lukas Vischer, ob nicht ein Fokolar-Mitglied beim ÖRK tätig werden könne, arbeitete Luzi Wehrle dort 40 Jahre lang, ihre Nachfolgerin wurde Lut Van Kersavond, heute ist es Lurdes Guimaes Teixeira. Es gibt noch weitere Fokolar-Mitglieder in Genf, die mit dem ÖRK zusammenarbeiten.

Der ÖRK hat aktiv an Fokolar-Veranstaltungen wie dem Kongress über die Ökonomie der Gemeinschaft und ökumenische Schulen teilgenommen. Ein aktuelles Beispiel ist eine Videobotschaft von Tveit zur Ökumenischen Woche in Castelgandolfo im Mai 2017; Martin Robra hielt dort eine  der Hauptreden.

Christinnen und Christen unterschiedlicher Kirchen, die der Fokolar-Bewegung angehören, haben an Delegationen ihrer jeweiligen Kirchen und in anderen Funktionen an ÖRK-Vollversammlungen teilgenommen. Auf der Vollversammlung in Porto Alegre haben sie neben ihrer Mitwirkung in Delegationen und lokalen Organisationen ebenfalls Beiträge in einer Plenarsitzung und in Workshops geleistet. Zur Vollversammlung in Busan war eine Fokolar-Delegation speziell vom ÖRK eingeladen worden.

Die Zusammenarbeit mit diversen Abteilungen des ÖRK erstreckte sich auf eine Konsultation mit der römisch-katholischen Kirche über Andacht und Spiritualität sowie die Teilnahme an Konsultationen wie „Spiritualität für unserer Zeit“ und einen Dialog über Laizismus. Fokolar-Mitglieder wurden als BeobachterInnen auf eine Versammlung der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung eingeladen. Vor kurzem hat die Fokolar-Bewegung einen offiziellen Kommentar zu dem Werk „Die Kirche:  Auf dem Weg zu einer gemeinsame Vision“ vorgelegt.

Seit 2006 besuchen Studierende des Fokolar-Zentrums in Montet (Schweiz) den ÖRK im Rahmen ihrer ökumenischen Seminare, während für die  Absolventinnen und Absolventen des Ökumenischen Instituts in Bossey während ihres Aufenthalts in Rom gemeinsam mit dem  Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen grundsätzlich ein Treffen mit Fokolar-Anhängern stattfindet.

Fokolar-Mitglieder haben an Kursen in Bossey teilgenommen, und Studierende aus Montet besuchen das Institut jedes Jahr.

Die Musikbands Gen Verde und Gen Rosso der Fokolar-Bewegung treten international auf und haben an den Feierlichkeiten zum 50-jährigen Jubiläum der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung in Lausanne sowie 2011 an der „International Ecumenical Peace Convocation auf Jamaica teilgenommen.

Vor dem Hintergrund dieses Austausches sprach Martin Robra vor kurzem in einem Interview über „50 Jahre Freundschaft als ein Zeichen der Einheit“, während Yorgo Lemopoulos in seinem „Remembering Chiara al WCC“-Gedenken feststellt, dass „Lubich von vielen Menschen als eine Person in Erinnerung behalten wird, die eine vertrauenswürdige und entschlossene  Wegbegleiterin war, voller Kreativität und Faszination“ und dabei aus ihrem Leben berichtete, über ihr Charisma und ihre Spiritualität „als Quelle der Inspiration und Ermutigung für  diejenigen, die auf dem Weg der Ökumene unterwegs sind.“ Diese Zusammenarbeit war auch für die Fokolar-Bewegung sehr bereichernd; auf diese Weise haben wir tiefe Einblicke in die ökumenische Bewegung gewonnen und so viele Menschen getroffen, die sich der christlichen Einheit widmen. Lemopoulos spricht über diese beständigen Beziehungen zwischen dem ÖRK und der Fokolar-Bewegung „mit Dankbarkeit, denn ich weiß, dass Chiara sie durch ihr wertvolles Vermächtnis und ihre Ermahnungen weiterhin leitet, sie ermutigt und sie in ihren gemeinsamen Zielen unterstützt.“

Weitere Informationen über das 70-jährige Jubiläum des ÖRK: www.oikoumene.org/wcc70

Video-Aufnahme der Veranstaltung am 18. April: The WCC, Chiara Lubich and the Fokolare movement

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