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#WCC70: Ein Gebet für Gesundheit und Heilung

#WCC70: Ein Gebet für Gesundheit und Heilung

Dr. Erlinda N. Senturias bei ihrer Rede vor der ÖRK-Vollversammlung im Jahr 2005. Foto: Peter Williams/ÖRK

20. Juli 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 20. Juli 2018

2018 feiern wir das 70-jährige Jubiläum des Ökumenischen Rates der Kirchen. Damit wir aus erster Hand Erfahrungsberichte über die ökumenische Gemeinschaft und unseren gemeinsamen Weg vorlegen können, haben unsere Mitgliedskirchen Geschichten über Menschen, Ereignisse, Erfolge und auch Misserfolge beigetragen, die alle unsere gemeinsame Suche nach christlicher Einheit vertieft haben.

Diese Gebet wurde von Dr. Erlinda N. Senturias von der Vereinigten Kirche Christi auf den Philippinen verfasst.

Alle Ansichten oder Meinungen, die in diesem Artikel geäußert werden, sind diejenigen der Autorin und entsprechen nicht unbedingt den Grundsätzen des Ökumenischen Rates der Kirchen.

Alle Herrlichkeit, alles Lob und alle Ehre sei Gott, dem Heiler und Geber überfließenden Lebens für uns alle. Gott ist tatsächlich unser Schöpfer, Erlöser und Erhalter.

Wir kommen in deine heilige Gegenwart und danken dir, dass du den Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) als eine ökumenische Bewegung geleitet hast, die einen sicheren Ort für Kirchen schafft, um über Einheit in Vielfalt zu sprechen und sich in schwierigen Fragen unserer Zeit einig zu werden.

Wir sind dankbar, dass der ÖRK im Jahr 1986 begonnen hat, mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation das Humane Immundefizienzvirus (HIV) und das Erworbene Immunschwächesyndrom (AIDS) zu thematisieren. Es war eine Zeit, in der viele Kirchen zum Thema HIV lieber schwiegen oder sogar dafür plädierten, die Forschung in diesem Bereich einzustellen. Nach dem ersten HIV-Forum bei der ÖRK-Vollversammlung 1986, das vom Programm Kirchen und Gesellschaft organisiert worden war, veröffentlichte die Vollversammlung eine Erklärung zum Thema HIV.

Die Christlich-Medizinische Kommission setzte die Arbeit fort und gab Informationsmaterial heraus, das den Virus für die Menschen in unseren Kirchen, sowohl Geistliche als auch Laien, verständlicher machte.

Der Fokus bestand darin, mehr über HIV zu erfahren, und das stellte unsere richtende Herzenshaltung in Frage, die „den Virus viel schneller verbreitete, als es der Virus selbst tat.“

O Gott der Liebe, bitte vergib unsere Unzulänglichkeit als Kirchen in dieser Sache.

Wir danken dir für die engagierten Frauen und Männer, die bei der Erstellung dieser grundlegenden Informationsmaterialien Pionierarbeit leisteten, um HIV und AIDS für Christinnen und Christen auf den verschiedenen Kontinenten der Welt verständlicher zu machen. Diejenigen, die diese Materialien besonders hilfreich fanden, übersetzten sie mit Hilfe des ÖRK in ihre lokalen Sprachen. Wir sind dankbar für unsere Finanzierungspartner und die Menschen, die Zeit und Geld investiert haben, um Informationen zu vorbeugenden Maßnahmen im Zusammenhang mit HIV durch Wort und Tat zu verbreiten, so dass sich unser Verständnis der vielen Dimension des Virus über den wissenschaftlichen Aspekt hinaus weiterentwickelt hat.

In den Neunzigern rief der ÖRK Beratungsgruppen mit Vertreterinnen und Vertretern aus unterschiedlichen Regionen ins Leben, und gemeinsam bemühten wir uns, die theologischen, ethischen, seelsorgerlichen und beratungsrelevanten Aspekte sowie Menschenrechts- und Gerechtigkeitsfragen im Zusammenhang mit der HIV-Pandemie zu durchdringen. Ich habe diese Jahre, in denen wir die Kirchen auf unterschiedlichen Kontinenten, vom Pazifik bis Afrika und hier in Europa begleitet haben, miterlebt. Ich habe Freunde, die mich zu Planungstreffen begleitet haben und dann bei dem eigentlichen Treffen nicht mit dabei sein konnten, weil sie inzwischen selbst an opportunistischen Infektionen verstorben waren. Ein verzweifelter Laientheologe setzte seinem Leben ein Ende, weil er sich den Verfall seines Körpers vor Augen malte und die Behandlungsmethoden damals noch nicht so effizient waren wie heute. Wir trauerten um ihr Leben und erinnerten uns an die Gebete und Lieder, die sie beigetragen hatten, um zu verdeutlichen, dass wir mutig vorangehen müssen, um an Gottes Auftrag von Gesundheit, Heilung und Ganzheitlichkeit mitzuwirken.

Bei unseren Studien stellten wir fest, dass es nötig ist, die Thematik der menschlichen Sexualität in Zusammenarbeit mit dem Ökumenischen Institut als einem Forum zur Diskussion sensibler Themen, über welche die Mitgliedskirchen zu dem Zeitpunkt noch nicht reden wollten, zu ergründen. Wir sind dankbar, dass die Kolleginnen und Kollegen in den Bereichen Mission und Evangelisation sowie das ÖRK-Verlagsbüro die Arbeit veröffentlicht haben.

Es half uns, als wir die Menschen mit einbanden, die mit HIV leben, weil sie die Situation besser verstehen. Wir erfuhren viel Neues, als wir mit anderen Nichtregierungsorganisationen und UNAIDS zusammenarbeiteten, um gemeinsam der Herausforderung HIV ins Auge zu blicken.

Die Menschen, die mit HIV leben, forderten uns heraus, grundlegende Themen wie Stigmatisierung, Scham, Verleugnung, Diskriminierung, Untätigkeit und erfolglose Maßnahmen anzusprechen. Erfreulicherweise war es die Beteiligung HIV-positiver, religiöser Oberhäupter, die uns half, besser zu verstehen, was getan werden muss. Aufgrund von verfügbaren Medikamenten und fundiertem Wissen über den Umgang mit dem Virus sind sie sehr aktiv damit beschäftigt, uns mit der Botschaft deiner heilenden Kraft und Rettung zu evangelisieren.

Die Arbeit in Afrika hat den Kampf gegen HIV unter Beteiligung von Mitarbeitenden theologischer Einrichtungen sowie Seelsorgern und Beratern ein gutes Stück vorangebracht. Es wurde viel Informationsmaterial von und für die Region herausgegeben.

Wir sind dankbar für die Arbeit des Globalen Ökumenischen Aktionsbündnisses (EAA), das seit dem Jahr 2000 einen Schwerpunkt im Bereich HIV setzt, und des INERELA (Internationales Netzwerk HIV-positiver oder an AIDS erkrankter religiöser Oberhäupter), dass sie ihre Arbeit nicht nur innerhalb Afrikas, sondern auch auf andere Kontinente der Welt wie Asien und Nordamerika ausgeweitet haben. Wir sind dankbar, dass HIV ein Sammelplatz für interreligiöse Organisationen geworden ist, wo Raum ist, miteinander über das Thema HIV ins Gespräch zu kommen. Wir sind dankbar für den Beitrag des Asian Interfaith Network zum Thema AIDS, der von der Asiatischen Christlichen Konferenz (CCA), dem ÖRK und dem EAA unterstützt wurde.

Möge der medizinische Fortschritt allen Menschen zugute kommen und die Behandlung für alle bezahlbar werden.

O gnädiger Gott, wir sind dir so dankbar, dass du jede und jeden von uns so sehr liebst. Wir glauben, dass dein Gebot, dich und einander zu lieben, noch besser in deinem Auftrag zum Kampf gegen HIV zum Ausdruck kommt.

Wir nähern uns dem Jahr 2030, dem fünfzigsten Jahr seit Entdeckung des HI-Virus und wünschen uns, dass die ökumenische Bewegung auch weiterhin eine Säule im Kampf gegen HIV und für Gesundheit und Heilung ist. Wir dürfen in unseren Bemühungen nicht nachlassen, o Gott. Es muss noch so viel mehr getan werden. Mach uns kühn, in deinem Namen zu gehen, zu predigen, zu taufen, zu lehren und zu heilen. Wir verlassen uns auf deine Zusage, dass du mit uns sein wirst. Mach uns zu Kanälen des Segens und der Heilung, gemeinsam mit den Geringsten unserer Brüder und Schwestern. Segne uns, lieber Gott, und verleihe uns die Kraft deines Geistes.

Das bitten wir im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

 

Weitere Informationen über das 70-jährige Jubiläum des ÖRK: www.oikoumene.org/de/wcc70

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