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ÖRK-Generalsekretär: Gedanken zur ökumenischen Bewegung der Liebe

ÖRK-Generalsekretär: Gedanken zur ökumenischen Bewegung der Liebe

Foto: Albin Hillert/ÖRK

10. Januar 2019

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 10. Januar 2019

Anlässlich der Tagung des Planungsausschusses für die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), die diese Woche auf Zypern stattfindet, hat sich ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit in seiner Ansprache mit dem Thema der kommenden 11. Vollversammlung befasst. Es lautet: „Die Liebe Christi bewegt, versöhnt und eint die Welt“.

Das Thema sei höchst aktuell und notwendig, um eine vertiefte Auseinandersetzung mit der zentralen Funktion anzustoßen, die der Liebe als moralischem Gebot zukomme, stellte Tveit fest.

Recht und Gesetze seien Mittel, um eine soziale Ordnung zu schaffen und Interessen- sowie Machtkonflikte friedlich beizulegen. „Die Liebe ist ihrerseits jedoch ein Grundwert, der zu einem Verhalten anleitet, das den verlässlichen Rahmen und die Grundlage bietet für die Anerkennung der Rechte und der Würde aller Mitglieder der Gemeinschaft.“

Trete man für eine Gerechtigkeit und eine Freiheit ein, die auf dem Fundament der Liebe aufbauen, so ergebe sich daraus ein Handeln, das korrigiere und Wandel bewirke, wo Leben bedroht und Rechte verletzt würden, betonte Tveit. „Das ist von entscheidender Bedeutung im Ringen um die Befreiung von strukturbedingter Ungerechtigkeit und Unterdrückung.“ Strukturbedingtes Unrecht lasse keinen Raum für liebevolle Beziehungen, sondern fördere und erzwinge von Ausbeutung und Anonymität geprägte Beziehungsmuster.

Gesetz und Moral, Rechte und Liebe stützten einander gegenseitig im Streben nach einem Leben in tragfähigen und nachhaltigen Gemeinschaften, führte Tveit aus. „Traditionell sind beide Aspekte tief verwurzelt im kulturellen und religiösen Erbe sowie Ethos der jeweiligen Gemeinschaft“, so Tveit weiter. „Zu oft jedoch neigen wir dazu, unsere Gaben, wie Rechte und Liebe, nur auf die eigene Gruppe zu beschränken und anderen nicht zuzugestehen.“

Aktuell zeige sich dies in der Ablehnung gegenüber Flüchtlingen und Migrierenden sowie in dem Anspruch auf Privilegien und Vorrang, wodurch immer mehr Beziehungen zwischen den und innerhalb der Staaten unserer Welt vergiftet würden, beklagte Tveit. „Angesichts solcher Umstände wird uns die entscheidende Bedeutung der Rechte sowie der gegenseitigen Liebe bewusst, die gemeinsam die über Grenzen hinweg geltende Menschenwürde unterstreichen und Motivation sind für das Ringen um Befreiung und gerechte Beziehungen.“

Tveit erklärte sich überzeugt, dass auch 70 Jahre, nachdem sich die Vereinten Nationen auf die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte verständigten, und 50 Jahre nach der Ermordung von Dr. Martin Luther King, Jr., das Ringen um Freiheit und Gerechtigkeit weitergehen müsse. „Motiviert durch unseren Glauben und geleitet vom moralischen Gebot der Liebe setzen wir uns ein für strukturelle Veränderungen und Gesetze zugunsten jener, die am Rand stehen und ausgeschlossen sind, sowie zugunsten der leidenden Schöpfung“, erklärte Tveit. „Unsere Einheit mag unvollkommen sein, aber sie hat Dimensionen, deren Motor die Liebe Christi zu uns, zur ganzen Menschheit und zur ganzen Schöpfung ist.“

Das für die 11. ÖRK-Vollversammlung vorgeschlagene Thema verweise uns auf unseren gemeinsamen Ursprung in Christus. „Es schafft außerdem eine gute Verbindung zum Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens als einem Bild, das die ökumenische Bewegung beschreibt.“

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