World Council of Churches

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Vielfalt des Weltchristentums jenseits der Vorurteile

Vielfalt des Weltchristentums jenseits der Vorurteile

Gesprächsrunde zum Thema Weltchristentum und Ökumene.

08. April 2011

„Wir müssen stereotype Vorstellungen vermeiden“, erklärte Präses Nikolaus Schneider, der Vorsitzende des Rates, der die Beziehungen und Aktivitäten der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) koordiniert.

In der Begegnung unterschiedlicher Gruppen innerhalb des Weltchristentums mit seiner gegenwärtig besonderen Dynamik, fügte er hinzu, stelle sich die zentrale Frage, ob die Berufung der Kirche von einer gegebenen kirchlichen Gemeinschaft erfüllt werde und ob Jesus Christus dort präsent sei.

Schneider äußerte diese Einschätzung in einer breit angelegten Diskussion über das Christentum im 21. Jahrhundert, die während des dreitägigen Besuchs einer EKD-Delegation im Ökumenischen Zentrum in Genf (Schweiz) stattfand. An der Diskussion nahmen Mitarbeitende und andere Vertreter/innen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), des Lutherischen Weltbundes (LWB) und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WRK) teil.

Prof. Odair Pedroso Mateus, ein brasilianischer Theologe, der im Ökumenischen Institut Bossey (Schweiz) lehrt, beobachtete, dass christliche Pluralität westliche Theologen vor einem Jahrhundert tendenziell „traumatisiert“ habe, weil sie als Streit, Unzufriedenheit, Uneinigkeit erlebt worden sei. Erst im Zusammenhang mit den Entwicklungen im globalen Süden habe man angefangen, den Pluralismus in positivem Licht zu sehen, da er unterschiedlichen Gruppen von Menschen die Möglichkeit gegeben habe, Herausforderungen gemeinsam anzugehen.

Pastor Dr. Martin Sinaga, ein LWB-Mitarbeiter aus Indonesien, betonte, das Christentum sehe sich in vielen Ländern als „kleine Herde“, die sich einem breiteren religiösen Pluralismus öffnen müsse, um prophetisch und politisch wirken zu können. Trotzdem bilde die besondere Identität des Christentums die Grundlage für das Zeugnis vom Evangelium, das Minderheitskirchen durch ihr Leben und ihre Arbeit ablegen würden.

Kristine Greenaway, WRK-Exekutivsekretärin für Kommunikation, warnte davor, dass viele vielversprechende Möglichkeiten zur Zusammenarbeit unter Christen „durch die stereotypen Vorstellungen, die wir voneinander haben, blockiert werden“. So würde eine Trennlinie zwischen Mitgliedskirchen ökumenischer Räte und konservativeren evangelikalen und charismatischen Einrichtungen gezogen.

„Veränderungen in unserer Situation werden durch die Brille unseres gegenseitigen Missverständnisses gesehen“, schloss sie und forderte, die so genannten „ökumenischen“ Kirchen müssten offenere und wirksamere Kommunikationsarbeit leisten und auch eine institutionelle Sprachenkompetenz erwerben, die über die traditionellen, europäischen „offiziellen“ Sprachen der Räte hinausgehe.

Pastorin Cornelia Füllkrug-Weitzel von Brot für die Welt, ebenfalls Mitglied der EKD-Delegation, stellte fest, dass „Pluralität für Menschen zur Bedrohung wird, wenn sie das Gefühl haben, etwas Wichtiges aufgeben oder Glaubensüberzeugungen annehmen zu müssen, die nicht ihre eigenen sind“.

Pastor Christoph Anders vom Evangelischen Missionswerk (EMW) merkte an, dass neue kirchliche Bewegungen sich tendenziell weniger durch geschichtlich gewachsene Traditionen gebunden fühlten und eher den Wunsch hätten, sich an der gemeinsamen Reflexion über gemeinsame Probleme zu beteiligen.

Pastor Dr. Fidon Mwombeki,eine lutherische Führungspersönlichkeit  aus Tansania, begrüßte die jüngsten Dialoge und Gespräche, die mit der Prüfung praktischer Fragen des kirchlichen Lebens statt mit Feinheiten der theologischen Lehre begonnen hätten.

Prof. Kathryn Johnson, US-amerikanische Theologin und Assistierende Generalsekretärin des LWB, sprach über spannende Entwicklungen in den zwischenkirchlichen Dialogen unter sehr unterschiedlichen Gemeinschaften: „Die weltweiten christlichen Gemeinschaften sind sich der wachsenden Vielfalt sehr bewusst“, berichtete sie. „Wir erleben diese Vielfalt die ganze Zeit.“ Das sei nicht nur auf globaler Ebene so, sondern auch in jedem Land und jeder  Stadt: „Die Welt kommt zu uns.“

Kanonikus Dr. John Gibaut, Direktor von Glauben und Kirchenverfassung des ÖRK, stimmte zu, dass unterschiedliche Konfessionen, Kulturen und Nationalitäten Seite an Seite leben, sich gegenseitig beeinflussen und vor gemeinsamen Herausforderungen stehen. „Die drängendste ekklesiologische Frage, mit der wir konfrontiert sind“, bekräftigte er, „betrifft die Migration. Dabei geht es nicht nur um praktische Fragen, sondern um zutiefst ekklesiologische. Es geht um unseren Glauben, unsere Einheit, unsere Mission und unseren Dienst  auf lokaler Ebene. Heute sind Migrantengemeinschaften in unseren Gesellschaften und in unserer eigenen Nachbarschaft der Ort, wo Ekklesiologie und seelsorgerliche Verantwortung zusammentreffen“.

Der Besuch der EKD-Delegation in Genf hat am Mittwoch, dem 6. April, begonnen und endet am Freitag, den 8. April.

Website der Evangelischen Kirche in Deutschland

Fotos des Besuch, in hoher Auflösung, können kostenlos angefordert werden auf photos.oikoumene.org