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US-amerikanischer Pastor berichtet: Pilgerreise nach Japan, Massenvernichtungswaffen als Götzendienst

US-amerikanischer Pastor berichtet: Pilgerreise nach Japan, Massenvernichtungswaffen als Götzendienst

Stephen J. Sidorak. © Peter Kenny/ÖRK

15. März 2016

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 17. März 2016

Wenn Stephen Sidorak von seinem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens nach Japan - Fragen von Leben und Tod spricht, werden Leidenschaft, Engagement und Trauer sowie das Sehnen spürbar, dass Atomwaffen nie wieder zum Einsatz kommen dürfen.

Die Kommission der Kirchen für Internationale Angelegenheiten, die im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) beheimatet ist, hat vom 7. bis 11. März in Genf getagt. In diesem Rahmen berichtete Sidorak von seinem Pilgerweg nach Japan aus Anlass der Atombombenabwürfe, die sich 2015 zum 70. Mal gejährt haben.

Pastor Dr. Stephen J. Sidorak ist Ökumenereferent des Büros für christliche Einheit und interreligiöse Beziehungen beim Rat der Bischöfinnen und Bischöfe der Evangelisch-Methodistischen Kirche in den USA.

Sein eigenes Engagement gegen Atomwaffen reicht zurück bis in seine Zeit im Gemeindedienst, begann also lange vor dem Pilgerweg im Gedenken an die Atombombenabwürfe über Japan in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs.

„Ein Mitglied der Gemeinde, in der ich tätig war, erzählte mir von seinem Einsatz im Zweiten Weltkrieg“. Im August 1945 sei er, kurz nach dem Atombombeneinsatz, über Hiroshima und Nagasaki geflogen.

„Er war Pilot des Flugzeugs, das Befehl hatte, die Zerstörung der beiden japanischen Städte zu dokumentieren“, die die einzigen sind, auf die je Atombomben abgeworfen wurden.

„Mit unserem Pilgerweg nach Japan wollten wir vor allem hinweisen auf unser modernes Dilemma im Blick auf die Atomkraft, sowohl was Waffen als auch was die Energiegewinnung angeht“, erläutert Sidorak.

Die Welt, so der Aktivist, müsse bei diesem Thema weiterkommen.

Im Rahmen des Besuchs in Japan seien „die Wunden“ sowie „Orte brutaler Gewalt und Ungerechtigkeit“ besucht worden.

Mindestens drei solche Orte waren für die Japanreise der Pilgerinnen und Pilger relevant – Hiroshima, Nagasaki und Fukushima (wo im März 2011 ein gewaltiges Erdbeben einen Tsunami und schließlich eine Atomkatastrophe nach sich zog).

Viele Christinnen und Christen heute seien der Meinung, Götzendienst habe lediglich in ihrer heidnischen Vergangenheit eine Rolle gespielt.

Sidorak jedoch vertritt die Auffassung, es gebe eine neue Art des Götzendienstes, „da wir heute viel mehr die Macht zur Zerstörung der Schöpfung anbeten, über die wir verfügen, als den Schöpfergott.“

Weiter stellt er fest: „Wir beugen unser Haupt und beten die Massenvernichtungswaffen und die Quelle ihrer Macht, die Atomenergie, an.“

Auf dem Flug aus dem Land der aufgehenden Sonne zurück in die USA hielt er 2015 Rückschau: „Was geschehen ist, kann nicht ungeschehen gemacht werden. Aber wenn nie wieder Atomwaffen zum Einsatz kommen, dann sind die ersten Opfer des Atomzeitalters am 6. und 9. August vor 70 Jahren, die Menschen in Hiroshima und Nagasaki, nicht umsonst gestorben.“

Vereinte Nationen: Große Mehrheit trägt Resolutionen gegen Kernwaffen (ÖRK-Pressemitteilung vom 5. November 2015)

Kirchenleitende auf Pilgerreise nach Hiroshima und Nagasaki im Bemühen um ein Ende der nuklearen Bedrohungen (ÖRK-Pressemitteilung vom 27. Juli 2015)

Video: Pastor Dr. Stephen Sidorak: Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens nach Hiroshima und Nagasaki – und zurück nach Hause (in englischer Sprache)

ÖRK-Projekt: Kirchen engagieren sich für die Kontrolle von Nuklearwaffen

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