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Tveit: Wir brauchen eine internationale Lösung für die Flüchtlingskrise

Tveit: Wir brauchen eine internationale Lösung für die Flüchtlingskrise

© WCC/Paul Jeffrey

29. September 2015

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 02. November 2015

Vertreterinnen und Vertreter wichtiger internationaler ökumenischer Organisationen waren vom 25. bis 29. September in Ungarn, um die Bemühungen zur Unterstützung der Flüchtlinge in Europa und im Nahen Osten zu stärken.

Der Leiter der ÖRK-Delegation, ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, erklärte: „Dies ist viel mehr als eine Flüchtlingskrise in Europa. Wir brauchen eine internationale Lösung für die Flüchtlingskrise. Wir fordern eine sofortige internationale Lösung!“

Zur Delegation zählten Dr. Audeh Quawas, Mitglied des ÖRK-Zentral- und Exekutivausschusses und der ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten, Doris Peschke, Generalsekretärin der Kommission der Kirchen für Migranten in Europa (CCME), Pastor Alfredo Abad, Stellvertretender Vorsitzender der CCME, Marianne Ejdersten, Kommunikationsdirektorin des ÖRK, und Paul Jeffrey, Fotojournalist für den ÖRK und das ACT-Bündnis. Gastgeber des ÖRK-Solidaritätsbesuchs war der Christliche Rat der Kirchen in Ungarn.

Vor Ort trafen die Delegierten Bischof Dr. Tamás Fabiny, Mitglied der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Ungarn und Vizepräsident des Lutherischen Weltbundes, Dr. Bence Rétvári, parlamentarischer Staatssekretär im Ministerium für Humanressourcen, Bischof Dr. András Veres, Vorsitzender der Ungarischen Katholischen Bischofskonferenz, Bischof Dr. István Szabó, Leitender Bischof der Synode der Reformierten Kirche in Ungarn, Prof. Dr. György Nógrádi von der Corvinus-Universität Budapest, Dóra Kanizsai, Direktorin der Flüchtlingsmission der Reformierten Kirche in Ungarn, Dr. Tamás Szűcs, Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Ungarn, sowie Pastor Aaron Stevens, Pastor in der zur Kirche von Schottland gehörenden St. Columba-Kirchengemeinde in Budapest, Dr. Vilmos Fischl, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen in Ungarn, Budapest, und Balàzs Odór, Ökumene-Referent in der Reformierten Kirche in Ungarn.

Während seines Treffens mit Sekretär Rétvári sprach Tveit über die grundlegenden humanitären Bedürfnisse der Flüchtlinge.

Der Staatssekretär würdigte den Besuch und betonte, wie wichtig es sei, auch die ungarische Sicht anzuhören.

Tveit erklärte: „Die Verantwortung für Menschen in verzweifelter Notlage muss übernommen werden, ohne weitere Unterscheidungskriterien als ihre Bedürfnisse. Bei mehr als 2 000 Flüchtlingen pro Tag stellt dies eine echte Herausforderung dar und es ist nicht einfach, die richtigen Lösungen zu finden. Aber es ist entscheidend, die Menschen immer mit Menschenwürde und großer Achtung für die Menschenrechtsnormen zu behandeln. Die völkerrechtlichen Normen müssen eingehalten werden. Es gibt keine Alternativen.“

Dr. Quawas vom ÖRK-Zentralausschuss sagte: „Wir müssen die internationale Zusammenarbeit ansprechen und das Problem an der Wurzel angehen, insbesondere die Lage im Nahen Osten. Es ist nicht nur ein Problem Europas. Wir brauchen eine Lösung für den Krieg in Syrien und im Irak. Wir müssen alle als Menschen behandeln und das Völkerrecht einhalten.“

In seinen Treffen mit kirchlichen Führungspersönlichkeiten hielt Tveit zudem fest: „Wir sehen die seelsorgerische Arbeit. Seien Sie stolz auf das, was die Menschen in Ungarn und auf der ganzen Welt leisten. Sie zeigen Gastfreundschaft und Fürsorge. Für die Politiker birgt die Situation zahlreiche Verantwortlichkeiten, die sie übernehmen müssen. Wir verstehen, dass die Situation kritisch ist und diese Probleme von Tag zu Tag gelöst werden müssen. Wir benötigen einen stärker humanitär geprägten Ansatz. Die Geschehnisse in Ungarn sind eine Warnung an die Europäische Union und die übrige Welt.“

Auch Doris Peschke, Generalsekretärin der CCME, erklärte: „Grundlegende Tatsache ist, dass Menschen in Not sind. Ungarn und die EU waren mental nicht vorbereitet. Wir müssen uns auf die nächsten 10 bis 15 Jahre vorbereiten und die Rolle der Kirchen diskutieren. Wie können wir daran arbeiten, die Flüchtlinge in die europäische Gesellschaft zu integrieren? Wie können wir von anderen lernen?“

Nach den Treffen sagte Tveit: „Als ÖRK sind wir besorgt über die humanitäre Lage. Wir sorgen uns angesichts der Spannungen zwischen den verschiedenen Religionen. Wir müssen daran denken, wie das Verhältnis zwischen den Religionen in unterschiedlichen Regionen aussieht. Wir möchten die Kirchen ermutigen, gemeinsam und solidarisch tätig zu werden, und wir müssen Brücken zu anderen Religionen schlagen. Als Menschen sind wir mit vielerlei Herausforderungen konfrontiert. Gelingt es uns, Wege des Zusammenlebens zu finden?“

In ihren Gesprächen mit kirchlichen Führungspersönlichkeiten zeigte sich die Delegation interessiert daran, Erfahrungen mit anderen Kirchen in Europa auszutauschen. Die örtlichen Kirchen sagten, sie fühlten sich manchmal allein gelassen, obwohl in Ungarn eine besondere Bewegung von Freiwilligen entstanden war, die noch weiter wächst. Die Mobilisierung der Menschen erfolgte über die sozialen Medien, oft mittels Aufrufen nach Arabisch-Dolmetschern oder Nahrungsmitteln, Wasser und Kleidern. Tausende von Freiwilligen kamen zum Keleti-Bahnhof in Budapest. Die Delegation besuchte auch die zur Kirche von Schottland gehörige St. Columba-Kirchengemeinde in Budapest, um einen Einblick in ihre Arbeit für die Flüchtlinge vor Ort zu erhalten.

Ende Oktober plant der ÖRK die Einberufung einer Sonderkonsultation zur Flüchtlingskrise in München, in Zusammenarbeit mit der EKD.

Der Einsatz des ÖRK und seiner Mitgliedskirchen für die Unterstützung der Flüchtlinge und Vertriebenen ist Bestandteil der Herkunft und Berufung der Organisation. Als der Ökumenische Rat der Kirchen 1948 gegründet wurde, war die Wirklichkeit noch sehr stark von den verheerenden humanitären Folgen des Zweiten Weltkriegs geprägt. Die Völkergemeinschaft hatte noch immer Mühe, die Ströme durch Konflikt und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vertriebener Menschen zu bewältigen. Kirchen und ihre kirchlichen Dienste und Werke spielten eine Schlüsselrolle in der humanitären Antwort auf das noch nie gesehene Leiden. Seither stehen sie stets ganz vorne, wenn es darum geht, Flüchtlingen und Einwandernden zu helfen, sei es durch Nothilfe oder langfristige Unterstützung.

Fotos des Besuchs finden Sie auf photos.oikoumene.org.

Video-Interviews des Besuchs in Ungarn finden Sie auf ...

Kontakt für weitere Informationen und Interview-Anfragen:

Marianne Ejdersten, Kommunikationsdirektorin, Ökumenischer Rat der Kirchen
E-Mail:
mej@wcc-coe.org. Telefon: +41 79 507 6363 oder +41 22 791 6704

Vollständiger Wortlaut der ÖRK-Erklärung zu den Flüchtlingen in Europa (in englischer Sprache)

ÖRK-Erklärung zu den Antworten auf die Migrantenkrisen (in englischer Sprache)

Videos der CCME-Generalsekretärin über die Flüchtlingskrise in Europa

Europäische Kirchen werden ermutigt, Flüchtlingskrise gemeinsam anzugehen (ÖRK-Nachricht vom 10. September 2015)

Vertreterinnen und Vertreter ökumenischer Organisationen besuchen Ungarn inmitten der Flüchtlingskrise (ÖRK-Nachricht vom 25. September 2015, in englischer Sprache)

Migration und soziale Gerechtigkeit