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Trotz Armut keimen Samen der Hoffnung in Indonesien

Trotz Armut keimen Samen der Hoffnung in Indonesien

Monika Lude (rechts) sieht Grund zur Hoffnung aufgrund christlicher und muslimischer Friedensinitiativen an der Basis. Foto: Peter Williams/ÖRK Für hohe Auflösung bitte hier klicken

07. August 2008

Von Maurice Malanes (*)

Ein ökumenisches Team "Lebendiger Briefe" stieß bei seinem jüngsten Besuch in Indonesien auf Samen der Hoffnung für eine Welt ohne Gewalt. Das Team, das stellvertretend für die Mitgliedskirchen des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) unterwegs war, entdeckte auf seiner Reise nach Sulawesi, Westtimor, zu den Molukken und weiteren Inseln, wie die dortigen Kirchen mit ihren eigenen und anderen religiösen Gemeinschaften zusammenarbeiten, um Frieden zu schaffen und die Lebensbedingungen aller Menschen zu verbessern.

Im Gegensatz zu anderen Regionen, die das Team der Lebendigen Briefe besuchte, hat es in Westtimor in den letzten Jahren keine gewalttätigen Ausschreitungen gegeben. Aber in der Provinz fehlt es an Nahrungsmitteln, Trinkwasser und Bewässerung für die Felder. Es fällt zu wenig Regen und für viele Menschen sind die Monate von Oktober bis Dezember, in denen es keine Ernten gibt, eine Zeit des Hungers.

Diese Armut birgt Konfliktpotential. Zumal 1999 zahlreiche Flüchtlinge in den Westteil der Insel strömten, als es im Verlauf des Unabhängigkeitsreferendums in Osttimor zu Gewaltausbrüchen kam. Diese Menschen mussten neu angesiedelt werden. Es galt, die daraus resultierenden Lasten für die ohnehin verarmte Bevölkerung Westtimors auf ein Mindestmaß zu reduzieren.

Die Protestantisch-Evangelische Kirche auf Timor (GMIT) bemüht sich zusammen mit anderen darum, die Ursachen für potenzielle Konflikte zwischen Flüchtlingen und der ortsansässigen Bevölkerung an der Wurzel zu bekämpfen.

"Ein Ziel unseres Programms ist es, Konflikten vorzubeugen", erklärt Dr. Sofia Malelak-de Haan, die Leiterin der von der GMIT unterstützen Alpha Omega-Stiftung.

Als das Team der "Lebendigen Briefe" Kupang, die größte Stadt Westtimors, besuchte, zeigten Dr. Malelak-de Haan und ihre Mitarbeitenden den internationalen Besucher/innen das auf vier Hektar Land liegende Ausbildungszentrum der Stiftung, das sowohl ein klein angelegtes Fischereiprojekt als auch integrierte Landwirtschaft betreibt.

Die Stiftung biete seit einiger Zeit auch Ausbildungsprogramme für Flüchtlinge und die lokale Bevölkerung an, berichtete Malelak-de Haan. Auf dem Lehrplan stünden sowohl Strategien zur Konfliktlösung als auch Existenzgründungsprojekte, wie kleine Fischzucht- und landwirtschaftliche Projekte mit integrierter Geflügel- und Viehzucht.

"Wir müssen wirklich helfen, das Flüchtlingsproblem zu lösen, denn einige dieser Flüchtlinge sind so abhängig von Hilfeleistungen geworden, dass sie ihr Leben nicht mehr in die eigene Hand nehmen wollen", erklärte die Stiftungsleiterin. "Einige versuchen auch, sich auf Grund und Boden der einheimischen Bevölkerung niederzulassen und das schafft Spannungen."

Allein in Kupang leben heute noch 4'000 Flüchtlinge. Zu Beginn waren 29'000 Flüchtlinge nach Westtimor gekommen. Aber einige kehrten nach Osttimor zurück, andere ließen sich anderswo in Westtimor nieder. Insgesamt warten noch 10'000 Flüchtlinge auf ihre Neuansiedlung.

Die Stiftung bietet auch gemeinschaftsbezogene Gesundheits- und Ernährungsprogramme sowie HIV/AIDS-, Gender- und Umweltprogramme an.

Briefe der Liebe im Auftrag Gottes

Die Lebendigen Briefe sind kleine ökumenische Teams, die Orte in der ganzen Welt besuchen, an denen Christen sich gegen Gewalt engagieren. Die Teammitglieder, die in ihren Heimatländern selbst ökumenisch engagiert sind und Friedensarbeit leisten, bringen die Solidarität der Gemeinschaft des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) zum Ausdruck, der weltweit 349 Mitgliedskirchen angehören.

Bis 2010 werden jährlich weltweit mehrere Besuche Lebendiger Briefe durchgeführt. Sie stehen im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt und sollen die Internationale ökumenische Friedenskonvokation im Jahre 2011 vorbereiten.

Mitglieder in dem Team, das vom 17.-24. Juli Indonesien besuchte, waren:

· Pfarrer Prof. James Haire,Unionskirche in Australien

· Dr. Monika Lude,Evangelisches Missionswerk in Südwestdeutschland (EMS)

· Beatrice Mukhtar-Mamuzi,Bischöfliche Kirche des Sudan

· Pfarrerin Vanessa D. Sharp, Presbyterianische Kirche (USA)

· Yoonsuk Sol, Presbyterianische Kirche von Korea, Südkorea

Pastorin Ina Ngefar-Bara Pa aus der Koinonia-Gemeinde der GMIT berichtete den ökumenischen Gästen von ihrer Arbeit, bei der sie es häufig mit häuslicher Gewalt, Schwangerschaften junger Mädchen, Fragen reproduktiver Gesundheit sowie HIV und AIDS zu tun habe.

Bei einer Begegnung mit dem Vorstand der GMIT wurden die Teammitglieder über die Alphabetisierungsprojekte der Kirche für junge Menschen in der Provinz sowie über ihre Mikrokreditprogramme für Bauern und Fischer informiert.

Heilung und Hoffnung

Die Mitglieder des Teams der Lebendigen Briefe, die im Verlauf ihrer Indonesienreise auch Mittelsulawesi, die Molukken und Westpapua besuchten, sahen trotz aller Berichte über Konflikte, Gewalt und Armut auch Grund zu Optimismus.

Monika Lude vom Evangelischen Missionswerk in Südwestdeutschland, die vier Jahre lang in Indonesien lebte, kritisierte, dass einige ehemalige Regierungsmitglieder des autoritären Suharto-Regimes auch heute noch zu den Multimillionären des Landes gehören. Auch seien ihre Unternehmen zum Teil für Vertreibungen und die Zerstörung von Ökosystemen verantwortlich.

Sie betonte jedoch auch, dass die Friedensinitiativen von Christen und Muslimen an der Basis auf eine Verbesserung der Lebensbedingungen und Frieden in Indonesien hoffen ließen.

Nach Berichten über die Ermordung von Geistlichen und andere Gewalttaten sprach Pfarrerin Vanessa Sharp von der Presbyterianischen Kirche in Mc Donough, USA, den Gemeindemitgliedern der Christlichen Kirche in Mittelsulawesi Trost zu und ermutigte sie, nicht zu verzweifeln.

"In den Tragödien, die wir erleben, finden wir unsere Stärke in Jesus Christus", sagte sie in ihrer Predigt, die sie in einem Gedenkgottesdienst in Palu für die am 18. Juli 2004 ermordete Pfarrerin Susianti Tinulele hielt.

In einem Gottesdienst in Jakarta zum Abschluss des Besuchs verpflichteten sich die Mitglieder des Teams der Lebendigen Briefe und die Verantwortlichen der Gemeinschaft von Kirchen in Indonesien (PGI), weiter zusammenzuarbeiten, "nicht nur, um die Gute Nachricht zu verkünden, sondern auch um [Indonesien] fortwährend Heilung und Hoffnung zu bringen".

(*) Maurice Malanes ist freiberuflicher Journalist und stammt aus den Philippinen. Er arbeitet zurzeit als Korrespondent für den Ökumenischen Nachrichtendienst (ENI), schreibt aber auch für den Philippine Daily Inquirer in Manila und die Union of Catholic Asian News (UCAN) in Bangkok.

Mehr Informationen über den Besuch der Lebendigen Briefe in Indonesien

Fotogalerie

ÖRK-Mitgliedskirchen in Indonesien (auf Englisch)