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Papst Franziskus besucht im Sommer den Ökumenischen Rat der Kirchen

Papst Franziskus besucht im Sommer den Ökumenischen Rat der Kirchen

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, und Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Foto: Marianne Ejdersten/ÖRK

02. März 2018

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 05. März 2018

Der Vatikan und der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) haben bekanntgegeben, dass Papst Franziskus im Juni den ÖRK besuchen wird.

Der Besuch wurde auf einer gemeinsamen Pressekonferenz am 2. März im Vatikan offiziell angekündigt; anwesend waren Kardinal Kurt Koch von der römisch-katholischen Kirche, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, und Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des ÖRK.

Der für den 21. Juni geplante wichtige Besuch ist erst das dritte Mal, dass ein Papst den ÖRK besucht, und das erste Mal, dass dieser Besuch selbst Anlass der Reise ist.

Im fünften Jahr von Papst Franziskus feiert der ÖRK sein 70-jähriges Bestehen, und der Papstbesuch wird einen Höhepunkt der Feierlichkeiten des ökumenischen Erbes und der Erneuerung unseres Engagements darstellen.

Ein Zeichen der Hoffnung

ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit sagte dazu: „Der angekündigte Besuch des Papstes bei uns in Genf ist ein Zeichen der Hoffnung für alle, die sich in einer zerbrochenen und gespaltenen Welt nach Einheit, Frieden und Gerechtigkeit sehnen. Er ist ein Zeichen, wie christliche Kirchen unsere gemeinsame Berufung und unseren gemeinsamen Dienst für Gott bekräftigen können. Und er ist eine Bekräftigung unserer gemeinsamen Orientierung an den Bedürfnissen unserer Mitmenschen, um gemeinsam zu tun, was wir gemeinsam für Versöhnung und Einheit unter den Kirchen und in der Welt tun können.“

„Dass der Besuch des Papstes anlässlich des 70-jährigen Bestehens des ÖRK stattfindet, ist eine Anerkennung für all die, die seit vielen Jahren gemeinsam für die Einheit der Kirche beten und arbeiten. Es ist ein bedeutendes Zeichen dafür, wie weit wir in diesen Jahren durch die Arbeit des ÖRK, in der Zusammenarbeit mit der römisch-katholischen Kirche und jetzt unter der Leitung von Papst Franziskus schon gekommen sind.“

Tveit betrachtet den Besuch außerdem als „starke Ermutigung für alle, die bereit sind, diesen Weg des Glaubens als Pilger fortzusetzen, die nach Einheit, Gerechtigkeit und Frieden streben und dabei unseren Glauben und unser religiöses Leben dafür einsetzen, Brücken zu bauen und Menschen Hoffnung auf eine bessere, gemeinsame Zukunft zu geben.“

Rev. Dr Olav Fykse Tveit, general secretary of the World Council of Churches and Cardinal Kurt Koch, president of the Pontifical Council for Promoting Christian Unity. Photo: Marianne Ejdersten/WCC

Pastor Dr. Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des Ökumenischen Rates der Kirchen, und Kardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen. Foto: Marianne Ejdersten/ÖRK

Eine gemeinsame Vision der Ökumene

Der Besuch unterstreicht die gemeinsame Vision von Papst Franziskus und dem ÖRK in Bezug auf praktisches ökumenisches Engagement: Der ÖRK bezieht im Rahmen seines Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens weiterhin weltweit Kirchen und andere in konkrete Maßnahmen ein und kooperiert dabei auch mit aktuellen Aktivitäten des Vatikans, die ähnlich ausgerichtet sind.

Der Ökumenische Rat der Kirchen ist eine Gemeinschaft von 348 Mitgliedskirchen; er vereint nahezu alle orthodoxen und zahlreiche anglikanische, lutherische, methodistische, reformierte und sonstige Kirchen, die zusammen etwa eine halbe Milliarde Christinnen und Christen weltweit repräsentieren.

Seit 70 Jahren ist der ÖRK das wichtigste Organ der ökumenischen Bewegung, um historische Spaltungen zu überwinden, gemeinsam den christlichen Glauben zu bekennen, sich zusammen für soziale Gerechtigkeit einzusetzen und auf koordinierte Art Frieden und Gerechtigkeit zu fördern.

Papst Franziskus hat sich bisher nicht nur als Inspirationsquelle erwiesen, sondern auch als jemand, der ein neues Verständnis vom Auftrag der Kirche, von christlicher Nachfolge und christlicher Verantwortung vertritt. Ausgehend von seiner scharfen Kritik an der internationalen Wirtschaftsordnung und an Bedrohungen für die Umwelt befürwortet er einen ganzheitlichen Ansatz für die Wirtschaft, die Erde und die Armen.

Auf ökumenischer Ebene betont Franziskus eine tatkräftige Solidarität mit den Armen, die gleichzeitig die ökumenische Gemeinschaft fördert, sowie ein gemeinsames Zeugnis von der Freude des Evangeliums und der Verheißung sozialer Gerechtigkeit.

Franziskus hat enge Beziehungen zum Ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I. geschaffen, mit dem Erzbischof von Canterbury eine gemeinsame Initiative gegen Menschenhandel auf die Beine gestellt und mit dem koptischen Papst Tawadros II. ein Übereinkommen zur gegenseitigen Anerkennung der Taufe erzielt.

Schon vor dem Zweiten Vatikanischen Konzil haben die katholische Kirche und der Ökumenische Rat der Kirchen eng zusammengearbeitet. Ihre Gemeinsame Arbeitsgruppe feierte 2015 ihr 50-jähriges Bestehen, und auch wenn der Vatikan kein Mitglied des ÖRK ist, nimmt er aktiv an den wichtigsten Programmen und an allen seinen Kommissionen teil.

Zusammenarbeit in Programmen

In den letzten Jahren sind viele Programme des ÖRK und des Vatikans parallel gestaltet worden, und die zwei Organisationen arbeiten in vielen Themenbereichen zusammen: so z. B. im Klimawandel, in der Friedensarbeit in Ländern, in denen Krieg herrscht, bei Migration und Flüchtlingen, in der interreligiösen Zusammenarbeit und natürlich in ökumenischen Beziehungen und der Vertiefung eines gemeinsamen theologischen Verständnisses von Kirche, Mission und Diakonie bzw. Dienst.

„Wir wachsen wirklich zusammen“, sagte ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit.

Im Hinblick auf ein aktuelles Beispiel meinte er: „Ich freue mich beispielsweise sehr über die Zusammenarbeit mit dem Dikasterium für die ganzheitliche Entwicklung des Menschen unter der Leitung von Peter Kardinal Turkson. Wir planen für diesen September eine gemeinsame Konferenz zu Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Populismus.“

Tveit verwies auf die starken Synergien und die gemeinsame Vision für eine ganze Reihe von Aktivitäten: „Die immer stärker werdenden Beziehungen zwischen der römisch-katholischen Kirche und der Gemeinschaft von Kirchen im ÖRK sind ein echtes Zeichen der Hoffnung – nicht nur für die Kirchen. Für viele Menschen, die an so vielen Orten unter Ungerechtigkeit, Gewalt und Krieg leiden, ist Hoffnung von entscheidender Bedeutung... Beten wir dafür, dass der Besuch von Papst Franziskus beim ÖRK ein solches Zeichen der Hoffnung und eine gemeinsame Station auf unserem Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens wird, auf dem wir miteinander gehen, beten und arbeiten.“

Presseamt des Heiligen Stuhls (in englischer Sprache)

Video von der Pressekonferenz (in englischer und italienischer Sprache)

Gemeinsame Arbeitsgruppe des ÖRK mit der römisch-katholischen Kirche

70 Jahre Ökumenischer Rat der Kirchen