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Kanadischer Muslim und indischer Christ betrachten Sonnenaufgang über dem Genfersee, vereint im Gebet

Kanadischer Muslim und indischer Christ betrachten Sonnenaufgang über dem Genfersee, vereint im Gebet

Bild: Peter Kenny/ÖRK

27. März 2019

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 01. April 2019

Ein kalter Morgen. Der schiitisch-muslimische Student aus Kanada, der presbyterianische chrsitliche Student aus Indien sowie ein paar ihrer Studienkollegen begeben sich eher widerwillig auf ein frühmorgendliches Jogging ans Ufer des Genfersees – ungewiss, was der Sonnenaufgang bringen wird.

Vor zwei Jahren begab sich Jihad Hyjazie, Software-Entwickler aus Montreal und schiitischer Muslim, der mit einer Gruppe von muslimischen Besucherinnen und Besuchern in Bossey weilte, schon einemal auf den Weg Richtung See, doch schnitt ihm ein Bahngleis den Weg ab.

Dieses Jahr, nach Aufbruch im Morgengrauen, lief er den Weg mit Pastor Abhishek Prabhakar John der indischen Presbyterianischen Kirche von Manipur sowie mit zwei weiteren Studenten des interreligiösen Seminars. Diesmal war die Straße geöffnet.

Sie gehören zu einer Gruppe von 26 Studierenden, die vom 20.-23. März an dem vom Internationalen Institut für islamische Studien in England und dem Ökumenischen Institut Bossey gemeinsam organisierten Seminar teilnahmen, das auch einen Besuch des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) mit einschloss.

„Langsam ging die Sonne hinter dem Berg auf. Die Sonnenstrahlen sahen aus, wie in einem religiösen Buch. Wir begannen, gemeinsam zu beten. Wir beteten ein muslimisches und ein christliches Gebet.“

„Als der christliche Bruder sein Gebet beendete, kam die Sonne hinter dem Berg hervor, genau in dem Moment, als das Gebet zu Ende war. Für mich lag darin so viel Symbolisches“, was zum weiteren Verständnis von Gott beigetragen habe, sagte Hyjazie, als er am Ende des Seminars über dieses Erlebnis sprach.

Die acht Studierenden von Bossey stammen aus der Demokratischen Republik Kongo, Georgien, Indien, Nigeria, Rumänien und der Ukraine; die Gruppe der schiitischen Musliminnen und Muslime kam aus Argentinien, Kanada, dem Iran, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Bereicherung und Freundschaften

Am Ende des Seminars wurden die Meinungen der Studierenden zusammengefasst. Sie sprachen von Bereicherung und Freundschaften, die ihnen geholfen hätten, Dialoge zu führen, um sich gemeinsam dafür einzusetzen, die Welt zu verbessern und gemeinsam heilige Zeiten zu erleben.

„Heute Morgen gingen wir zum See zum Joggen; Freundschaften sind das Schöne an diesem Programm“, sagte Prabhakar John.

Pater Prof. Dr. Lawrence Iwuamadi, akademischer Dekan des Ökumenischen Instituts, sagte nach dem Seminar: „Dies war eine Premiere. Die Studierenden des Masterstudiengangs in Bossey, die aus verschiedenen christlichen Traditionen stammen, nahmen während der ganzen Dauer gemeinsam mit den muslimischen Besucherinnen und Besuchern am Kurs teil. Bisher wäre eine solche Gruppe gekommen, hätte einen Besuch gemacht und ihre eigenen Kurse organisiert, ohne die Begegnung mit unseren Studierenden zu suchen.“

„Diese neue Dimension ist ein Teil unserer Bemühungen, auf den Aufruf des Pilgerwegs der Gerechtigkeit und des Friedens zu antworten, der dazu einlädt, gemeinsam mit Menschen anderen Glaubens zu gehen.“

„Es ist nicht mehr möglich, sich isoliert mit Ökumene zu befassen und den interreligiösen Aspekt beiseite zu lassen. Das Ökumenische Institut hält an dieser ganzheitlicheren Perspektive der ökumenischen Ausbildung fest“, sagte Iwuamadi.

Die Studierenden besuchten den ÖRK und die Vereinten Nationen in Genf.

Eine der Sitzungen wurde von Pastor Dr. David Marshall, ÖRK-Programmreferent für interreligiösen Dialog und interreligiöse Zusammenarbeit, geleitet, eine weitere von Dr. Katalina Tahaafe-Williams, ÖRK-Programmreferentin für Mission und Evangelisation, und eine weitere Sitzung von Pastorin Nicole Ashwood, ÖRK-Programmreferentin für gerechte Gemeinschaft von Frauen und Männern.

Dr. Mohamed Shomali, Direktor des Internationalen Instituts für islamische Studien in London und Dr. Mahnaz Haydarpour, die beide auf viele Jahre interreligiöse Arbeit zurückblicken können, hielten Vorträge.

Wer ist Gott?

Pastor Dr. Benjamin Simon, Professor für ökumenische Missionswissenschaften in Bossey leitete eine Sitzung zum Thema „Wer ist Gott? Einführung ins Christentum“. Shomali folgte diesem Kurs und gab seine Überlegungen zum Thema „Das Wort Gottes. Einführung in unsere Heilige Schrift und die Rolle, die sie in unserem Leben spielt“, weiter.

Am letzten Tag leiteten ÖRK-Programmreferent für geistliches Leben Pastor Dr. Mikie A. Roberts und Dr. Haydarpour eine Sitzung zu Spiritualität aus der christlichen und der muslimischen Perspektive.

Shomali sagte: „Wir hatten das Glück, mehr über die Vielfalt der Kirche zu erfahren. Ich hoffe, dass wir durch diese Beziehungen das Verhältnis mit unseren christlichen Brüdern und Schwestern vertiefen können.“

Simon meinte: „Dieses Jahr haben wir beschlossen, tiefgründiger auf theologische Themen einzugehen, beispielsweise das Verständnis von Gott in den beiden Religionen, die Dreieinigkeit und die Menschwerdung im Christentum, die Rolle der Heiligen Schriften in den beiden Religionen sowie Spiritualität.“

„Für die Studierenden war es sehr ermutigend, unter einem Dach zu wohnen, gemeinsam zu essen und zusammenzusitzen. In der Freizeit konnten sie zum See spazieren oder dort zusammen laufen gehen.“

Die muslimische Studentin Yasmeen Al-Attar, Zahnärztin aus Waterloo, Kanada, war glücklich, dass viele junge Teilnehmende am Seminar waren. Sie sagte: „Für mich war dies wie ein symbolischer neuer Ausdruck eines Frühlings der Herzen, eines Frühlings des Geistes und eines Frühlings der Offenheit. Hoffentlich ist es ein Frühling für einen Neuanfang des interreligiösen Dialogs.“

Ihr Bruder, Hausarzt aus Toronto, fügte hinzu: „Das wichtigste ist der gemeinsame Nenner, der beide Religionen vereint, nämlich der Glaube an die Einheit Gottes. Es ist eine große Ehre, ein Teil davon zu sein, und ich bete zu Gott dem Allmächtigen, dass wir in unseren Handlungen und in unserem Glauben an einen Gott mehr und mehr vereint sein können.“

Studieren am Ökumenischen Institut (auf Englisch und Französisch)