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Konsensdokument für Monterrey bietet keine Mechanismen für die Armutsbeseitigung

14. März 2002

Konsensdokument für Monterrey bietet keine Mechanismen für die Armutsbeseitigung

vgl. ÖRK-Feature, Feat-01-18, 24. Oktober 2001

Die bevorstehende Internationale Konferenz über Entwicklungsfinanzierung könnte ein weiteres Beispiel für eine UN-Konferenz sein, die von der neoliberalen Politik von Welthandelsorganisation, Weltbank und Internationalem Währungsfonds beherrscht wird. Dies befürchtet der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) im Vorfeld der UN-Konferenz, die vom 18. bis 22. März in Monterrey, Mexiko, stattfinden wird.

Das Konsenspapier für Monterrey, das auf der Konferenz angenommen werden soll, übe keinerlei Kritik an dem neoliberalen Wirtschaftsmodell, das "keine echte Chance bietet, die Armut zu beseitigen oder auch nur zu reduzieren, sondern sie eher noch verschlimmert", heisst es in einer Erklärung, die der ÖRK zur Eröffnung der Konferenz in Monterrey veröffentlicht.

In der ÖRK-Erklärung wird hervorgehoben, dass bei der Entwicklungsfinanzierung der Mensch im Mittelpunkt der Überlegungen stehen muss. "Der ÖRK lehnt solche (neoliberalen) Wirtschaftsmodelle eindeutig ab, da sie im Widerspruch zum christlichen Konzept der wirtschaftlichen Gerechtigkeit stehen... Das Dokument äussert sich weder konkret zur Kontrolle der Finanzmärkte, noch zur Förderung von Gerechtigkeit und Menschenrechten als Faktoren im Welthandel", heisst es in der ÖRK-Erklärung.

Der ÖRK beteiligt sich an einem 30-köpfigen ökumenischen Team, das bereits als Beobachter an allen Tagungen des Vorbereitungsausschusses der Konferenz teilgenommen hat und auch in Monterrey anwesend ist.

ÖRK-Generalsekretär Dr. Konrad Raiser wertete die Konferenz von Monterrey als einen wichtigen Prüfstein für den politischen Willen der Regierungen in Europa und Nordamerika, "all die schönen Absichtserklärungen vergangener Treffen dieser Art, einschliesslich des diesjährigen Weltwirtschaftsforums in New York, in die Tat umzusetzen". "Eine weitere Abschwächung der Verpflichtungen und konkreten Massnahmen angesichts der völlig gerechtfertigten Erwartungen würde die Glaubwürdigkeit der Weltordnungspolitik gefährden", so Raiser weiter.

Der ÖRK hat bereits früher die Politik der internationalen Finanzinstitute (IFIS) kritisiert. Während des Weltgipfels für soziale Entwicklung im Juni 2000 schrieb Raiser an UN-Generalsekretär Kofi Annan: "Deren (der IFIs) Politik hat nicht nur versäumt, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verringern und grössere Gleichberechtigung zu verwirklichen, sondern vielmehr dazu beigetragen, diese Kluft zu vergrössern..."

Anlässlich der Konferenz in Monterrey hat der ÖRK die UN-Mitgliedsstaaten aufgerufen, ihre Aufmerksamkeit speziell auf die folgenden drei Punkte zu lenken:

  • Beseitigung struktureller Ungleichheiten im Welthandelssystem und Herstellung von Gegenseitigkeit, Transparenz und öffentlicher Mitbestimmung in künftigen Verhandlungen;

Der ÖRK und das ökumenische Team wollen die Internationale Konferenz in Monterrey daran erinnern, dass Entwicklungsfinanzierung eine Frage der Gerechtigkeit ist. Bisher sei dieser Aspekt noch nicht berücksichtigt worden. "Wir hören nur von entwicklungspolitischen Konzepten, die den transnationalen Unternehmen eine Hauptrolle einräumen", so Dr. Rogate Mshana, ÖRK-Referent für Wirtschaftsfragen. "Wir lehnen die Philosophie ab, nach der Armutsbeseitigung am besten durch grössere Märkte verwirklicht werden kann, die von den transnationalen Konzernen oder den internationalen Finanzinstituten gemanagt werden", erklärte Mshana.

Neben den vom ÖRK eingeladenen Mitgliedern gehören dem ökumenischen Team Vertreter und Vertreterinnen der folgenden Einrichtungen an: Lateinamerikanischer Rat der Kirchen, Anglikanische Kirchengemeinschaft, Behörde für Kirche und Gesellschaft der Evangelisch-Methodistischen Kirche (USA), Vereinigte Kirche Christi (USA), der römisch-katholische Orden der Schwestern der Barmherzigkeit sowie die Internationale Shinto-Stiftung. Die Teammitglieder kommen aus Ghana, Tansania, Uganda, Südafrika, Ecuador, El Salvador, Bolivien, Argentinien, Panama, Mexiko, Deutschland, Belgien, Norwegen, Tschechische Republik, Kanada, Japan, Indien und Samoa.

Die Delegation wohnt ab 15. März im Casa Inn Son Mar Hotel, 1211 Ave Alfonso Reyes, Monterrey; Tel. (+52.8) 1.83.75.44.00.

Handy Dr. Rogate Mshana in Monterrey ab 17. März: (+52) 82.10.39.73.

Weitere Informationen, Dokumente und Pressemitteilungen zur ÖRK-Präsenz auf der Konferenz von Monterrey finden Sie unter: www.wcc-coe.org/wcc/what/jpc/monterrey-g.html