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Kenia: Stimme religiöser Gemeinschaften wichtig für Bekämpfung von HIV

Kenia: Stimme religiöser Gemeinschaften wichtig für Bekämpfung von HIV

© Albin Hillert/ÖRK

14. Oktober 2016

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 20. Oktober 2016

„Gibt es eine Möglichkeit, Stigmatisierung und Diskriminierung innerhalb von Glaubensgemeinschaften zu thematisieren und ein Beispiel zu geben, damit die, die Leistungen für Betroffene erbringen und sie pflegen, sie nicht selbst stigmatisieren? Denn beim Thema HIV und Aids ist es egal, ob wir Christen oder Muslime, Männer oder Frauen sind. In Bezug auf HIV und Aids müssen wir als Menschen mit Menschen umgehen.“

UNAIDS-Vertreterin Juliene Munyaneza spricht diese Worte auf einer nationalen interreligiösen HIV-Konsultation, die vom 11. bis 13. Oktober in Nairobi (Kenia) stattfand – eine Konsultation, die Teil einer zweijährigen PEPFAR-UNAIDS-Initiative ist, mit der die Kapazitäten von religiösen Führungspersonen und Organisationen gestärkt werden sollen, um sich für eine nachhaltige HIV-Strategie einzusetzen.

„Wir wissen, dass Glaubensgemeinschaften von essentieller Wichtigkeit sind, um HIV zu bekämpfen“, erklärt Katherine Perry, PEPFAR-Koordinatorin für Kenia. „Religiöse Führungspersonen haben sehr viel Einfluss darauf, Menschen dazu zu bringen, sich testen und behandeln zu lassen, und wir können das nicht ohne sie schaffen."

Pastorin Dr. Nyambura Njoroge, Koordinatorin der Ökumenischen HIV- und Aids-Initiativen und Advocacy des Ökumenischen Rates der Kirchen, fügt hinzu: „Als Glaubensvertreter wissen wir, dass wir uns nicht nur um die medizinische Versorgung kümmern müssen, sondern auch um die sozialen Faktoren, den Aspekt der sozialen Gerechtigkeit bei der Behandlung. Wenn wir die Aspekte sozialer Gerechtigkeit in Bezug auf HIV vernachlässigen, werden wir nie Erfolg haben.“

Irene Kizito, Generalsekretärin des nationalen Christlichen Vereins Junger Frauen (YWCA) in Kenia, betont die Bedeutung breiter Netzwerke im Kampf gegen HIV. „Mit unserer Teilnahme als YWCA hoffen wir, unser Wissen darüber beisteuern zu können, was es bedeutet, sowohl auf der niedrigsten Ortsebene aktiv zu sein als auch national und international mit Organisationen und Institutionen zusammenzuarbeiten“, sagt Kizito.

Aber wie können wir den Dialog und das Verständnis zwischen religiösen Führungspersonen und wichtigen Bevölkerungsgruppen wie Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Bezug auf das Thema HIV unterstützen? Ein wichtiger Fokus der Konsultation war der Dialog zwischen den Generationen zu Fragen wie Aids-Tests, medizinische Behandlung, Stigmatisierung und Diskriminierung, Geschlechterrollen und sexuelle Gewalt, und die Konsultation schaffte sichere Räume, um sich über die Generationen hinweg über Erfahrungen auszutauschen.

Harriet Kongin, Politik- und Strategieberaterin bei UNAIDS Kenia, stellt fest: „Wenn wir zehn, fünfzehn Jahre zurückschauen, können wir sehen, dass es damals bei unserer Arbeit immer nur darum ging, ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen. Heute stehen andere Dinge im Fokus. Wir sehen jetzt viele Möglichkeiten, für die Jugendlichen Partner zu sein und sie zu begleiten, ihnen etwas über HIV im weiteren Kontext mitzuteilen. Aber wir sollten keine Pläne für die jungen Menschen entwickeln, sondern wir sollten mit ihnen zusammenarbeiten und ihnen zuhören.“

„Ich glaube, generationenübergreifender Dialog und sichere Räume sind eine Möglichkeit für die Jugend, sich mitzuteilen, und für die Älteren, zu verstehen, was genau im Leben junger Menschen vor sich geht, und um festzustellen, wo es eine altersbedingte Kluft gibt, die wir überwinden müssen“, sagt Brian Otieno, Mentor bei INERELA+ Kenia. „Durch diesen geschützten Dialog hoffe ich, dass religiöse Führungspersonen ihre Ansichten und Blickwinkel ändern können, um zu einem besseren Verständnis zu kommen und offen für die Dinge zu sein, mit denen junge Menschen zu tun haben.“

Njoroge setzt hinzu: „Wie können wir keinen generationenübergreifenden Dialog führen, wenn unsere Kinder die sind, die das höchste Risiko haben, sich mit HIV zu infizieren? Mit dem Wissen, über das wir heute verfügen, ist jedes neuinfizierte Kind eins zu viel.“

„Letztendlich müssen wir uns trauen, auch die schwierigen Fragen zu stellen“, schließt Njoroge. „Was ist der Vorteil daran, ein HIV-negatives Kind zur Welt zu bringen, wenn es bis zum Alter von 15 sowieso infiziert ist?“

Der Konsultation in Nairobi folgt eine ähnliche Konsultation in Lusaka (Sambia) vom 19. bis 21. Oktober. Jede mündet in eine Roadmap und einen Aufruf zur Umsetzung der PEPFAR-UNAIDS-Initiative für religiöse Gemeinschaften, die schließlich Teil der UNAIDS-Strategie 2016-2021 unter dem Motto Der schnelle Weg zur Beendigung von Aids werden sollen. Zur Entwicklung nationaler Aktionspläne für die Religionsgemeinschaften im Jahr 2017 wird es außerdem für beide Länder eine gemeinsame Plattform geben.

Ökumenische HIV- und AIDS-Initiativen und Advocacy (EHAIA)

Religiöse Führungspersonen und HIV-Tests (auf Englisch)