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ÖRK trauert um Pastorin Prof. Dr. Mary-Anne Plaatjies van Huffel

ÖRK trauert um Pastorin Prof. Dr. Mary-Anne Plaatjies van Huffel

ÖRK Präsidentin für Afrika Pastorin Prof. Dr. Mary-Anne Plaatjies van Huffel. Foto: Albin Hillert/ÖRK

21. Mai 2020

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 25. Mai 2020

Der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) trauert um die verstorbene Pastorin Prof. Dr. Mary-Anne Plaatjies van Huffel, eine südafrikanische Pastorin und Akademikerin, die seit 2013 als ÖRK-Präsidentin für Afrika im Dienst stand. Sie starb am 19. Mai.

Plaatjies van Huffel war als transformative Kirchenführerin im Afrika südlich der Sahara bekannt.

Ihre Bedeutung beruht nicht allein auf ihrer Führungsposition, ihren vielen theologischen Publikationen und ihrer Lehrtätigkeit, sondern findet sich auch in ihrer aktiven Teilnahme an Prozessen zur Umgestaltung der Gesellschaft.

1992 war sie die erste weibliche Geistliche, die von der damaligen niederländisch-reformierten Missionskirche, der späteren Reformierten Unionskirche im südlichen Afrika, ordiniert wurde. 2003 promovierte sie im Fach Theologie an der Universität von Südafrika zum Thema „Women in the Theological Anthropology in the Afrikaans Reformed Churches“ (Frauen in der theologischen Anthropologie in den Afrikaans Reformierten Kirchen) und erlangte 2008 einen zweiten Doktortitel an der Universität von Pretoria.

Sie unterrichtete Kirchengeschichte und Kirchenrecht an der Fakultät für Theologie der Stellenbosch Universität und war eine der PastorInnen der Reformierten Unionskirche in Scottsdene, Kraaifontein. Sie war als Aktuarius (Expertin für Kirchenrecht) für die Kap-Landessynode und als stellvertretende Vorsitzende der Generalsynode der Reformierten Unionskirche im südlichen Afrika tätig.

Geboren wurde sie 1959 in Prieska als zweite von sieben Töchtern des Johannes Jacobus Plaatjies, einem Schulleiter an verschiedenen Grundschulen in der südafrikanischen Provinz Nordkap, und der Hausfrau Jacoba Johanna Plaatjies. 1977 immatrikulierte sie sich an der weiterführenden Schule Bergrivier Senior Secondary School in Wellington in der Region Boland. Nach Abschluss ihres Lehramtsdiploms an der Universität des Westlichen Kaps im Jahr 1978 schlug sie anfänglich eine Laufbahn als Lehrerin ein. 1986 schrieb sie sich an der Universität des Westlichen Kaps ein, um sich als Geistliche der niederländisch-reformierten Missionskirche ausbilden zu lassen. Nach weiteren Studien wurde sie vom Kuratorium der niederländisch-reformierten Missionskirche als Geistliche zugelassen.

Sie hinterlässt einen Ehemann, Pastor Dawid van Huffel.

Im Laufe ihrer Karriere musste sie sich mit Rollenklischees, vor allem in Bezug auf Frauen in geistlichen Ämtern, auseinandersetzen. Sie begann, diese Rollenklischees systematisch aufzubrechen und löste damit Mitte der 1990er etliche Artikel in den Medien aus.

Das Vermächtnis, das sie hinterlässt, ist gewaltig. Mit dem Ziel, ehemals benachteiligte Gruppen zu stärken, richtete sie ein Gemeindedienstzentrum ein. Sie führte die Verhandlungen über die Gebäude, entwarf Programme und verwaltete das Gemeindezentrum mit einer kleinen Belegschaft und sehr geringen Geldmitteln.

Die Erwachsenenbildungsstätte Phumlani Adult Association im Nqubela Township in der Nähe von Robertson, das Nikithemba Nachbetreuungszentrum sowie eine Unterkunft für Obdachlose wurden von ihr ins Leben gerufen.

In der Region Robertson war sie legendär. Über ihre Erfahrungen als Geistliche in Robertson sagte sie 2012 in einem Interview mit einem regionalen afrikaanssprachigen Radiosender: „Bereits kurz nach meiner Ankunft erkannte ich, dass ich diesen Menschen nicht nur das Evangelium verkünden würde, sondern dass ich es auch mit einer klischeehaften Zuordnung der Geschlechterrollen und Konservatismus in einer von Armut geprägten Umwelt zu tun haben würde.“

Mit ihrer unermüdlichen Anstrengung, die Kirchenordnung für Geschlechtergerechtigkeit zu sensibilisieren, leistete sie einen wichtigen Beitrag zur Kirchenordnung. In der Kirche verschaffte sie sich Gehör zu Kirchenangelegenheiten sowie zu sozialen und wirtschaftlichen Themen. Sie eignete sich gründliche Kenntnisse über Kirchengeschichte und Kirchenpolitik an.

Bei vielen Themen war sie das Sprachrohr der Kirche in Südafrika. Als sie zu einer geachteten öffentlichen Person Südafrikas wurde, erstreckte sich ihre Führungsrolle über die Kirchengrenzen hinaus. Auch erhielt sie die Gelegenheit, nach dem Tod des früheren Präsidenten Nelson Mandela dessen nächste Angehörigen in seiner Privatresidenz in Houghton seelsorgerisch zu betreuen.

Ihr theologisches System fußte auf drei Säulen: einer Theologie der Würde vor allem in Bezug auf schutzlose Gruppen, den theologischen Disziplinen Kirchengeschichte und Kirchenpolitik sowie einer Theologie der Ökologie und Gerechtigkeit.

In einem Interview im „Rapport“ vom 10. Oktober 2010 äußerte sie sich zu ihrer Wahl als weibliches Kirchenoberhaupt in die höchsten beschlussfassenden Strukturen: „Ich hoffe, dass ich für die Frauen innerhalb und außerhalb der Kirche eine Aussicht auf Hoffnung in ihren eigenen beruflichen Laufbahnen darstelle. Meine Erfolgsgeschichte muss eine Erfolgsgeschichte aller Frauen sein.“

ÖRK-Vorsitzende Dr. Agnes Aboum sagte, es falle ihr schwer zu begreifen, geschweige denn zu akzeptieren, dass ihre liebe Kollegin tatsächlich nicht mehr da sei. „Und darüber können wir nicht mit Gott unserem Schöpfer diskutieren, denn er misst uns unsere Zeit zu“, sagte Aboum, „als Vorreiterin und visionäre Anführerin hast du uns dazu angeregt, uns gemeinsam auf den Weg zu machen, um über die Zukunft der Ökumene nachzudenken. Noch immer klingen deine Überlegungen in uns nach, an denen du uns in Arusha, Tansania teilhaben ließest und mit denen du uns aufgefordert hast, die Ökumene im 21. Jahrhundert neu zu überdenken.“

Aboum lobte Plaatjies van Huffels Engagement für die Einigkeit der Kirche, für die Ökumene und für inklusive Gemeinden, „ein Engagement, das uns auf unserem Weg als Pilgerinnen und Pilger auch weiterhin leuchten wird, und wir versprechen als Schwestern und Ökumenikerinnen, die Fackel der Gerechtigkeit, des Friedens und der Befreiung weiterzutragen.“

Metropolit Prof. Dr. Gennadios von Sassima, stellvertretender Vorsitzender des ÖRK-Zentralausschusses, pries Plaatjies van Huffel als äußerst aktives Mitglied des Ständigen Ausschusses für Konsens und Zusammenarbeit des ÖRK. „Wir erinnern uns mit Liebe und Zuneigung an sie bei der letzten Sitzung des Ausschusses im Februar in der Schweiz. Möge unser auferstandener Herr ihre Seele nun an einem Ort des Lichts, einem Ort des erneuerten Lebens, einem Ort der Freude ruhen lassen. Möge ihr Andenken ewig währen.“

Der geschäftsführende ÖRK-Generalsekretär Priester Prof. Dr. Ioan Sauca gab seiner Dankbarkeit für Plaatjies van Huffels Dienst in der ökumenischen Bewegung Ausdruck.

„Sie wirkte unerschütterlich an der ökumenischen Bewegung mit, sowohl in fröhlichen Zeiten als auch in Zeiten großer Herausforderungen, und lehrte uns allen dadurch den Wert von Beharrlichkeit“, sagte Sauca, „in ihrer christliche Erwiderung vereinigte sie konsequent Weisheit mit Barmherzigkeit und einer von Herzen kommenden Zuneigung für uns alle.“

Bischof Olav Fykse Tveit, der leitende Bischof der Kirche von Norwegen, war zur gleichen Zeit ÖRK-Generalsekretär, als Plaatjies van Huffel das Amt der ÖRK-Präsidentin von Afrika innehatte. „Sie war eine starke Kombination aus akademisch-theologischer Kompetenz, Erfahrung als Kirchenoberhaupt und ökumenischem Engagement für Einigkeit, Gerechtigkeit und Frieden“, sagte Tveit, „sie repräsentierte auf hervorragende Weise die afrikanischen Frauen als Theologinnen, Kirchenoberhäupter und Ökumenikerinnen und regte viele dazu an, ihre Gaben und Talente in den Dienst für andere zu stellen und für die Mission und die vorausschauende Aufgabe der Kirche einzusetzen.“

Ihr Tod sei ein großer Verlust für ihre Familie, ihre Universität und ihre Kirche sowie für die ökumenische Familie in Südafrika und auf der ganzen Welt, fügte Tveit hinzu. „Ihr Glaube und ihre Liebe bleiben für viele eine Inspiration. Ich danke dem Gott des Lebens für all das, was sie uns in der ökumenischen Bewegung gegeben hat.“

Prof. Dr. Isabel Apawo Phiri, stellvertretende ÖRK-Generalsekretärin, erinnerte sich an Reisen mit Plaatjies van Huffel im Rahmen diverser ÖRK-Verpflichtungen in Südafrika, Kenia, Madagaskar und Jamaika. „Sie begeisterte mich mit ihren Führungsqualitäten, vor allem, wenn es um kirchliche und geschlechtsbezogene Anliegen ging“, sagte Phiri, „die Kirchenbesuche auf Madagaskar im Jahr 2015 stechen dabei für mich besonders heraus.“

Dort, so erinnert sich Phiri, berührte Plaatjies van Huffel die Herzen vieler Kirchenfrauen, Universitätsprofessorinnen und -professoren, Kirchenoberhäupter und Kindergruppen. „Sie verbreitete selbst in aussichtslosen Situationen Hoffnung“, sagte Phiri, „als sie am 8. April die Hand ausstreckte und um Gebete bat, taten wir das für eine Freundin. Ich werde ihr Andenken für immer bewahren.“

Pastorin Dr. Nyambura J. Njoroge, Koordinatorin der Ökumenischen HIV- und AIDS-Initiativen und Interessenvertretung des ÖRK, sagte, sie habe Plaatjies van Huffel zum ersten Mal auf der 10. ÖRK-Vollversammlung in Busan getroffen. „Irgendwann erfuhr ich, dass wir beide Vorreiterinnen bei der Ordination von Frauen in unseren jeweiligen Kirchen waren und auch auf andere Weise als afrikanische Theologinnen und weibliche ökumenische Oberhäupter eine Vorreiterrolle hatten“, sagte Njoroge, „als sie den 25. Jahrestag ihrer Ordination und ich meinen 35. feierte, beschlossen wir, einen Weg zu finden, unsere Erfahrungen für die Nachwelt festzuhalten. Ich bin sehr traurig, dass wir sie verloren haben, und bete darum, dass ich es schaffe, unseren Traum zu verwirklichen.“

Pastorin Pauline Njiru, Regionalkoordinatorin des östlichen Afrikas für die Programme der Ökumenischen HIV- und AIDS-Initiativen und Interessenvertretung, erinnert sich gerne an die Zeit, die sie mit Plaatjies van Huffel auf Reisen verbracht hat. „Wir sprachen über so viele Dinge: unsere Mission, die akademische Welt und die Konferenz“, sagte Njiru, „mit ihr haben wir eine Matriarchin verloren, eine, die aufgeschlossen war und anderen Mut machte. Wir beten, dass Gott ihrer Familie Trost spendet und ihnen Mut und Hoffnung gibt, ihren Verlust zu verkraften.“

Pastorin Dr. Kuzipa Nalwamba, ÖRK-Programmleiterin für die Ökumenische Theologie-Ausbildung und Professorin für Ökumenische Sozialethik am Ökumenischen Institut des ÖRK in Bossey sagte: „Durch ihre Offenheit und ihre kompromisslose und leidenschaftliche Verwurzelung in ihren tiefsten Glaubensüberzeugungen lebt ihre Stimme in unseren Herzen weiter.“

Pastorin Dr. Angelique Walker-Smith, Seniorpartnerin des Engagements der panafrikanischen und orthodoxen Kirche für Brot für die Welt, sprach im Namen des Ökumenischen Netzwerks zur Stärkung von Frauen afrikanischer Herkunft (Pan African Women’s Ecumenical Empowerment Network, PAWEEN). „PAWEEN preist ihr wegweisendes Glaubensvermächtnis und unsere gemeinsame Vision von Inklusion, die wir auf einer PAWEEN-Veranstaltung in Norwegen eingefangen haben“, sagte Walker-Smith, „ich blicke einer Zukunft entgegen, in der eine breitere Palette an Perspektiven und Reaktionen Gehör findet und einbezogen wird, unabhängig von Geschlecht, Rasse oder Herkunft, und die alle gleich ernst genommen werden.“

Diakon Adebayo Anthony Kehinde, ein Mitglied der ÖRK Kirchenkommission zu internationalen Angelegenheiten und Vorsitzender des ÖRK-CCIA Arbeitskreises zu Afrika, sagte, Plaatjies van Huffel sei eine ausgezeichnete ökumenische Führerin sowie ein außergewöhnliches Kirchenoberhaupt gewesen, die das Banner von Frauen in der Geistlichkeit leidenschaftlich hochgehalten habe und ein deutliches Beispiel dafür gewesen sei, was es heiße, Frauen Platz in der Führungsriege einzuräumen. „Während deiner Zeit bei uns warst du eine Säule der Weisheit, eine Quelle an fundiertem Wissen und ein Mensch guten Herzens, mit einer großen Leidenschaft für die ökumenische Bewegung in Afrika und der gesamten Welt“, sagte Kehinde, „wir danken Gott für den Dienst, denn du allen Menschen Gottes sowohl auf dem afrikanischen Kontinent als auch weltweit geleistet hast.“

Pastor Dr. Wushishi Ibrahim Yusuf, ÖRK-Programmleiter für Friedensschaffung in der afrikanischen Region, sagte: „Sie war ein wertvolles und hoch geschätztes Mitglied des afrikanischen ÖRK-Teams. Diejenigen von uns, die die Ehre und das Vergnügen hatten, mit ihr zusammenzuarbeiten, fühlen die Folgen ihres Verlusts bereits jetzt.“

Prof. Ezra Chitando, Regionalkoordinator für das südliche Afrika des Programms der Ökumenischen HIV- und AIDS-Initiativen und Interessenvertretung des ÖRK, sagte: „Lasset uns hier ein ökumenisches Oberhaupt, eine Akademikerin, eine Visionärin und einen äußerst liebevollen Menschen preisen. Vergangenes Jahr machten wir in Gaborone, Botswana ein fröhliches Foto von uns ... und du riefst uns auf, nicht nachzulassen in unserer Arbeit für eine Welt, die von Geschlechtergerechtigkeit geprägt ist. Diese Vision wird Generationen inspirieren.“

Isis Kangudie Mana vom Centre Oecumenique in Goma, Demokratische Republik Kongo, sagte, Plaatjies van Huffel sei eindeutig ein warmherziger und wichtiger Mensch gewesen. „Wir mögen einen Menschen verloren haben, der uns lieb ist, aber ihr Wirken und ihre Spuren werden wir weder verlieren noch vergessen“, sagte Mana, „Mary-Anne, wir werden dich nicht vergessen, weil du bei all den Menschen, denen du lieb und teuer warst, Spuren hinterlassen hast, und dein Wirken wird auch weiterhin für dich sprechen.“