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Muslimische Oberhäupter solidarisch mit der dringenden Forderung des ÖRK, die Hagia Sophia als Ort der Aufgeschlossenheit zu bewahren

Muslimische Oberhäupter solidarisch mit der dringenden Forderung des ÖRK, die Hagia Sophia als Ort der Aufgeschlossenheit zu bewahren

"Hagia Sophia", Photo: Nikos Papachristou

23. Juli 2020

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 23. Juli 2020

Am 11. Juli sandte der Interims-Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK), Priester Prof. Dr. Ioan Sauca, einen Brief an den türkischen Präsidenten, in dem er seine „Betrübnis und Bestürzung“ ausdrückte und darauf hinwies, dass die Hagia Sophia seit 1934 „für Menschen aller Nationen und Religionen ein Ort der Aufgeschlossenheit, der Begegnung und der Inspiration“ gewesen ist.

Der Brief stieß bei Kirchen und Medien — und auch bei muslimischen Oberhäuptern — auf große Resonanz.

Sauca traf sich online mit Seiner Exzellenz Richter Mohamad Abdel Salam, Generalsekretär des Higher Committee of Human Fraternity (HCHF), Sonderberater des Scheichs der Azhar Ahmad al Tayeb und Sonderberater des Muslimischen Ältestenrats.

In einem von Abdel Salam unterzeichneten Brief des HCHF hieß es: „In Anerkennung der kulturellen und spirituellen Bedeutung der Hagia Sophia für die Menschheit auf der ganzen Welt unterstützen wir Ihre Forderung, Spaltungen zu vermeiden und den gegenseitigen Respekt und das Verständnis für einander unter allen Religionen zu fördern, und so lege ich hier mit großer Freude eine Kopie der Stellungnahme des Higher Committee of Human Fraternity zu diesem Thema bei.“

In der Stellungnahme bekräftigte der HCHF, dass Orte der Anbetung immer eine Botschaft des Friedens und der Liebe für alle Gläubigen bleiben müssten. „Der HCHF ruft alle dazu auf, jede Maßnahme zu verhindern, die den Dialog der Religionen und die kulturübergreifende Kommunikation gefährden und unter den Anhängern der verschiedenen Religionen Spannungen und Hass erzeugen könnte, und untermauert damit das Verlangen der Menschheit, den Werten der Koexistenz Priorität einzuräumen“, heißt es in der Erklärung. „Der HCHF gibt zu bedenken, dass Orte der Anbetung für die Gläubigen eine besondere Bedeutung haben, und betont, dass dieser so bleiben muss, wie er ist — als Botschaft des Friedens und der Liebe für alle, und dass er nicht in einer Weise benutzt werden darf, die zu Trennung und Diskriminierung beitragen könnte, in einer Zeit, in der die Welt es wahrlich nötig hat, auf die inständigen religiösen Bitten nach menschlicher Solidarität zu reagieren und die Werte der Koexistenz und Brüderlichkeit zwischen der gesamten Menschheit zu stärken.“

Hafid Ouardiri, Leiter der Muslim Fondation de l’Entre-Connaissance in Genf, Gründungsmitglied und Vize-Präsident der Interreligious Platform of Geneva und Gründungsmitglied und Vize-Präsident des Spiritual Appeal of Geneva schrieb in einem Brief an den ÖRK: „Ich möchte meiner vollen Unterstützung für den Brief Ausdruck verleihen, den Priester Prof. Dr. Ioan Sauca, der Interims-Generalsekretär des Ökumenischen Rats der Kirchen an den Präsident der Türkei, Herrn Recep Tayyep Erdogan, gerichtet hat und in dem es um die Umwandlung der Hagia Sofia in eine Moschee geht, die als Museum ein Symbol des Respekts vor den Glaubensvorstellungen und ein Beispiel für den Frieden darstellt ... Als Muslime beten wir, wie so viele andere rund um die Welt, dass die Hagia Sofia in der Türkei, die wir von ganzem Herzen lieben, bleibt, was sie seit 1934 gewesen ist, nämlich eine Kreuzung des Wissens, des Lichts, der Weisheit und des Friedens für die gesamte Menschheit.“

Sauca sagte, er sei überrascht und dankbar für die breite Resonanz an Solidarität und Unterstützung: „Diese Bekundungen sind mehr als wir je erwarten konnten“, sagte er, „im Nahe Osten haben Moslems und Christen im Laufe der Geschichte schon immer Seite an Seite gelebt, und fanden durch ihr gemeinsames Bekenntnisses zur Liebe Gottes und zur Nächstenliebe Mittel und Wege des Zusammenlebens, der Zusammenarbeit und der gegenseitigen Unterstützung.“

Er wies auch darauf hin, dass seit über 50 Jahren ein Dialog zwischen den Religionen stattfindet und dass dieser in den jetzigen Zeiten noch weiter vertieft werden müsse und dringender gebraucht werde als je zuvor. „Ich bin stolz und fühle mich durch die von unseren muslimischen Partnern und Freunden ausgesandten Zeichen der Unterstützung und Solidarität ermutigt“, sagte Sauca, „das zeigt, dass unser Dialog tiefgehend und echt ist, und dass wir zusammen den Traum von einer friedlichen Welt verwirklichen können, in der die Menschen und die Religionen einander achten und unterstützen.“

In seinem Bericht an den ÖRK-Exekutivausschuss, der diese Woche online zusammentritt, gab Sauca eine Zusammenfassung des Dialogs und der Antworten der muslimischen Partner des ÖRK. Der Exekutivausschuss bekräftigte den Brief des ÖRK Interims-Generalsekretär vom 11. Juli über die Rückwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee und unterstrich dabei die negativen Auswirkungen auf die interreligiösen Beziehungen. Er appellierte dafür, dass diese Entscheidung zurückgenommen wird und die Hagia Sophia als gemeinsames Erbe der Menschheit bewahrt bleibt.

Auch begrüßte der ÖRK-Exekutivausschuss die große Aufmerksamkeit, die dieser Brief weltweit in den Medien erlangt hat, und drückte seine Dankbarkeit für die Unterstützung von Seiten der führenden muslimischen Pendants aus. Der Ausschuss rief die ÖRK-Mitgliedskirchen rund um die Welt außerdem dazu auf, ihre Solidarität mit den Bemühungen des Rats, diese schwerwiegende regressive Entscheidung anzufechten und rückgängig zu machen, durch Gebete und Andachten zu unterstützen, und empfiehlt, dass dem Ökumenischen Patriarchat die christliche Solidarität des Exekutivausschusses zusammen mit den vom ÖRK in dieser Angelegenheit unternommenen Schritten formell übermittelt wird.

 

Entscheidung Präsident Erdogans über Hagia Sophia ruft „Betrübnis und Bestürzung“ beim Ökumenischen Rat der Kirchen hervor

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Higher Committee of Human Fraternity (HCHF)

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