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Christinnen und Christen im Heiligen Land vertrauen auch während der Pandemie auf die Auferstehung

Christinnen und Christen im Heiligen Land vertrauen auch während der Pandemie auf die Auferstehung

An der Tür der Grabeskirche in Jerusalem. Foto: Mit freundlicher Genehmigung von Rafi Ghattas

16. April 2020

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 17. April 2020

Über Ostern und die ganze Karwoche hindurch war die Via Dolorosa in Jerusalem, die den letzten Weg Jesu vor seiner Kreuzigung markiert, menschenleer, aber die berühmte Zeremonie des Heiligen Feuers, mit der die Auferstehung Jesu gefeiert wird, soll nicht wie viele der Ostergottesdienste für die Menschen nur virtuell gefeiert werden.

In den zwei Wochen der westlichen und der orthodoxen Osterfeierlichkeiten ist Jerusalem gewöhnlich voller Besucher und es gibt unzählige Prozessionen und Feiern. In diesem Jahr aber war es aufgrund der wegen des lebensbedrohlichen neuartigen Coronavirus verhängten Ausgangsbeschränkungen sowohl am Palmsonntag also auch die ganze Karwoche über ruhig und menschenleer.

Religiöse Zusammenkünfte aller drei abrahamitischen Religionen – Christentum, Judentum und Islam – unterliegen strengen Beschränkungen und die Geschäfte in der normalerweise pulsierenden Stadt, in der Jesus gekreuzigt wurde und auferstanden ist, sind geschlossen.

Mousa Emil Jarjoui, Präsident des arabisch-orthodoxen Clubs in Jerusalem und Leiter der örtlichen Pfadfinder, beweist auch in schwierigen Zeiten Führungsstärke– selbst wenn die COVID-19-Pandemie uns weltweit eine räumliche Distanzierung von anderen Menschen auferlegt.

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Normalerweise ist Jerusalem zu Ostern voller Menschen. Hier eine Prozession vom Ölberg am Palmsonntag 2019, in der Pfadfinderinnen und Pfadfinder in der Regel eine aktive Rolle übernehmen.

„Jedes Jahr sind wir Christinnen und Christen durch die israelische Besatzung und die Abriegelung des Westjordanlandes sowie die Beschränkungen für Christinnen und Christen beim Zugang zu Jerusalem für unsere Osterfeierlichkeiten mit Hindernissen konfrontiert, insbesondere wenn wir am Ostersamstag die Zeremonie des Heiligen Feuers feiern wollen, das orthodoxe Osterfest“, berichtet Jarjoui in einem Telefoninterview.

Die Mitglieder seiner Gemeinde, die zum Jerusalemer Patriarchat gehört, bereiten sich dennoch auf die Osterfeierlichkeiten vor, die für die vielen Pfadfindergruppen unter Jarjouis Führung wie immer ein einmaliges Ereignis sein werden, auch wenn der Coronavirus Jerusalem schwer getroffen hat.

Pfadfinder kommen ihren Aufgaben trotz allem nach

„In diesem Jahr ist es durch das Coronavirus eine noch viel größere Herausforderung als sonst. Aber wir werden alles versuchen, um in die Stadt zu kommen, damit die Pfadfinderinnen und Pfadfinder umhergehen und in den christlichen Gemeinschaften in Jerusalem Freude und Fröhlichkeit verbreiten können“, sagt Jarjoui, der normalerweise ein Tourismusunternehmen leitet, das durch die Pandemie derzeit aber geschlossen ist.

Er berichtet, dass Christinnen und Christen sich am Samstag mit der Kirche abstimmen werden, um zu versuchen, das Heilige Feuer tatsächlich zu bekommen. Es soll dann an 10 bis 15 Pfadfinderinnen und Pfadfinder verteilt werden, die schon über 20 sind und somit Auto fahren können, um das Heilige Feuer zu verteilen.

„Wir werden es unter den Christinnen und Christen in der Stadt verbreiten und in ihre Häuser bringen“, sagt Jarjoui, denn die Menschen sollen ihre Häuser nicht verlassen und das Osterfest nur mit ihren engsten Familienangehörigen feiern, anstatt die bunten Prozessionen anzuschauen, an denen die Pfadfinder teilnehmen.

„Wenn es uns möglich ist, werden wir das Heilige Feuer im Rahmen unserer gesellschaftlichen Verantwortung in ihre Häuser bringen. Es ist ein sehr wichtiger Tag für uns Jerusalemer Christinnen und Christen. Es ist eine ganz, ganz alte Tradition, dass die Menschen das Heilige Feuer in ihre Häuser bringen.“

Die Pfadfinderinnen und Pfadfinder würden Laternen benutzen und diese vor den Häusern der Menschen abstellen, damit andere Lichter daran entzündet werden können, und würde daher keinen direkten Kontakt mit den Menschen haben, erklärt Jarjoui.

Das Christmas Hotel zu Ostern

Pater Ibrahim Shomali ist Miteigentümer des Christmas Hotels in Jerusalem, in dem in diesem Jahr zu Ostern keine Touristen übernachten werden.

Stattdessen wird medizinisches Fachpersonal dort wohnen, denn viele von ihnen kommen aus dem Westjordanland nach Jerusalem, um in den Krankenhäusern zu arbeiten. Aber sie haben Schwierigkeiten, auf israelische Seite zu gelangen bzw. diese zu verlassen.

Shomali vom Lateinischen Patriarchat von Jerusalem stimmt es traurig, dass die Menschenmengen, die sich normalerweise zu dieser Jahreszeit zusammen mit den Pfadfinderinnen und Pfadfindern in der Grabeskirche drängen und Farbe in die Kirche bringen, in der Jesus dem Glauben nach beerdigt wurde, in diesem Jahr ausbleiben werden.

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Jemand filmt den Ostergottesdienst, den das Lateinische Patriarchat von Jerusalem im April 2019 in der Grabeskirche gehalten hat.

„Wir übertragen die Gottesdienste [aus der Grabeskirche] direkt online, damit sie im Fernsehen und in den sozialen Medien ausgestrahlt werden können“, erzählt Shomali, der auch berichtet, dass nur sechs Priestern der Zutritt zur historischen Kirche gestattet wurde.

Aus Rafi Ghattas Sicht, der Generalsekretär von The Youth of Jesus‘ Homeland Palestine ist, erlebt eine katholische Jugendgruppe, dass Christinnen und Christen im Heiligen Land heute genau so leben, wie Christi Jünger vor 2.000 Jahren.

„Wir erinnern uns als Christinnen und Christen daran, dass auch die Anhängerinnen und Anhänger Christi Angst hatten – selbst nachdem Jesus auferstanden war. Wir erleben heute genau das gleiche wie damals zu Christi Zeiten: Alle Menschen haben Angst und beten zu Hause“, erzählt der 22-jährige Student, der jüngst seinen Abschluss in Medienwissenschaften gemacht hat.

„Genau wie damals warten wir darauf, dass der Heilige Geist in dieses Land kommt, damit das Coronavirus und alle anderen Dinge, vor denen wir Angst haben, ein Ende finden und wir unser Leben im Glauben weiterleben können.“

Soziale Medien zum Beten nutzen

Die Jugendgruppe nutzt soziale Medien wie Facebook, Instagram, Snapchat und weitere, um miteinander zu kommunizieren, zu beten und für alle anderen gemeinsamen Aktivitäten.

„Das wichtigste in dieser Zeit ist, dass wir alle über unser Leben nachdenken. Sind wir stark oder nur kleine Dinge in einem großen Universum? Und was machen wir mit der Politik bei uns im Land?!, sagt Ghattas.

Bischof Sani Ibrahim Azar von der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Jordanien und im Heiligen Land in Jerusalem sagte in seiner Osterbotschaft, dass wir durch diese durch COVID-19 ausgelöste globale Gesundheitskrise „mit Jesus in das Grab gegangen sind“.

„Wir warten ab und schauen, was Gott für uns bereithält. Und wie immer vertrauen wir auf die Verheißung der Auferstehung – selbst im Schatten des Kreuzes. Wie immer vertrauen wir darauf, dass Liebe stärker ist als Hass, Licht stärker als Dunkelheit und das Leben stärker als der Tod“, sagte er.

Die 13 Patriarchen und Kirchenoberhäupter von Jerusalem erklärten in ihrer gemeinsamen Osterbotschaft, dass die Welt angesichts der Pandemie mit Angst, Sorge und ambivalenten Gefühlen konfrontiert sei und viele Länder große Verluste erlitten und trauerten und die Zahl der Infizierten weiter steige.

Dennoch sei das Fest der Auferstehung „eine Zeit für neue Hoffnung, Wiederherstellung und den Sieg über alle Formen des Todes und der Zerstörung“.

Die Kirchenleitenden versicherten: „Wir glauben, dass unser Gott ein Gott des Lebens und nicht des Todes ist.“

„Die Auferstehung Christi ist die Zusicherung, dass Gott auch inmitten von Tod und Leid bei uns ist, und dass Christi Tod uns den Sieg gegeben hat.“

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