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Globale Entwicklungen fordern Aufmerksamkeit des ÖRK-Exekutivausschusses

Globale Entwicklungen fordern Aufmerksamkeit des ÖRK-Exekutivausschusses

Photo: Marcelo Schneider/WCC, 2012.

24. Juli 2020

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 28. Juli 2020

In einer Sitzung, deren Format und Schwerpunkte von der globalen Pandemie bestimmt wurden, hat der Exekutivausschuss des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) diese Woche auch wichtige internationale Entwicklungen und Situationen angesprochen.

In seiner Online-Sitzung vom 20. bis 24. Juli brachte der Ausschuss seine Sorge und seine Befürchtungen angesichts mehrerer zusammenfallender Krisen zum Ausdruck und bat die Kirchen rund um die Welt um Unterstützung und Solidarität.

Mit großer Traurigkeit nahm der Exekutivausschuss am 24. Juli 2020, dem Abschlusstag seiner Exekutivausschusssitzung, zur Kenntnis, dass die Umwandlung der Hagia Sophia in eine Moschee vollzogen worden war, und rief die ÖRK-Mitgliedskirchen rund um die Welt zu solidarischen Gebeten und zur Unterstützung des Ökumenischen Patriarchats in seinen Bemühungen auf, diese äußerst regressive Entscheidung anzufechten und rückgängig zu machen.

„In der abschließenden Sitzung des dieswöchigen Treffens des Exekutivausschusses des Ökumenischen Rats der Kirchen an diesem Nachmittag, schlossen sich die Mitglieder stellvertretend für die verschiedenen Kirchenfamilien und Regionen den Gebeten und dem Kummer von Millionen von Christinnen und Christen rund um die Welt an, die diesen traurigen Tag in der Geschichte des Christentums und der interreligiösen Beziehungen begingen“, sagte ÖRK-Interims-Generalsekretär Priester Prof. Dr. Ioan Sauca. „Unsere Solidarität und unser Beistand gilt vor allem all jenen Kirchen und Christinnen und Christen der orthodoxen Familie, für die die Hagia Sophia eine besondere Bedeutung hat, sowie allen Bürgerinnen und Bürgern der Türkei, die sich durch diese Handlung ihrer Regierung nicht repräsentiert fühlen.“

Durch die Coronavirus-Pandemie hat sich die Lage in Nigeria und dem Libanon verschärft, und der Ausschuss setzte sich in zwei öffentlichen Erklärungen mit den Krisen in den beiden Ländern auseinander.

Öffentliche Erklärungen des Exekutivausschusses

Nigeria, das lange Zeit von Aufständen im Nordosten heimgesucht wurde, hatte kürzlich auch unter den Angriffen von Extremisten im Nordwesten zu leiden, wodurch eine „Situation örtlich begrenzter Unsicherheit für viele Gemeinden und eine große Anzahl von Menschen“ entstanden ist, hieß es in der Erklärung des Exekutivausschusses. Zudem ging die Coronavirus-Pandemie mit einem alarmierenden Anstieg an Ernährungsunsicherheit und geschlechtsbezogener Gewalt einher, was Forderungen nach Gesetzes- und Sozialreformen auslöste. In der Erklärung bekräftigte und ermutigte der Exekutivausschuss das dortige umfangreiche ökumenische und religionsübergreifende Engagement und „bekundete seine tiefgehende Solidarität und betete für die Kirchen in Nigeria.“

Auch der Libanon leidet. Mit dem Beginn der Pandemie führte der jahrzehntelange Kampf der Zivilbevölkerung zu einer Spirale aus wirtschaftlichem Zusammenbruch und staatlicher Lähmung. Der Exekutivausschuss rief diese Woche nach „dringenden Strukturreformen, die notwendig sind, um die Stabilität, Einheit und Souveränität des Libanon zu gewährleisten“ und riet den religiösen Führern unter anderem „das Land vor den weitreichenden regionalen politischen und sozialen Kräften abzuschirmen, die die Region in die Spaltung und Zerstörung treiben“.

Jerusalem und das Ringen seiner christlichen Gemeinden beschäftigten den Ausschuss ebenfalls, als er den Kirchen in Jerusalem öffentlich die ökumenische Solidarität mit ihrem Bemühen um die Wahrung der Rechte und der christlichen Präsenz in der Jerusalemer Altstadt zusicherte. Das Griechisch-Orthodoxe Patriarchat hatte am Jerusalemer Bezirksgericht Berufung wegen eines umstrittenen Verkaufs von Kirchenbesitz in der Nähe des geschichtsträchtigen Jaffators, dem Eingang zum Christlichen Viertel, im Jahr 2004 eingelegt.

Die Arbeit des Unterausschusses für öffentliche Angelegenheiten

Die internationale Arbeit des Ausschusses wird vom Unterausschuss für öffentliche Angelegenheiten (UÖA) angeführt, der eine Reihe anderer, drängender Anliegen besprach und behandelte.

Hagia Sophia, Erbe der Menschheit: Der UÖA bekräftige nachdrücklich den Brief vom 11. Juli, den der ÖRK-Interims-Generalsekretär anlässlich der Rückwandlung der Hagia Sophia in Istanbul von einem Museum in eine Moschee verfasst hatte und in dem er die negativen Auswirkungen auf die interreligiösen Beziehungen hervorhob und sich nachdrücklich dafür einsetzte, dass diese Entscheidung zurückgenommen und die Hagia Sophia als gemeinsames Erbe der Menschheit bewahrt wird. Der UÖA begrüßte die extrem hohe Aufmerksamkeit, die dieses Begehren weltweit in den Medien erhalten hat. Auch zeigte sich der UÖA dankbar für die Unterstützung, welche die Haltung des ÖRKs durch führende muslimische Pendants erfahren hat, wie in der ÖRK-Pressemitteilung vom 21. Juli nachzulesen ist.

Europäischer Friedensstiftungsprozess: Der Ausschuss bekräftigte die Erklärung des Interims-Generalsekretärs vom 16. Juli über die jüngsten Feindseligkeiten zwischen Aserbaidschan und Armenien und wiederholte die Forderung nach einer Deeskalation der Auseinandersetzung und nach erneuerten diplomatischen Bemühungen für eine Lösung der dem Konflikt zugrunde liegenden Ursachen.

Der UÖA lenkte die Aufmerksamkeit auf den Jahrestag der türkischen Invasion Zyperns – die am 20. Juli 1974 begann – und nutzte die Gelegenheit, um die Angelegenheit den ÖRK-Mitgliedskirchen rund um die Welt wieder in Erinnerung zu rufen und sie zu Gebeten aufzufordern.

Die Auswirkungen von COVID-19 auf die schutzlosen, ausgegrenzten Gemeinden in Brasilien: Der UÖA äußerte große Besorgnis angesichts der durch die COVID-19-Pandemie ausgelösten Situation in Brasilien und insbesondere über ihre Auswirkungen auf die indigenen Völker und Quilobola-Gemeinden Brasiliens. In seiner Reaktion auf dieses Thema verfolgt der ÖRK derzeit einen mehrdimensionalen Ansatz.

Friedensstiftung in Korea: In diesem Jahr jährt sich der Beginn des Koreakriegs zum 70. Mal (25. Juni). Der Ausschuss merkte an, dass der ÖRK und seine Partner daran mitgewirkt haben, diesen Jahrestag als Gelegenheit für neue Friedensinitiativen auf der koreanischen Halbinsel hervorzuheben, zu einem Zeitpunkt, da der jüngste politische Dialog auf hoher Ebene gescheitert zu sein scheint. Zu den Initiativen gehören die Weltweite Gebetskampagne für den Frieden auf der koreanischen Halbinsel, die vom ÖRK am 22. Juni ausgegebene Gemeinsame ökumenische Friedensbotschaft, der Besuch Südkorea durch die virtuelle Pilgergruppe Frauen des Glaubens vom 13. bis 15. Juli und der Friedensvertrag des koreanischen Volkes, der vom Nationalen Kirchenrat in Korea gefördert und am 23. Juli veröffentlicht wurde.

Nein zu Atomwaffen: Dieses Jahr jährt sich zum 75. Mal der Abwurf von Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki am 6. und 9. August 1945. Der Ausschuss befürwortete die vom ÖRK ins Leben gerufenen Initiativen – zu denen auch eine Reihe von Blogeinträgen aus unterschiedlichen Perspektiven aus der ganzen Welt gehören – mit denen dieses Ereignis begangen wird, als Gelegenheit, der Verpflichtung und dem Engagement der ökumenischen Bewegung für eine weltweite Abschaffung von atomaren Waffen weiteres Gewicht zu verleihen.

Vereinte Nationen werden 75: Seit der Gründung der beiden Organisationen sind die Vereinten Nationen und der ÖRK eng verbunden. Der Ausschuss begrüßte die vom ÖRK ins Leben gerufenen Initiativen zur Feier dieses wichtigen Jubiläums, zu denen auch die Publikation Voices of Faith at the United Nations (Stimmen des Glaubens bei den Vereinten Nationen) gehört, ein geschichtlicher Überblick über die Beziehung zwischen ÖRK und der UN.

Lesen Sie die Erklärung des Exekutivausschusses zu Nigeria

Lesen Sie die Erklärung des Exekutivausschusses zum Libanon

Lesen Sie das Memorandum des Exekutivausschusses zum kirchlichen Grundbesitz in Jerusalem

ÖRK Presseerklärung zur Hagia Sophia 24. Juli