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Es ist nicht leicht, nach Bossey zu kommen, sagen Studierende, aber sie gehen nach ihrem Studium als „Familie“ und mit der Erkenntnis, dass „christliche Einheit gelebt werden kann“

Es ist nicht leicht, nach Bossey zu kommen, sagen Studierende, aber sie gehen nach ihrem Studium als „Familie“ und mit der Erkenntnis, dass „christliche Einheit gelebt werden kann“

Quantisha Mason, Studentin in Bossey, gibt ihren Segen nach einem Dankgebet in der Kapelle von Bossey. Alle Fotos: Albin Hillert/ÖRK

30. Januar 2020

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 31. Januar 2020

Von Peter Kenny

Die Studierenden, die in dem von Bergen umsäumten Ort Bossey am Ufer des Genfer Sees ihr Examen machen, haben zugegeben, dass ihnen die Entscheidung zu einem Studium am Ökumenischen Institut des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) nicht leicht gefallen sei, aber dass sie das Institut später als eine Familie und mit dem Beweis verlassen hätten, dass „christliche Einheit gelebt werden kann.“

Auf der Abschlussfeier am 28. Januar, auf der die Studierenden ihr Zusatzdiplom in ökumenischen Studien entgegennahmen, hielt der römisch-orthodoxe Student Alin-Christian Ivaniciuc eine Rede vor seinem Studienjahrgang 2019–2020.

„Die Entscheidung für ein Studium in Bossey war nicht einfach. Seien wir ehrlich, dieser weit abgelegene Ort mitten im Wald erscheint zunächst fremd.

Aber durch den Dialog, durch das gemeinsame Lernen und bei gemeinsamen Mahlzeiten haben wir mit Ihrer Hilfe gelernt, Ihnen und uns zu vertrauen – Sie haben uns gezeigt, dass christliche Einheit gelebt werden kann“, sagte Ivaniciuc im Namen seiner Klasse.

„Jeder Tag war eine Übung in ökumenischer Theologie im Vorlesungsraum, im Aufenthaltsraum und in der Kapelle.“

„Äußerst diverse Gruppe“

An der Feier nahmen Mitglieder der Kirchen aus den nahe gelegenen örtlichen Gemeinschaften und Unterstützende der christlichen Einheit sowie leitendes Personal des ÖRK teil.

Pater Dr. Lawrence Iwuamadi, Dekan des Ökumenischen Instituts, erklärte: „Seit ich 2012 zu dieser Fakultät gekommen bin, ist dieser Studienjahrgang 2019–2020 die vielfältigste Gruppe, die ich hier erlebt habe – 32 Studierende aus 23 Kirchen und 19 Ländern mit der fast gleichen Zahl Frauen und Männer.“

Nachdem über einen langen Zeitraum die Studierenden überwiegend aus dem globalen Süden gekommen seien, so Iwuamadi, gebe es nun verstärkt auch wieder Teilnehmende aus Europa und den Vereinigten Staaten.

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Die 32 Studierenden, die das akademische Jahr 2019–2020 im September 2019 begonnen haben, stammen aus 19 Ländern. Dazu gehören China, Georgien, Indien, Indonesien, Italien, Kenia, Korea,  Kuba, Madagaskar, Nigeria, Rumänien, Serbien, Sierra Leone, Sri Lanka, Schweden, die Schweiz, Thailand, die Ukraine und die Vereinigten Staaten von Amerika.

„Die tiefere Bedeutung dessen, was in Bossey geschehen ist, erschließt sich Ihnen erst, wenn Sie Bossey wieder verlassen haben. Denken Sie daran, die Ökumene ist eine Lebensweise. Die Ökumene ist Realität ... Ich habe keinen Zweifel daran, dass Sie über all das verfügen, was Sie für die Arbeit für eine bessere Welt und für die sichtbare Einheit der Kirchen brauchen. Jetzt, da Sie Bossey verlassen, bitten wir Sie inständig darum, Botschafter der Liebe und der Einheit zu sein“, sagte Iwuamadi.

„Bleiben Sie bescheiden“

Während seiner Predigt in der Kapelle, die sich auf den Brief des Paulus an die Epheser (4,1-8) und die „Einheit in Christus“ bezog, forderte der bisherige Professor für ökumenische Missiologie, Dr. Benjamin Simon, die Studierenden nachdrücklich auf, sich der Privilegien eines Aufenthalts in Bossey bewusst zu sein, dabei aber bescheiden zu bleiben.

„Glauben Sie nicht, Sie hätten die Antworten, glauben Sie nicht, Sie seien anderen überlegen ... Bleiben Sie bescheiden und zeigen Sie Respekt für andere Menschen und besonders für diejenigen, die eine andere Meinung als Sie haben. Gott hat uns nicht einheitlich geschaffen.“

Den Studierenden aus unterschiedlichen christlichen Traditionen, darunter Anhänger der orthodoxen Kirchen, der Pfingstkirche, der protestantischen und der römisch-katholischen Kirche, gab der ÖRK-Generalsekretär Pastor Dr. Olav Fykse Tveit mit auf den Weg: „Ich glaube, jetzt ist die Zeit gekommen, dass die Welt Menschen braucht, die einen Glauben haben.

Wir haben nicht nur einen Glauben, der auf der historischen, von Jesus Christus begründeten Tradition beruht. Wir haben auch einen Glauben, der zukunftsgewandt ist, und wir erwarten, darin Jesus Christus zu begegnen. Was auf uns zukommt, mag viele von uns ängstigen.

Aber wer wird den Glauben bewahren und Jesus als Herrn erkennen? Sie sind diejenigen, die den Glauben bewahren werden.  Deshalb setzen Sie Ihren Weg fort. Hier ist der Ort, an dem Sie Ihren Glauben gestärkt haben und wo Sie im Glauben vorangehen können.“

Zum Ökumenischen Institut kommen Studierende und Forschende aus aller Welt, die sich in Bossey akademischen Studien widmen, dort auch wohnen und sich im Rahmen ihrer Studien der ökumenischen Theologie, der Missiologie, der Sozialethik und der ökumenischen Hermeneutik mit wichtigen Fragen der ökumenischen Bewegung und der Welt befassen.

Professor Ioan Sauca ist der stellvertretende Generalsekretär des ÖRK und Direktor des Instituts, dessen Diplome von der Universität Genf anerkannt werden. Sauca konnte feststellen, wie rigoros der Prozess ist, den die Studierenden in Bossey erleben.

Universität Genf

Der Dekan der theologischen Fakultät der Universität Genf, Prof. Dr. Ghislain Waterlot, leitete die Verleihung der Diplome und lobte das Institut in seiner Ansprache.

„Bossey ist einer der Orte par excellence, an denen sich dieses so dringend gebrauchte Liebeswerk Gottes manifestieren kann.

Das ist einer der Gründe, warum die theologische Fakultät der Universität Genf der Überzeugung ist, dass die enge Bindung der Fakultät an das Institut in Bossey von so unschätzbar hohem Wert ist.

Unsere Fakultät ist sehr glücklich über die Zusammenarbeit mit dem Institut und möchte sich mit Ihnen möglichst regelmäßig treffen, damit wir diese Verbindung in vollem Umfang nutzen können. Diese Zusammenarbeit ist keine Last und kein Zwang und nicht einmal eine Pflicht, sondern ein sich ewig erneuernder Quell der Freude“, sagte er

Ökumenisches Institut Bossey

Fotos der Abschlussfeier