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Kirche sollten ihre Stimme gegen den Klimawandel erheben

Kirche sollten ihre Stimme gegen den Klimawandel erheben

Pastor François Pihaatae von der Evangelischen Kirche von Maòhi auf der 57. CCIA-Tagung als Teilnehmer einer Sitzung über die Auswirkungen der Atomwaffentests im Pazifik. Foto: Ivars Kupcis/ÖRK

26. Februar 2020

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 27. Februar 2020

Die Pazifikinseln leiden nicht nur heute noch unter den dauerhaften Folgen der über einen Zeitraum von 50 Jahren durchgeführten Atomwaffentests, sondern sie sind auch die Region, in der die hochbrisanten Folgen des Klimawandels am schnellsten spürbar werden dürften. Dies erfuhr die Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten (CCIA) des Ökumenischen Rates der Kirchen auf ihrer Tagung diese Woche in Brisbane.

An der 57. CCIA-Tagung nahmen Sachverständige von ÖRK-Mitgliedskirchen teil und trafen sich dort mit australischen Kirchenleitenden und führenden Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen, die sich mit dem Klimawandel und den Folgen der Atomwaffentests im Pazifik befassen. Spotlight-Sitzungen während der Tagung behandelten Themen im Kontext des Klimanotfalls und die früheren Kernwaffenversuche in der Region Pazifik, aber auch die australischen Buschfeuer und deren Auswirkungen auf Mensch und Umwelt.

Nuklearwaffentests wirken sich auch auf Nachfolgegenerationen aus

Von 1946 bis 1996 wurden in der Pazifikregion 322 Atomwaffentests von den USA, Frankreich und dem VK durchgeführt. Diese Zahlen legte CCIA-Beauftragter Pastor François Pihaatae von der  Evangelischen Kirche von Maòhi in Französisch-Polynesien vor. Seit 1966 hat Frankreich allein 193 Atombomben auf dem Moruroa-Atoll und dem Fangataufa-Atoll in Französisch-Polynesien gezündet, und nach wissenschaftlichen Erkenntnissen wird der nukleare Fallout dort noch mehr als 300.000 Jahre messbar sein.

Die Auswirkungen auf die Gesundheit eines großen Teils der Inselbevölkerung sind verheerend und werden mehrere Generationen lang spürbar sein. In den Jahren nach den Atomwaffentests ist die Zahl der Krebserkrankungen um das Dreifache gestiegen. „Meine beiden Eltern hatten Krebs. Ich weiß nicht, inwiefern sich das auf meine eigene Gesundheit auswirken wird, aber am meisten mache ich mir Sorgen um meine Kinder und deren Zukunft“, sagte Pastor Pihaatae, der frühere Generalsekretär der Pazifischen Kirchenkonferenz.

Die Opfer von Atomwaffentests, so Pihaatae, müssten gehört, begleitet und geheilt werden, und schließlich sei auch endlich eine finanzielle Entschädigung zu zahlen. Er äußerte die Hoffnung, dass die globale und regionale Gemeinschaft der Kirchen die Opfer der Kernwaffenversuche im Pazifik weiter unterstützen und entsprechende Programme weiterführen werde.

Die von den USA, dem VK und Frankreich gezündeten Atombomben hatten nach Aussage von Prof. Matthew Bolton insgesamt die Sprengkraft von 9.010 Hiroshimabomben. Bolton lehrt an der Pace University (USA) und ist der Direktor des International Disarmament Institutes dieser Uni.

Die bei den Tests freigesetzte Strahlung wirkt sich auf Menschen unterschiedlich aus, aber die Folgen manifestieren sich bei allen Betroffenen – es gibt keine „sichere“ Strahlungsdosis. Frauen und Mädchen seien allerdings durch die Strahlung stärker gefährdet als Männer, so Bolton.

Atomwaffenversuche sollten ebenfalls als ein Übergriff auf die Souveränität der Nationen in der Pazifikregion gesehen werden – allzu oft wurden diese besonderen Tests mit hoher Geheimhaltungsstufe durchgeführt. Abgesehen davon, haben diese Versuche auch transnationale Folgen, denn der Fallout der Explosionen zieht um den gesamten Globus und betrifft somit auch weit entfernt liegende Länder.

Zu den wichtigsten Vorschlägen, wie die Kirchen helfen können, zählt Bolton mehr Unterstützung für den Atomwaffenverbotsvertrag im Pazifik und anderen Regionern, den Hinweis auf die aktuellen humanitären und ökologischen Probleme in der Region und eine stärkere Beteiligung der Überlebenden an der Nuklear-Diplomatie auf internationalen Foren, damit ihre Stimmen dort gehört werden.

Der Pazifik – eine durch den Klimawandel besonders gefährdete Region

Auf der CCIA-Spotlight-Sitzung zum Thema Klimanotfall gab Prof. Mark Howden, Direktor des Instituts für Klimawandel an der Australian National University, aktuelle Forschungsergebnisse zu den Auswirkungen des Klimawandels sowie der menschengemachten und natürlichen Beeinflussung der globalen Erwärmung bekannt.

Die globale Temperatur ist im Vergleich zum vorindustriellen Ausgangswert um 1,1°C gestiegen, über der Landmasse bereits um 1,5%. Die Durchschnittstemperaturen haben sich in signifikanter Weise erhöht, und eine Karte der Temperaturanomalien zeigt, dass „es keinen Ort auf der Welt gibt, der nicht davon betroffen ist, nicht einmal der Süd- und der Nordpol“, sagte Howden.

Suva, Fidschi, Januar 2020. Der Anstieg des Meeresspiegels ist eine der Gefahren des Klimawandels mit Folgen für die Nationen in der Pazifikregion. Foto: Marcelo Schneider/ÖRK

In den vergangenen 30 Jahren konnte eine Verdoppelung der Zahl der marinen Hitzewellen beobachtet werden, und der Anstieg des Meeresspiegels erfolgt schneller als erwartet mit potenziell besonders schwerwiegenden Folgen für die Pazifikregion. Inzwischen, so erklärte Howden, würden bei normaler Flut alle paar Tage Wasserstände erreicht, wie sie es sonst nur einmal in 100 Jahren gebe. Damit steige auch das Risiko extrem steigender Meeresspiegel. Zu anderen auf den Klimawandel zurückzuführenden Gefahren gehören Dürrekatastrophen, Waldbrände, Stürme und Trinkwasserverknappung. Der Pazifik befindet sich im Zentrum dieser Gefahrszenarien.

Der Klimawandel beschleunigt sich, und die damit verbundenen Folgen werden zunehmend zu einer Gefahr. Allerdings halten hier weder die Maßnahmen zur Emissionsminderung noch die Anpassungsmaßnahmen Schritt. „Allerdings wird der Veränderungsdruck immer stärker, und das kann neue Chance eröffnen, wenn wir zusammenarbeiten“, sagte Howden abschließend.

Rauch ist lebensgefährlicher als Feuer

Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen dem Klimawandel und Buschfeuern. Darauf hat Prof. David Bowman, Direktor des Fire Centre Research Hub der Universität von Tasmanien hingewiesen.  Bowman untersucht die Buschfeuer in Tasmanien und Australien seit vielen Jahren und ist davon überzeugt, dass die an der Ostküste Australiens wütenden Brände eine bisher nicht erreichte Dimension angenommen haben.

Bowman ist Professor für Pyrogeographie und Brandschutz und wies darauf hin, dass die Rauchbelastung und die Emissionen von Buschfeuern eine Energiemenge freigesetzt hätten, die mit der Explosion einer Atombombe vergleichbar sei. Die emittierten Rauchgase steigen bis in die Stratosphäre auf und können dort rund um die Erde ziehen. Auch von den Bränden weit entfernte Gebiete sind durch die Rauchpartikel belastet.

Nach den analysierten Daten sind alle größeren Städte Australiens und die Hälfte der Bevölkerung von der Rauchverschmutzung betroffen. Wie sich dies auf die Gesundheit der Menschen auswirkt, wird noch im Detail untersucht. „Der Rauch bringt mehr Menschen um als die Buschfeuer“, sagte Bowman.

Zwar leugneten viele Menschen immer noch die Folgen des Klimawandels, aber die Rolle der Kirche sei es, die Wahrheit zu sagen, so Pastor Dr. Stephen Robinson, für die Unionskirche in Australien als nationaler Beauftragter für Katastrophenhilfe im Einsatz.

Die Stimme der Kirche hörbar machen

Eine fehlgeleitete Theologie sei der Grund, so Bischof George Browning, warum viele Kirchen und Menschen christlichen Glaubens nicht auf den Klimawandel reagierten. Browning war früher Vorsitzender des Umweltnetzwerks der Anglikanischen Kirche.

Eine fragwürdige Theologie, wirtschaftliche Interessen und die Politik führten dazu, dass der Klimawandel geleugnet werde. „Wir müssen die Wissenschaft stärken und bei der Politik Lobbyarbeit leisten“, ermutigte Browning die Kirchen.

Die Kosten für die durch Buschfeuer entstandenen Schäden, so Browning, seien deutlich höher als für Investitionen in Maßnahmen zur Abschwächung des Klimawandels, die die Regierung hätte tätigen müssen. Die vergangenen zehn Jahre sind ohne nennenswerte Klimaschutzmaßnahmen der australischen Regierung vergangen, und viele Menschen in Australien sehen dies inzwischen kritisch.

Schaue man sich die pazifischen Inseln und andere Regionen der Welt an, die vom Klimawandel am stärksten betroffen seien, so Browning, so sei die Erkenntnis schmerzhaft, dass das eigene Land zu den Verursachern gehöre. „Ich hatte ein wunderbares Leben, aber meine Enkelkinder werden nicht die Fülle der Erfahrungen machen können, die mir vergönnt waren. Ich hasse den Gedanken, dass meine Enkelkinder einst sagen werden – ihr hattet eine Stimme, aber ihr habt geschwiegen."

„Wenn wir diese Entwicklung nicht ernst nehmen“, so sagte Browning abschließend, „verliert alles andere an Bedeutung.“

 

CCIA-Tagung in Brisbane setzt Prioritäten für die Region Pazifik (ÖRK-Pressemitteilung vom 19. Februar 2020)

Bischof Philip Huggins: Wir können der Herausforderung des Klimanotstandes erfolgreich begegnen (ÖRK-Pressemitteilung vom 21. Februar 2020) (auf EN).

Fotos der 57. CCIA-Tagung in Brisbane, Australien

Weitere Informationen über die ÖRK-Kommission der Kirchen für internationale Angelegenheiten