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Alison Judd: „Wir müssen den Willen haben, uns zu wehren“

Alison Judd: „Wir müssen den Willen haben, uns zu wehren“

Foto: WFMUCW

10. Oktober 2019

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 11. Oktober 2019

Unsere Gespräche mit Botschafterinnen und Botschaftern der Donnerstags in Schwarz-Bewegung stellt Personen vor, die eine wichtige Rolle bei der wirkungsvolleren Durchsetzung unserer Forderung nach einer Welt ohne Vergewaltigung und Gewalt wahrnehmen.

Alison Judd ist Vorsitzende des Weltbundes Methodistischer Frauen.

 

Warum ist Donnerstags in Schwarz so wichtig für Sie?

A. Judd: Ich erinnere mich daran, dass ich 2006 zum ersten Mal an der Weltversammlung des Weltbundes teilgenommen habe. Am Donnerstagmorgen kam ich in den großen Speisesaal und sah dort Hunderte von Frauen aus zahlreichen Ländern, und alle trugen Schwarz. Es war atemberaubend. Ich erkannte schnell, dass in dieser Kampagne eine Menge Kraft steckte, dass sie inspirierend und gut dazu geeignet war, etwas zur Aufklärung über die Geißel  geschlechtsspezifischer Gewalt beizutragen.

Was bedeutet es für Sie, eine „Botschafterin“ für Donnerstags in Schwarz zu sein?

A. Judd: Eigentlich trage ich überhaupt nicht gerne Schwarz, aber jeden Donnerstagmorgen denke ich an ein wunderschönes kleines Mädchen, das ich in Harare in Simbabwe getroffen habe. Damals hatten wir uns in einer großen Menschenmenge inmitten des Harare Sports Stadiums versammelt, es war laut, und über die Stadionlautsprecher wurden Musik und Ansagen übertragen. Aber dieses kleine Mädchen (ich nenne sie hier Anna) zog an meiner Kleidung und bestand darauf, dass sie mir etwas Wichtiges mitzuteilen habe. Ich konnte kaum hören, was sie mir sagte, aber sie wiederholte es so lange, bis ich sie verstanden hatte. Sie sagte, dass sie vom Weltbund Methodistischer Frauen verlange, dass er die Gewalt gegen Frauen stoppen solle.

Für mich ist das Tragen schwarzer Kleidung an Donnerstagen nur eine kleine Geste, um meine Solidarität mit den Frauen und Mädchen zu zeigen, die sich gegen geschlechtsspezifische Gewalt zur Wehr setzen, ob zu Hause oder am Arbeitsplatz, in den Gemeinschaften oder eingesetzt als Kriegswaffe. Schwarze Kleidung zu tragen, ist aber erst der Anfang. Als „Botschafterin“ muss ich mit anderen Personen Gespräche suchen und mich auch mit denjenigen auseinandersetzen, die Gewalt billigen oder entschuldigen.

Wie geht der Weltbund Methodistischer Frauen mit dem Thema geschlechtsspezifische Gewalt um?

A. Judd: Frauen des Weltbundes unterstützen diese Kampagne seit den 1980er Jahren. Viele tragen Buttons und mit entsprechenden Motiven bedruckte T-Shirts, auf denen die Botschaft der Bewegung Donnerstags in Schwarz in der jeweiligen Landessprache zu lesen ist. Hunderte von ihnen sind schweigend durch die Straßen von Städten in Brasilien, Liberia und anderen Ländern gezogen, um auf ihre Kampagne aufmerksam zu machen. Sie nutzen die Chance, Männer in Gruppen anzusprechen und mit ihnen über Geschlechtergleichstellung zu diskutieren und ihnen klarzumachen, dass Gewalt gegen Frauen ein völlig inakzeptables Verhalten ist. Frauen erzählen ihre Geschichten auf Seminaren und berichten über ihre Erfahrungen, wie sie gewalttätiges Verhalten überlebt haben. Sie bringen sich Selbstverteidigungstechniken bei und helfen sich gegenseitig dabei, ihr Potenzial als führende  „Influencerinnen“ in ihren Gemeinschaften zu erkennen und zu nutzen.

Jedes Jahr veröffentlicht der Weltbund Studien- und Andachtsmaterial zu einem anderen Thema. Dieses Jahr befassen sich die Studienmaterialien mit dem nachhaltigen Entwicklungsziel 5, der Geschlechtergleichstellung.  Hier liegt der Schwerpunkt besonders auf zwei Unterzielen der UN-Ziele für 2030:

• Alle Formen von Gewalt gegen alle Frauen und Mädchen im öffentlichen und im privaten Bereich einschließlich des Menschenhandels und sexueller und anderer Formen der Ausbeutung beseitigen.

• Alle schädlichen Praktiken wie Kinderheirat, Frühverheiratung und Zwangsheirat sowie die Genitalverstümmelung bei Frauen und Mädchen beseitigen.

Diese Materialien stehen hier auf unserer Website zum Download bereit und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt, damit Frauen in möglichst vielen Ländern sie für sich selbst benutzen können, sei es für persönliche Studienzwecke oder für Gruppenveranstaltungen.

Inwiefern glauben Sie, dass Donnerstags in Schwarz etwas für Ihre eigenen aktuellen Initiativen bewirken kann?

A. Judd: Jede neue Initiative gibt uns neue Energien für Aktionen. Der „Wasserfall der Solidarität und des Widerstandes” des Ökumenischen Rates der Kirchen ist eine neue und kreative Idee, die von den Frauen des Weltbundes aufgegriffen wird. Ich hoffe, dass viele Menschen mit ihren Botschaften und Bildern einen Beitrag zu diesem Wandbehang leisten werden. Sobald es fertig ist und ausgestellt wird, dürfte er einen weiteren wichtigen Beitrag zur Aufklärung über das Problem geschlechtsspezifischer Gewalt leisten.

Welche weitere Initiative soll von anderen Akteuren kommen, die als „nächster Schritt“ über das Tragen schwarzer Kleidung an Donnerstagen hinausgeht?

A. Judd: Ich möchte uns allen die Erkenntnis nahebringen, dass es nicht ausreicht, an einem Tag in der Woche Schwarz zu tragen. Wir müssen die Realität von Vergewaltigung und Gewalt in unseren Gemeinschaften zu einem Thema machen und diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die diese Gewaltakte begehen. Sie müssen verstehen, dass ihre Taten nicht akzeptabel sind.

Reden Sie mit den jungen Männern in ihren Familien und überzeugen Sie sie gegebenenfalls davon, dass jede Form von Gewalt gegen Frauen und Mädchen nicht toleriert werden kann. Reden Sie mit Ihren Töchtern und ermutigen Sie sie, sich selbst zu schützen.

 

Wer an zusätzlichen Informationen über die Donnerstags in Schwarz-Botschafter interessiert ist, wende sich an media@wcc-coe.org.

 

Donnerstags in Schwarz

Botschafter für Donnerstags in Schwarz

Kirchenleitende als Botschafter der Kampagne Donnerstags in Schwarz (ÖRK-Pressemitteilung vom 5. September 2019) (auf EN)