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Deutscher Bundesinnenminister betont Rolle der Kirchen in der Antwort auf die Flüchtlingskrise

18. Januar 2016

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 18. Januar 2016

Den Kirchen in Europa käme im Umgang mit den ankommenden Flüchtlingen in Europa eine wesentliche Rolle zu, erklärte der deutsche Bundesminister des Innern auf einer Tagung von Regierungsvertreterinnen und -vertretern, UN-Organisationen, Kirchen, glaubensgestützten Gruppen und zivilgesellschaftlichen Organisationen in Genf.

„Die globale Flüchtlingskrise zu bewältigen ist nicht allein die Aufgabe der Regierungspolitikerinnen und -politiker“, sagte der deutsche Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière am 18. Januar, dem ersten Tag einer zweitägigen, hochrangigen Konferenz über die Flüchtlingskrise in Europa, in seiner Hauptrede.

Mehr als eine Million Menschen wagten im Laufe des letzten Jahres die gefährliche Reise auf dem Seeweg nach Europa, und über den Landweg kommen noch weitere hinzu. Die Mehrheit dieser Personen ist auf der Flucht vor Konflikten, Gewalt und Verfolgung, besonders in Syrien, Afghanistan und im Irak. Berichten zufolge haben mindestens 3700 Menschen während der Meeresüberquerung ihr Leben verloren.

Gleichzeitig liegt die Zahl der syrischen Flüchtlinge, die in Nachbarländer wie die Türkei, Libanon und Jordanien geflohen sind, bei Weitem höher als die Zahl derjenigen, die versucht haben, nach Europa zu gelangen.

„Die außergewöhnlichen politischen, gesellschaftlichen und humanitären Herausforderungen, die die Flüchtlingskrise mit sich gebracht hat, zeigen, dass die Regierungen, die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft, aber auch die Kirchen eine gemeinsame Verantwortung tragen“, sagte der evangelische Christ de Maizière in seiner Ansprache auf der Konferenz.

„Als Rückgrat der Zivilgesellschaft sind es oft die Kirchengemeinden, die helfen“, meinte er. „Doch es muss noch mehr getan werden."

Die Konferenz im Ökumenischen Zentrum in Genf wird vom Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) ausgerichtet, in Zusammenarbeit mit UNICEF, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, UNFPA, dem Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen, und dem Amt des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen, UNHCR.

Sie will Verpflichtungen zur Verstärkung koordinierter Antworten auf die Krise erreichen, einschließlich der Umsetzung von Migrations- und Integrationsmaßnahmen und der Schaffung geeigneter Mechanismen für geordnete und sichere Flüchtlingsbewegungen innerhalb Europas.

In einer umfassenden Ansprache erklärte de Maizière, es sei dringend, im Umgang mit den Flüchtlingen gemeinsame Lösungen innerhalb der Europäischen Union zu entwickeln und die „dysfunktionalen“ Asylverfahren der EU umzugestalten. Nur einige wenige EU-Mitgliedstaaten, darunter im Besonderen Deutschland, nähmen die überwiegende Mehrheit der in Europa ankommenden Flüchtlinge auf, sagte er, „während andere Mitgliedstaaten zuschauen“.

Gleichzeitig betonte de Maizière, die europäischen Länder verfügten nicht über unbegrenzte Ressourcen, um Flüchtlinge und Migrantinnen und Migranten aus anderen Teilen der Welt aufzunehmen, und er rief dringend zu koordinierten Maßnahmen zur Stärkung der Außengrenzen der Europäischen Union auf.

In einer Reaktion auf die Rede des Bundesinnenministers riet Erzbischöfin Antje Jackelén der Kirche von Schweden zur Vorsicht: Die Hauptbotschaft scheine zu werden, dass man die Flüchtlingsströme kontrollieren müsse. Sie sagte, dies könnte sich kontraproduktiv auf die öffentliche Meinung auswirken.

Sie warnte vor der Zunahme von Fremden- und Islamfeindlichkeit und erklärte, die Kirchen müssten „die Instrumentalisierung des christlichen Glaubens zur Rechtfertigung des Hasses gegenüber dem Islam“ bekämpfen.

Ziel der hochrangigen Tagung ist es, die Herausforderungen in den Herkunfts- und Transitländern, aber auch in den Ländern, in denen die Menschen um Aufnahme bitten und Zuflucht suchen, anzugehen.

ÖRK-Generalsekretär Pastor Olav Fykse Tveit begrüßte de Maizière im Ökumenischen Zentrum und betonte die Notwendigkeit eines politischen Friedensprozesses für Syrien und andere Länder, „denn sonst werden wir nie in der Lage sein, die Situationen, mit denen wir heute konfrontiert sind, zu lösen“.

Tveit beschrieb die Lage als Krise, nicht nur für die Flüchtlinge, die nach Europa gekommen sind, sondern auch im Hinblick auf die Art und Weise, wie Europa mit der Situation umgeht. „Wir könnten auch sagen: Es handelt sich um eine Herausforderung, die die Seele Europas herausfordert“, erklärte Tveit.

Arbeit des ÖRK zum Thema Migration und soziale Gerechtigkeit

Eine Video-Aufnahme der Rede des Bundesinnenministers und anderer Redebeiträge finden Sie im YouTube-Kanal des ÖRK.

Video-Livestream der Konferenz

Fotos der Konferenz und von Flüchtlingen in verschiedenen europäischen Ländern stehen zum kostenlosen Download bereit auf photos.oikoumene.org