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Ökumenisches Seminar für Leitung, Wirtschaft und Management schließt mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft

Ökumenisches Seminar für Leitung, Wirtschaft und Management schließt mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft

© Kalok Law/HKCC/WCC

08. September 2016

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 14. September 2016

„Als Professor für Wirtschaft und Wirtschaftsethik mit einem theologischen Hintergrund und als Dekan des Ökumenischen Seminars für Leitung, Wirtschaft und Management (GEM School) kann ich sagen, dass die pluralistische Wirtschaft – die als internationale Initiative von Studierenden neue Bekanntheit genießt – ein Versuch ist, die neoliberale monolithische Wirtschaft herauszufordern. Es ist an der Zeit, auf eine neue Art und Weise über die Wirtschaft nachzudenken“, sagte Prof. Martin Büscher, Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftswissenschaften und Wirtschafts- und Unternehmensethik am Institut für Diakoniewissenschaft und Diakoniemanagement an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal/Bethel (Deutschland) zum Abschluss des Seminars für Leitung, Wirtschaft und Management (Governance, Economics and Management, GEM), das vom 22. August bis 2. September in Hong Kong stattfand.

Auf Einladung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen (WGRK) vereinte das GEM-Seminar während eines zehntägigen Lernprozesses kirchliche Leitungspersonen sowie zukünftige Führungskräfte und Wirtschafts-Fachleute, und schloss mit der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auch wenn noch viel zu tun verbleibt, um die egozentrischen Wirtschaftsmodelle herauszufordern, wurde klar, dass es unerlässlich ist, jetzt die ersten Schritte zu machen.

„Wirtschaftswissenschaftler und Wirtschaftswissenschaftlerinnen sollten ihre überholten ethischen Grundsätze überdenken und Faktoren, die sie als ,externe Effekte‘ ansehen, wie Armut, Ungleichheit, Arbeitslosigkeit oder ökologische Verwüstung, in realistischer Weise berücksichtigen. Wesentliche Herausforderungen der Menschheit sind wirtschaftlicher Natur. Wirtschaftsexperten, die sich auf Eigeninteresse und neoliberale Berechnungsmodelle stützen, sollten ihren mächtigen Elfenbeinturm verlassen“, fügte Büscher hinzu.

Das ökumenische Seminar entstand aus einem gemeinsamen Projekt von glaubensgestützten Gruppen, die sich für eine neue internationale Finanz- und Wirtschaftsarchitektur (NIFEA) einsetzen. WGRK Exekutivsekretärin für Gerechtigkeit und Partnerschaft, Pastorin Dora Arce-Valentin, kommentierte den Beitrag des Seminars zu diesem Prozess: „Das GEM-Seminar ist eine der Prioritäten, die im Dokument Ökonomie des Lebens für alle: Ein ökumenischer Handlungsplan für eine neue internationale Wirtschafts- und Finanzarchitektur enthalten sind. Ziel des Seminars ist es, innerhalb der ökumenischen Bewegung wirtschaftliche Kompetenzen zu bilden, in einem damit verbundenen Geist, Gemeinschaften mit den nötigen Instrumenten auszurüsten, damit sie ihren Kontext verstehen und Alternativen suchen können.“

„Das ökumenische Seminar kann als einer der ökumenischen Wege zur Initiative einer neuen internationalen Finanz- und Wirtschaftsarchitektur beitragen, um die Mächte in der heutigen Welt gemeinsam herauszufordern. Wenn wir in der Lage sind, gemeinsam auf dem gleichen Weg voranzuschreiten, wird aus dem GEM-Seminar ein Netzwerk von ökumenischen Leitungspersönlichkeiten werden, die ihre Kirchen motivieren, das Potential von Fürsprache zu nutzen, um das gegenwärtige System zu verwerfen und Alternativen zu fördern. Weiter wird das Seminar auch eine wichtige Quelle von Projekten sein, die in anderen prioritären Bereichen auf sehr kreative und professionelle Weise einen Beitrag leisten können“, fügte Arce-Valentin hinzu.

Zum Abschluss der zehntägigen GEM School stellten die Teilnehmenden Projekte vor, die sie in den nächsten zwei bis drei Jahren umsetzen können. „Gestützt auf das vermittelte Wissen brachten die Studierenden Ideen ein, die zum Nachdenken anregen, und doch praktischer Natur sind“, sagte Athena Peralta, ÖRK-Programmreferentin für wirtschaftliche und ökologische Gerechtigkeit. „Zu den Zielen der Projekte gehören: Fördern einer theologischen Kreativität unter Kirchen und Christen, die dazu ermutigen wird, die NIFEA-Initiative umzusetzen, Reformieren der wirtschaftlichen Studienplänen protestantischer Universitäten nach christlichen Werten, Schaffen von alternativen Indikatoren, anhand derer die Würde des Lebens gemessen werden kann, sowie Überarbeiten der Corporate-Compliance anhand von sozialen und ökologischen Richtlinien.“

Abschließend bemerkte Büscher, dass diese Ideen und Projekte zur Herausforderung und Restrukturierung des gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftssystems nur ein Anfang seien. „Das GEM-Seminar steht für wirtschaftliche Befähigung und für Fürsprache für eine Ökonomie des Lebens. Es steht für Interdisziplinarität und schließlich für Auswirkungen in der Gesellschaft“.

Eine gerechte Finanz- und Wirtschaftsarchitektur ist möglich, sagen Studierende (ÖRK-Pressemitteilung vom 8. September 2016, in englischer Sprache)

Wir sind die Wirtschaft, versteh doch! (ÖRK-Pilgerweg-Blog, 1. September 2016, in englischer Sprache)

Was funkelt und glänzt, ist Ungerechtigkeit (ÖRK-Pilgerweg-Blog, 1. September 2016, in englischer Sprache)

Ökumenisches Seminar erörtert neue internationale Wirtschafts- und Finanzarchitektur (ÖRK-Pressemitteilung vom 19. August 2016)

Ökonomie des Lebens für alle: Ein ökumenischer Handlungsplan für eine neue internationale Finanz- und Wirtschaftsarchitektur (in englischer Sprache)

Arbeit des ÖRK zur Bewahrung der Schöpfung und Klimagerechtigkeit

Dies ist eine gemeinsame Mitteilung des Ökumenischen Rates der Kirchen und der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen.

Foto: © Kalok Law/HKCC/ÖRK