World Council of Churches

Eine weltweite Gemeinschaft von Kirchen auf der Suche nach Einheit, gemeinsamem Zeugnis und Dienst

Sie sind hier: Startseite / Pressezentrum / Nachrichten / ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung erarbeitet künftige Ausrichtungen

ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung erarbeitet künftige Ausrichtungen

ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung erarbeitet künftige Ausrichtungen

Teilnehmende an der Tagung der ÖRK-Kommission für Glauben und Kirchenverfassung im Caraiman-Kloster in Rumänien. © Rumänische Orthodoxe Kirche

25. Juni 2015

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 30. Juni 2015

Auf ihrer Tagung vom 17. bis 24 Juni nahm die neu zusammengestellte Kommission für Glauben und Kirchenverfassung des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) die Definition ihrer wichtigsten Linien für ökumenische Studien und gemeinsame Aktivitäten von 2015 bis zur nächsten Vollversammlung 2020 in Angriff.

Die 49-köpfige Kommission tagte im Caraiman-Kloster in Rumänien und beschloss, die künftige Arbeit auf die folgenden Bereiche auszurichten: Ergründung der theologischen Grundlagen des ÖRK-Programmschwerpunkts „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“, Weiterführung der Arbeit am Dialog und der Erforschung der gemeinsamen Basis der Kirchen in Bezug auf die christliche Doktrin der Kirche sowie Koordination von Konsultationen und Seminaren darüber, wie Kirchen den Prozess der „moralischen Urteilsbildung“ durchführen, wenn sie über handlungsbestimmende Richtlinien entscheiden im Zusammenhang mit Klimawandel, Sklaverei, Apartheid, menschlicher Sexualität und Fragen zu Leben und Tod.

Der Kommission sind auch langfristige Handlungen ein Anliegen, wie die Zusammenarbeit mit dem Päpstlichen Rat zur Förderung der Einheit der Christen der römisch-katholischen Kirche, indem beispielsweise die alljährliche Vorbereitung der Gebetswoche für die Einheit der Christen unterstützt wird und die gemeinsamen Tätigkeiten mit anderen ÖRK-Programmen und Partnerorganisationen im Zusammenhang mit interreligiösem Dialog und Zusammenarbeit gefördert werden. Die Kommission arbeitet auch mit dem Ökumenischen Aktionsbündnis von und für Menschen mit Behinderungen und dem Ökumenischen Bündnis indigener Völker.

Vorsitzende der Kommission ist die britische Theologin Pastorin Dr. Susan Durber der Vereinigten Reformierten Kirche des Vereinigten Königreichs. In Bemerkungen an der Schlusssitzung der Tagung sagte sie den Kommissionsmitgliedern: „Ich spüre, dass ein neuer Wind weht.“

Sie erinnerte die Kommission und die Mitarbeitenden daran, dass „die Kirche Gottes Schöpfung ist, und nicht unsere“, und sagte, die Sorge um religiöse Institutionen sei überflüssig: „Überwindung von Armut – das ist der Ort, wo die wirkliche Krise ist!“.

Im Bezug auf die wirtschaftliche und kulturelle Globalisierung des frühen 21. Jahrhunderts stellte Durber die Frage: „Welchen Beitrag kann die Einheit der Christen zu einer Welt leisten, die versucht, eine andere Art von Einheit zu auferlegen?“ Sie sprach dann diese Zusicherung aus: „Wir gehören zu denjenigen, die es sich leisten können, sich nicht zu sorgen, denn Christus hat bereits getan, was wir tun müssen“.

Pilgerweg in einer pluralistischen Welt

Eine Hauptaufgabe der Tagung war die Bildung von Arbeitsgruppen, um die von der Kommission gewählten Projekte zu überprüfen. Während diese Gruppen in zukünftigen Sitzungen genauere Einzelheiten festlegen werden, formte sich für die zweite Hälfte dieser Dekade bereits ein breites Bild der Anliegen der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung.

Die Arbeitsgruppe, die sich auf Themen rund um den „Pilgerweg der Gerechtigkeit und des Friedens“ konzentriert, hofft, den Diskurs über die theologischen Grundlagen des Pilgerns unterstützen zu können. Sie wird sich die Frage stellen, wie das Konzept und die Praxis des Pilgerns in einer multireligiösen, multikulturellen und säkularen Zeit gelebt werden kann, nicht zuletzt unter Minderheiten und unterdrückten Kirchen. Ein weiteres zu behandelndes Thema wurde als „Christliche Verantwortung und Hoffnung in einer gebrochenen Welt“ beschrieben. Neben den Themen Gerechtigkeit und Frieden könnte unter dieser Rubrik auch die Umweltkrise angegangen werden.

Die Kirche

In der christlichen Theologie wird das Studium der Doktrin der Kirche als „Ekklesiologie“ bezeichnet. In einer Reihe von Dokumenten der Kommission für Glauben und Kirchenverfassung sind Aspekte der Ekklesiologie und des ökumenischen Dialogs untersucht worden, wie zum Beispiel in den Veröffentlichungen „Taufe, Eucharistie und Amt“, „Wesen und Bestimmung der Kirche“, „Wesen und Auftrag der Kirche“ und „Die Kirche: Auf dem Weg zu einer gemeinsamen Vision“. In Bezug auf Fragen, die vom letztgenannten Dokument aufgeworfen wurden, treffen immer noch Antworten ein. Diese werden analysiert, wie auch der Verlauf der Herausforderungen und Vereinbarungen, die aus früheren Publikationen hervorgehen. Auch der Dialog unter weitgehend unterschiedlichen Kirchen wird fortgesetzt.

Moralische Urteilsbildung und die Quellen der christlichen sozialen Ethik

Es ist geplant, Konsultationen zu organisieren über die Frage, wie Kirchen moralische Entscheidungen fällen können. Dafür werden historische Beispiele von Veränderungen in der Stellung zu moralischen Fragen hinzugezogen. Unter den vorgeschlagenen Beispielen sind die Grundsätze der Kirchen zu Sklavrei, Apartheid, Abtreibung, Suizid, Euthanasie und die Ordination von Frauen zu geistlichen Ämtern.

Innerhalb der kommenden Woche werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Glauben und Kirchenverfassung in Genf Vorschläge für den Haushalt für das Rechnungsjahr 2016 unterbreiten. Empfohlene Projekte werden basierend auf den vom ÖRK und interessierten Partnern bereitgestellten Ressourcen weitergeführt.

Ein ökumenisches Erbe

Die Bewegung Glauben und Kirchenverfassung unter christlichen Kirchen, die in den frühen Jahren des 20. Jahrhunderts entstand, wurde 1927 an deren erster Weltkonferenz in Lausanne, Schweiz, auf einen globalen Umfang ausgeweitet. Dort erklärten die Delegierten aus verschiedenen christlichen Kirchen: „Gott will die Einheit“, und „Wie immer wir die Anfänge der Entzweiung rechtfertigen mögen, wir beklagen, dass sie weiterdauern“.

Der Ökumenische Rat der Kirchen entstand in der Folge des Zweiten Weltkriegs, weitgehend durch einen Zusammenschluss zwischen der theologisch orientierten Bewegung Glauben und Kirchenverfassung und der Bewegung Praktisches Christentum, deren Hauptanliegen die praktischen Mittel waren, anhand derer die Kirchen gemeinsam an sozialen Fragen arbeiten und sich Ungerechtigkeit widersetzen konnten.

Ursprünglich bestehend aus orthodoxen, anglikanischen und evangelischen Kirchen, hat Glauben und Kirchenverfassung ihre Arbeit als Kommission des ÖRK weitergeführt und umfasst heute auch Kirchen außerhalb der formalen Mitgliedschaft des Ökumenischen Rates der Kirchen. Die römisch-katholische Kirche wurde nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 1960er Jahren vollwertige Teilnehmerin und die Assemblies of God sind Kommissionsmitglieder.

Weitere Informationen über die Kommission für Glauben und Kirchenverfassung