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EHAIA, eine afrikanische Initiative reicht über Afrika hinaus

EHAIA, eine afrikanische Initiative reicht über Afrika hinaus

Teilnehmende der Mitarbeiterschulung von Brot für die Welt zu den Themen HIV, Geschlechtergerechtigkeit und häusliche Gewalt mit EHAIA am 26. Januar 2012. © Brot für die Welt/Nico Wald

07. März 2012

Von Astrid Berner-Rodoreda (*)

Die Ökumenische HIV und AIDS-Initiative in Afrika (EHAIA) hat kürzlich die seit 2002 erzielten Erfolge dokumentiert. Anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens, untersucht EHAIA, wie sich die „HIV-Kompetenz“ in den Kirchen entwickelt hat, d.h. ob sie gut über HIV informiert sind, HIV-positive Menschen mit offenen Armen empfangen und ob sie sich in Afrika und darüber hinaus im Kampf gegen HIV und AIDS engagieren.

Tausende Kirchenleitende wurden von den Mitarbeitenden der EHAIA geschult. Dank verschiedener von EHAIA unterstützter Initiativen haben allein in Zentralafrika zehn theologische Einrichtungen das Thema HIV in ihren Lehrplan aufgenommen. Eine Reihe von Büchern mit theologischen Einsichten zum Thema HIV und Gender wurden von EHAIA-Mitarbeitenden im Laufe der letzten zehn Jahre geschrieben und überall auf der Welt genutzt.

Dank innovativer Ansätze und engagierter Mitarbeiter konnte EHAIA die Tabus brechen und beginnen über Sexualität, die Beziehungen der Geschlechter und damit in Verbindung stehende Gewalt zu sprechen – auch ausserhalb der Kirche heikle Themen.

Dank kontextueller Bibelstudien als Hilfsmittel – zum Beispiel die Geschichte von Tamar (2.Samuel 13) – konnte EHAIA die verschiedenen Sichtweisen von Frauen und Männern zu Themen wie Vergewaltigung hervorheben und sie dann mit den Frauen und Männern in deren jeweiligem gesellschaftlichen Kontext diskutieren. EHAIA war zudem darauf bedacht, Männer nicht nur als „Übeltäter“ zu sehen, sondern geschützte Räume zu schaffen, in denen sich Männer austauschen können über die Vorbilder, mit denen sie aufgewachsen sind, ihre Beziehung zu ihren Vätern, ihr Leben und ihr Verhältnis zu Frauen.

EHAIA veranstaltet verschiedene Workshops zu Männlichkeit. Diese helfen, auch die Männer für eine zweckdienliche Antwort auf HIV an Bord zu holen. Dieser Arbeitsansatz hat über die Kirche hinaus Anwendung gefunden. So werden zum Beispiel als Teil der Initiative in Gefängnissen in Lesotho Schulungen zum Thema Männlichkeit angeboten, die den Männern helfen, ihr Verhalten zu ändern, indem ihnen geholfen wird, anders zu denken.

Von Afrika ausgehend breiten sich die Erfolge der Arbeit von EHAIA in die ganze Welt aus. Die Mitarbeitenden von EHAIA wurden in vielen Ländern eingeladen, über ihre

Erfahrungen und Sichtweisen zu berichten. Prof. Ezra Chitando, theologischer Berater von EHAIA, wurde zum Beispiel an die Universität von Oslo in Norwegen eingeladen, um dort einen Beitrag zum Thema Maskulinität zu präsentieren. Er traf mit Studierenden zusammen, die sich mit diesem Thema beschäftigten und mit EHAIA-Publikationen arbeiteten. Die Theologie-Lehrpläne von EHAIA zum Thema HIV wurden ausserdem in Indien und Jamaika eingeführt.

Während eines Seminars zu den Themen HIV, Geschlechtergerechtigkeit und häusliche Gewalt, das im Januar dieses Jahres von Brot für die Welt in Deutschland veranstaltet wurde, erläuterte EHAIA-Koordinator Pfr. Dr. Nyambura Njoroge in einer Präsentation über die Tamar-Kampagne EHAIAs Arbeitsansatz. Im Rahmen dieses Seminars analysierten rund 30 Teilnehmende biblische Texte und tauschten sich über die Auswirkungen von HIV in ihren Gemeinschaften aus. Ausserdem verpflichteten sie sich, anderen Organisationen und Netzwerken den Arbeitsansatz von EHAIA vorzustellen.


Bewusstsein für HIV stärken

Im Dezember vergangenen Jahres war Hendrew Lusey, Regionalkoordinator der EHAIA für Zentralafrika, auf Einaldung der Finnischen evangelisch-lutherischen Mission (FELM) Gastredner am Welt-Aids-Tag in Helsinki, Finnland.

Pfr. Dr. Charles Klagba, theologischer Berater von EHAIA, nahm an der Internationalen ökumenischen Friedenskonvokation im vergangenen Mai in Jamaika teil. Er sprach dort über geschlechtsspezifische Gewalt und die Antwort der Kirche darauf und griff zu diesem Zweck auf kontextuelle Bibelstudien zurück.

Im Rahmen der Konsultation wurden des Weiteren geschützte Räume geschaffen, an denen über Sexualität und HIV gesprochen werden konnte. Diese Foren wurden von einer Philippinerin geleitet, die EHAIA als „Inspirationsquelle für die Kirchen“ bezeichnete. In dem ersten Entwurf des ökumenischen Aufrufs zum gerechten Frieden wurden geschlechtsspezifische Gewalt und Sexualtität mit keinem Wort erwähnt. Aufgrund des Engagements dieser Gruppe, wurden diese Themen schliesslich doch noch in das Dokument aufgenommen.

Dr. Susan Parry, Regionalkoordinatorin der EHAIA für das südliche Afrika, war eingeladen worden, über ihre Erfahrungen in Indien und Myanmar zu berichten. Sie hatte dort mit Vertretern aus Laos, Kambodscha, Vietnam, von den Philippinen, aus Indonesien, Indien, Thailand und Bangladesch gearbeitet – Ländern, die vor einer sich immer stärker ausbreitenden HIV-Epidemie stehen.

Die Teilnehmenden aus Asien waren insbesondere an der ÖRK-Veröffentlichung „Beacons of Hope“ (Hoffnungträger) von Sue Parry interessiert. Teile des Buches wurden in acht Sprachen übersetzt. Die Asiatische Christliche Konferenz nutzte es als Grundlage für ihre eigene Publikation „Building HIV Competent Churches: Called to prophesy, reconcile and heal“.

Da die 10. ÖRK-Vollversammlung in Busan, Korea, 2013 immer näher rückt, hofft EHAIA, die Kirchen in Asien und der ganzen Welt animieren zu können, sich den Themen HIV, Gender und Sexualität kreativ und kompetent zu widmen. In Anbetracht der bereits erzielten Erfolge, hoffen die Mitarbeitenden und Partner von EHAIA, dass mehr Kirchen und religiöse wie säkulare Organisationen in der ganzen Welt EHAIAs Arbeitsansatz aufgreifen. EHAIA wird seinen Teil dazu beitragen, die Botschaft weiter zu verbreiten.

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(*) Astrid Berner-Rodoreda ist Beraterin für HIV/Aids bei „Brot für die Welt“ und Vorsitzende der Internationalen Referenzgruppe von EHAIA.

Weitere Informationen zu EHAIA

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