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Ökumenische Solidarität: „Das Teilen ist das, was uns zu Christen macht“

Ökumenische Solidarität: „Das Teilen ist das, was uns zu Christen macht“

Ausschuss-Mitglieder diskutieren über ihr Verständnis von ökumenischer Solidarität. © ÖRK/Peter Williams

07. Juli 2014

Deutsche Fassung veröffentlicht am: 09. Juli 2014

Pater Rex R. B. Reyes, Jr. erinnert sich lebhaft an den – wie er ihn nennt –„schicksalshaften Morgen des 8. November“ 2013.

Während seiner Teilnahme an der 10. Vollversammlung des Ökumenischen Rats der Kirchen (ÖRK) in der Republik Korea erfuhr Reyes, dass Super-Taifun Haiyan in seiner Heimat auf Land getroffen war und das Leben von mehr als 25 Millionen Menschen in den Philippinen bedrohte. Zusammen mit tausenden anderen Teilnehmenden an der Vollversammlung betete Reyes, der Mitglied des ÖRK-Zentralausschusses und der Bischöflichen Kirche auf den Philippinen ist, für die von dem Taifun betroffenen Menschen.

„Wir baten Gott um Gnade für die Philippinen“, sagte er. Laut Reyes war dies ein Zeichen ökumenischer Solidarität. „Es war egal, wer diese Menschen waren. Das einzige, was zählte, war, dass sie litten und ein Abbild Christi waren. Ich kann Ihnen versichern, dass Ihr Gebet und Ihre Unterstützung dankbare Herzen erreichten.“

Während einer Diskussion im Rahmen der ÖRK-Zentralausschusstagung am Montag sprachen Reyes und andere Mitglieder des ÖRK-Leitungsgremiums über das sich verändernde Gesicht ökumenischer Solidarität, sowohl in finanzieller Hinsicht als auch in Bezug auf die Einstellung der Menschen. Margarita Nelyubova, ein Mitglied des Zentralausschusses und Vertreterin der Russischen Orthodoxen Kirche (Patriarchat von Moskau), stimmte Reyes zu, dass das ökumenische Teilen von Ressourcen Vertrauen und Solidarität einschließe.

Sie erinnerte sich an das Jahr 2001, als die Russische Orthodoxe Kirche ein Programm ins Leben rufen wollte, um Menschen mit HIV und AIDS zu helfen. „Zu jener Zeit gab es für diesen Bereich keine Spezialisten in der Kirche“, erzählte sie, „und es war sehr schwierig, finanzielle Unterstützung zu bekommen, weil das Programm stark stigmatisiert war.“ Kritiker des Programms fragten: „Was kann die Kirche schon gegen AIDS machen, außer über die Sünde zu predigen?“ Nelyubova und andere baten ein ökumenisches Hilfswerk um Hilfe, das sich ihrer Aussage nach „sehr stark dafür einsetzte, uns zu helfen, die Herausforderungen zu meistern.“

Heute, sagte sie, sei „das AIDS-Programm unserer Kirche ein Erfolg“.

Die Definition ökumenischer Solidarität erweitern

Bei ihrer Vorstellung der Referentinnen und Referenten sprach Pastorin Gloria Ulloa Alvarado, ÖRK-Präsidentin für die Karibik und Lateinamerika, darüber, wie das „Teilen von Ressourcen“ unter Kirchen in den letzten Jahrzehnten gesehen wurde.

„Das Teilen von Ressourcen ist für die ökumenische Bewegung seit mehr als 30 Jahren von großem Interesse und ein wichtiges Anliegen für sie“, sagte Alvarado, die Mitglied der Presbyterianischen Kirche von Kolumbien ist. „Die ökumenische Bewegung hat auch versucht, unser Verständnis von Ressourcen dahingehend weiterzuentwickeln, dass sie mehr nur als finanzielle Mittel verstanden werden.“

Dennoch lassen sich die finanziellen Aspekte ökumenischen Teilens schlichtweg nicht ignorieren, sagte Roel Aalbersberg, Vertreter des ICCO und Kerk in Actie, zwei kirchliche Organisationen, die ihren Hauptsitz in den Niederlanden haben und eng zusammenarbeiten.

„Ökumenisches Teilen ist das, was wir zu tun versuchen, wenn wir mit unseren Partnern gegen Armut und Ungerechtigkeit kämpfen. Wir müssen über Macht sprechen, insbesondere wenn es um Ressourcen im Sinne von Geld geht.“

Die „runden Tische“ des ÖRK – bei denen ÖRK-Mitgliedskirchen mit anderen Akteuren zusammenkommen, um sich über ihre jeweiligen Sichtweisen zu bestimmten Themen auszutauschen – hätten sich als erfolgreiche Struktur zur Förderung aller Arten ökumenischen Teilens erwiesen, fügte Aalbersberg hinzu.

Die Teilnehmenden an runden Tischen auf der ganzen Welt denken darüber nach, wie sie in der Fürsprachearbeit am besten zusammenarbeiten und sich ergänzen können. „Ein runder Tisch hat keine Ecken“, sagte er. „Es gibt keine Hierarchie. Das vom ÖRK 1984 eingeführte Konzept der runden Tische ist weit verbreitet. Es hat zu beachtlichen Ergebnissen geführt.“

Weitere Informationen über die ÖRK-Zentralausschusstagung

Fotos in hoher Auflösung: photos.oikoumene.org